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Diagnostik im Überblick: So wenig wie möglich


ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit - epaper ⋅ Ausgabe 9/2009 vom 07.04.2010

Zahlreiche Verfahren erlauben dem Arzt einen Blick auf die Wirbelsäule. Meist reichen aber für die Diagnose ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung. Nur selten sind Röntgenaufnahmen oder Tomografien nötig.


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Foto: itstock

Das Arztgespräch: Die Betroffenen schildern, wo und wie es schmerzt, ob die Schmerzen ausstrahlen, ob sie bei Bewegung oder Ruhe auftreten, morgens oder nachts. Der Arzt fragt, wann die Schmerzen zum ersten Mal aufgetreten sind, oder ob zum Beispiel der Stuhlgang oder der Sex Probleme machen. Er fragt auch nach weiteren möglichen Ursachen: Stress, private oder ...

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Das Arztgespräch: Die Betroffenen schildern, wo und wie es schmerzt, ob die Schmerzen ausstrahlen, ob sie bei Bewegung oder Ruhe auftreten, morgens oder nachts. Der Arzt fragt, wann die Schmerzen zum ersten Mal aufgetreten sind, oder ob zum Beispiel der Stuhlgang oder der Sex Probleme machen. Er fragt auch nach weiteren möglichen Ursachen: Stress, private oder berufliche Probleme, schlechter Schlaf, frühere und derzeitige Krankheiten. Und er will etwas über den Lebensstil wissen – wie die Ernährung aussieht, ob Sport getrieben wird, ob man zu den Rauchern oder Nichtrauchern gehört.
Körperliche Untersuchung: Sehen, fühlen, testen – in dieser Reihenfolge untersucht der Mediziner. Er bittet die Betroffenen, sich zu entkleiden und kann dann erkennen, ob die Wirbelsäule s-förmig verläuft, das Becken gerade steht, ob Muskeln verspannt sind oder eine Schonhaltung auf typische Beschwerden hinweist. Auch der Gang macht Probleme sichtbar.

Ob Nerven gequetscht sind, zeigt eine Reihe von Tests. Schmerzhaft wird es bei Ischiasbeschwerden: Hebt der Arzt ein ausgestrecktes Bein, tut es höllisch weh. Er streicht auch über Arme und Beine, um mögliche Taubheitsgefühle oder Kribbeln zu lokalisieren. Reflextests mit dem Hämmerchen geben Auskunft, ob die Nerven ihre Signale richtig senden. Auch Muskeltests können auf Nervenstörungen hinweisen. Gelingt es zum Beispiel nicht, mit beiden Beinen auf den Zehenspitzen und den Hacken zu gehen, kann ein Bandscheibenvorfall die Ursache sein.

Rückenvermessung: Die gewonnenen Daten werden auf einen Computer übertragen und ausgewertet.


Foto: AGR

Die Beweglichkeit der Wirbelsäule zeigen Übungen: Beugt sich der Patient vor, dann misst der Arzt den Abstand zwischen Fingern und Boden. Er kann an der Rumpfbeuge auch ein Hohlkreuz erkennen oder eine seitlich gebogene Wirbelsäule. Zusätzlich prüft er, ob sich bei der Vor- und bei der Rückbeuge die Abstände zwischen den Dornfortsätzen der Wirbel verändern. Die Beweglichkeit der Halswirbelsäule zeigt sich, wenn der Patient den Kopf zu allen Seiten beugt und der Arzt ihn anschließend noch einmal selbst bewegt. Schließlich ertastet, berührt und drückt er die Wirbelknochen inklusive des Kreuz-Darmbein-Gelenks sowie die Muskeln. So findet er schmerzende Stellen und Verspannungen.

Laboruntersuchungen: Ein Blutbild gibt Hinweise darauf, ob der Körper eine Entzündung oder einen Tumor bekämpft. Auch bei entzündlichem Rheuma finden sich typische Antikörper. Veränderte Werte von Calcium und Phosphat können auf Knochenerkrankungen hinweisen.
Röntgen und Tomografien: Die sogenannten bildgebenden Verfahren sind meistens unnötig. Trotzdem neigen Ärzte dazu, Röntgenaufnahmen zu machen oder ihre Patienten in die Röhre zu schicken. Ein Grund kann sein, dass sie die Ursache der Rückenschmerzen trotz sorgfältiger Untersuchungen nicht finden. Außerdem wünschen ihre schmerzgeplagten Patienten mehr Klarheit. In Wahrheit aber verbessern die bildgebenden Verfahren nur selten den Erfolg der Behandlung. Das ergab eine Analyse von sechs Studien mit insgesamt 1.600 Patienten. Bei unkomplizierten Rückenproblemen verbessern sie die Diagnose ohnehin nicht. Umgekehrt verlieren die Patienten eher ihre Zuversicht in die Heilungschancen, wenn sie den Verschleiß der Wirbelsäule auf den Bildern sehen.

Der Klassiker ist nach wie vor dieRöntgenaufnahme . Der Apparat schickt Röntgenstrahlen durch den betroffenen Körperteil und fängt sie auf einem Fotofilm oder Sensor auf. Dichte Gewebe wie Knochen fangen die Strahlen ab, sodass diese Stellen auf dem Bild weiß bleiben. Auf diese Weise lassen sich Knochenbrüche, verletzte oder verschlissene Knochen und Gelenke erkennen. Auch schiefe Wirbel oder mürbe Knochen, wie sie bei Osteoporose typisch sind, sowie Tumore sind zu sehen. Wenn auch die Bandscheiben oder der Wirbelkanal sichtbar gemacht werden sollen, muss ein Kontrastmittel gespritzt werden. Darauf reagieren allerdings manche Menschen allergisch. Ein weiteres Risiko beim Röntgen ist natürlich die schwach radioaktive Strahlung, die Gewebe schädigen und Krebs auslösen kann. Röntgenbilder sollten deshalb nur dann gemacht werden, wenn es unbedingt notwendig erscheint.

Noch höher ist das Strahlenrisiko bei einerComputertomografie (CT) . Der Patient wird in eine Röhre gelegt und darf sich nicht bewegen. Die Röntgenröhre rotiert um die betroffene Körnoch perregion und macht dabei mehrere Schichtbilder. Die werden am Computer zu einem Bild zusammengesetzt. Darauf kann der Arzt auch Weichteile wie Bandscheiben oder Bänder erkennen, vor allem, wenn zuvor ein Kontrastmittel gespritzt wurde.

Unschädlich ist dagegen dieKernspin- oder Magnetresonanz-Tomografie (MRT) . In der Röhre herrscht ein Magnetfeld. Darauf reagieren die Atome der Körperzellen. Sie verfügen über magnetische Energie, den sogenannten Kernspin und richten sich im Magnetfeld neu aus. Da verschiedene Körpergewebe und -flüssigkeiten unterschiedlich reagieren, lässt sich aus den Daten ein sehr genaues Bild errechnen. So werden nicht nur Knochen und Weichteile, sondern auch Entzündungen sichtbar, besonders wenn zuvor ein relativ harmloses Kontrastmittel in die Blutgefäße gespritzt wird. Für Patienten mit Herzschrittmachern oder Metallimplantaten im Körper ist das MRT allerdings tabu.
Andere Diagnoseverfahren: Nur wenn andere bildgebende Verfahren keine aussagekräftigen Bilder liefern, kommt eineSzintigrafie in Frage. Dazu wird eine schwach radioaktive Substanz in ein Blutgefäß gespritzt. Deren Marker sammeln sich verstärkt an stark durchbluteten Stellen mit schnellem Stoffwechsel und senden Strahlen an eine Spezialkamera. So können Tumore oder Entzündungen von Knochen und Gelenken sichtbar gemacht werden. Die spezielle Untersuchung bringt eine geringe Strahlenbelastung für den Patienten mit sich.

Sehr selten wird vor Operationen eineMyelografie durchgeführt: Ein Kontrastmittel wird in den Rückenmarksraum gespritzt. Dadurch können bei einer Röntgenuntersuchung Verengungen im Wirbelkanal gut erkannt werden. Das Verfahren birgt das Risiko, dass Nerven verletzt werden und Lähmungen auftreten.

Auch dieKnochendichtemessung ist mit Strahlung verbunden: Durch speziell ausgewertete Röntgen- oder CT-Aufnahmen lässt sich der Mineralgehalt der Knochen bestimmen und ein bestehender Osteoporoseverdacht erhärten.

Risikofrei ist einUltraschallbild . Es zeigt Veränderungen von Muskeln und Bindegewebe. Das ist bei Rückenschmerzen nur sinnvoll, wenn der Verdacht auf Verletzungen oder Funktionsstörungen von Muskeln besteht.

Ohne Strahlen arbeitet auch die3-D-Wirbelsäulenvermessung . Bei diesem optischen Verfahren wird mit Hilfe von Videokameras und Computer ein dreidimensionales Bild der Wirbelsäule errechnet, das Fehlhaltungen aufzeigt. Die Methode wird hauptsächlich bei der Untersuchung von Haltungsfehlern oder bei Skoliosen eingesetzt.

Fragen, tasten, fühlen: Im Gespräch erfährt der Arzt wichtige Symptome und kann sie einordnen. Eine gründliche körperliche Untersuchung ergänzt die Diagnostik.


Fotos: irisblende.de (2)