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Edle Bettwäsche: Verknittert


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 5/2015 vom 08.05.2015

Lohnt es sich, für Bettwäsche ein paar Euro mehr auszugeben? Unser Test zeigt: Das kann gutgehen. Oft genug lassen sich aber Chemikalien nachweisen, mit denen die Hersteller ihre Produkte ausgerüstet haben.


Artikelbild für den Artikel "Edle Bettwäsche: Verknittert" aus der Ausgabe 5/2015 von ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Fuse/Thinkstock

Wenn Bettwäsche verschenkt wird, soll es natürlich eine edle sein. Leider ist aber längst nicht alles, was „veredelt“ ist, auch edel. Unter dem Begriff werden Verfahren zusammengefasst, die Stoffe in irgendeiner Form behandeln, „besser“ machen sollen – sie zum Beispiel bleichen, färben, „knitterfrei“ machen, leichter zu bügeln, regenfest oder angenehmer zu tragen. Eins haben die ...

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... meisten dieser Verfahren gemeinsam: Es wird jede Menge Chemie benutzt. Wasserstoffperoxid, Natronlauge, Ammoniak, sogar formaldehydhaltige Harze kommen dabei zum Einsatz – um nur einige der gefährlichen Stoffe zu nennen.

Formaldehyd stuft die EU in ihrer Verordnung zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Chemikalien (CLP) in die Kategorie 1b „karzinogen“ ein. Der Stoff gilt also als „wahrscheinlich krebserregend“; diese Wirkung wird nach mehreren Tierversuchen als erwiesen angesehen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält die krebserregende Wirkung von Formaldehyd schon seit 2006 für erwiesen.

In erster Linie wird der Schadstoff eingeatmet, etwa mit Autoabgasen oder Zigarettenqualm. So kann er zu Krebs im NasenRachenRaum und zu Leukämie führen. Formaldehyd kann aber auch oral aufgenommen werden – oder durch Hautkontakt, mit Bettwäsche etwa. Die krebserregen-de Wirkung von Formaldehyd gilt allerdings nur über die Atemwege als erwiesen; zur Wirkung über die Haut gibt es bisher nicht genügend wissenschaftliche Studien. „Bei Hautkontakt wirkt Formaldehyd vor allem als starkes Kontaktallergen“, sagt Dr. Susanne WegRemers, Leiterin des Krebsinformationsdiensts des Deutschen Krebsforschungszentrums. Die Schwierigkeit bei der Bewertung des Gefahrenstoffs ist, dass Formaldehyd in ganz geringen Mengen auch in der Natur vorkommt, zum Beispiel in Holz. Eine „Nullgrenze“ anzusetzen sei „unrealistisch, zumal die Nachweisgrenze bei drei Milligramm pro Kilogramm liegt“, sagt Heike Scheuer vom Internationalen Verband der Naturtextilien (IVN), der für die von ihm zertifizierten Stoffe recht strenge Richtlinien anlegt.


Für Formaldehyd in Textilien gibt es keinen gesetzlichen Grenzwert


Scheuer fordert: „Formaldehyd sollte im Input verboten werden.“ Bisher ist der Gesetzgeber davon allerdings weit entfernt: Es gibt nicht einmal einen gesetzlichen Grenzwert für Formaldehyd in Textilien – einzig ab dem aus Sicht von ÖKOTEST astronomisch hohen Wert von 1.500 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) müssen Hersteller die Waren mit dem Hinweis kennzeichnen: „Enthält Formaldehyd. Es wird empfohlen, das Kleidungsstück zur besseren Hautverträglichkeit vor dem ersten Tragen zu waschen.“

Die Frage, die ÖKOTEST bei Ausrüstungsverfahren mit Chemikalien stellt, ist wie so oft eine ganz einfache: Geht es auch ohne diesen Schadstoff? Wir wollten das genauer wissen, und haben 19 Stoffe ins Labor geschickt. Und die Antwort ist im Fall Formaldehyd, wie immerhin zwölf der getesteten Produkte zeigen, ebenso einfach: Ja, es geht.

Besonders weiche , bügel- oder knitterfreie Bettwäsche hat oft chemische Ausrüstungsverfahren hinter sich.


Foto: Fuse/Thinkstock

Das Testergebnis

Damit liegen Sie gut: Zehn der getesteten Produkte können wir empfehlen, zwei davon schnitten sogar mit „sehr gut“ ab. Einziger Kritikpunkt bei den beiden Testsiegern: In den Bezügen Driessen Traumflachs Halbleinen Piccolo und True Stuff Contemporary Marilyn Twilight stecken, wie in fast allen anderen getesteten Produkten auch, optische Aufheller. In diesen beiden Fällen besteht allerdings zumindest kein Hautkontakt.
Damit liegen Sie daneben: Am Ende der Skala stehen allerdings zwei Produkte, die wir nicht empfehlen können: In der MakoBrokatDamastBettwäsche Delhi von Curt Bauer und in der Plaza Plain Honan Bettwäsche von Joop haben die von uns beauftragten Labore mit Formaldehyd, halogenorganischen Verbindungen und optischen Aufhellern mit Hautkontakt gleich drei Treffer erzielt. Auf dem Etikett von Curt Bauer verrät der Begriff „bügelleicht“ eine Ursache für unseren Fund. Auch Joop versteckt die Schadstoffe nicht besser: „Veredelung für wäschebeständigen Glanz“ heißt es in der Produktinformation auf der Website.
Aus der Traum: Auf der Bio Wendebettwäsche Tandem Biber/Satin in der Farbe Cerise/Orange von Cotonea prangte bislang das Siegel des IVN – das muss nach unserem Test aber erst einmal runter. Das von uns beauftragte Labor fand halogenorganische Verbindungen in dem Bettbezug. Dafür gibt’s Punktabzug: Es handelt sich dabei um eine umstrittene Gruppe von Stoffen, von denen einige Allergien auslösen, andere sogar Krebs erzeugen können. Unserer Meinung nach haben solche Stoffe in Textilien nichts zu suchen – und wo „Bio“ draufsteht, erst recht nicht. Dass ÖKOTEST dem Naturhersteller halogenorganische Verbindungen in Bettwäsche nachweist, ist leider nicht das erste Mal. Bereits bei unserem Bettwäschetest 2008 fand das von uns beauftragte Labor diese Stoffe in einem der CotoneaProdukte. Auch damals warb der Hersteller mit dem IVN-Siegel, auch damals musste es runter. Mit einem Siegel zu werben, dessen Grenzwerte allerdings nicht einzuhalten – das geht aus unserer Sicht gar nicht. Auch dafür gibt es Punktabzug.

Interview

Längerer und tieferer Schlaf mit weniger Unterbrechungen

Foto: privat

Jürgen Zulley ist Professor für Biologische Psychologie und Buchautor und war vor seinem Ruhestand Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums am Bezirksklinikum Regensburg.

ÖKO-TEST: Herr Zulley, kann die Wahl der Bettwäsche Auswirkungen auf die Schlafqualität haben?
Eindeutig ja! Das hat uns selbst überrascht – aber wir haben zu dem Thema vor einiger Zeit eine Studie mit Bettdecken im Schlaflabor durchgeführt. Dabei haben wir den Probanden in drei aufeinanderfolgenden Nächten jeweils unterschiedliche Decken gegeben – zunächst ganz normale und dann solche, die die Feuchtigkeit besonders gut abführen. Das Ergebnis war ganz eindeutig: In den Nächten mit der „besseren“ Bettdecke haben die Versuchspersonen länger, tiefer und mit weniger Unterbrechungen geschlafen. Grundsätzlich kann man also klar sagen, dass die Qualität des Schlafes auch durch die Wahl der Bettwäsche verbessert werden kann.

Wie erklären Sie sich das?
Im Grunde ist das ganz einfach: Für erholsamen Schlaf brauchen wir auch die richtige Körpertemperaturregulation. Aus diesem Grunde schwitzen wir, während wir schlafen, mindestens einen halben Liter pro Nacht. Und diese Feuchtigkeit muss abgegeben werden. Wenn die Bettwäsche also den Schweiß aufnimmt und auch wieder absorbiert – wir somit also am nächsten Morgen nicht völlig durchnässt aufwachen – schlafen wir besser.

Welches Material würden Sie denn empfehlen?
Beim Aufbau der Bettdecke sollten sogenannte Klimazonen vorgesehen sein, als Füllung gute Daune. Bei der Bettwäsche würde ich offenporige Baumwolle empfehlen, da nicht zu dicht gewebtes Material atmungsaktiver ist und optimaler die Feuchtigkeit durchlässt.

Strahlend weiß: 18 von 19 Herstellern verwenden für ihre Produkte optische Aufheller, die die Umwelt belasten, weil sie kaum abgebaut werden. Bei Hautkontakt können sie mit dem Schweiß auf die Haut gelangen und allergische Reaktionen auslösen. Völlig überflüssig sind sie noch dazu – sie waschen sich ohnehin aus, das strahlende Weiß verblasst mit jeder Wäsche. Bei den getesteten Produkten von Bassetti, Desigual und Schlossberg ließen sich die optischen Aufheller sogar an der Außenseite des Oberstoffs finden, bei den anderen in Etiketten, Reißverschlüssen, Knöpfen und im Nähgarn – unnötiger geht es kaum. Nur in der Bettwäsche von Cotonea hat das Labor keine Weißmacher gefunden.
Knitterfrei und giftig: In vier Bezügen haben wir Gehalte an Formaldehyd gefunden, die wir noch als Spuren bewerten, in drei weiteren, den Stoffen der Hersteller Schlossberg Textil, Curt Bauer und Joop!, auch mehr. Hier werten wir ab.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben uns in Bettengeschäften, Kaufhäusern und Onlineshops umgesehen und 19 Bettwäschen ab 96 Euro aufwärts gekauft. Die teuerste kostet 309 Euro. Bei den Stoffen handelt es sich hauptsächlich um Satin und Baumwolle, weil die am meisten verkauft werden. Ein Produkt ist aus Seide, um das Spektrum der edlen Stoffe abzudecken. Zwei Bettwäschen sind mit Naturtextilien-Labels gekennzeichnet.

Die Inhaltsstoffe
Bedeutet edel auch rein? Lohnt sich der tiefe Griff in das Portemonnaie? Die von uns beauftragten Labore haben die Bettwäsche auf Formaldehyd, halogenorganische Verbindungen, Nonylphenolethoxylate, optische Aufheller und verbotene Farbmittel untersucht. Meist sind das Chemikalien, die von den Herstellern bewusst eingesetzt werden, um den Stoff „ edler“ zu gestalten. Azo-Farbstoffe etwa sind günstig und erzeugen knallige Farben – können aber krebserregende Amine freisetzen. Formaldehydhaltige Harze setzen Hersteller ein, um Stoffe „bügelleicht“ zu machen. Halogenorganische Verbindungen können über Bleiche ins Textil kommen; Nonylphenolethoxylate kommen als Waschmittel zum Einsatz und belasten so das Abwasser. Rückstände davon befinden sich häufig noch in der fertigen Ware.

Das IVN-Siegel hat Cotonea nach unserem Test entfernt.


Die weiteren Mängel
Stecken in den Verpackungen der Bettwäsche PVC/ PVDC/chlorierte Verbindungen? Das belastet die Umwelt unnötig und führt deswegen zu Punktabzug. Genauso bewerten wir optische Aufheller ohne Hautkontakt – auch sie belasten die Umwelt. Auch wenn ein Hersteller mit einem Natursiegel wirbt, aber nicht alle Grenzwerte des Siegels einhält, bemängeln wir das.

Die Bewertung
Die ganze Nacht liegen, schlafen und schwitzen wir in der Bettwäsche. Deswegen bewerten wir die Stoffe genauso streng wie andere Textilien mit viel Hautkontakt, zum Beispiel Unterwäsche und T-Shirts. Bei Formaldehyd orientiert ÖKO-TEST sich an dem Grenzwert des Natursiegels IVN-Best, der bei 16 mg/kg liegt. Alles, was unter unseren Abwertungsgrenzen liegt, kennzeichnen wir mit dem Begriff „Spuren“.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glosssar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 242.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: optische Aufheller ohne Hautkontakt. 2) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 3) Weiterer Mangel: Der Hersteller wirbt mit dem Naturtextiliensiegel IVN Best, hält aber dessen aktuellen Grenzwert für halogenorganische Verbindungen nicht ein. 4) Das Produkt ist mit dem Naturlabel GOTS zertifiziert.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: 16 mg/kg oder mehr Formaldehyd. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) halogenorganische Verbindungen; b) optische Aufheller mit Hautkontakt. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Hersteller wirbt mit einem Naturtextiliensiegel, obwohl er einen von dessen Grenzwerten nicht einhält. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) optische Aufheller ohne Hautkontakt, falls nicht schon optische Aufheller mit Hautkontakt abgewertet wurden; b) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das befriedigend ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „N1505“ eingeben.
Bereits veröffentlicht undStand der Ergebnisse: ÖKOTEST-Magazin 12/2014. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKOTEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Einkauf der Testprodukte: August 2014.

Expertin

„Bei Hautkontakt ein starkes Allergen“

Foto: Tobias Schwerdt

„Formaldehyd wird hauptsächlich eingeatmet und kann über die Atemwege Krebs erzeugen. Bei Hautkontakt wirkt es vor allem als starkes Allergen. Aber bereits durch einmaliges Waschen der Bettwäsche kann die Gefahr einer Aufnahme über die Haut deutlich gesenkt werden.“

Dr. Susanne Weg-Remers , Leiterin des Krebsinformationsdiensts des Deutschen Krebsforschungszentrums

ÖKO-TEST rät

■ Der Preis lässt in diesem Luxussegment nicht auf die Qualität der Inhaltsstoffe schließen: Kein Produkt über 200 Euro schließt in unserem Test besser als mit „befriedigend“ ab, die günstigeren erzielen tendenziell sogar die besseren Ergebnisse.
■ Achten Sie bei den Etiketten auf die Begriffe „veredelt“, „mercerisiert“, „knitterfrei“ oder „bügelleicht“ – und lassen Sie sich von schönen Worten nicht täuschen. Dahinter stecken Ausrüstungsverfahren.
■ Wie bei allen Textilien gilt auch bei Bettwäsche: Nach dem Kaufen erst einmal waschen.