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Der große OFF ROAD-Winterreifen-Test: Kontakt-Frage


Off Road Testjahrbuch - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 12.03.2019

In Deutschland müssen Winterreifen wahre Alleskönner sein: Schnee und Eis zu beherrschen, sind für den besten Pneu in der kalten Jahreszeit nur Teildisziplinen. Auch nasse Fahrbahnverhältnisse sind in unseren Breiten an der Tagesordnung. Wir testen die neusten Kandidaten in der Dimension 235/60 R18 und versuchen die Wollmilchsau zu finden.


Die Testkandidaten

Artikelbild für den Artikel "Der große OFF ROAD-Winterreifen-Test: Kontakt-Frage" aus der Ausgabe 1/2019 von Off Road Testjahrbuch. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Off Road Testjahrbuch, Ausgabe 1/2019

Aus dem Stand geht es bis Tempo 50, die zwischen 5 und 40 km/h verstrichene Zeit fließt in die Wertung ein.


Schnee satt: Bei Testworld in Ivalo finden wir perfekte Bedingungen vor.


Aus Tempo 50 machen wir eine Vollbremsung. Der kürzes te Bremsweg von 40 ...

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... auf 5 km/h gewinnt.


Es sind ein paar Winter ins Land gezogen seit unserem letzten Test, geben wir ja zu. Nun sind wir endlich wieder, passend zum heranstürmenden Herbst, mit einem brandaktuellen Test von sechs frischen Profilen zurück. Logistik und Einkauf haben wir selbst übernommen auf handelsüblichem Wege, um an normale Serienreifen zu kommen und somit faire und gerechte Bedingungen in unserem Test zu kreieren. Der Winterteil wurde auf einem markenungebundenen Gelände der „Testworld” in Finnland durchgeführt und der Sommerteil auf dem ÖAMTC-Rundkurs am Wach-auring. Alles nicht ganz unkompliziert, aber für die Sicherheit in der kalten Jahreszeit genau der richtige Aufwand, den wir wieder regelmäßig betreiben wollen, um eine objektive Übersicht über die neuste Entwicklung auf dem Winterreifen-Sektor wiederzugeben. Man kann und muss an vielem sparen dieser Tage, aber nicht an der eigenen Sicherheit auf Schnee, Eis und regennasser Fahrbahn.

UNSERE KANDIDATEN

Für den großen Winterreifen-Test stellen sich die sechs Profile in der beliebten Größe 235/60 R18 verschiedenen Herausforderungen, die ein mitteleuropäischer Winter mit sich bringen kann – Eis und Schnee, gefolgt von nassem und tro ckenem Untergrund. Es treten in den Eisring: Dunlop mit seinem neuen Winter Sport 5, Goodyear mit dem Ultragrip Performance SUV, Pirelli mit dem aktuellen Scorpion Winter und Nokian mit dem brandneuen WR SUV 4. Dazu gesellen sich zwei Herausforderer: Kumho mit dem ebenfalls neu entwickelten Wintercraft WS71 und GT Radial mit seinem Champiro Winterpro HP auf den Felgen. Zuerst geht es für die Kontrahen-ten in den hohen Norden nach Lappland. Auf dem Testworld-Gelände werden die Eigenschaften und das Verhalten auf Eis und Schnee überprüft. Traktion und Bremswerte werden genauso wie Fahreindrücke auf speziell präparierten Kursen ermittelt. Testfahrzeug ist ein Volvo XC60 mit D4-Turbodiesel und 190 PS, Allradantrieb und Automatik. Wir beginnen bei frischen Minusgraden mit den Traktions-und Bremstests. Hierzu wird unser Testfahrzeug aus dem Stand auf Tempo 50 beschleunigt und zum sofortigen Halt gebracht. Für jeden Reifensatz ist diese Übung, um ein valides Ergebnis zu erzielen, zehnmal durchzuführen, mit zwischenzeitlicher Referenzwertkontrolle. Nur so können wir äußere Einflüsse ausschließen. Nach 100 Beschleunigungen und Bremsungen fühlt man dann am Abend, was Mensch und Maschine geleistet haben.

Aus 30 km/h bremsen wir den XC 60 bis zum Stillstand. Gemessen wird hier die Distanz zwischen 25 und 5 km/h.


RAD AN RAD AUF SCHNEE

Die Beschleunigung erledigen alle Kandidaten ohne signifikante Ausreißer, alle liegen im Bereich von zwei Zehntelsekunden. Auch die Bremsungen auf Schnee lassen einen spannenden Kampf auf Augenhöhe erwarten, differieren die Resultate doch nur um maximal 1,1 Meter. Von früheren Tests wissen wir: Dem war nicht immer so. Der neue Nokian beweist, dass er sich auf weißem Belag aber durchaus pudelwohl fühlt. Im 1,5 Kilometer langen Handlingkurs müssen die Pneus zeigen, wie sie sich in einer Alltagssituation schlagen. Hier fällt uns der Pirelli positiv auf, der den Fahrer äußerst präzise durch die Kurven bringt und ihn jederzeit durch unhektisches, ja angenehmes Trommeln über seinen Grenzbereich informiert. Der Nokian WR SUV 4 ist nicht ganz so informativ, besticht aber durch ausgezeichnetes, fast sportliches Handling auf Schnee. Die Konkurrenz schlägt sich auf Augenhöhe, Dunlop und Goodyear könnten ein wenig besser über den Grenzbereich Auskunft geben. Auf Eis dann eine faustdicke Überraschung: Der GT Radial bietet die besten Bremsund Beschleunigungswerte der sechs Kandidaten. Die Abstände sind auch auf Eis relativ gering und auch im Handlingkurs fällt kein Reifen besonders negativ auf dem rutschigen Untergrund auf. Der Pirelli überzeugt nach wie vor durch seine vorzügliche Kommunikation mit dem Piloten, auch wenn er etwas schneller als einige Konkurrenten in den Grenzbereich vorstößt. Die gute Info und seine Präzision können als Sicherheitsfeatures gelobt werden. Nokian und GT Radial gehen als Sieger auf Schnee und Eis aus dem Ausflug in den Norden hervor. Den positiven Grundeindruck von allen Kandidaten nehmen wir gerne mit zurück in die Heimat. Unter Laborbedingungen testen wir noch das Verhalten der Reifen auf Schneematsch – bei uns der häufigste und in Sachen Gefahr wohl auch der am meisten unterschätzte Untergrund. Während Aquaplaning bei Geschwindigkeiten um die 80 km/h für Unruhe sorgt, verlieren Reifen auf Schneematsch weit unter 30 km/h die Haftung. Auch hier kann der GT Radial mit einer ausgezeichneten Wasserverdrängung punkten. Der Kumho kommt nicht ganz mit der Konkurrenz mit, obwohl er im Sommerteil die Wertung beim Aquaplaning deutlich für sich entscheidet.


„Die Beschleunigungen erledigen alle Kandi daten ohne signifikante Ausreißer.


Auf der spiegelglatten Eisfläche beschleunigen wir aus dem Stand auf Tempo 30. Je kürzer die Zeit, desto mehr Grip kann der Reifen aufbauen.


Auf Schneematsch verlieren die Reifen schon bei geringen Geschwindigkeiten die Haftung. Eine Gefahr, die man nicht unterschätzen sollte.


Spiegelglatt: Nach jeder Testrunde wird das Eis für den nächsten Satz Reifen frisch präpariert. So ist Chancengleichheit gewährleistet.


„Nokian und GT Radial gehen als Sieger auf Schnee und Eis aus den Tests hervor.


Auf einer bewässerten Teststrecke überprüfen wir, bei welcher Geschwindigkeit der Reifen den Bodenkontakt verliert und das sogenannte Aquaplaning beginnt.


Messkoffer: Hier speichern wir die Daten jeder einzelnen Bremsung ab.


Beim Bremsen auf nasser Strecke messen wir den Weg, den unser Volvo von 80 bis 5 km/h zurücklegt.


WINTERSOMMER

Für viele bedeutet ein deutscher Winter eine kalte und nasse Fahrbahn, nicht überall in der Republik schneit es täglich. Ein guter Allrounder sollte auf nasser wie auf trockener Fahrbahn durch seine Fahrleistung und Sicherheit überzeugen. Für diesen Zweck begeben wir uns an den Wachauring in Österreich auf die Trainingsstrecke des ÖAMTC. Hier können wir unter laborähnlichen Bedingungen eine identische nasse Oberfläche erzeugen und unsere Tests optimal durchführen. Wie schon im Norden beginnen wir mit dem bei Schulter und Fahrer gleichermaßen beliebten Bremsen und Beschleunigen. Der griffige Untergrund fördert nun deutlichere Unterschiede zu Tage. Hier zeigen Dunlop und Goodyear ihr Können, sie setzen auf Nässe ein klares Zeichen und stehen 1 - 1,5 Meter vor der Konkurrenz. Da kann der GT Radial nicht ganz mithalten und bildet das erste Negativbeispiel mit seinem langen Bremsweg. Auf trockenem Untergrund setzt sich der Pirelli Scorpion durch. Der Nokian WR SUV 4 mischt im Gegensatz zu früheren Tests auf der schneefreien Straße auch vorne mit und kann auf trockener Fahrbahn sogar die Spezialisten von Dunlop und Goodyear hinter sich lassen. Im Handlingkurs bietet sich auf Nässe ein ähnliches Bild wie vorher bei den objektiven Werten ermittelt.

Auch auf trockenem Untergrund messen wir den zwischen 80 und 5 km/h zurückgelegten Weg aus.


Das Abrollgeräusch der Reifen bestimmen wir bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h.


Routine: Nach jeder Messung heißt es Reifenwechsel am Volvo.


PRÄZISION

Goodyear und Dunlop lassen sich präzise und unaufgeregt über den Ring treiben. Nicht weit weg sind Pirelli und Nokian. Der Eisspezialist von GT Radial übersteuert massiv, muss mit wesentlich geringerer Geschwindigkeit bewegt werden und fordert hohe Konzentration. Pirelli setzt den guten EIndruck in der Kommunikation mit dem Fahrer auch auf Nässe fort und informiert schön über das Erreichen des Grenzbereiches, ähnlich wie auf Schnee und Eis, lässt aber nicht die Geschwindigkeiten von Dunlop und Goodyear zu. Obwohl sich alle sportlich und präzise handeln lassen. Auch der Nokian kommt hier fast ran, zeigt seinen Grenzbereich nur nicht ganz so breit auf. Auf dem trockenen Kurs spielt der Pirelli seine sportlichen Gene ein wenig besser aus. Präzision und sportliches Untersteuern erzeugen eine Fahrfreude wie von einem Winterreifen kaum erwartet. Und auch hier sind es nur gefühlte Nuancen, die er sich letztendlich von der Konkurrenz absetzt. Noki-an, Dunlop und Goodyear haben nur minimal gefühlte Abstriche in puncto Präzision. Auch Kumho und GT Radial lassen sich auf trockenem Untergrund sicher handeln.


„Auf dem trockenen Kurs spielt der Pirelli seine sportlichen Gene ein wenig besser aus.


Den Grenzbereich ausloten bekommt hier im Tiefschnee eine völlig neue Bedeutung …


Die Wasserwerfer auf dem Wachauring garantieren einen konstanten Flüssigkeitsfilm auf der Strecke.


Ein hoher Rollwiderstand wirkt sich auf den Kraftstoffverbrauch aus.


Auf trockenen und nassen Handling-Kursen sammeln wir subjektive Eindrücke von den einzelnen Kandidaten.


TOLLES ERGEBNIS

Am Ende gibt es die gute Nachricht, dass man prinzipiell mit den von uns auserwählten Reifen nichts falsch macht und keiner durch unser Testraster gerutscht ist. Dies zeigt, das Sicherheit im Winter auch für die Hersteller ein großes Thema geworden ist und ein Kampf um die besten Allroundeigenschaften für unsere Gefilde im Gange ist. Der Gewinner sind wir, die Endkunden, die im tägli-chen Einsatz von den Neuerungen profitieren. Eine ausführliche Entscheidungshilfe für Ihren Winterreifenkauf mit Gewichtung auf den jeweiligen Vorzügen und Schwächen finden Sie in der Tabelle auf der nächsten Seite. Winterreifen sind ein sicherheitsrelevantes Zubehör, dass Sie an Fahrleistung und Ort angepasst sicher durch die kalte, nasse Jahreszeit bringt. Jeder Offroader ist nur so gut wie seine Traktion. ■

T | SchulzF | OFF ROAD

Auch auf Eis und Schnee spielt der subjektive Fahreindruck eine Rolle. Die Zeiten sind nur Richtwerte und gehen nicht in die Gesamtwertung ein.


Alle Test-Ergebnisse im Überblick

UNSER FAZIT

Das OFF ROAD-Winterreifen-Testteam: Marc Ziegler (links) und Dr. Björn Schulz (rechts).


Winterliche Verhältnisse stellen die Reifenhersteller in unseren Breiten vor diffizile Aufgaben. Die Reifen müssen sicheren Grip auf eisigem Untergrund bieten und zudem gutes Handling und prompte Verzögerung auf nassem Untergrund vorweisen. Das ist der schwierige Spagat bei der Wahl von Profilmuster und Gummimischung. Alle sechs Konkurrenten haben diese an sie gestellten Aufgaben gemeistert. Vier Fabrikate konnten dabei in Teildisziplinen und allround überzeugen, aber nur der neue Nokian WR SUV 4 lieferte überall Ergebnisse auf einem konstant guten Niveau: Auf Schnee und Eis nicht mehr ganz so überragend wie früher, legte er in den Sommerdisziplinen ordentlich zu. Dicht dahinter folgen Pirelli Scorpion, Dunlop und Good year im Gleichschritt. Der Pirelli punktet durch seine ausgewogenen Fahrleistungen und gute Information. Good year und Dunlop hinterlassen dagegen auf nasser Fahrbahn den besten Eindruck.