Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

Eine ehrliche Haut


ÖKO-TEST Spezial Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2013 vom 07.06.2013

Für Schönheit ist ein Kraut gewachsen. Nur welches? Naturkosmetikerinnen können da weiter helfen. Sie sind darauf spezialisiert, für jeden Haut- und Menschentyp die richtige Behandlung zu finden. Unsere Autorin hat eine Gesichtsbehandlung ausprobiert und mehr über ihre Haut erfahren.


Artikelbild für den Artikel "Eine ehrliche Haut" aus der Ausgabe 6/2013 von ÖKO-TEST Spezial Kosmetik und Wellness. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Image Source

Jetzt liege ich hier, äußerst bequem übrigens. Probier das mal aus, haben alle gesagt. So eine Behandlung bei einer Naturkosmetikerin ist toll. Das ist eine ganz sanfte Variante von Kosmetik. Mit Massagen. Fußbädern. Viel Wärme. Lavendel. Rosenblüten. Zaubernuss. Die Haut atmet auf. Es ist wie ein ...

Weiterlesen
Artikel 1,14€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Spezial Kosmetik und Wellness. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2013 von Von Originalen und Nachahmern. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Von Originalen und Nachahmern
Titelbild der Ausgabe 6/2013 von Stoffe in der Naturkosmetik: Zurück zu den Wurzeln. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Stoffe in der Naturkosmetik: Zurück zu den Wurzeln
Titelbild der Ausgabe 6/2013 von Naturkosmetiksiegel: Die Zeichen der Zeit. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Naturkosmetiksiegel: Die Zeichen der Zeit
Titelbild der Ausgabe 6/2013 von Die bekanntesten Naturkosmetikzeichen in Deutschland. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die bekanntesten Naturkosmetikzeichen in Deutschland
Titelbild der Ausgabe 6/2013 von Allergien auf Naturkosmetik: Wenn die Haut Alarm schlägt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Allergien auf Naturkosmetik: Wenn die Haut Alarm schlägt
Titelbild der Ausgabe 6/2013 von In Kürze. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
In Kürze
Vorheriger Artikel
Ein Anfang ist gemacht
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Die Qual der Wahl: Worauf frau achten kann
aus dieser Ausgabe

... Kurzurlaub. Du wirst es lieben.

Ich aber habe ein schlechtes Gewissen. Etwa so wie beim jährlichen Zahnarztbesuch. Und das kommt nicht von ungefähr. „Sie reinigen Ihre Haut nicht richtig“, sagt die Stimme über mir. Es schwingt ein wohlmeinender, aber auch leicht mahnender Tonfall darin. Mit einem weichen Bürstchen reinigt Victoria Berg meine Gesichtshaut. Es ist zum Wegschlummern angenehm. Doch die Dr.-Hauschka-Kosmetikerin ist noch nicht zufrieden. „Ihre Haut am Kinn ist sehr verhornt“, sagt sie und greift zu einer neuen Portion Gesichtswaschcreme. Meine Haut und ich, wir machen uns hier nicht einfach einen netten Tag. Wir sind in Behandlung. Das Ziel: die körpereigenen Selbstheilungskräfte aktivieren. Damit die Natur von sich aus strahlt.

Für immer mehr Deutsche gehört der Gang zur Kosmetikerin zur Schönheitspflege. Rund 3,5 Millionen Menschen hierzulande gönnen sich regelmäßig eine Kosmetikbehandlung, 45.000 Kosmetikstudios gibt es bundesweit. In der Öko-Szene galt es lange als dekadent, seine Haut zur Kosmetikerin zu tragen. Doch seitdem der Siegeszug der grünen Cremes und Salben auch die Wellnessbranche erreicht hat, sieht das anders aus. Sich fallen und verwöhnen lassen, um danach mit neuer Energie und strahlendem Aussehen in den Alltag zurückzukehren – das gönnen sich nun auch Frauen und Männer, die eine natürliche Lebensweise bevorzugen.

Wer allerdings im Branchenbuch nach einem naturkosmetischen Angebot sucht, wird nicht so schnell fündig. Richtig etabliert sind die grünen Hautprofis bisher nicht. Das zeigt auch ein Anruf beim Bundesverband Deutscher Kosmetiker/-innen (BDK), dem ältesten Fachverband der Branche. Monika Ferdinand hebt den Hörer ab, sie ist Vorsitzende des BDK. Wie viele ihrer 1.000 Mitglieder zertifizierte Naturkosmetik im Angebot führen, kann sie nicht sagen. Nur dass der Anteil verschwindend gering ist. „Die Naturkosmetikhersteller konzentrieren sich eher auf Bio-Läden, Reformhäuser und Apotheken“, nennt sie als einen Grund. Ein anderer ist für sie die Qualität der Ausbildung: „Wir verlangen von unseren Kosmetikerinnen eine einjährige Ausbildung mit mindestens 1.250 Stunden plus ein halbes Jahr Praktikum.“ Worauf Ferdinand hinaus will: Der Beruf der Kosmetikerin ist keine geschützte Berufsbezeichnung.

Man gönnt sich ja sonst nichts: Sich im Kosmetikstudio verwöhnen zu lassen, tut Haut und Seele gleichermaßen gut.


Foto: iStockphoto/©Thinkstock

Nicht jede Kosmetikerin hat eine gute Ausbildung

Mehrere Wege führen hier zum Ziel. Neben der staatlich anerkannten Ausbildung zur Kosmetikerin gibt es auch private Ausbildungen. Eine solche hat Doris Stephenson absolviert. Die selbstständige Naturkosmetikerin und examinierte Krankenschwester aus Würzburg ist erste Vorsitzende des Bundesverbandes der Naturkosmetiker/-innen (Buvena). „Der Verband hat es sich zum Ziel gesetzt, das Berufsbild der Naturkosmetikerin in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, damit dieser Berufsstand die Bedeutung erlangt, die ihm zusteht“, heißt es im Internet. „Wir wollen ein Gütezeichen sein“, ergänzt Doris Stephenson. Davon ist der Buvena derzeit allerdings weiter entfernt denn je: Die Mitgliederzahlen sind nach der Gründungseuphorie 2008 stark zurückgegangen. Gerade einmal 30 Kosmetikerinnen sind im Buvena engagiert, vor drei Jahren waren es noch 80. Die Verbandschefin nimmt es scheinbar mit Gelassenheit. In ihrer Branche seien eben eher Einzelkämpfer unterwegs, die sich nicht gern an eine Organisation binden.

Wie viele Naturkosmetikerinnen es in Deutschland gibt, kann auch sie nicht sagen. Nur dass es etliche sind, die vom grünen Trend profitieren wollen: „Viele Kosmetikerinnen wollen auf den Zug aufspringen und hängen ein Schild mit dem Wort Naturkosmetik ins Fenster, obwohl sie keine Kenntnisse davon haben.“ Der Bundesverband gibt deshalb ein eigenes Logo heraus, das gewisse Standards garantieren soll. Buvena-Naturkosmetiker arbeiten ausschließlich mit BDIH-zertifizierten Produkten. Bevorzugt werde ein ganzheitlicher Behandlungsansatz, der mit Berührungen arbeitet und den Menschen als Ganzes sieht. Ablehnend steht der Verband Eingriffen in den Körper gegenüber, etwa dem Einsatz von Bürstenschleifgeräten oder Angeboten wie Permanent-Make-up. Bewerber müssen eine naturkosmetische Grundausbildung von mindestens 250 Stunden vorweisen, alternativ eine konventionelle Ausbildung mit naturkosmetischer Fortbildung oder neben der Ausbildung mindestens fünf Jahre Berufserfahrung im ganzheitlichen Arbeiten mitbringen.

Foto: iStockphoto/©Thinkstock

Foto: iStockphoto/©Thinkstock

Ob man sich nun aufs Buvena-Logo verlässt oder auf einen Tipp aus dem Bekanntenkreis: Die Wahl einer Naturkosmetikpraxis bleibt eine Sache des persönlichen Eindrucks. Denn das Empfinden, ob eine Behandlung gut oder schlecht ist, sei immer subjektiv, sagen die Profis übereinstimmend. Ein paar Anhaltspunkte gibt es dennoch: Das Kosmetikstudio sollte sauber sein und einen angenehmen Eindruck vermitteln. Verkaufsraum und Behandlungszimmer gehören getrennt und Verkaufsgespräche haben in der Behandlung nichts zu suchen. Gut ist es, wenn die Kosmetikerin eine staatliche anerkannte Ausbildung hat.

Erst mal reden, dann erst pflegen

Zum ersten Termin gehört ein intensives Vorgespräch. Dabei wird nach Pflege-, Ernährungs- und Schlafgewohnheiten gefragt. Die Kosmetikerin analysiert die momentane Hautsituation und entscheidet erst dann, was die Kundschaft braucht. So macht es auch Victoria Berg, als sie mich vor der Behandlung nach bisherigen Erfahrungen mit Naturkosmetik fragt. Nach der Behandlung, so rät sie, solle ich die Haut einen Tag lang beobachten: „Nur so können wir mögliche Allergien ausschließen.“ Tatsächlich ist auch in der Naturkosmetik die Verträglichkeit immer wieder ein heikles Thema. Denn pflanzliche Inhaltsstoffe wie Arnika oder Ringelblume und ätherische Öle können Kontaktallergien und Hautreizungen auslösen. Anders als konventionelle Kosmetik erhöht Naturkosmetik das Allergierisiko jedoch nicht durch problematische Konservierungsmittel oder Emulgatoren.

Ganzheitliches Behandlungskonzept

Die Entscheidung für eine Behandlung mit natürlicher Kosmetik hat oft auch etwas mit der Vorliebe für eine ganz bestimmte Pflegelinie zu tun. Es gibt Studios, die komplette Behandlungen zum Beispiel mit Produkten von Martina Gebhardt oder Primavera anbieten. Der Hersteller Wala mit seiner Kosmetiklinie Dr. Hauschka bildet sogar eigene Kosmetikerinnen aus. Die Weiterbildung umfasst sieben Seminartage in zwei Blöcken mit theoretischer und praktischer Prüfung. Voraussetzung ist eine staatliche oder gleichwertige Ausbildung zur Kosmetikerin und mindestens alle zwei Jahre eine weitere Fortbildung. 800 Hauschka-Studios gibt es derzeit in Deutschland.

Mit den eigens geschulten Kosmetikerinnen verfolgt das Unternehmen mit Sitz im schwäbischen Kurort Bad Boll ein eigenes ganzheitliches Behandlungskonzept. Die Behandlungen mit den sanften Berührungen sollen die Regeneration und Gesundheit des Menschen fördern. „Es geht nicht vorrangig darum, dass der Mensch durch die Behandlung schöner wird, sondern dass ich ihm insgesamt etwas Gutes tue“, erklärt die Hauschka-Kosmetikerin Angela Wiese aus Hannover.

Das tut einfach nur gut. Danach lässt sich der Alltag mit neuem Schwung und strahlendem Aussehen gut meistern.


Foto: danstar/Shotshop.com

Ihre Münchner Kollegin Victoria Berg hat mir zur Begrüßung erst einmal einen Tee angeboten und dann ein warmes Lavendelfußbad eingelassen. „Die Füße sind das Pendant zum Gesicht“, sagt Berg. „Sind Ihre Füße warm und entspannt, sind Sie es auch.“

Eine gefühlte Ewigkeit später habe ich warme Füße, butterweiche Haut und Wattepads auf den Augen. Eine Stunde ist vergangen – so lange dauert eine klassische Hauschka-Reinigungsbehandlung. In dieser Zeit hat die Kosmetikerin mir Nacken und Gesicht massiert, duftende Kompressen auf das Dekolleté aufgetragen und wieder abgenommen und immer neue Cremes („Ihre Haut braucht Feuchtigkeit!“) auf meinen offenbar sehr durstigen Gesichtszügen verstrichen. Mit einem Dampfbad hat sie meine Poren geöffnet und anschließend unzählige Unreinheiten mit einer kleinen Vakuumpumpe entfernt. Nun wirkt eine letzte Maske für Augen und Gesicht ein. Düfte wie aus einem Klostergarten schwingen durch das Zimmer. Victoria Berg verlässt diskret den Raum. Im Empfangsraum wird nachher ein persönlicher Pflegeplan auf mich warten. Bis auf wenige Sätze haben wir in dieser Stunde geschwiegen. Das allerdings ist nicht allzu erstaunlich: Ich war einfach viel zu entspannt, um zu reden. Und auch mein schlechtes Gewissen hat schnell Ruhe gegeben.

Entspannung ist der halbe Weg zum Glück. Wer sich gut fühlt, strahlt das auch nach außen aus.


Foto: saintclair23/Fotolia.com

Foto: Stockbyte/©Thinkstock