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Definition, Ursachen und Folgen: Den Klimawandel verstehen


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 28.12.2020

Das Klima ändert sich. Und wir dürfen nicht aufhören, darüber zu reden. Dieses Mal haben wir uns grundlegende Fragen zu diesem Thema gestellt und darüber mit der Meteorologin Prof. Dr. Daniela Jacob gesprochen. Die Direktorin des Climate Service Center Germany erklärt uns im Interview, was es mit dem Klimawandel auf sich hat und ob er noch zu stoppen ist.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 1/2021

Frau Jacob, wir reden alle vom Klimawandel. Was versteht man darunter eigentlich?
Klima ist quasi das Wetter über einen langen Zeitraum betrachtet. Das Wetter ändert sich ständig über kurze Zeiträume. Wenn man aber beobachtet, wie sich das Wetter über ...

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... einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren entwickelt, spricht man von Klima. Vergleicht man Wetterdaten aus verschiedenen 30-Jahres-perioden und stellt dabei anhaltende Änderungen fest, sagt man nicht, dass Wetter hat sich geändert, sondern das Klima hat sich geändert. An der Lufttemperatur, die in zwei Meter über dem Boden gemessen wird, lässt sich der Klimawandel am leichtesten beobachten. Wenn man sich die mittlere Lufttemperatur über den gesamten Globus über einen längeren Zeitraum anschaut, sieht man, dass sich die Temperatur global um rund ein Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erhöht hat.


Prof. Dr. Daniela Jacob ist Mitglied des „Mission Board Adaptation to Climate Change including Societal Transformation” der Europäischen Kommission.


Was ist die Hauptursache für die Erderwärmung?
Auch wenn natürliche Faktoren wie etwa die Sonneneinstrahlung oder Vulkanausbrüche das Klima beeinflussen: Der größte Teil der globalen Erwärmung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte wurde nach heutigem Wissensstand durch den Anstieg von menschenverursachten Treibhausgasen in der Atmosphäre hervorgerufen. In der Lufthülle kommen Treibhausgase natürlicherweise vor, sie verringern den Anteil der in den Weltraum abgegebenen Wärmestrahlung. Seit der Industrialisierung ist der Anteil dieser Treibhausgase aber stark gestiegen. Und damit einhergegangen ist auch die bereits messbare globale Erwärmung. Mit Computersimulationen, die sowohl die Temperatur vor der Industrialisierung als auch die Temperatur unter den aktuellen Treibhausgaskonzentrationen berechnen können, lässt sich das nachvollziehen: Da kann man sehen, dass es ohne menschenverursachte Treibhausgasemissionen keine Erhöhung der Temperatur um ein Grad geben würde.

Bei der Klimakonferenz 2015 in Paris hat sich die internationale Gemeinschaft darauf verständigt, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad, mindestens aber unter 2 Grad zu begrenzen. Warum ausgerechnet 1,5 bzw. 2 Grad?
Man geht davon aus, dass sich so besonders katastrophale Entwicklungen verhindern lassen. Mit Computermodellen lässt sich das Klimasystem der Erde simulieren und Wenn-Dann-Szenarien entwickeln. Wenn wir so weitermachen wie bisher, erwärmt sich die Erde deutlich über 2 Grad. Die globale Erwärmung könnte dann bis zum Jahrhundertende auf 4 bis 6 Grad steigen, in einigen Regionen sogar bis zu 8 Grad. Die Klimasimulationen zeigen auch, welche Folgen eine Erwärmung über 2 Grad haben könnte. Es käme zu großen Steppen und Dürreregionen, Landeismassen würden verstärkt schmelzen, der Meeresspiegel entsprechend steigen und Küstenregionen und Inseln untergehen. In manchen Regionen der Welt würden die Veränderungen so stark werden, dass es einige Ökosysteme und auch menschliche Systeme wahrscheinlich nicht überleben können. Wenn wir hingegen ein Klimaschutzszenario simulieren, dann würden wir die 2 Grad einhalten. Noch besser wären 1,5 Grad. Es gäbe zwar mehr Extremwetter-Ereignisse wie Starkregen und Hurrikane, aber im Prinzip wäre es bei 1,5 Grad in vielen Regionen der Erde ungefähr wie heute. Zwar wahrscheinlich mit mehr extremen Wetterereignissen, aber damit, vermutet man, könnte man umgehen.


Sie war eine der koordinierenden Leitautoren des Sonderberichts des Weltklimarates (IPCC) über die Auswirkungen der globalen Erwärmung von 1,5 Grad und eine der führenden Autoren des fünften IPCC-Sachstandsberichts.


Ist das 2-Grad-Ziel, das sich die Staaten auf die Fahnen geschrieben haben, mit den derzeitigen Klimaschutzbemühungen zu schaffen?
Um das zu erreichen, müssen die Treibhausgasemissionen stark sinken. 2018 lagen die weltweiten CO2-Emissionen bei rund 42 Gigatonnen. Um die Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad zu bremsen, müssten die weltweiten Emissionen bis 2050 um 90-95 % gesenkt sowie die dann noch existierenden Emissionen wieder aus der Atmosphäre herausgezogen werden („Netto Null“). Für das 2-Grad-Ziel müssten sie ebenfalls beträchtlich und schnell fallen und zwischen 2070 und 2080 „Netto Null“ erreichen. Die freiwilligen Reduktionsziele und Zusagen der Staaten, die 2019 in Madrid gemacht wurden, werden hierfür nicht ausreichen. Wir Wissenschaftler hoffen nun, dass auf dem nächsten UN-Klimagipfel die Mitgliedstaaten des Pariser Abkommens schärfere Klimaziele und Maßnahmen festlegen. Die EU hat mittlerweile ein ambitioniertes Ziel: Bis 2050 will sie CO2- neutral werden. Und immer mehr Staaten auch außerhalb Europas entwickeln mögliche Wege dorthin. Wenn sich viele Staaten beteiligen, haben wir eine Chance, die Erwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen.

Was müsste konkret geschehen, um das zu erreichen?
Wir müssen weg von fossilen Brennstoffen wie Kohle und Öl. Überall dort, wo wir Energie erzeugen oder nutzen, müssen wir zum einen sehr energieeffizient werden, zum anderen dafür sorgen, dass wir deutlich weniger Energie benötigen - und dass das was wir brauchen, aus erneuerbaren Quellen kommt. Dazu müssen wir alle Bereiche und Lebensprozesse überprüfen. Und dann kommen wir nicht umhin, Techniken anzuwenden und zu entwickeln, um CO2 aus der Atmosphäre zu ziehen. Das macht aber nur einen Teil aus; der Rest muss aus verschiedenen Bereichen des Lebens kommen. Ich glaube, dass wir mit weniger Energieverbrauch und mehr Energieeffizienz genauso gut leben können.

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