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Einfach raffiniert


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 3/2012 vom 23.03.2012

Eine der anspruchsvollsten Disziplinen beim Bauen ist das Weglassen: Von architektonischem Schnickschnack genauso wie von gesundheitsschädlichen Schadstoffen. Bei diesem Haus ist beides gelungen.


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alle Fotos: Bau-Fritz GmbH & Co. KG

Dieses Haus lässt keinen kalt: Die einfache kubische Form erinnert die einen an die Tradition der Bauhaus-Meister, die anderen an eine Umverpackung für Schuhe. „Die Bauherren wollten ausdrücklich eine sehr reduzierte, klare Form für ihr Haus“, erklärt Architekt Hans-Georg Stotz, der das Haus geplant hat. Also ein Flachdach, einen Baukörper ohne Vor- und Rücksprünge und ...

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... insgesamt wenige feine Details, die den Betrachter vom Gesamteindruck ablenken könnten, aber die Raffinesse der Planung und der Ausführung gut zur Geltung bringen.

Doch ganz so schlicht, wie das Haus in einem kleinen Ort in der Region Stuttgart auf den ersten Blick wirkt, ist es nicht. Der vermeintlich simple Riegel ist nämlich gar keiner, sondern ein durchaus spektakuläres Spiel mit den Erwartungen und den Sinnen des Betrachters. Denn erst auf den zweiten Blick wird diesem deutlich, dass ein Teil des Obergeschosses lediglich aus einer blickdichten Verkleidung mit Leisten aus Lärchenholz besteht. Dahinter verbirgt sich eine etwa 20 Quadratmeter große Dachterrasse. Sie ist direkt vom Bad aus zugänglich. „Kein Raum eignet sich besser für eine Terrasse als ein Badezimmer“, freut sich Bauherr Alexander Frey über das Highlight des Hauses. „Es gibt nichts Besseres, als direkt nach dem Duschen nach draußen zu gehen und in der Hängematte zu trocknen.“

Die in den Baukörper integrierte Wellnessfläche hat einen durchaus profanen Ausgangspunkt. Der Bebauungsplan schreibt für das Wohngebiet eine eingeschossige Bauweise vor. Das Dachgeschoss darf also nur 75 Prozent der Fläche des Erdgeschosses haben. Doch statt das übliche Satteldach zu planen, realisierte das Team um Hans-Georg Stotz einen Teil des Obergeschosses als Patio, dessen Wand luftoffen ist und interpretierten damit die Komplexität des Baurechts ausgesprochen pfiffig. „Das Bauamt hat dankenswerter weise unsere Sicht der Dinge geteilt“, freut sich Stotz, der als Professor für Bauökologie und Baustoffkunde an der Hochschule Biberach lehrt.

Die wenigen Details an der Hausfassade haben eine klare Funktion. So wie der Edelstahlschornstein für den Kaminofen und die Jalousien der Fenster.


Die Ostseite hat zwei Fenster, eines oberhalb der Küchenzeile und ein nahezu unsichtbares für das Gäste-WC. Die beiden Rohre rechts und links dienen der Entwässerung der Dachterrasse.


Fenster wie ein Bild

Auch die Anordnung der Fenster ist teilweise durchaus ungewöhnlich. Die Straßenseite zeigt lediglich ein schmales, hochliegendes Band zur Belichtung der dahinterpostierten Treppe, die Haustür ist als solche kaum erkennbar, da einheitlich in die Holzfassade integriert. Auch das Toilettenfenster nimmt man kaum wahr, wird es doch von den Lamellen der naturbelassenen Lärchenholzschalung überdeckt. „Bei einem kompakten Haus wie diesem kann man das machen“ erläutert Architekt Stotz seine Beweggründe für die weitgehend geschlossene Fassade der Straßenseite. Umso mehr Glas findet sich dann auf der Gartenseite und rund um die Küche. Weder ein Planungsfehler noch ein Irrtum des Fensterbauers ist schließlich das schmale, niedrig liegende Fensterband bei der Sitzgruppe des offenen Wohnbereichs. Seine Hüfthöhe entspricht genau der Blickachse, wenn man in der Sitzgruppe relaxt. „Das Glasband lenkt den Blick wie ein Bilderrahmen und war ein besonderer, schöner Wunsch der Bauherren“, sagt Architekt Hans-Georg Stotz. Das Detail ist auch der offensichtliche Ausdruck der Planungsphilosophie des Büros, das bereits mehr als 1.800 Einfamilienhäuser für den Holzbauexperten Baufritz geplant hat, der das Objekt realisierte. „Wir planen ein Haus immer von innen heraus. Wenn irgend möglich mit dem Lauf der Sonne“, begründet Hans-Georg Stotz die Aufteilung. So auch hier: Morgens scheint die Sonne ins Bad und auf die Dachterrasse, um dann über die Küche zum Wohnraum zu wandern. So erleben die Bewohner den Tagesablauf bewusst mit.

Die Reduktion auf das Wesentliche bestimmt die Dimensionen des Hauses, das mit knapp 130 Quadratmetern Grundfläche ohne Keller daherkommt und damitauf dem Eckgrundstück viel Platz für den Garten lässt. Eine Garage nimmt Fahrzeuge und Gerätschaften auf, im Haus steht neben der Küche eine Kombination aus Hauswirtschaftsund Haustechnikraum zur Verfügung. Ansonsten ist Stauraum die Aufgabe der in die Planung integrierten Schränke, die platzsparend hinter Türen und in einer Nische untergebracht sind. Trotzdem ist Enge auf den 121 Quadratmetern Wohn- und sieben Quadratmetern Nutzfläche für die beiden Bewohner ein Fremdwort, dafür sorgen schon die großen Fenster im loftartigen Erdgeschoss. „Beim Kochen vom freistehenden Küchenblock aus durch die sieben Meter lange Glasfront in den Garten zu schauen, ist einfach klasse“, sagen die Bauherren, die den Raum mit seinen exakt ausgerichteten Achsen aktiv mitgeplant haben. Der Esstisch steht in einer Linie mit dem Küchenblock, ein entmagnetisierter Stahlträger sorgt mit nur einer schlanken Stütze für maximale Bewegungsfreiheit in dem 66 Quadratmeter umfassenden Raum, der bis auf das Gäste-WC und den Technikraum das komplette Erdgeschoss einnimmt. Die einläufige Treppe ins Obergeschoss ist mit ihren Stahlwangen und den dunklen Stufen aus Eichenholz Skulptur und Aufstiegshilfe zugleich. Oben verteilen sich rund um den schlanken Flur drei Wohn- und Arbeitsräume sowie das Badezimmer.

Klarer Kubus ohne Schnörkel. Zur Straße hin dominiert die mit Lärchenholz verkleidete Fassade den ersten Eindruck. Das Naturmaterial wirkt trotzdem warm.


Wohngesundheit inklusive

Dass weniger mehr sein kann, zeigt das Haus nicht nur beim Design, sondern auch bei der Baustoffauswahl. Wie alle Häuser des Allgäuer Holzhausanbieters Baufritz kommen ausschließlich schadstoff geprüfte Produkte zum Einsatz. Bei den im Werk präzise vorgefertigten Wandelementen und Deckenelementen besteht die Dämmung aus Holzspänen und ist mit dem natureplus-Qualitätszeichen zertifiziert. Bereits bei der Herstellung im Werk wird das mit reiner Molke als Brandschutz und wenigen Prozent Soda-Laugenzusatz gegen Pilzbefall behandelte Naturprodukt lückenlos in die Hohlräume der Wände eingeschüttet und verdichtet. Die Innenverkleidung besteht aus Naturgipsplatten, außen sorgen druckfeste Holzweichfaserplatten unter der Fassadenverkleidung für dichte, warme Wände. Völlig abgesperrt ist die Konstruktion aber nicht. Wasserdampf kann in einem genau definierten Umfang durch die Schichten diffundieren, was zu einem behaglichen Raumklima beiträgt.

Interview Energie sparen ist nicht alles

Karl-Heinz Müller ist freiberuflich tätiger Baubiologe und arbeitet auch für den Holzhaushersteller Baufritz


ÖKO-TEST: Wie hängen Energieeffizienz und gesundes Bauen

zusammen?
Karl-Heinz Müller: Energieeffizientes Bauen wird meist auf die Wärmedämmung und eine luftdichte Gebäudehülle reduziert. Alte Gebäude waren energetisch schlecht, hatten im Mittel aber eine eher bessere Luftqualität, da durch Undichtigkeiten ein gewisser Grundluftwechsel sichergestellt war. Heute sind Gebäude viel energiesparender, benötigen aber zusätzliche Lüftungstechnik, da die meisten Menschen mit ihrem oft über Jahrzehnte antrainierten Lüftungsverhalten per Hand im Neubau schnell an Grenzen stoßen. In modernen, luftdichten Gebäuden kommt zudem sehr schadstoff armen Bauprodukten eine immer größere Bedeutung zu, um die Gesundheit der Bewohner nicht zu gefährden.

ÖKO-TEST: Welche Schadstoffe bedürfen besonderer Beachtung

und was kann man gegen sie tun?
Müller: Beispiele für Schadstoffe im konventionellen Hausbau sind unter anderem Isocyanate aus PU-Bauschäumen, Formaldehyd aus Holzwerkstoffplatten, Dispersionsfarben, knitterfreien Wohntextilien und Ähnliches. Dazu Lösemittel und Lösemittelersatzstoffe aus Farben und Klebern, auch den so genannten lösemittelfreien. Auch Biozide aus Kunstharzdispersionsfarben für den Außen- und Innenbereich sowie aus Teppichböden und Weichmacher aus PVC können problematisch sein. Moderne Baustoffe bergen für den Gebäudenutzer also häufig das Risiko, sich ein Emissionsproblem ins Haus zu holen. Inhaltsstoffe sind oft nicht deklariert, Sicherheits datenblätter sind teilweise veraltet und enthalten meist nicht alle wichtigen Informationen. Zudem halten sich viele Hersteller mit Angaben zu Schadstoffemissionen stark zurück. Baufritz hat deshalb in ein direkt anzeigendes Messgerät investiert, einen sogenannten Photoionisationsdetektor. Diese extrem empfindliche elektronische Schnüffelnase ermittelt in Verbindung mit einer Prüfkammer eigene Emissionsprofile, das sind Abklingkurven, und stellt so sicher, dass keine problematischen Baustoffe ins Haus eingebaut werden.

ÖKO-TEST: Worauf sollten Bauherren in Bezug auf Schadstoffe in Bauprodukten besonders achten?
Müller: Möglichst sollte man auf Kunststoffprodukte verzichten und die Produktvielfalt allgemein reduzieren. Wer dann immer auf die besten, verfügbaren Prüflabel der Hersteller, zum Beispiel EC1 PLUS bei Bodenklebern, und auf seriöse Produktprüfungen wie natureplus oder eine umfassende bau biologische Produktbewertung des Hausherstellers achtet, ist ziemlich weit auf der sicheren Seite.

Morgenmuffel haben bei dieser Aussicht keine Chance: Das Bad gruppiert sich um den zentralen Waschtisch, hinter dem Installationsblock links verbergen sich vis-à-vis Dusche und Toilette.


Erlebnis für nackte Füße: Der rustikale Dielenboden im Obergeschoss steht im Kontrast zum versiegelten, fugenlosen Sichtestrich des Erdgeschosses.


Eine Besonderheit ist die serienmäßige Ausstattung gegen Elektro smog, die durch eine mit Grafit versehenen Gipskartonplatte erreicht wird. Diese vom Hersteller Xund–E Schutz-ebene genannte Schicht der Außenhülle ist geerdet und reduziert die von außen wirkende elektromagnetische Strahlung auf ein Minimum.

Auf Wunsch wird eine individuelle Raumluftmessung vor Ort durchgeführt. Mit ihr kann der Erfolg der Baustoffüberwachung und der emissionsarme Ausbau jedes Hauses überprüft werden. Die Ergebnisse werden in einem Gesundheitspass dokumentiert, den die Bauherren überreicht bekommen. So sind Belastungen, die beim Bauen häufig durch Lösemittel, Weichmacher, Formaldehyd und andere Stoffe entstehen können, ausgeschlossen. Für Allergiker bietet das Unternehmen je nach Art der Krankheit auf Wunsch eine besondere Ausstattung an.

Dämmung nach Wunsch

Den Energiestandard können die Bauherren frei wählen: So wie in diesem Fall mit der energiesparenden Ausführung der Gebäudehülle und einem Gas-Brennwertkessel oder als Effizienzhaus 55, dann mit Wärmepumpe und Lüftungsanlage mit CO2-Sensor. Auch als Passivhaus funktioniert das Haus nach Angaben des Herstellers. Dazu wird die Wandstärke erhöht und die Bodenplatte erhält eine zusätzliche Dämmung. Dreifach verglaste, passivhaustaugliche Fenster sind in allen Varianten Standard. Bei der Passivhausversion kommt dann auch eine dezentrale Lüftungstechnik mit Wärmerückgewinnung und einer Regelung, die auf den Kohlendioxidgehalt (CO2) – sprich verbrauchte Luft – in der Raumluft reagiert. Die CO2-gesteuerte Lüftung arbeitet nur so intensiv wie es wirklich notwendig ist und stellt ansonsten einen energiesparenden und raumklimatisch günstigen Luftwechsel sicher. In dieser Variante sind mehrere Lüftungsgeräte im Haus verteilt in die Außenwände integriert.

Dass die Holzspänedämmung etwas weniger gut gegen Wärmeverlust schützt als zum Beispiel Mineralfaserdämmstoffe ficht Architekt Hans-Georg Stotz nicht an: „Wenn man nicht nur die Wandfläche, sondern das Haus als Ganzes betrachtet, kommt man schnell zur Erkenntnis, dass es mehr Sinn macht, sich den Details zu widmen, etwa den Übergängen zwischen den Bauteilen, zum Beispiel vom Fenster zur Außenwand oder der Verbindung von Wänden und Dach.“ Durch die Vorfertigung könnten die Bauteile wie Fenster passgenau mit wenig Spiel in die Aussparungen der Wandelemente eingefügt werden, was auch der Luftdichtigkeit zugutekomme. Allzu dichte Häuser hält der erfahrene Architekt sowieso für einen Irrweg: „Schließlich ist der Mensch ja kein Teil einer Energieeffizienz maschine.“

Gute Energiebilanz

Bei dem hier gezeigten Beispiel spielte der Energieverbrauch beim Betrieb des Hauses eine wichtige, aber nicht die Hauptrolle. Genauso bedeutsam ist dem Hersteller und dem Architekten die Energiebilanz der Baustoffe. Mit Holz als wichtigstem Bestandteil verbraucht das Haus bei seiner Herstellung wenig Energie, zudem bindet das verwendete Holz dauerhaft das Treibhausgas Kohlendioxid, das es beim Wachsen aus der Atmosphäre aufgenommen hat. „Mir ist der Gedanke an den Lebenszyklus, den so ein Voll- Wert-Haus hat, sehr sympathisch“, betont Architekt Hans-Georg Stotz. Sollte das Gebäude irgendwann in einer fernen Zukunft nicht mehr seinen Zweck erfüllen, ist es möglich, fast alle Materialien in den natürlichen Naturkreislauf zurückzuführen. Doch daran wollen die aktuellen Bewohner nicht denken: „Wir sind Wohlfühler, Sichgutgehenlasser und Genießer“, sagt Alexander Frey. „Wichtig war es uns, dass unsere Vorstellungen von, unserem‘ Haus exakt umgesetzt werden konnten. Dass das Haus bei Bau und Betrieb wenig Energie verbraucht, und uns nicht krank macht, sahen wir als Selbstverständlichkeit an.“

Kochvergnügen für Genussmenschen: Die Kochinsel wurde individuell auf die Wünsche der Bauherren ausgerichtet. Ihre Einrichtung ist ebenso schnörkellos wie die Wand- und Bodengestaltung.


Heller geht’s nicht: Küche und dem Essbereich sind lediglich durch das Dreifachglas der Fenster vom Garten getrennt.


Der Weg ins wohngesunde Haus

In fünf großen Schritten können Bauherren und Sanierer sicher den Weg zu einem wohngesunden Haus gehen. Dazwischen liegen, wie bei jedem Bauvorhaben, noch zahlreiche kleinere.

1. Anforderungen festlegen

Gesunde Menschen haben andere Bedürfnisse als Allergiker oder MCS-Kranke. Während für die zweite Gruppe in Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Mediziner eine individuelle Begutachtung und Baustoffauswahl erforderlich ist, können sich Gesunde unter anderem an Empfehlungen staatlicher Stellen für die Qualität der Innenraumluft orientieren. Zum Beispiel der Ad-hoc-Arbeitsgruppe „Innenraumrichtwerte“ der Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK) des Umweltbundesamtes, der Weltgesundheitsorganisation oder der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute. Diese werden teilweise von Gütezeichen berücksichtigt. Bei Umbauten und Sanierungen muss die Vorbelastung mit Schadstoffen wie Holzschutzmitteln oder Schimmel untersucht werden.

2. Bauunternehmen suchen

Baufirmen, Fertighausanbieter, Planer und Handwerker, die nach anspruchsvollen Standards für Wohngesundheit arbeiten, sind noch etwas dünn gesät. Mit der Unterstützung von Experten können sich aber alle am Bau beteiligten Menschen fortbilden lassen. Von Werbeaussagen wie „Vital-Haus“, „gesunde Baustoffe“ oder „Öko-Haus“ sollte man sich nicht blenden lassen. Was solche Sprüche wert sind, zeigt sich bei Punkt 3.

3. Vertrag schließen

Wer meint, in Deutschland sei alles gesetzlich geregelt, wird spätestens beim Thema Bauen eines Besseren belehrt. So existiert für die Qualität der Innenraumluft, im Gegensatz zur Außenluft, keine Vorschrift. Und auch bauaufsichtlich zugelassene Baustoffe können zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Deshalb sollte man diese Punkte in einem Werkvertrag mit dem Bauunternehmen oder Architekten regeln. Werden die geforderten Schadstoffwerte nicht erreicht, müssen diese nachbessern.

4. Auf Qualifikation achten

Kein Meister fällt vom Himmel, auch beim wohngesunden Bauen nicht. Deshalb sollte man als Auftraggeber darauf achten, dass Planer und Handwerker entsprechende Schulungen und Fortbildungen nachweisen können.

5. Kontrollieren lassen

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Nur wenn ein unabhängiger Sachverständiger während und nach der Bauphase die Ergebnisse mit Raumluftmessungen kontrolliert und dokumentiert, kann man sicher sein, in einem schadstoffarmen Haus zu wohnen.

Foto: Sentinel-Haus Institut

Immer dichter sind unsere Häuser in den letzten Jahrzehnten geworden. Schadstoffe aus Bauprodukten werden deshalb nicht mehr „automatisch“ weggelüftet, sondern beeinträchtigen die Qualität der Innenraumluft.

Einfamilienhaus mit Dachterrasse

Baujahr: 2009
Wohnfläche: 121 m²
Nutzfläche: 7,2 m²
Bauweise: Holztafelbau mit Großelementen
Wandaufbau (von innen nach außen): Innenputz/Wandfarbe/ Tapete, Gipsfaserplatte 12,5 mm, 30 mm Installationsebene, 12,5 mm Elektrosmog-Schutzebene, Luftdichtigkeitseinlage aus technischem Papier, Holzständer mit 240 bis 290 mm Hobelspandämmung (je nach Dämmstandard), Holzfaserplatte als Winddichtigkeitsebene, Fassadenverkleidung aus unbehandeltem Lärchenholz oder Mineralputz.Flachdach mit extensiver Dachbegrünung
U-Wert: 0,12 bis 0,20 (je nach Fassadenart)
Fenster: Dreifach verglaste Skalarfenster (Holz-Alu-Rahmen),
Uw-Wert: 0,8 W/(m²K)
Haustechnik: optional Gas-Brennwerttherme oder Wärmepumpe, zentrale oder dezentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung Heizwärmebedarf: 50 kWh/m²a (als Passivhaus 15 kWh/m²a) Jahresprimärenergiebedarf: 88 kWh/m²a (als Passivhaus 96 kWh/m²a inklusive Haushaltsstrom nach Passivhausprojektierungspaket)
Architekt: Hans-Georg Stotz, Freier Architekt, Schwabstraße 130, 70193 Stuttgart, Tel. 07 11 / 12 09 33-30, www.bws-architekten.de
Anbieter: Baufritz seit 1836, Alpenweg 25, 87746 Erkheim/Allgäu, Tel. 08336 / 900-0, www.baufritz-ot.de

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Obergeschoss