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ELTERNZEIT: GETEILTE FREUDE IST DOPPELTE FREUDE


ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 17.05.2018

Dass sich Mütter und Väter Elternzeit und Elterngeld gleichberechtigt teilen, ist immer noch selten und erfordert eine gute Organisation sowie flexible Arbeitgeber. Doch die Mühe lohnt sich, erzählt ein Paar, das den Versuch gewagt hat.


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Foto: imago/Westend61

Für Lea Hammermeister und Steffen Kielkopf war immer klar: Das Projekt Familie wollen sie gemeinsam gestalten – als gleichberechtigte Partner, in der Rolle als Erzieher und Verdiener. Hammermeister hatte gerade ihre Ausbildung als psychologische Psychotherapeutin begonnen, als sie mit ihrem ersten Kind schwanger wurde. „Ich hatte den Wunsch, in der ...

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... Ausbildung zu bleiben und nicht zwei Jahre komplett auszusteigen. Und Steffen wollte sich als Vater aktiv einklinken.“ Auf Erfahrung von Freunden oder Verwandten konnten sie sich dabei weniger stützen. Im Freundeskreis der 33-Jährigen war es eher üblich, dass die Mutter erst einmal beim Kind zu Hause bleibt und der Vater dann später ein paar Monate Elternzeit nimmt. Inspiriert hat die beiden dann das Buch Papa kann auch stillen: Wie Paare Kind, Job und Abwasch unter einen Hut bekommen. Die Autoren Stefanie Lohaus und Tobias Scholz hatten sich dazu entschieden, den Familienalltag nach dem 50-50-Prinzip aufzuteilen und beschreiben darin ihre Erfahrungen – sowohl die positiven Erlebnisse als auch die Schwierigkeiten.

Drei Jahre Elternzeit stehen Müttern und Vätern zu. Zwei Jahre davon können sie auch zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes nehmen. So haben die Eltern die Möglichkeit, auch später ihrem Kind viel Zeit zu widmen, etwa wenn es in die Schule kommt. Die Auszeit können sie gleichzeitig oder nacheinander nehmen; hintereinander oder auch in zwei, drei Abschnitte aufteilen – selbst einzelne Tage sind möglich. Eine Zustimmung des Arbeitgebers ist nicht erforderlich, er muss jedoch sieben Wochen vor der geplanten Elternzeit Bescheid wissen, bei einer Auszeit nach dem dritten Geburtstag bereits 13 Wochen zuvor. „Es würde also reichen, wenn die Mutter eine Woche nach der Geburt des Kindes ihrem Arbeitgeber Bescheid gibt, wie sie die Elternzeit nach dem Mutterschutz gestalten will“, sagt Marion Rosswag, Beraterin bei Pro Familia in Karlsruhe. Männer müssen sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin den Arbeitgeber informieren, wenn sie direkt nach der Geburt in Elternzeit gehen wollen. Dennoch rät Rosswag auch Frauen dazu, die Elternzeit bereits vor der Geburt mit dem Arbeitgeber zu besprechen: „Man sollte sich tatsächlich alles, was möglich ist, vorher vom Hals schaffen.“

Lea Hammermeister und Steffen Kielkopf entschieden sich dafür, den Teil der Elternzeit, in dem sie auch Anspruch auf Elterngeld haben, aufzuteilen. Insgesamt also zwölf Monate plus zwei Partnermonate. Hammermeister blieb die ersten acht Monate mit der kleinen Emily zu Hause, danach folgte der Vater für sechs Monate. „Das mit dem Stillen habe ich mir dann doch nicht zugetraut“, sagt Steffen Kielkopf dazu und lacht. Doch die Elternund-Kind-Kurse, die seine Frau angefangen hatte, machte er alle weiter – und war fast immer der einzige Mann in der Gruppe. „Das war ungewohnt, klar. Aber in diesen sechs Monaten habe ich eine Welt kennengelernt, in die viele Männer wohl keinen Einblick bekommen. Ich habe die Zeit wirklich genossen.“ Auch Emilys Eingewöhnung in der Krippe übernahm der Papa.


Fifty-fifty: Sich die bezahlte Elternzeit gerecht zu teilen, ist auch bei jungen Paaren längst noch nicht üblich.


Wer zu Hause einen Teil seiner Arbeit im Homeoffice erledigen kann, ist klar im Vorteil. Aber auch dann muss jeder sich auf die Absprachen mit dem Partner verlassen können.


Foto: AleksandarNakic/getty images

Danach arbeitete Kielkopf wieder Vollzeit als IT-Projektmanager, Hammermeister war in Teilzeit in einer Klinik als Psychologin angestellt und trieb nebenher ihre Ausbildung weiter voran. Beide arbeiteten so annähernd 100 Prozent. „Wir hatten den großen Vorteil, dass ich als Projektmanager sehr viel im Homeoffice arbeiten kann und Lea sich ihre Ausbildung frei einteilen kann“, sagt Kielkopf. „Ohne die Möglichkeit zu haben, zwischendurch Emily von der Kita abzuholen und dann abends, wenn sie im Bett ist, weiterzuarbeiten, hätte das wohl nicht funktioniert.“ Der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt fiel beiden leicht. „Die sechs Monate, die ich weg war, waren auf keinen Fall schlecht für die Karriere“, sagt Kielkopf. „Auf wundersame Weise war sogar das Gegenteil der Fall.“ Noch während der Elternzeit bekam der 33-Jährige das Angebot, eine Führungsposition zu übernehmen.

Nun steht für beide die Planung der Elternzeit erneut auf dem Plan: Emily bekommt ein Geschwisterchen. Und seit Emilys Geburt hat sich auch bei den rechtlichen Regelungen einiges getan – die Elternzeit ist flexibler geworden und das Familienministerium hat das Elterngeld Plus eingeführt. „Die Regelung, dass ich doppelt so lange Elterngeld bekomme – zwar weniger, dafür aber nebenher in Teilzeit arbeiten kann –, finde ich ziemlich cool“, sagt Hammermeister und will bei ihrem zweiten Kind die neue Regelung gleich ausnutzen. Ein halbes Jahr nehmen nun beide zusammen Elternzeit und sind mit ihren Kindern zu Hause. „Wir wollen, dass das zweite Kind die gleiche Aufmerksamkeit bekommt wie das erste, ohne dass Emily dabei zu kurz kommt“, erklärt die Mutter. Nach dem halben Jahr, für das sie auch Elterngeld beantragen wollen, wird Kielkopf wieder voll arbeiten. Auch Hammermeister will dann wieder in Teilzeit arbeiten und ihre Ausbildung weitermachen – und für die zwölf folgenden Monate das Elterngeld Plus beantragen. Danach will das Paar den Partnerschaftsbonus nutzen und parallel vier Monate zwischen 25 und 30 Stunden in der Woche arbeiten.


Wer sich seine Arbeitszeit frei einteilen oderim Homeoffice arbeiten kann, hat es im Familienalltag deutlich leichter.


Es gibt nichts, was Mann nicht (lernen) kann: Junge Väter meistern irgendwann so ziemlich jede vielleicht bislang ungewohnte Aufgabe - sieht man mal vom Stillen des Kindes ab.


Foto: imago/Westend61

Auch dabei profitiert das Paar davon, dass es seine Arbeitszeiten recht flexibel einteilen kann. „In der Praxis ist das für viele jedoch sehr schwer umzusetzen – jede Überstunde kann dabei eine zu viel sein“, sagt Pro-Familia-Beraterin Rosswag. Den Partnerschaftsbonus nehmen ihrer Erfahrung nach deshalb kaum Paare in Anspruch. Auch das Elterngeld Plus lohnt sich nicht für jeden. „Das muss jeder für sich genau durchrechnen.“ Bei ihrer Beratungstätigkeit bemerkt Rosswag immer wieder, dass viele Mütter und Väter Elternzeit und Elterngeld in einen Topf werfen. „Viele wollen mittlerweile nur für den Zeitraum Elternzeit nehmen, für den sie auch Elterngeld bekommen und nutzen die 36 Monate gar nicht voll aus.“ Manchen sei dabei überhaupt nicht bewusst, dass die Elternzeit ganz unabhängig vom Elterngeld geplant werden kann. „Aber es gibt natürlich auch andere Gründe: etwa weil das Geld sonst nicht ausreicht oder beide Partner wieder früh in den Beruf zurückwollen.“

„Es hat ganz schön gedauert, bis wir für uns die richtige Lösung gefunden haben“, sagt Hammermeister. Vor allem Kielkopf ist gespannt, wie der Wechsel von Elternzeit auf Vollzeit und dann auf Teilzeit in der Praxis funktionieren wird. Das Paar kann allen werdenden Eltern nur raten, sich möglichst früh an die Planung zu setzen und auf keinen Fall erst nach der Geburt damit anzufangen. Zwar wird auch das Elterngeld für maximal drei Lebensmonate rückwirkend gezahlt – „aber nach der Geburt hat man normalerweise keinen Kopf für diese ganze Bürokratie“. Und falls sich die Lebensplanung nach der Geburt doch noch ändert, was immer vorkommen kann, ist nichts in Stein gemeißelt. Sowohl die Planung der Elternzeit als auch Elterngeldanträge lassen sich später noch ändern.