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Eine schöne, frühe Geburt


ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 11/2015 vom 20.11.2015

Charlotte Brychcy bekam im Sommer 2015 mit 23 Jahren ihr erstes Kind – sowohl die Schwangerschaft als auch die Geburt verliefen komplikationslos. Tochter Elfrieda ist ein friedliches Mädchen, und die Großeltern scharen sich um die junge Familie. Eine Bilderbuchgeschichte.


Artikelbild für den Artikel "Eine schöne, frühe Geburt" aus der Ausgabe 11/2015 von ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie, Ausgabe 11/2015

Fotos (3): Sebastian Willnow

Eigentlich ist bei uns alles super gelaufen: Die Schwangerschaft und die Geburt waren ohne Komplikationen, abgesehen von den üblichen Wehwehchen, die wohl dazugehören. Nur der Zeitpunkt hat uns doch etwas überrascht: Ich wollte zwar gern eine junge Mutter werden, Elfrieda ist ein absolutes Wunschkind. Aber ...

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... als wir den positiven Test in der Hand hielten, waren wir doch erst mal ganz schön baff und etwas erschrocken. Wir haben einen Tag gar nicht mehr darüber geredet und bis zum Wochenende gewartet.


Elfrieda ist zwar ein Wunschkind, aber wir waren trotzdem etwas erschrocken


Auch unsere Eltern wollten zunächst gar nicht glauben, dass sie schon Oma und Opa werden, und waren anfangs nicht gerade begeistert. Sie machten sich Sorgen, dass es für uns schwer werden könnte, besonders finanziell. Ich hatte wenige Monate vorher erst meinen Bachelor gemacht und war ganz neu in meinem ersten Job in der Bauüberwachung bei der Bahn, mein Freund Kevin wollte auf jeden Fall noch sein Masterstudium zum Bauingenieur zu Ende machen.

Aber inzwischen hat sich alles prima geklärt. Meine Chefin hat Gott sei Dank toll reagiert und mir gratuliert. Kevin hat seine Masterarbeit etwas verschoben. Die Skepsis hat sich komplett in Euphorie gewandelt. Wir sind total glücklich, und auch die Großeltern sind kaum noch zu bremsen, obwohl sie in Berlin und in Thüringen leben.

Meine Schwangerschaft verlief alles in allem ziemlich gut. Okay, in den ersten Wochen war ich oft todmüde, und gegen Ende bekam ich heftige Rückenschmerzen. Ich bin zwar sonst sehr sportlich, gehe Zumba tanzen und zum Fitnesstraining. Das konnte ich sogar noch bis zum sechsten Monat. Aber ich hatte ganz schöne Beschwerden im Rücken, weil eben die Bänder und Muskeln heftig gedehnt wurden und sich lockerten – gerade weil ich sportlich gut trainiert war. In den letzten Wochen vor dem Mutterschutz habe ich dann nur noch 20 Stunden pro Woche gearbeitet, glücklicherweise war das möglich.

Mein Freund brauchte etwas Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass er Papa wird. Er ist ja auch erst 25. Aber er hat dann viel im Internet gelesen, und ich habe ihm ein Buch geschenkt: Nuckelalarm. Das Überlebensbuch für Väter. Ob es ihm geholfen hat? Ich weiß nicht recht. Er meint, es hat eher mir geholfen. Aber für uns beide stand fest, dass wir lieber als junge Menschen ein Kind wollten, statt erst mit 40. Man ist vielleicht belastbarer und entspannter so.

Ganz entspannt und friedlich: Die kleine Elfrieda macht ihren Eltern das Leben nicht allzu schwer, sondern schläft schon mehrere Stunden am Stück.


Für Charlotte und Kevin stand fest, dass sie gern junge Eltern sein wollten. Die Schwangerschaft kam dennoch überraschend.


Über den Namen mussten wir zum Glück gar nicht lange nachdenken. Schon vor der Schwangerschaft hatten wir „Elfrieda“ aufgeschnappt und waren uns von da an einig: Wenn wir mal eine Tochter bekommen, soll sie genau so heißen. Wir haben es während der ganzen Schwangerschaft keinem erzählt, damit uns niemand reinredet. Dabei haben wir erst im sechsten Monat erfahren, dass es tatsächlich ein Mädchen wird. Bis dahin hat sie sich immer weggedreht, wenn wir im Ultra schall gucken wollten. Aber wir wollten es unbedingt vorher wissen und nicht wie andere bis zur Geburt warten. Das wäre auch eine schöne Überraschung geworden: Ich hatte bis dahin immer auf einen Jungen getippt.

Als es dann losging, ging alles viel zu schnell, um unser Wissen aus dem Geburtsvorbereitungskurs richtig anzuwenden. Es war am Tag des errechneten Entbindungstermins, mitten im Juli. Ich hab mich noch gegen Mittag mit einer Freundin im Park getroffen, die am selben Tag ihren Termin hatte. Wir waren uns einig, dass die Kinder jetzt ruhig mal kommen sollten. Gegen Abend bekam ich dann alle sieben bis zehn Minuten Wehen. Um den Schmerz zu lindern, ging ich noch baden und versuchte mich auszuruhen, allerdings wurden die Wehen dadurch noch stärker. Aber ich wollte bis zum Einzug in den Kreißsaal nicht glauben, dass es wirklich losgeht.


Jetzt kann das Kind ruhig kommen, sagte ich. Abends starteten die Wehen


Als die Wehen dann schon alle drei Minuten kamen, mussten wir unseren Plan, mit dem Linienbus zu fahren, aufgeben und uns von der Nachbarin in die nahe gelegene Uniklinik bringen lassen. Die Geburtsstation hatten wir uns bereits vorher angeguckt und wollten gern dorthin. Gegen 23 Uhr ging es in den Kreißsaal – und drei Stunden später war Elfrieda schon da. Als zwischendurch die Schmerzen so schlimm wurden, dass ich eine PDA bekommen wollte, war ihr Kopf schon zu sehen. Da haben wir es mit der Anästhesie gelassen. Selbst die Klinikmitarbeiter waren echt überrascht, dass es dermaßen schnell ging. Eine Ärztin sagte hinterher noch zu mir: „Das ist Geburtshilfe: Es läuft immer wieder anders, als man es kennt.“ Kevin hat die ganze Zeit mitgefiebert. Er hat versucht, mich zu unterstützen, mir durch die Wehen zu helfen, es gemütlicher zu machen, das Licht gedimmt und das Radio angedreht. Nur als er die Nabelschnur durchtrennen durfte, war ihm zu schwindelig und er musste kurz vor die Tür gehen.

Nach vier Tagen im Krankenhaus, an einem Samstagmittag, sind wir zusammen bei Sonnenschein nach Hause gelaufen – ein Spazierweg durch den Park, das war ein sehr schöner Augenblick für uns. Als wir kaum zu Hause waren, standen schon meine Eltern in der Tür. Sie sind ganz schön aufgeregt und helfen uns, wo sie können. Jetzt müssen wir uns alle erst mal an die neue Situation gewöhnen, das Leben läuft schon ganz schön anders als vorher. Kevin steht manchmal nachts auf, um zu lauschen, ob Elfrieda noch atmet. Dabei schläft sie richtig gut, mehrere Stunden am Stück. Sie ist bisher ein sehr entspanntes und friedliches Kind. Aber wir müssen unseren Alltag natürlich trotzdem ganz anders als vorher planen. Wir kommen morgens nicht so gut in den Tag, man braucht einfach viel länger für alles. Aber ich finde es total schön – stressig irgendwie, aber ein schöner Stress.

Für Kevin begann die schönste Zeit ohnehin erst nach der Geburt. Vorher war er ja doch etwas außen vor, auch wenn er oft gern am Bauch gelauscht und sich viel Mühe mit uns gegeben hat. Inzwischen kann er selbst viel tun, er wickelt seine Tochter oft und sieht die Kleine auch schon mal lächeln. Das entschädigt ihn. Ich bleibe jetzt insgesamt ein Jahr zu Hause in Elternzeit, mein Freund dann noch zwei Monate. Ein weiteres Kind? Jetzt will ich zunächst im Beruf weiterkommen, Kevin will sein Studium zu Ende bringen und auch einen guten Job finden. Außerdem wollen wir wieder reisen und mehr von der Welt sehen. Das Schöne ist ja: Wir haben noch sehr viel Zeit.