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Da strahlt das Baby


ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern - epaper ⋅ Ausgabe 4/2009 vom 08.04.2010

Babys Gesichtspfl ege ist einfach: Mit Wasser waschen reicht. Die ersten Zähnchen verlangen allerdings konsequente Pfl ege.


Artikelbild für den Artikel "Da strahlt das Baby" aus der Ausgabe 4/2009 von ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: A.Jakuscheit/M.Wägele

So viel wie nötig , so wenig wie möglich – auf diese Formel lässt sich die Gesichtspfl ege für Babys reduzieren. Das Gesichtchen mit klarem Wasser und Waschlappen zu reinigen, kann nicht schaden. Danach braucht das Kleine noch nicht einmal eine Creme. Wenn die Nase läuft oder Ohrenschmalz austritt, reicht es, die Sekrete äußerlich zu entfernen. Verklebte Augenwinkel sind bei Babys keine Seltenheit und meist kein Zeichen für eine Erkrankung. Auch hier gilt: ...

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So viel wie nötig , so wenig wie möglich – auf diese Formel lässt sich die Gesichtspfl ege für Babys reduzieren. Das Gesichtchen mit klarem Wasser und Waschlappen zu reinigen, kann nicht schaden. Danach braucht das Kleine noch nicht einmal eine Creme. Wenn die Nase läuft oder Ohrenschmalz austritt, reicht es, die Sekrete äußerlich zu entfernen. Verklebte Augenwinkel sind bei Babys keine Seltenheit und meist kein Zeichen für eine Erkrankung. Auch hier gilt: vorsichtig abwaschen. Als Allheilmittel empfehlen Hebammen Muttermilch. Sie wirkt – auch äußerlich aufgetragen – beruhigend und entzündungshemmend. Man kann gerötete Nasen oder Augen also getrost mit ein wenig Muttermilch betupfen.

Dass Babys in den ersten 14 Lebenstagen etwas fl eckig aussehen und Pickelchen im Gesicht haben, ist ebenfalls normal. Schließlich muss sich die Haut erst mal auf die neue Lebensumgebung einstellen. Die Pickel entstehen durch mütterliche Hormone. Diese Hautveränderungen verschwinden von ganz allein, ohne dass man daran herumdoktert und mit Salben hantiert.

Die Nase reinigt sich selbst

Wenn das Baby niest, machen sich Eltern Sorgen: Hat das Kleine trotz aller Vorsicht etwa doch einen Schnupfen erwischt? Doch meist besteht kein Grund zur Beunruhigung: Babys niesen ganz einfach, um ihre Nase zu säubern. Im Mutterleib war die Nasenschleimhaut durch das Fruchtwasser geschützt. Jetzt, wo das Kind auf der Welt ist, kitzeln trockene Luft und Staub die empfi ndliche Schleimhaut. Kein Wunder, dass das Kleine schnieft. So lange die Nase läuft, ist das ein Indiz dafür, dass der Selbstreinigungsmechanismus des Näschens funktioniert. Es reicht, wenn Eltern die Nase von außen säubern. Auf keinen Fall sollte man mit einem Wattestäbchen in der Babynase bohren, die Verletzungsgefahr ist viel zu groß. Allenfalls mit einem eng zusammengedrehten Papiertaschentuch kann man ganz vorsichtig den vorderen Bereich des Naseninneren säubern. Wirklich gereinigt werden muss die Nase aber nur dann, wenn das Baby beim Atmen behindert ist.

Ganz sanft sauber: Gesicht, Nase und Ohren des Babys wischt man am besten nur mit einem fusselfreien Wattebausch ab, der mit lauwarmem Wasser getränkt wurde.


Fotos: amw-photography.de

Gegen verstopfte Nasen darf man beim Baby niemals ätherische Öle wie Menthol oder Kampfer einsetzen. Sie können Krämpfe auslösen. Auch abschwellende Na sentropfen sollten nur im allerhöchsten Notfall eingesetzt werden. Für Babys verträglich ist hingegen Meersalzlösung, die mit einer Pipette vorsichtig ins Nasenloch geträufelt wird. Sie sorgt dafür, dass die Nasenschleimhaut wieder befeuchtet wird. Manche Mütter schwören auch auf einen Tropfen Muttermilch. In der Apotheke oder im Drogeriemarkt kann man spezielle Nasensauger kaufen, mit denen man das Sekret aus Babys Nase entfernen kann. Allerdings sind die meisten Babys von dieser Prozedur nicht sehr angetan.

Das Ohr vom kleinen Mann

Mittlerweile steht es auf jeder Wattestäbchenpackung: Nicht in den Gehörgang einführen. Wer mit Wattestäbchen in Babys Ohren hantiert, riskiert Verletzungen des hauchdünnen Trommelfells. Und statt Ohrenschmalz zu entfernen, schiebt man mit dem Ohrenstäbchen den Pfropfen nur immer tiefer in den Gehörgang hinein. Unter Umständen muss er dann vom Arzt beseitigt werden, denn er kann zu Entzündungen und Ekzemen im Gehörgang führen. Auch die speziell für die Babypfl ege gedachten dicken Wattestäbchen sind nicht dazu da, innerhalb der Ohren zu reinigen; sie eignen sich aber, um nach dem Waschen die Windungen der Ohrmuschel zu trocknen.

Das Innere des Ohres reinigt sich von ganz allein. Ohrenschmalz ist außerdem kein Schmutz, sondern bildet im Gehörgang eine natürliche Bar riere gegen Bakterien. Ist Ohrenschmalz ausgetreten, sollte man es nur äußerlich entfernen, am besten mit einem wasser- oder ölgetränkten Wattebausch. Machen Sie die Watte aber nicht zu nass, damit kein Wasser ins Ohr läuft. Wichtig: Auch die Hautfältchen hinter dem Ohr müssen gepfl egt und vor allem immer gut abgetrocknet werden, denn hier werden Babys schnell wund. Ist das Malheur passiert, trägt man ein wenig Wundcreme auf die schorfi gen Stellen auf.

Babys Augen sind empfindlich

In den ersten drei Lebensmonaten kommt es häufi g vor, dass die Augen tränen. Da die Tränenwege noch nicht vollständig geöffnet sind, kann die Flüssigkeit nicht abfl ießen. Eingetrocknete Tränenfl üssigkeit an den Lidern und in den Augenwinkeln wird am besten mit einem feuchten Mulltupfer etwas aufgeweicht. Dann wischt man das Auge behutsam von den Augenwinkeln zur Nase hin ab. Am besten tränkt man das Mullläppchen mit lauwarmem, abgekochtem Wasser. Damit keine Krankheitserreger vom einen ins andere Auge übertragen werden, benutzt man für jedes Auge ein frisches Tuch.

Bei Neugeborenen sind die Augen noch sehr empfi ndlich und entzünden sich leicht. Gelbe Sekrete in den Augenwinkeln, die gleich nach der Geburt auftreten, sind meist harmlos. Wenn sich die Augen jedoch erst einige Tage nach der Geburt entzünden, handelt es sich oft um eine Bindehautentzündung, die man vom Arzt behandeln lassen sollte.

Linderung bringt ein Sud, den man aus getrockneten Ringelblumen kocht. Man gibt ihn lauwarm auf ein Wattepad und wischt damit die verklebten Augen von außen nach innen ab. Für jede Seite nimmt man ein frisches Pad. Den Sud kann man zwei oder drei Tage lang in einem verschlossenen Marmeladenglas im Kühlschrank aufbewahren. Getrocknete Rin gelblumen gibt es in der Apotheke.

Sabbern strapaziert die Gesichtshaut

Schon im Mutterleib werden die Zähnchen des Kindes angelegt. Nach der Geburt ent wickelt sich nur noch die Zahnkrone, also das, was vom Zahn sichtbar ist. Die meisten Kinder bekommen ihren ersten Zahn im Alter von sechs bis acht Monaten. Späteres Zahnen ist aber kein Grund zur Sorge oder gar ein Hinweis auf Entwicklungsstörungen.

Bei den wenigsten Kindern geht das Zahnen ganz problemlos über die Bühne. Wenn sie Schmerzen haben, stopfen die Kleinen oft die Finger in den Mund, und sie sabbern viel. Das strapaziert die Haut rund um den Mund und die Wangen. Man sollte den Speichel immer wieder abtupfen und Mund, Kinn und Wangen ab und zu eincremen.

In dieser Reihenfolge kommen die Zähnchen

In der Regel brechen die unteren Schneidezähne(1) zuerst durch, dann folgen die oberen. Später kommen die jeweils rechten und linken Nachbarn der vorderen Schneidezähne(2) und die ersten Backenzähne(3) . Etwa um den zweiten Geburtstag herum lassen sich die Eckzähne(4) blicken. Dann fehlen dem Milchgebiss nur noch die letzten Backenzähne(5) .

Zahn um Zahn

Sobald die erste Zahnspitze den Durchbruch geschafft hat, beginnt das Pfl egeprogramm. Denn nur so lange die Zähne im Zahnfl eisch verborgen sind, werden sie geschützt. Zwar haben Neugeborene noch keine Kariesbakterien im Mund, aber dieser Idealzustand ändert sich schnell: Wenn Mama den Schnuller sauber leckt oder Papa mit Babys Löffel den Brei vorkostet, werden Kariesbakterien vom Erwachsenen auf das Kind übertragen. Selbst wenn die Eltern sich sehr in Acht nehmen, fi nden Bakterien früher oder später den Weg – schließlich nehmen Kleinkinder alles in den Mund. Einmal präsent, lassen sich die Bakterien nicht mehr entfernen, höchstens eindämmen.

Los geht’s: Sobald der erste Milchzahn da ist, ist konsequente Zahnpfl ege angesagt.


Karies entsteht, wenn Bakterien den Zucker aus Speiseresten in Säuren um wandeln. Diese entziehen dem Zahnschmelz Mineralien wie Kalzium. Passiert dies häufi ger und über längere Zeit, kann der Speichel den Mineralienverlust an der Zahnoberfl äche nicht mehr ausgleichen. Es kommt zu kleinen Defekten, die wiederum von Kariesbakterien befallen werden. Immer größere Zerstörungen sind die Folge.

Milchzähne brauchen Pflege

Früher dachte man, die Pfl ege der Milchzähne sei nicht so wichtig, weil sie ab einem Alter von etwa sechs Jahren sowieso ausfallen. Doch das stimmt nicht: Die Milchzähne müssen sauber gehalten werden, denn sie sind Platzhalter für die bleibenden Zähne. Muss ein kaputter Milchzahn gezogen werden, wächst der nachfolgende Zahn unter Umständen falsch heraus. Zudem kann ein kariöses Milchgebiss auch die bleibenden Zähne anstecken.

Mit der Zahnpfl ege kann man also gar nicht früh genug beginnen. Schließlich ist ein zahnloses Lächeln nur bei Babys schön, später sollen die Beißerchen blitzen. Schon den ersten Milchzahn sollte man putzen, am besten nimmt man das Kind auf den Schoß und poliert den Zahn mit einem sauberen, angefeuchteten Taschentuch. Sind schon mehrere Zähne da, sollte mit einer speziellen Babyzahnbürste geputzt werden. Die Zahnbürste sollte gut in der Hand liegen, einen kleinen, abgerundeten Kopf und weiche Borsten haben. Eine solche Zahnbürste eignet sich zum Putzen der ersten Zähne auf jeden Fall besser als die hin und wieder empfohlenen Wattestäbchen. Denn die sind nicht stabil genug, um den Belag zu entfernen.

Früh übt sich

Zahnärzte empfehlen, die Kleinen spielerisch mit der Mundhygiene vertraut zu machen. Man kann dem Baby ruhig eine Zahnbürste geben, auf der es herumkauen kann – richtig putzen sollte man dann allerdings mit einer anderen. Wenn der Sprössling die Mundhygiene nicht mag, hilft oft Ablenkung: Musik vorspielen, Bilder zeigen, knuddeln oder versuchen, die Zahnpfl ege während des Wickelns zu erledigen.

Ist das Kind schon etwas größer, macht es ihm Spaß, die Putzzeit mit einer Eieruhr zu timen. Ab etwa zwei Jahren können Kinder auch schon allein schrubben. Allerdings reicht ihre Feinmotorik noch nicht aus, um wirklich effektiv zu putzen. Das schaffen die meisten erst mit etwa sechs Jahren. Deshalb ist es wichtig, dass die Eltern bei den Kleinen immer noch einmal gründlich nachputzen – natürlich nicht, ohne die eigenen Bemühungen des Filius in den höchsten Tönen zu loben. Davon abgesehen, sollte man das Putzen und elterliche Nachputzen als größte Selbstverständlichkeit behandeln und kein großes Drama daraus machen. Es gehört einfach zu den täglichen Ritualen dazu, genau so wie den Schlafanzug anziehen und Gute-Nacht-Geschichten lesen. Übrigens: Elektrische Zahnbürsten eignen sich noch nicht für ganz kleine Kinder. Ihre Köpfe sind zu groß und Kinder können noch nicht richtig mit den Elektrischen umgehen.

Hilfe beim Zahnen

Zahnende Babys sind oft quengelig, schlafen schlecht, manche bekommen Fieber, kurz bevor der Zahn durchbricht. Unterschiedliche Mittel versprechen Hilfe beim Zahnen, aber nicht alle sind empfehlenswert und manche sogar gefährlich:
• Veilchenwurzeln aus der Apotheke sind eine natürliche und unbedenkliche Beißhilfe. Sie sind fest und haben einen angenehmen Geruch und Geschmack, der sich aber mit der Zeit verliert. Damit sich keine Bakterien festsetzen, sollten sie regelmäßig kurz in kochendes Wasser gehalten werden.

Foto: A.Jakuscheit


• Kamille- oder Salbeilösungen haben leicht desinfizierende Wirkung. Einige Tropfen in lauwarmes, abgekochtes Wasser geben und mit einem Wattestäbchen auf die geröteten Stellen im Mund auftragen.
• Manchmal wird empfohlen, das zahnende Kind auf Apfelstücken oder Möhren herumkauen zu lassen – hier ist äußerste Vorsicht geboten, das Baby könnte ein größeres Stück abbeißen und daran ersticken. Das Gleiche gilt für die manchmal empfohlenen Brotrinden.
• Dass Bernsteinketten wirken, ist wissenschaftlich nicht erwiesen – ihr Nutzen beruht allein auf dem Glauben oder den Erfahrungen geplagter Eltern. Ketten sind für Babys gefährlich. Sie können sich damit strangulieren oder die Perlen verschlucken, wenn die Kette reißt.
• Ob homöopathische Mittel wirken, muss man aus probieren. Für Zahnungsbeschwerden sind die zuckerfreienOsanit Kügelchen und dieEscatitona Zahnungstropfen im Angebot. Auch dieViburcol N Zäpfchen , ausgelobt für Unruhezustände, werden oft eingesetzt, wenn das Kind zahnt. Alle Mittel enthalten unter anderem Kamillenauszüge in verdünnter Form. Doch Vorsicht: In denEscatitona Zahnungstropfen stecken 21 Volumenprozent Alkohol – das ist für Babys zu viel.
• Tinkturen wieDentinox sollten nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden. Bei einem Test von Zahnungshilfen fand ÖKO-TEST viele bedenkliche Inhaltsstoffe, zum Beispiel Alkohol und allergisierende Substanzen. Zum Glück lässt die Popularität dieser Mittelchen nach und es gibt immer weniger Produkte aus diesem Bereich.
• Ob Beißringe zu empfehlen sind, hängt vom Modell ab. Einige sind nicht zu beanstanden, andere enthalten nach ÖKO-TEST-Untersuchungen krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe oder Substanzen, die das Hormonsystem beeinflussen. Beißringe zum Kühlen sollte man nie ins Tiefkühlfach legen, sie werden dort viel zu kalt.

Für saubere Beißer: Auch wenn der Spröss ling seine Zähne begeistert selber schrubbt, sollten Eltern nachputzen.


Fotos: irisblende.de

Schutz vor Karies

Neben der regelmäßigen Zahnpfl ege sind Fluoride wichtig, um die Zähne wirkungsvoll vor Karies zu schützen. Sie lagern sich in die Schmelzschicht ein, der Zahn ist dann weniger anfällig für karies - aus lösende Säureattacken. Au ßerdem fördern Fluoride die Wiedereinlagerung von Mineralien aus dem Speichel in den Zahnschmelz.

Den Streit, ob Fluoride besser über Tabletten oder über Zahnpasta zugeführt werden sollten, haben Kinder- und Zahnärzte mit der gemeinsamen Leitlinie „Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe“ beigelegt, zumindest auf dem Papier. Daraus konkrete Empfehlungen für Kleinkinder abzuleiten, ist allerdings nicht möglich, denn Altersangaben enthält die Leitlinie nicht.

Da Fluorid vor allem lokal – also direkt am Zahn – wirkt, raten Zahnärzte dazu, schon bei kleinen Kindern fl uoridierte Kinderzahnpasten zu verwenden. Diese Pasten sind niedriger dosiert als Zahncremes für Erwachsene. Sie enthalten 0,05 Prozent Fluorid, Zahnpasta für Erwachsene oft die dreifache Dosis. Eine erbsengroße Menge Zahncreme reicht für kleine Kinder, denn sie können noch nicht richtig ausspucken und verschlucken einen Teil der Zahnpasta. Nehmen die Kinder zu viel Fluorid auf, kann es zur Bildung von weißen Schmelzfl ecken an den Zähnen kommen. Die Zähne von Kindern unter zwei Jahren sollten einmal pro Tag mit fl uoridierter Kinderzahnpasta geputzt werden, ältere Kinder putzen zweimal.

Im Gegensatz zu den Zahnärzten raten Kinderärzte zur Einnahme von Fluortabletten, und zwar schon bevor die ersten Zähne durchbrechen. Allerdings gibt es keine randomisierte (die Probanden werden per Zufall zwei alternativen Behandlungsmethoden zugeteilt) kontrollierte Studie, die die Wirksamkeit der Tabletten zur Kariesprophylaxe belegt. Trotzdem gilt: Wenn die Zähne des Kindes nicht regelmäßig geputzt werden, sind Fluortabletten sicherlich besser als nichts. Ob die Präparate Sinn machen, sollteman mit seinem Kinderarzt besprechen. Um eine Überdosierung zu vermeiden, sollte man allerdings bedenken, dass manchmal auch Trinkwasser und Speisesalz bereits mit Fluor angereichert sind.

Zahnkiller im Mund: Dauernuckeln, vor allem von zuckerhaltigen Getränken, verursacht Karies.


Foto: irisblende.de

Dauernuckeln schadet

Zum Schutz vor Karies ist die richtige Ernährung mindestens genauso wichtig wie die Vorbeugung mit Fluoriden. Vor allem das stundenlange Nuckeln an Flaschen oder Trinklerntassen bereitet den Zahnärzten Sorgen. Immer noch gibt es Hersteller, die auf Zucker im Säuglings- und Kindertee nicht verzichten – ein Blick auf die Deklaration gibt Auskunft. Nicht nur Kristallzucker (Saccharose) kann Karies verursachen. Auch bei Maltodextrinen, Glucose (Traubenzucker), Fructose (Fruchtzucker) und Honig ist Vorsicht angesagt.

Das gilt auch für andere Getränke. Wenn ein Kind ständig Saft nuckelt, kann der Fruchtzucker den Zahnschmelz löcherig machen. Aber auch das Dauernuckeln an Babyfl aschen mit Wasser schadet den Zähnen: Die ständige Flüssigkeitszufuhr verdünnt den Speichel, der die Zähne wieder mineralisiert. Einen ähnlichen Effekt hat es, wenn die Kinder ständig etwas essen.

In vielen Säften, Instanttees und Limonaden steckt noch ein weiterer Zahnkiller: Zitronen säure, auch unter dem Be griff E 330 deklariert. Durch den Zusatzstoff, der für einen spritzigen, säuerlichen Geschmack sorgen soll, wird der Zahnschmelz aufgeweicht und Karies begünstigt.

Kompakt

Keine Angst vorm Zahnarzt

Sobald das Milchgebiss komplett ist, steht der erste Besuch beim Zahnarzt an. Ob das Kind Angst vor dem Zahnarzt entwickelt, können Eltern beeinflussen:
• Nie mit dem Zahnarzt drohen, wenn Ihr Kind mal nicht Zähne putzen will. Sonst wird er schnell zum Buhmann.
• Eine gute Vorbereitung sind Bilderbücher, die sich mit dem Zahnarztbesuch beschäftigen.
• Mit dem Kind Zahnarzt spielen: Es darf bei Ihnen in den Mund schauen und Sie dürfen seine Zähne in Ruhe betrachten.
• Das Kind mitnehmen, wenn Sie zu einer problemlosen Behandlung müssen. So lernt es die Arbeit des Zahnarztes kennen.

Foto: image source


• Sind Sie selbst aufgeregt oder gar ängstlich, überträgt sich das auch auf den Nachwuchs.
• Sollte das Kind trotzdem Angst haben, kann Vater oder Mutter das Kind auf den Schoß nehmen oder die Hand halten.
• Kinder mit viel Karies, extremer Angst oder Behinderungen sind bei speziellen Kinderzahnärzten besser aufgehoben. Wo es welche gibt, steht unter
www.kinderzahnaerzte.de

Schnullerzeit reduzieren

Saugen ist ein Naturinstinkt, wissen Psychologen. Kein Wunder, dass Babys und Kleinkinder an ihrem Schnulli hängen – oder am Daumen. Zahnärzten ist das aber gar nicht recht, denn sie haben regelmäßig mit Zahnfehlstellungen und Kieferproblemen zu tun, die sie auf das Nuckeln an Schnuller oder Daumen zurückführen.

Grund zur Panik ist das Nuckeln der Kleinen aber nicht, so lange es nicht zur Dauergewohnheit wird. Nicht bei jedem Quengeln sollte man den Latexpfropfen anbieten, sondern zum Beispiel nur zum Einschlafen – und ihn fl ugs entfernen, wenn der Sprössling friedlich eingeschlummert ist. Experten halten das Daumenlutschen sogar für schlimmer als den Schnuller. Ers tens hat man den Daumen immer griffbereit und zweitens ist er nicht kiefergerecht geformt.

Beim Schnuller sollte man darauf achten, dass er nicht zu groß ist und dass der Schaft möglichst dünn und gewinkelt ist, darauf weist die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpfl ege in Hessen hin. Ab dem zweiten Lebensjahr sollte man dem Kind das Schnullernuckeln abgewöhnen.

Früherkennung beim Zahnarzt

Kaum sind die Zähne alle da, ist schon ein Besuch beim Zahnarzt fällig. Zwischen dem 30. und 42. Lebensmonat, wenn das Milchgebiss komplett ist, liegt die erste Früherkennungsuntersuchung an. Eine zweite folgt zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr. Bei diesen Terminen schätzt der Zahnarzt das Kariesrisiko ein, gibt Empfehlungen zur Mundhygiene und Fluoridierung. Nach dem sechsten Geburtstag sollten die Kinder zweimal im Jahr zur Kontrolle gehen.