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Elektrosmog: Unsichtbare Wellen


ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 5/2013 vom 10.05.2013

Man sieht und riecht ihn nicht, und im Kinderzimmer hat er überhaupt nichts verloren: Elektrosmog. Doch oftmals sind die Zimmer mit elektronischen Geräten vollgestellt – vom Babyfon über Elektrospielzeug bis zu Lampen mit Trafo. Dann steht der Nachwuchs womöglich ständig unter Strom.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie, Ausgabe 5/2013

Mobiltelefone, schnurlose DECTTelefone und Babyfone, WLAN, Blue tooth und vieles mehr sind mit mehr oder weniger ständiger Bestrahlung mit hochfrequenten Wellen verbunden. Nicht alle sind für die Gesundheit abträglich, oft kommt es auf die Leistung des „Senders“ und den Abstand dazu an. Doch mit jedem Gerät steigt die ...

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... Belastung. Hinzu kommen elektrische und mag netische Felder im Niederfrequenzbereich, wie sie über die Elektroinstallation und beim Betrieb von Haushaltsund Bürogeräten sowie Geräten der Unterhaltungselektronik entstehen.

„Gesundheitliche Wirkungen erfolgen beispielsweise direkt über elektrische und magnetische Rezeptoren beziehungsweise über Verstärkungsvorgänge innerhalb des bioelektrischen Systems“, heißt es in einem Positionspapier Elektro smog des Bundes für Umwelt und Naturschutz. Konkret bedeute dies, dass in die Informationswege zwischen einzelnen Zellen oder Zellverbänden dauerhafte Störsignale gesetzt werden. Diese könnten dann eine Fehlinformation enthalten und das gesamte Kommunikationssystem im Körper auf Dauer überfordern. Die direkte Beeinflussung des zentralen Nervensystems durch Elektrosmog könne mit unbewussten Verhaltensveränderungen einhergehen, heißt es weiter.

Bei Menschen mit erhöhter Elektrosensibilität, also bei besonderer Empfindlichkeit gegenüber elektromagnetischen Feldern (EMF), macht sich Elektrosmog mit Befindlichkeitsstörungen bemerkbar. Weltweit soll es nach Schätzungen drei bis acht Prozent elektrosensible Menschen geben. Die Liste der gesundheitlichen Beschwerden, die mit EMF in Zusammenhang gebracht werden, ist lang. Sie reicht von A wie Alzheimer bis Z wie Zellstörungen. Dabei unterscheidet man zwischen reversiblen Beschwerden und bleibenden Krankheiten. Zur ersten Gruppe gehören unter anderem Hyperaktivität bei Kindern, Schlafstörungen, chronische Müdigkeit, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und Migräne, Tinnitus, Allergien und Herzrhythmusstörungen. Symptome wie diese können zwar auch andere Ursachen haben, verschwinden laut Aussagen Betroffener aber häufig nach dem Abschalten von Elektrosmogquellen oder werden dadurch zumindest gemildert.

Die Reflex-Studie der EU, das bisher größte Forschungsprojekt zu dem Thema, hat insbesondere für Leukämie ergeben, dass EMF auch unterhalb geltender Grenz werte eine krebsauslösende und -fördernde (gentoxische) Wirkung haben können. Keinen sicheren Hinweis fanden aktuelle Studien auf die vermehrte Entstehung bösartiger Hirntumore. Allerdings beträgt die angenommene Latenzzeit dafür 10 bis 20 Jahre. Signifikant zugenommen haben dagegen gutartige Hirntumore. Alle diese Störungen können durch ein Wirkungsmodell erklärt werden, das Zellschädigungen zur Grundlage hat. Die Bio-Initiative Working Group, ein Konsortium internationaler Experten, das die wichtigsten biologischen Effekte von EMF ausgewertet hat, resümiert: „Es bestehen schwerwiegende Bedenken bezüglich einer Schädigung der öffentlichen Gesundheit durch Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern von Hochspannungsleitungen und Mobiltelefonen.“

Kompakt

Elektrisch, magnetisch, elektromagnetisch

Den einen Elektrosmog gibt es nicht. Vielmehr wirken elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder unterschiedlicher Frequenz und Stärke auf uns ein, deren physikalische Eigen schaften berücksichtigt werden müssen, um erfolgreich Schutzmaßnahmen planen und umsetzen zu können.

Magnetische Wechselfelder (Niederfrequenz)
Sie werden vom Wechselstrom verursacht und können innerhalb des Hauses entstehen, zum Beispiel bei alten oder fehlerhaft installierten Elektroleitungen. Auch Geräte, Transformatoren und Netzteile senden – meist kleinflächige – magnetische Felder aus. Großflächig wirksame Quellen liegen oft außerhalb des Hauses oder des Grundstücks: Erdkabel, die unter dem Bürgersteig vor dem Grundstück verlaufen, Stromleitungen, die über Dachständer geführt werden oder elektrifizierte Bahnlinien. Ihre Reduzierung ist äußerst aufwendig und teuer. Einfacher, sofern möglich, ist, das komplette Gebäude oder wenigstens die Schlafräume an möglichst gering belasteten Stellen des Grundstücks zu planen.

Elektrische Wechselfelder (Niederfrequenz)
Sie werden durch Wechselspannung verursacht und gehen vor allem von der Elektroinstallation des Hauses und elektrischen Geräten aus – oft auch dann, wenn diese ausgeschaltet sind. Abgeschirmte Elektroinstallationen, unter messtechnischer Kontrolle eingebaute Netzabkoppler sowie abgeschirmte Geräteanschluss- und Verlängerungsleitungen reduzieren die Belastung.

Hochfrequente elektromagnetische Felder
Sie sind vor allem für Rundfunk und Nachrichtenübermittlung relevant. Mobilfunk-, Radio- und Fernsehsender sowie die wesentlich schwächeren, aber dafür dem Lebensraum viel näheren hausinternen WLAN-Router, Access-Points und Endgeräte, DECT-Telefone und sonstige Schnurlostechniken gilt es hier zu berücksichtigen.

Schon die Allerkleinsten finden das Zocken auf Mamas Handy faszinierend. Doch mal ehrlich: Ist das gut fürs Kind – oder bequem für die Eltern?


So vermeiden Sie Elektrosmog

Welche Quellen gibt es für Elektrosmog?

Jede Menge: angefangen von feldintensiven Lampen mit Trafo über nonstop funkende Babyfone, Elektrospielzeug, Modelleisenbahnen bis hin zu Handys und Notebooks. Art und Intensität der jeweiligen Belastung sind dabei aber unterschiedlich.

Kann man bedenkenlos Nachtlichter verwenden?

Ja. Nachtlichter stellen keine nennenswerte Quelle für Elektrosmog dar, zumal sie in der Regel im Abstand von mehr als einem Meter zum Kind in die Steckdose gesteckt werden. Batteriebetriebene Schlummerlichter erzeugen gar keine Felder.

Sind Babyfone bedenklich?

Je nachdem. Babyfone mit Netzteil erzeugen elektrisch wie magnetisch starke niederfrequente Felder, stärker als die meisten PCs. Noch problematischer sind aber Funkbabyfone mit DECT-Technik, die nonstop mit gepulsten Mikrowellen senden, nicht nur wenn das Baby einen Laut gibt. Sie gehören nicht ins Kinderzimmer. Tipp: Kaufen Sie nur Geräte ohne beziehungsweise mit abschaltbarer Reichweitenkontrolle. Das vermeidet zusätzliche elektromagnetische Funkstrahlung. Da sich die Strahlung mit der Entfernung reduziert, sollten Sie das Babyfon im Abstand von mindestens einem Meter vom Babybett aufstellen. Die strahlungsärmsten Babyphone haben das „sehr gut“ von ÖKO-TEST bekommen.

Können synthetische Materialien Probleme verursachen?

Gegenstände aus Synthetik, etwa Spielteppiche, können sich stark elektrostatisch aufladen. Eine hohe Spannung sorgt für ein schlechtes Raumklima, eine Art künstlicher Gewitterstimmung. Zwar laden sich nicht alle Synthetiks elektrostatisch auf, vorsorglich sollten Sie aber bei Anschaff ungen fürs Kinderzimmer auf natürliche Materialien wie Holz, Kork, Wolle oder Linoleum zurückgreifen.

Wie sieht es mit Elektrospielzeug aus?

Einige dieser Spielgeräte sind für erstaunlich starke elektrische oder magnetische Felder verantwortlich, etwa die Trafos elektrischer Eisen bahnen oder Funkgeräte. Allerdings geht es dabei in der Regel nicht um Dauerbelastungen. Tipp: Bei Nichtgebrauch immer den Stecker ziehen – vor allem nachts.

Welche Beleuchtung ist am besten geeignet?

Hände weg von Leuchtstoff röhren und auch Energiesparlampen, die im Prinzip kleine Leuchtstoff röhren sind. Abgesehen von ihrer schlechten Lichtqualität verursachen sie zigmal mehr Elektrosmog als PC-Bildschirme und sparen auch weniger Energie als versprochen ein. Außerdem ist im Bruchfall Quecksilber im Spiel. Eine Alternative sind Halogenlampen; ihre Lichtqualität ist gut, sie halten länger und verbrauchen etwas weniger Strom als Glühbirnen – allerdings mehr als Energiesparlampen. Vorsicht bei Niedervolt-Halogenlampen mit Trafo, da sie oft starke elektrische und magnetische Felder erzeugen.

Geht von Kopfhörern eine Belastung aus?

Das hängt vom Modell ab. Kopfhörer – mit oder ohne Kabel – erzeugen magnetische Felder direkt am Kopf. Funkkopfhörer belasten zusätzlich durch hochfrequente Strahlungen. Eine Alternative sind drahtlose Systeme auf Infrarotbasis.

Ist das Schnurlostelefon im Wohnzimmer eine Gefahr?

Hauptprobleme bei DECT-Schnurlostelefonen sind die hohe Strahlenbelastung beim Telefonieren direkt am Kopf und die Basisstation, die bei den meisten DECTs rund um die Uhr strahlt. Damit steht der Mobilfunkmast praktisch direkt im Zimmer. So ein Gerät gehört dort keinesfalls hin – oder der Babywagen muss raus. Die meisten Eco-DECTs schalten zumindest dann ab, wenn das Telefonat beendet ist.

Was ist besser: Radio- oder Funkwecker?

Ein Funkwecker. Batteriebetriebene Funkwecker erzeugen keinen Elektrosmog, da sie nur passiv die zur Zeitsteuerung notwendigen Signale empfangen. Dagegen fressen Elektro- und Radiowecker nonstop Strom und erzeugen starke elektrische und magnetische Felder – meistens ganz nah am Kopf. Tipp: Netzbetriebene Wecker mehr als einen Meter vom Bett entfernt aufstellen oder auf Geräte umsteigen, die batterie- oder akkubetrieben sind.


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