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Die Nordfriesen und der Walfang


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Land & Meer - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 12.04.2022

HISTORIE

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Bildquelle: Land & Meer, Ausgabe 1/2022

Aus der Not heraus segelten die Nordfriesen ab dem Jahr 1650 auf Walfangtour ins Eismeer.

Grönlandfahrt hieß der Walfang ursprünglich im Sprachgebrauch, denn als der Holländer Willem Barents 1596 während seiner Suche nach der Nordostpassage Spitzbergen entdeckte, glaubte er, das sei Grönland. Selbst nachdem der Fehler längst berichtigt war, wurde am falschen Namen für dieses Seegebiet festgehalten. Zu der Zeit schwammen in dem Eismeer laut zeitgenössischen Erzählungen Massen von Walen, die bereits 50 Jahre später intensiv bejagt wurden.

AUS NOT AUF WALFANG

Der kommerzielle Walfang in Norddeutschland beginnt um 1650 als unmittelbare Folge einer schrecklichen Naturkatastrophe, der „Zweiten groten Mandränke“, die 1634 im deutschen Nordseeraum verheerende Schäden hinterließ. Besonders hart traf es die Küste Nordfrieslands: Die Insel Strand wurde überflutet, und die Wassermassen teilten sie in das heutige Nordstrand und Pellworm. Die beiden Halligen Nieland und Nübbel versanken für ...

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... immer. Etwa 10.000 Menschen ertranken, und die überlebenden Insel-und Halligbewohner flüchteten vor den Fluten auf Nachbarinseln, die es weniger schwer getroffen hatte, wie Föhr. Aus dem dort errichteten provisorischen Lager an der Wyk entstand später die gleichnamige Stadt. Als Folge der Sturmflut brachen an der Küste die Landwirtschaft sowie die lukrative Salzsiederei zusammen. Hatte es dort zuvor einen gewissen Wohlstand gegeben, herrschte nun auf unabsehbare Zeit bittere Armut. Die einzige Möglichkeit, dieser Not zu entkommen, war für die Männer die Seefahrt. Dabei hatten sie Glück im Unglück, denn ab 1634 verbot der französische König Ludwig XIII. den Basken, die ihm untertan waren, als Walfänger auf niederländischen Schiffen zu fahren. An ihre Stelle traten nun die Inselfriesen.

KARRIERE IM WALFANG

Ab etwa 1650 heuerten von den nordfriesischen Inseln und Halligen nach und nach alle arbeitsfähigen Männer und Jungen ab zehn Jahren auf den Walfangschiffen an; oft alle männlichen Mitglieder von Familien oder sogar Dörfern. An Bord kannte jeder jeden, was zwangsläufig zu einer gegenseitigen sozialen Kontrolle führte. Ein ausschweifendes Seemannsleben, unflätiges Benehmen, schlampige Arbeit oder etwa mangelnder Fleiß unterblieben, da diese Schmach zu Hause sofort bekannt geworden wäre. Aber Häfen, mit ihren Sünden und Verlockungen, wurden sowieso nicht angelaufen, denn es ging nonstop hin und zurück zwischen den Heimathäfen der Schiffe und den Fanggründen. Die Disziplin der Besatzungen war sicher mit ein Grund, warum norddeutsche Seeleute zu gesuchten Harpunieren, Kapitänen, Commandeuren, Matrosen und Steuerleuten wurden. Die holländischen Reedereien richteten auf den größeren Inseln sogar kleine Navigationsschulen ein. Damals eine Sensation: höhere Bildung auf dem Dorf! Während der Wintermonate unterrichtete dort ein Lehrer, der zuvor selbst in dem Metier gearbeitet hatte, in einem Zimmer seines Hauses die zur See fahrende Dorfbevölkerung in Navigation und Seemannschaft.

Die Ausbildung kostete wenig, sodass selbst Männer und Jungen aus armen Verhältnissen ihren Abschluss machen konnten, und damit die Chance auf eine Stelle als Steuermann bekamen. Das war die Voraussetzung für den Aufstieg auf der seemännischen Karriereleiter. So gab es zum Beispiel 1790 auf Sylt unter den 2.000 Bewohnern 100 Commandeure, was dem Titel eines Kapitäns gleichkam. Kapitän durfte sich aber nur nennen, wer Bürger der Stadt war, in der das Schiff stationiert war. Vor Beginn der Fangsaison wurden die Crews von Ende Februar bis in den März hinein von Küstenseglern, den Schmackschiffen, eingesammelt, um sie von ihren Heimatschollen nach Amsterdam, Hamburg, Bremen oder Emden zu bringen, wo die großen Walfangschiffe lagen. Zur Verabschiedung der Männer zündete die Dorfgemeinschaft auf den Inseln und Halligen Biiken (große Feuer) an, die weit übers Meer leuchteten. Diese Feuer dienten zugleich als Navigationshilfe für die kleinen Zubringerboote.

DIE FANGSCHIFFE

Die Walfangschiffe waren in der Regel holländische Fleuten, benannt nach ihrer fließenden Form (Fluite). Sie waren zwischen 28 und 36 Meter lang und bis zu neun Meter breit mit einer Tragfähigkeit zwischen 150 und 400 Tonnen. Der Reeder bestimmte, ob sein Schiff als Brigg, Bark oder Vollschiff getakelt wurde. Sie galten als Allzweckschiffe des 16. Jahrhunderts, weil sie sich leicht – custom made – auf die jeweiligen Anforderungen anpassen ließen. Für den Walfang wurden wegen der nötigen Festigkeit im Eis die Planken der Rümpfe und insbesondere der Bug zum Eisbrechen verstärkt. Auf dem Deck mussten zusätzlich vier bis sechs Fangschaluppen Platz finden, um schnell einsatzbereit zu sein. In den Städten Hoorn, Edam und Monnickendam entstanden viele Werften, die diese klotzigen, aber preiswerten Transportschiffe mit mäßigen Segeleigenschaften und geringem Tiefgang in Serie bauten.

DAS LEBEN AN BORD

Ein Walfänger hatte eine Besatzung von etwa 45 Mann. Zur Schiffsführung und zum Segeln wurden lediglich zehn bis zwölf Seeleute benötigt, aber die Schiffe waren zugleich schwimmende Schlachthöfe, und allein für den Fang und dessen Verarbeitung waren 24 bis 36 Männer abkommandiert. Der Platz an Bord war entsprechend knapp. Geschlafen wurde meist in Hängematten und das Essen fand auf dem Bretterboden statt.

Da die Walfänger nonstop ohne Bunkermöglichkeiten fuhren, war die Kost an Bord einseitig und karg: Es gab Erbsen mit Stockfisch oder Pökelfleisch, Grütze und Zwieback. Wegen des gefürchteten Skorbuts legten die Commandeure aber stets einen kurzen Stopp auf Spitzbergen ein, um sich dort mit „Grönländischem Salat“ zu versorgen, dem vitaminreichen Löffelkraut. Der damalige Bordarzt Johann Dietz berichtet: „Auf Spitzbergen brachten wir die Skorbut-Kranken an Land, welche zum Theil wie das Vieh mit dem Maul das Kraut von der Erde fraßen und alle in drei Tagen gesund wurden.“ Ein simpler Zeitvertreib an Bord war das Schnitzen. Beliebt war zum Beispiel das Herstellen der „Scrimshaws“: Auf Walzähnen wurden mit einer Nadel meist Motive aus dem Bordleben geritzt.

DIE BRUTALE JAGD

Die Fanggebiete lagen in der Barentssee bei Spitzbergen – zwischen dem 77. und 80. Breitengrad – und die Fahrt von der Nordseeküste bis dahin dauerte zwischen drei und sechs Wochen, immer abhängig von den Eisfeldern, die passiert werden mussten. Im Fanggebiet angekommen, wartete die Besatzung mitunter weitere

Wochen, bevor eine Herde Wale gesichtet wurde. Diese zu finden war eine Mischung aus Erfahrung, Zufall und Glück. Gejagt wurden Grönlandwale und Nordkaper, die jeweils bis zu 18 Meter lang und 100 Tonnen schwer sein konnten.

Mit nur fünf bis zehn Stundenkilometern sind sie langsame Schwimmer, und die Jäger hatten es daher relativ leicht, deren Tempo zu folgen.War die Beute aufgespürt, wurden zunächst die Schaluppen zu Wasser gelassen, bemannt mit je vier Ruderern, einem Harpunierer und einem Bootsmann, der steuerte. Die kleinen Boote mussten möglichst nahe an den Wal herankommen, um das Tier mit einer Harpune per Hand zu treffen. Der verwundete Wal wurde danach mit Lanzen zu Tode gestochen. Für die Seeleute eine harte, brutale und gefährliche Jagd, denn im Todeskampf brachten die Wale die Schaluppen mitunter zum Kentern, wobei die Mannschaften oft im Eismeer ertranken. War der Wal erlegt, musste er sofort verarbeitet werden. Dazu wurde er zum Schiff geschleppt, dort mit Tauen an de Bordwand festgemacht und mit Winden angehoben. Sogleich begann das Flensen: Die Speckschneider lösten mit langen Messern die dicke Fettschicht vom Kadaver, zerkleinerten diese, so dass die Stücke mittels Segeltuchrutschen unter Deck befördert und dort in Fässer abgefüllt werden konnten. Diese Tätigkeit war extrem unbeliebt, standen die Männer dabei doch bis zum Bauch im glitschigen und stinkenden Walspeck. Waren alle Fässer gefüllt, ging es zurück in den Heimathafen, wo die Fracht an die dortigen Trankochereien geliefert wurde.

HOHE GEWINNE VS. HOHES RISIKO

Aus alten Abrechnungen geht hervor, dass 150 Ochsen dem Gegenwert eines Wals entsprachen, denn aus einem mittelgroßen Tier ließen sich bis zu 17.000 Liter feinster Tran kochen. Pro Fahrt mussten mindestens vier Wale erlegt werden, damit die Reise keine Verluste einbrachte, und erst zehn erlegte Wale galten als volle Ladung. Die Besatzungen wurden am Gewinn beteiligt, was in der Blütezeit des Walfangs nach heutigem Wert jährlich etwa 10 bis 12 Millionen Euro auf die Inseln und Halligen brachte. Es gab aber auch schlechte Jahre, in denen die Grönlandfahrer ohne nennenswerten Fang nach Hause kamen.

Commandeure verdienten nach heutiger Kaufkraft durchschnittlich etwa 18.000 Euro je Saison; netto sozusagen, denn die Steuern waren zu der Zeit sehr niedrig. Ein Jungmatrose wurde umgerechnet mit knapp 3.000 Euro und ein Schiffsjunge mit 1.200 Euro pro Fahrt entlohnt. Es war damals normal, wenn Eltern, die knapp bei Kasse waren, auf die zukünftigen Verdienste ihrer Jungen Kredite aufnahmen. Damit brachten sie die Familie auch in schlechten Zeiten über die Runden.

EIN NEUER LEBENSSTIL

Außer ihrem Lohn brachten die finanziell besser gestellten Seefahrer, auch einen niederländisch geprägten Lebensstil mit nach Hause: dekorative Fliesen aus Delft für die Stuben, dazu elegante Mahagonimöbel, sowie allerlei wertvollen Hausrat aus Messing. Und der beliebte Teepunsch wurde nun aus feinen Porzellantassen getrunken. Vom Einzug der neuen Wohnkultur in die friesischen Kapitänshäuser zeugen heute noch der Königspesel auf Hallig Hooge, das Öömrang Hüs auf Amrum und das Sylter Museum in Keitum. Kapitäne und Commandeure, die zu Geld kamen, beteiligten sie jedoch nicht am Walfang; die Friesen investierten ihr Geld lieber in den Deichbau. Das gab sichere Zinsen, und der Küstenschutz ist lebensnotwendig.

DER WANDEL

Die „goldenen Zeiten“ des Walfangs neigten sich nach gut 100 Jahren gegen 1755 ihrem Ende zu, weil die Walbestände dezimiert waren und die Fangschiffe immer häufiger ohne Beute zurückkehrten. Als dann das Petroleum den Tran als besseren Brennstoff für Lampen ablöste, war dies das endgültige Aus des historischen Walfangs. Viele Seeleute wurden Bauern auf einem eigenen ausreichend großen Hof, was Dank einer Landreform möglich geworden war. Andere heuerten auf Handelsschiffen an oder verließen die Inseln und Halligen, um auf dem Festland das Brot für sich und ihre Familien zu verdienen. Ein Beispiel: Borkum zählte 1776 852 Einwohner, dreißig Jahre später waren es nur noch 406. Erst mit dem Aufkommen des Tourismus als Einnahmequelle stabilisierte sich Anfang des 19. Jahrhunderts die Zahl der Bewohner wieder. Ähnlich sah es auf den anderen Inseln aus.

DAS ENDE

So grausam der historische Walfang auch war, fällt er heute nicht nennenswert ins Gewicht: Zwischen 1700 und 1899 wurden rund 300.000 Tiere abgeschlachtet, dem industrialisierten Walfang hingegen fielen zwischen 1900 und 1990 etwa 2,7 Millionen Wale zum Opfer! Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte der Walfang einen letzten Aufschwung. Damals herrschte ein extremer Mangel an Fetten, und Deutschland war weltgrößter Importeur von Walöl. Die Mengen wurden erforderlich aufgrund der starken Nachfrage der Margarine-Industrie sowie zur Herstellung von Seifen und Waschmitteln.

Als Norwegen 1935 den Preis für Walöl fast verdoppelte, nahm Deutschland den Walfang wieder auf. Von 1936 bis 1939 wurden sieben Flotten ausgerüstet, unter anderem finanziert vom Großabnehmer für Walöl, der Firma Henkel. Dieses düstere Kapitel endete mit dem Zweiten Weltkrieg, als die Walfangschiffe für das Militär beschlagnahmt wurden.

Nach dem Krieg gab es unter der schwarz-rot-goldenen Flagge zwar keinen Walfang mehr, dafür aber deutsche Besatzungen, die auf der Heuerliste des griechischen Reeders Aristoteles Onassis standen. Im Auftrag des Milliardärs wurden auf dessen Walfangmutterschiff „Olympic Challenger“, zwischen 1950 und 1956 etwa 22.000 Wale getötet.

UND HEUTE?

Laut der Internationalen Walfangkommission (IWC) besteht seit 1986 ein Verbot für den kommerziellen Fang von Großwalen. Leider halten sich Norwegen, Japan und Island aufgrund rechtlicher Schlupflöcher und ihrer Traditionen nicht daran. Allerdings ist auch in diesen Ländern zunehmend die Abkehr vom Walfang spürbar. Und heute ist das faszinierende Whale Watching weltweit viel lukrativer, als das Geschäft mit den toten Tieren.Und die Inselfriesen verdienen inzwischen ihr Geld mit dem wahren Schatz, nämlich ihrer wunderschönen Natur, an der sich Touristen erfreuen.

FRAUEN ALLEIN ZU HAUS

Wenn die Männer von Februar bis August Wale fingen, waren die Frauen zu Hause auf sich gestellt. Sie bewirtschafteten die kleinen Bauernhöfe mit bescheidenem Viehbestand, versorgten die Kinder sowie den Haushalt und hofften auf die glückliche Rückkehr ihrer Männer, was nicht selbstverständlich war. In Oldsum auf Föhr zum Beispiel gab es 1787 insgesamt 85 verheiratete Frauen und 44 Witwen. Diese hohe Zahl ergab sich dadurch, dass es in vielen Dorfgemeinschaften selbst jungen Witwen aus moralischen Gründen verboten war, eine zweite Ehe einzugehen. Ein absolutes Tabu für alleinstehende Frauen war es, etwa einen der Wanderarbeiter zu heiraten, die im Sommer bei der Feldarbeit aushalfen. Geheiratet wurde unter sich. Die Zeit des Werbens war knapp, weil dies nur in den Wintermonaten möglich war. Die jungen Männer, die nach einer Frau Ausschau hielten waren daher in Eile. Kaum an Land, besuchten die Jungs die Mädels, und schnell wurden die Eltern informiert. Der Status des Bräutigams spielte für die Heirat keine Rolle, da jeder tüchtige Mann im Walfang eine Karriere machen und den sozialen Aufstieg schaffen konnte. Das Kirchenregister der Gemeinde Keitum auf Sylt besagt, dass am 10. November in dieser Kirche insgesamt 17 Paare ihre Verlobung feierten und der Pastor 13 von ihnen am 24. November gleichzeitig traute. Anschließend wurde stets kräftig gefeiert, wobei viele Feste durch eine Schlägerei beendet wurden. Familienfeste, wie Hochzeiten und Taufen, fanden ausschließlich im Winterhalbjahr statt, und die Kinder wurden zwischen Juni und Dezember geboren.