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Die Zeiten ändern sich


ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern - epaper ⋅ Ausgabe 11/2008 vom 01.09.2008

Immer mehr alte Menschen, immer weniger junge. Wir alle werden ihn zu spüren bekommen, den demografischen Wandel. Beispiele für Lebens- und Zusammenlebenskonzepte, die Mut machen.


Artikelbild für den Artikel "Die Zeiten ändern sich" aus der Ausgabe 11/2008 von ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern, Ausgabe 11/2008

Eigentlich ist es eine gute Nachricht: Die Chancen, alt zu werden und dabei möglichst lange gesund zu bleiben, waren noch nie so groß wie heute. Ihren hundertsten Geburtstag feiern bereits fünfmal so viele Senioren wie 1980, und ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht. Wissenschaftler prognostizieren, dass sich der Anstieg der Lebenserwartung weiter fortsetzen wird – möglicherweise sogar weitaus stärker als angenommen. In ...

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Eigentlich ist es eine gute Nachricht: Die Chancen, alt zu werden und dabei möglichst lange gesund zu bleiben, waren noch nie so groß wie heute. Ihren hundertsten Geburtstag feiern bereits fünfmal so viele Senioren wie 1980, und ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht. Wissenschaftler prognostizieren, dass sich der Anstieg der Lebenserwartung weiter fortsetzen wird – möglicherweise sogar weitaus stärker als angenommen. In der Vergangenheit ging man davon aus, dass es eine natürliche Altersgrenze gibt, die nicht wesentlich überschritten werden kann. Doch wie Forscher des Rostocker Max-Planck-Institut und der Universität Cambridge in einer gemeinsamen Studie zeigten, wurden vermeintliche Höchstgrenzen von der Wirklichkeit regelmäßig überholt.

Ganz gleich, wie rasant sich die Lebenserwartung aber entwickelt und unabhängig davon, ob Krippenausbau und Elterngeld zu mehr Babys führen – in absehbarer Zeit ist der permanente Bevölkerungsschwund nicht mehr zu stoppen. Deutschland schrumpft und vergreist dramatisch. Seit Anfang der 70er-Jahre ist jede Generation ein Drittel kleiner geraten als die ihrer Eltern. Seit dieser Zeit verharrt auch die Zahl der Kinder, die in Deutschland je Frau geboren werden, mit knapp 1,4 auf minimalem Niveau. Erst ab einem Wert von 2,1 aber ist eine Fortpflanzung möglich, welche zumindest die Elterngeneration zahlenmäßig ersetzt.

Auslaufmodell: Generationenvertrag

Doch weitaus gravierender als der bloße Schrumpfungsprozess der Bevölkerung, in Deutschland von derzeit 82 Millionen Menschen auf bis zu 69 Millionen im Jahre 2050, ist die Veränderung im Verhältnis von Alt und Jung. Wie neueste Modellrechnungen zur Bevölkerungsentwicklung zeigen, wird der Anteil der 65-Jährigen und Älteren von heute 19,3 Prozent auf bis zu 33,2 Prozent im Jahre 2050 steigen. Während vor 50 Jahren hundert erwerbsfähigen Menschen im Alter zwischen 20 und 59 Jahren noch 30 über 60- Jährige gegenüberstanden, sind es heute bereits 45 und im Jahr 2030 werden es schon mehr als 70 sein.

Kritisch wird es in den kommenden beiden Jahrzehnten, wenn die „Babyboomer“ in den Ruhestand gehen, also die geburtenstarken Jahrgänge von 1955 bis 1965. Dann geraten Pflege- und Krankenversicherung an ihre Grenzen. Beide leben von der Hand in den Mund. Was die Jüngeren und in der Regel Gesünderen einzahlen wird verbraucht, hauptsächlich für die medizinische Behandlung und Pflege der Älteren. „Wenn aber immer mehr Alte, Kranke und Pflegebedürftige immer länger leben und von immer weniger Beitragszahlern versorgt werden müssen“, warnt der Freiburger Finanzwissenschaftler Professor Bernd Raffelhüschen, „funktioniert der Generationenvertrag nicht mehr“.

Pflege- und Gesundheitskosten explodieren

Bereits heute leben in Deutschland mehr als 2,1 Millionen Pflegebedürftige. Schon 2030 werden es vermutlich mehr als doppelt so viele sein. Der Preis für ein langes Leben sind viele gleichzeitige Erkrankungen.

Besonders Hochbetagte leiden unter Multimorbidität. Berechnungen zufolge wird sich allein die Zahl der Altersdemenzerkrankten von rund einer Million im Jahr 2005 bis 2035 auf knapp zwei Millionen verdoppeln. Ein weiterer Kostenfaktor ist der medizinisch technische Fortschritt, der immer neue Behandlungen ermöglicht. Er wird, so die Prognose des Rostocker Zentrum für demografischen Wandel, die Beiträge und Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung noch stärker in die Höhe treiben, als es der Alterungsprozess der Bevölkerung tut.

Mit der gesetzlichen Pflegeversicherung allein wird der künftige Versorgungsaufwand nicht zu finanzieren sein. „Die heute 30- bis 50-Jährigen sollten sich darauf gefasst machen, dass sie ihr Häuschen einmal nicht vererben können“, sagt Raffelhüschen. „Sie müssen ihr Vermögen für die Pflege einsetzen.“ Und womöglich auch für die Arztkosten. Die gesetzliche Krankenversicherung wird jedenfalls zu wenig Beitragszahler haben, um die Kostenexplosion im Gesundheitsbereich abzudecken. Um zu vermeiden, dass die Beitragssätze über die Grenze des Erträglichen hinaus in die Höhe schnellen, muss das System reformiert werden. Was dabei herauskommt, ist ungewiss. Nur eines sei sicher, meint Raffelhüschen: „Wir können nicht für alle alles bezahlen. Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung müssten rationiert werden.“

Wirtschaftliche Einschnitte treffen die sogenannte Sandwichgeneration – die 35- bis 50-Jährigen besonders hart. Auf ihren Schultern lastet, sofern sie Kinder haben, alles: Steuern, steigende Beiträge zur Sozialversicherung, Erziehung und Ausbildung des Nachwuchses, die private Vorsorge für das eigene Alter sowie bei Bedarf auch die Versorgung der eigenen Eltern. Studien zufolge leisten rund 55 Prozent der 40- bis 55-Jährigen schon heute Hilfsleistungen in beide Richtungen – an die Kinder- und Elterngeneration. Dabei geht es sowohl um finanzielle als auch um persönliche Unterstützung, wie die Studie „Kundenkompass Armutsrisiken“ von Delta Lloyd und des F.A.Z. Instituts belegt.

Bereitschaft zur Pflege schwindet

In welchem Umfang die Sandwichgeneration künftig ihren alten Eltern helfen kann und will, lässt sich kaum vorhersagen. Laut einer Studie des Hamburger B.A.T. Freizeitforschungsinstituts unterstützen derzeit 17 Prozent der mittleren Jahrgänge den Vater oder die Mutter im Haushalt, kochen, putzen oder kaufen ein. Pflegeleistungen in der Familie lehnt einer Befragung von Delta Lloyd und F.A.Z Institut zufolge, ein Drittel der heute 45- bis 59-Jährigen ab – darunter mehr Frauen als Männer. Es sei anzunehmen, hieß es auch im Schlussbericht der Enquete-Kommission des Bundestags zum demografischen Wandel „dass im Zuge des Familienstrukturwandels und der Ausdünnung von Verwandtschaftsnetzwerken das familiäre Pflegepotenzial abnehmen und die professionelle Pflege eine immer stärkere Bedeutung erlangen wird“.

Hier fehlt es am Nachwuchs

Wenn es trotzdem die Familie richten soll, dann braucht sie Unterstützung. Zum einen um mehr Nachwuchs zu zeugen; denn es fehlt noch immer an ganztägigen Betreuungsstätten für Kinder, Ganztagsschulen und vor allem an einer Steuerpolitik, die Eltern statt Ehepaaren fördert. Zum anderen reicht auch das Angebot an Pflegediensten für Ältere bei Weitem nicht aus. Noch sei Zeit, sich auf die Entwicklung einzustellen, meint Gabriele Doblhammer vom Rostocker Zentrum für Demografischen Wandel. „Es müssen Konzepte zur Teilzeitpflege in Zusammenarbeit mit mobilen Pflegediensten entwickelt werden“, fordert die Wissenschaftlerin, „sodass sich Strukturen bilden, die auch nach 2030 noch funktionieren. Wichtig sei es zudem, den Beruf des Pflegers aufzuwerten, damit sich junge Menschen dafür entscheiden.

Dass ein Ausbau der Teilzeitbetreuung für ältere Menschen die Pflege in der Familie fördert und den Familienzusammenhalt stärkt, belegen nach den Untersuchungen des Rostocker Zentrums Erfahrungen aus den skandinavischen Ländern. In Südeuropa hingegen, wo ein Mangel an professioneller Unterstützung herrscht, sind Angehörige überfordert und die Pflegebereitschaft in der Familie nimmt ab.

Auf sie kommt es an. Ohne Nachwuchs werden sich die Probleme des demografischen Wandels noch verstärken.


Freundeskreis ersetzt Familie

Die entscheidende Frage aber ist, ob überhaupt Verwandte da sein werden, die Pflegetätigkeiten übernehmen könnten. „Im Jahr 2040“, schreibt der Freizeitforscher Horst W. Opaschowski in seinem Beitrag zur B.A.T. Studie, „wird jeder dritte Deutsche keine Kinder und noch weniger werden Enkel haben.“ Neue Lebensformen, weniger Eheschließungen, hohe Scheidungsraten lassen das familiäre Netz löchrig werden, auf das sich viele Pflegebedürftige bisher verlassen konnten. Die Menschen sind mobiler geworden. Viele leben weit entfernt von ihren Eltern. Und häufig sind die Lebensstile von Älteren und Jüngeren einfach nicht mehr kompatibel.

Aber es gibt auch Hoffnung. Die wachsende Gruppe der Älteren, die selbst eine individualistische Lebensart pflegen, verfügen häufig über einen aktiven Freundeskreis und sind stärker sozial vernetzt, als Menschen mit vorwiegend traditionellen Verwandtschaftsbeziehungen. Die bislang noch kleine Anzahl Pflegebedürftiger mit modernerem Lebensstil, heißt es im Bericht der Enquete-Kommission, könne „in erstaunlich hohem Maße auf Unterstützung aus diesem außerfamiliären Personenkreis zurückgreifen“. Auf die „Nestwärme der Familie“ und die Wirksamkeit von Netzwerken und sozialen Konvois „als verlässliche Begleiter des Lebens“ setzt auch Opaschowski. Der Erziehungswissenschaftler: „Gelungenes Leben heißt in Zukunft: Familie haben und/ oder sozial vernetzt sein.