Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

Die passende Sehhilfe finden: Auf den Durchblick kommt es an


ÖKO-TEST Kompakt Fit & Gesund - epaper ⋅ Ausgabe 17/2008 vom 01.09.2008

Nur 30 Prozent der Deutschen kommen ohne Sehhilfe aus. Der große Rest muss sich entscheiden zwischen den verschiedensten Brillen oder sich Kontaktlinsen in die Augen setzen. Ein Besuch beim Augenarzt ist in jedem Fall anzuraten.


Artikelbild für den Artikel "Die passende Sehhilfe finden: Auf den Durchblick kommt es an" aus der Ausgabe 17/2008 von ÖKO-TEST Kompakt Fit & Gesund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Brendel/Eschenbach

Am Anfang war der Sehtest: „Vier, zwei, null, acht, drei.“ Schon in der nächsten Zeile kommt das erste Zögern. Ist das eine Fünf oder eine Sechs? Die nächste Tafel. Die ersten drei Reihen sind kein Problem. Aber ist das darunter ein großes B oder eine Acht? Erst als der Arzt eine Linse vor das Auge setzt, wird die Sicht klar. Der allerkleinste Buchstabe ...

Weiterlesen
Artikel 0,95€
epaper-Einzelheft 2,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Kompakt Fit & Gesund. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 17/2008 von Auge und Gehirn – ein (fast) perfektes Team. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Auge und Gehirn – ein (fast) perfektes Team
Titelbild der Ausgabe 17/2008 von Optische Täuschungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Optische Täuschungen
Titelbild der Ausgabe 17/2008 von Die Fenster zur Welt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Fenster zur Welt
Titelbild der Ausgabe 17/2008 von Wie Tiere sehen: Die Augen der anderen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wie Tiere sehen: Die Augen der anderen
Titelbild der Ausgabe 17/2008 von Fehlsichtigkeiten. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Fehlsichtigkeiten
Titelbild der Ausgabe 17/2008 von Dinner im Dunkeln. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Dinner im Dunkeln
Vorheriger Artikel
Die Brillenmacher
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Brillen: Schöne Aussichten
aus dieser Ausgabe

Am Anfang war der Sehtest: „Vier, zwei, null, acht, drei.“ Schon in der nächsten Zeile kommt das erste Zögern. Ist das eine Fünf oder eine Sechs? Die nächste Tafel. Die ersten drei Reihen sind kein Problem. Aber ist das darunter ein großes B oder eine Acht? Erst als der Arzt eine Linse vor das Auge setzt, wird die Sicht klar. Der allerkleinste Buchstabe rechts unten in der Ecke ist ein E und die Brillenstärke 2,5 Dioptrien.

Die Zahlen- und Buchstabentafeln des herkömmlichen Sehtests zeigen einem deutlich, dass die Augen nicht mehr scharf sehen. Durch Linseneinsätze vor den Augen lässt sich die Brillenstärke bestimmen, die den Sehfehler ausgleicht. Diese subjektive Auswahl ergänzt der Augenarzt durch die Untersuchung mit dem Refraktometer.

Dieses Gerät leuchtet wie ein kleiner Diaprojektor in das Auge hinein und bildet auf dem Augenhintergrund ein bestimmtes Muster ab. Durch das Scharfstellen des Bildes erkennt der Augenarzt, welche Korrektur an der Sehschärfe notwendig ist. Doch der Augenarzt überprüft auch das Sehvermögen. Dazu zählen das Sehen bei Dämmerung und im Dunkeln, das Gesichtsfeld, die Zusammenarbeit der Augen, das Farbensehen und das räumliche Sehen. Vor allem aber muss er feststellen, ob eine Erkrankung den festgestellten Sehfehler verursacht hat.

Das wichtigste Instrument dafür ist die Spaltlampe. Mit ihrer Hilfe kann der Augenarzt den vorderen Bereich des Auges in mehrfacher Vergrößerung untersuchen. Mit Zusatzgeräten kann er auch die Netzhaut betrachten und den Augeninnendruck messen. Hinweise auf mögliche Erkrankungen der Netzhaut oder des Sehnervs liefert ihm die Gesichtsfelduntersuchung. Dabei fi xiert man beim Blick in das Testgerät ein Zielkreuz, während in einer beleuchteten Kuppel kleine Lichtpunkte auftauchen. Bemerkt man einen solchen Punkt, muss ein Knopf gedrückt werden. Anhand der gesehenen und nicht gesehenen Lichtpunkte kann ein Computerprogramm mögliche Schäden auf der Netzhaut erkennen.

Kompakt

Foto: irisblende.de

Kein Zuschuss in Sicht
Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich nur noch bei Kindern und Jugendlichen unter 18 an den Kosten für die Brillengläser. Die Höhe des Zuschusses richtet sich nach der Art der vom Augenarzt verschriebenen Gläser. Für einfache Kunststoffgläser liegt er bei neun bis elf Euro je Stück. Für die Fassung gibt es kein Geld. Bei Kontaktlinsen für Jugendliche schießt die Kasse nur Geld zu, wenn sie medizinisch zwingend notwendig sind. Bei Erwachsenen zahlen die Kassen nur bei einer „schweren Sehbeeinträchtigung beider Augen”. Das bedeutet, dass die Augen trotz Brille auf maximal 30 Prozent Sehleistung kommen dür fen. Anders gesagt: Wer mit Brille noch etwas lesen kann, bekommt nichts. Die Ausnahme sind Speziallinsen oder Gläser, die zur Behandlung von Augenerkrankungen oder -verletzungen notwendig sind. Die Sehschärfeprüfung beim Augenarzt zahlen die Kassen, dabei wird die Praxisgebühr fällig. Andere Vorsorgeuntersuchungen, wie die gegen den grünen Star, muss man selbst zahlen. Nur bei bestehendem Diabetes oder besonderem Risiko springen die Kassen ein.

Zum Augenoptiker oder zum Arzt?

Auch der Augenoptiker kann die Sehschärfe und das gesamte Sehvermögen des Auges testen. Manche Optiker bieten zudem Gesichtsfelduntersuchungen an und messen den Augeninnendruck. Sehr zum Ärger der Augenärzte, die das als Wildern in ihrem Revier empfi nden. Auch die von vielen Optikern in Zusammenarbeit mit Krankenkassen angebotenen Massensehtests an Schulen kritisiert der Berufsverband der Augenärzte (BVA): „Die Wahrscheinlichkeit, dass Fehlsichtigkeiten – vor allem Weitsichtigkeit – vom Optiker nicht erkannt werden, ist sehr hoch, allein schon deshalb, weil der für den mobilen Sehtest verwendete Refraktometer überhaupt nicht dazu geeignet ist, alle Fehlsichtigkeiten im Kindesalter festzustellen“, erläutert der BVA-Vorsitzende Professor Bernd Bertram. Ein bestandener Sehtest würde die Eltern fälschlicherweise in Sicherheit wiegen. Auch ein vom Optiker festgestellter Sehfehler dürfe nicht einfach nur durch eine Brille ausgeglichen werden. „Vorher muss durch eine Untersuchung beim Augenarzt eine Augenkrankheit ausgeschlossen werden.“ Joachim Goerdt, der Geschäftsführer des Zentralverbandes der Augenoptiker (ZVA), sieht das gewährleistet: „Eltern können sicher sein, dass ihre Kinder bei der Feststellung von Auffälligkeiten am Auge im Zusammenhang mit Sehtests an einen Arzt für Augenheilkunde verwiesen werden.“

Mit einem Sehtest allein ist es nicht getan. Der Augenarzt prüft auch das Sehvermögen im Dunkeln, das räumliche Sehen und das Gesichtsfeld.


Foto: KGS

Weniger ärztliche Augenuntersuchungen

Der Hintergrund des Streits: Zwei Drittel aller Sehhilfen werden nicht mehr vom Augenarzt verordnet, sondern vom Optiker ohne ärztliche Untersuchung des Patienten angepasst. Das Institut für Demoskopie Allensbach hat durch regelmäßige Umfragen zum Thema Sehen festgestellt, dass der Anteil der Augenüberprüfungen beim Augenarzt seit gut zehn Jahren leicht zurückgeht, während er bei den Optikern steigt. Der ZVA wirbt damit, dass man bei den Optikern nicht wochenlang auf eine Termin warten müsse. Ein ausführlicher Sehtest beim Optiker kostet meist etwas mehr als die Praxisgebühr beim Augenarzt. Dafür kann man dann sofort die passende Brille raussuchen.

Foto:ZVA

Aus Sicht der Kunden macht der Test beim Optiker Sinn, wenn man schon eine Brille hat und es um einen routinemäßigen Check der Sehkraft geht. Gesichtsfeldprüfung und Augeninnendruckmessung beim Optiker sind dagegen wenig hilfreich. Auf den offi ziellen Flyern des ZVA zu den beiden Untersuchungen heißt es: „Der Augenoptiker kann und darf nach Mitteilung des Ergebnisses keine Ausführungen dazu machen, ob und welche Erkrankungen vorliegen oder auszuschließen sind.“

Dann lieber gleich eine Untersuchung beim Arzt und eine klare Aussage dazu, ob alles o. k. ist. In die Praxis sollte man auch immer gehen, wenn sich die Sehkraft plötzlich deutlich ändert, die alte Brille „nicht mehr stark genug ist“, oder Sehstörungen wie Blitze oder Trübungen auftauchen. Sinnvoll sind die von den Augenärzten empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen (siehe Kasten), auch wenn die Kassen sie nicht zahlen. Denn Krankheiten wie grüner Star lassen sich früh erkennen und wirkungsvoll behandeln. Wer erst zum Arzt geht, wenn er plötzlich schlecht sieht, ist womöglich zu spät dran. „Dann ist schon viel wertvolles Sehvermögen verloren gegangen, das bei einer rechtzeitigen Diagnose zu retten gewesen wäre“, gibt Professor Norbert Pfeiffer, Direktor der Universitätsaugenklinik Mainz zu bedenken.

Auch Optiker führen Sehtests und Augenuntersuchungen durch – das missfällt den Augenärzten.


Foto: Carl Zeiss VIsion

Scharf protestiert haben die Augenärzte gegen einen Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Es konnte für ein Seh-Screening im Vorschulalter keinen belegbaren Nutzen feststellen. „Es besteht die Gefahr, dass aufgrund dieses Berichts behandlungsbedürftige Kinder zu spät oder überhaupt nicht behandelt werden und deswegen nie die volle Sehkraft erreichen werden“, schimpfte der BVA-Vorsitzende Professor Bertram.