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Essen ist fertig!


ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern - epaper ⋅ Ausgabe 13/2008 vom 08.12.2008

Quengelalarm im Auto oder im Sandkasten – viele Eltern zücken dann schnell einen Snack, um die Kinder zu beschäftigen. Doch Zwerge brauchen keine Fruchtzwerge, Kinder-Pinguins und was sonst noch alles – schließlich sind wir auch alle ohne diese Lebensmittel groß geworden.


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Foto: Fancy

Wenn Petra Holzer mit ihrer Tochter auf den Spielplatz geht, packt sie außer einen Eimer und ein paar Förmchen für den Sandkasten nichts ein. Allenfalls eine Flasche Wasser. „Die anderen Mütter und Väter haben immer etwas zu knabbern parat“, sagt sie. Und wenn Töchterchen Marie etwas Verlockendes sieht, wandert sie jedes Mal ...

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Wenn Petra Holzer mit ihrer Tochter auf den Spielplatz geht, packt sie außer einen Eimer und ein paar Förmchen für den Sandkasten nichts ein. Allenfalls eine Flasche Wasser. „Die anderen Mütter und Väter haben immer etwas zu knabbern parat“, sagt sie. Und wenn Töchterchen Marie etwas Verlockendes sieht, wandert sie jedes Mal von einem zum anderen, „blickt sie mit ihren Kulleraugen an und kommt meist mit vollen Händen und Bäckchen wieder zu mir zurück“.

Die Beute lässt sich das Töchterchen dann nicht mehr nehmen, alle Versuche, ihr das „Bettelgut“ wieder abzunehmen, enden mit Zornestränen. Dabei hält die Mutter überhaupt nichts davon, Kinder unentwegt mit Essen vollzustopfen. Wohin man auf dem Spielgelände auch blicke, „ständig kauen kleine Kinder und halten meist gleich zum Nachschieben das Nächste in der Hand“. Quengelalarm im Sandkasten oder im Auto – wie gut, dass dann Kekse oder Früchteriegel greifbar sind. So kehrt zumindest vorübergehend wieder Ruhe ein.

Die Gefahr dabei: Die ständigen Happen zwischendurch können sich zu einer Art Beruhigungsmittel entwickeln. Mit der Zeit fassen Kinder Essen dann als Trost oder Belohnung auf. Im schlimmsten Fall kann sich daraus sogar eine Essstörung entwickeln. Eigentlich wollen Kinder von ihren Eltern Aufmerksamkeit und nicht mit Ersatzbefriedigungen abgelenkt werden. Dabei kann Kindern durchaus zugemutet werden, zwischendurch mal ohne einen Bissen auszukommen. Und wenn sie weiter nörgeln, lenkt sie ein Spiel viel besser ab als Nachschub aus der Kekstüte.

Schönes Kinderleben: Hin und wieder ein Fußballabend mit Chips ist in Ordnung. Dabei sollte es aber auch bleiben.


Foto: DAK/Wigger

Kleinigkeiten zwischendurch

Ernährungsfachleute empfehlen fünf regelmäßige Mahlzeiten am Tag. Dazwischen? Nichts! Aber wie soll das ein Kind nur aushalten, mag so mancher Elternteil jetzt fragen? Tatsache ist doch: Das Gefühl, wie es ist, wenn der Magen mal knurrt, kennen die allermeisten Kinder heutzutage doch gar nicht. Sehr viel verbreiteter ist dafür das Problem, dass sie zu den Essenszeiten keinen richtigen Hunger haben, lustlos am Tisch herumhängen und im Teller stochern. „Ständiges Zwischendurchessen verdirbt aber den Appetit auf die Hauptmahlzeiten“, warnen die Experten vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. Es ist also gar nicht gut, dauernd etwas nachzufüllen.

„Viele Kinder essen zwischendurch irgendwelche Kleinigkeiten und haben deshalb kein Hungergefühl“, weiß auch die Ernährungsberaterin Beatrice Cosmovici aus München und ergänzt: „Manche Kinder trinken permanent und entwickeln dann ebenfalls kaum Hunger.“ Das ständige Zwischendurchessen wirkt sich vielschichtig aus: Feste Essenszeiten weichen auf, jeder isst, wann es ihm passt. Die Ernährungswissenschaftlerin und Buchautorin Dagmar von Cramm sieht darin die Gefahr, „dass der Kühlschrank den Esstisch als Mittelpunkt des Familienlebens ablöst“.

Kalorienreiche Snacks

Zudem sind die kleinen Snacks, die es hübsch verpackt überall zu kaufen gibt, oftmals viel zu kalorienreich. So wird aus dem niedlichen Wonneproppen später schnell ein Moppelchen. Nach den neuesten Ergebnissen der aktuellen Verzehrsstudie (NVS II) vom Januar 2008 ist besonders die Zahl der übergewichtigen Jugendlichen gestiegen. Bei den jüngsten Teilnehmern der Studie zwischen 14 und 17 Jahren sind sieben bis elf Prozent adipös und haben einen Body Mass Index (BMI) von über 30. Ein Wert, der mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und anderen Krankheiten führt. Zudem sind die kleinen Snacks, die es hübsch verpackt überall zu kaufen gibt, oftmals viel zu kalorienreich. So wird aus dem niedlichen Wonneproppen später schnell ein Moppelchen. Nach den neuesten Ergebnissen der aktuellen Verzehrsstudie (NVS II) vom Januar 2008 ist besonders die Zahl der übergewichtigen Jugendlichen gestiegen. Bei den jüngsten Teilnehmern der Studie zwischen 14 und 17 Jahren sind sieben bis elf Prozent adipös und haben einen Body Mass Index (BMI) von über 30. Ein Wert, der mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und anderen Krankheiten führt. Zudem sind die kleinen Snacks, die es hübsch verpackt überall zu kaufen gibt, oftmals viel zu kalorienreich. So wird aus dem niedlichen Wonneproppen später schnell ein Moppelchen. Nach den neuesten Ergebnissen der aktuellen Verzehrsstudie (NVS II) vom Januar 2008 ist besonders die Zahl der übergewichtigen Jugendlichen gestiegen. Bei den jüngsten Teilnehmern der Studie zwischen 14 und 17 Jahren sind sieben bis elf Prozent adipös und haben einen Body Mass Index (BMI) von über 30. Ein Wert, der mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und anderen Krankheiten führt.

Dieser Trend setzt sich auch in anderen Altersgruppen fort. Bei den 18- und 19-jährigen Männern sind 28 Prozent übergewichtig. Vor zehn Jahren waren es in der gleichen Altersgruppe nur 20 Prozent. Bei den gleichaltrigen Frauen schleppen 23 Prozent zu viel Gewicht mit sich herum, 1998 waren es nur 17 Prozent. Die Studie hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Auftrag gegeben. Es ist die erste gesamtdeutsche Studie, die sich mit den Ernährungsgewohnheiten von Menschen zwischen 14 und 80 Jahren be fasst.

Zum Geburtstag viel Glück! Klar, gibt es zum Ehrentag eine leckere Torte, die mit Freunden verputzt wird.


Foto: Fancy

Schon seit Langem weiß man: Die Grundlagen für das Essverhalten werden im Kindesalter gelegt. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Dieser alte Spruch stimmt heute mehr denn je. Denn aus übergewichtigen Kindern werden meist auch dicke Erwachsene. Die ganz normale Alltagskost spielt dabei die Hauptrolle. Es sind nämlich nicht die Pommes beim Ausflug oder das Stück Schokokuchen an Omas Geburtstag, die den Kindern zu viel Gewicht bescheren. Es sind die Kekse, die es jeden Tag gibt, das regelmäßige Naschen, die süße Limonade und kalorienreiche Fertiggerichte, die mal eben schnell heiß gemacht werden.

Aroma prägt den Geschmack

Die meisten Kinder bekommen mindestens jeden dritten Tag ein Fertiggericht vorgesetzt, berichtet das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund. Vom Guten-Abend-Brei bis hin zum Juniormenü gibt es sie fix und fertig aus dem Glas oder Kunststoffbecher. Aber die darin enthaltenen künstlichen Aromen, zu viel Zucker und Salz verderben den Geschmack des Nachwuchses. Ob Juniormenüs, Getränke oder Getreidebreie – fast immer findet sich darin die Zutat „Aroma“. Damit nicht genug: Tests von ÖKO-TEST zeigen zudem, dass diese Aromen teilweise in viel zu hohen Mengen eingesetzt werden. Die Folge: Kinder, die zum Beispiel ständig überaromatisierte Erdbeerjoghurts essen, empfinden einen selbst hergestellten aus Joghurt und Erdbeeren als fad, er schmeckt ihnen nicht.

Wer kocht? Heute dürfen mal die Kleinen den Kochlöffel schwingen und Papa und Mama assistieren.


Foto: MEV

Davon abgesehen hat die Überaromatisierung aber noch andere Folgen: Sie wirkt appetitanregend. Wenn Aromen regelmäßig das Hirn überschwemmen, sei es durch Chips, Fertigsuppe oder Tortellini aus der Tüte, kann das Steuersystem in Unordnung geraten. Man isst mehr, als für einen gut ist – und wird dick. Dafür sorgen auch zu viel Fett und Zucker in den Produkten. So waren 93 Prozent der vom Forschungsinstitut für Kinderernährung untersuchten Kinderlebensmittel gesüßt. Besonders Getreideprodukte à la Frosties und Smacks, aber auch Getränke fielen durch zu viel Zucker auf. Bei Süßwaren und Gebäck hatten viele Firmen die Zuckergehalte noch nicht einmal deklariert. Das Fatale: Je früher die süße Prägung beginnt, desto nachhaltiger wirkt sie. Insofern tragen Kinderlebensmittel dazu bei, dass immer mehr Kinder übergewichtig werden.

Nicht jedes Fertiggericht ist schlecht

Das bedeutet aber natürlich nicht, dass Fertigprodukte per se schlecht sind. Pures Tiefkühlgemüse etwa ist gesund, sinnvoll und praktisch. Auch gegen Dosentomaten, Bio-Gemüsebrühe oder Fischstäbchen ist gar nichts groß einzuwenden. Wer regelmäßig kocht, kann durchaus sogenannte Convenienceprodukte mit verwenden, ein an sich nicht so tolles Fertiggericht wie eine Pizza lässt sich mit frischen Zutaten wie Paprikastreifen und Brokkoli aufpeppen.

Beim Dauereinsatz von Industrielebensmitteln hingegen entfallen drei ganz wesentliche Dinge, die übergewichtige Kinder und Erwachsene später mühevoll wieder lernen müssen: das Einkaufen, Zubereiten und das gemeinsame Essen. Wer Kinder von Anfang an in all diese Bereiche mit einbezieht, bringt sie auf den richtigen Geschmack. Denn die größte Begeisterung ernten Mahlzeiten, an denen die Knirpse selbst mitgewirkt haben. Schon beim gesunden Frühstück können die Kinder tatkräftig mitwirken. Sie füllen Hafer in die Flockenquetsche und drehen fleißig, bis unten frische Haferflocken herauspurzeln. Mittags schrubben kleine Köche mit Feuereifer Möhren, wiegen Zutaten für den Pfannkuchenteig ab oder raspeln Käse für den Auflauf. Und fürs Abendbrot schälen sie Gurken und Karotten, die sie selbst aufs Käsebrot legen oder zusammen mit kleinen Tomaten als Spieße auf Zahnstocher stecken.

Selbst aussuchen und kochen

Wenn die Eltern später das Aufgetischte ausgiebig loben, sind Kinder kaum noch zu bremsen. Positiver Nebeneffekt: Beim Schälen, Schneiden und Rühren fragen sie tausend Dinge: „Wo kommt das her?“, „Wächst das in der Erde oder auf dem Baum?“ – so bekommen Lebensmittel eine Geschichte. Nebenbei wandert so manches Stückchen Gemüse in den Mund statt in den Kochtopf. Da schlecken Kinder genüsslich am Löffel die Quarkreste weg oder probieren einen Brocken Kohlrabi. Spannend kann auch ein gemeinsamer Einkauf sein. Was gemeinsam ausgesucht wird, ist auch später auf dem Teller eher akzeptiert. Plötzlich schmecken Karotten in der Suppe, weil sie selbst beim Bauern oder auch auf dem Wochenmarkt ausgewählt, bezahlt und zu Hause geschnippelt wurden.

Und wenn die Kinder mal nicht beim Zubereiten oder Umrühren helfen wollen, ist das auch nicht schlimm. Immer locker bleiben. Zwang erzeugt nur schlechte Laune und trotzige Kommentare. Es bringt mehr, die Kurzen immer wieder zu ermuntern, mitzumachen. Das motiviert. Im Grunde wollen sie sich nämlich gerne nützlich machen.

Wie das duftet: Riechen, fühlen, schmecken – so lernen Kinder Geschmack.


Foto: 5 am Tag

Kinder brauchen nicht ständig Abwechslung

Auch wenn es schön ist, mit den Kindern ab und zu mal etwas Exotisches fürs Mittagoder Abendessen auszuprobieren: Kinder brauchen nicht ständig Abwechselung auf dem Tisch. Was für Erwachsene einseitige Ernährung ist, empfinden Kinder überhaupt nicht so. Sie wollen ganz einfach nur das, was ihnen schmeckt, und das am liebsten täglich. Also fünfmal in der Woche Nudeln mit Tomatensauce? Aber bitte. Normal entwickelten Kindern schadet das nicht. Irgendwann aber haben selbst die größten Nudelfans die Pasta satt. Ernährungsexperten sprechen von einer sensorischen Sättigung. Ist die erreicht, wendet sich das Kind auch wieder anderen Lebensmitteln zu. Eltern brauchen also vor allem Geduld und ein bisschen Einfallsreichtum. Ein beliebter Trick ist es, gesunde Zutaten in beliebte Speisen zu mogeln: Möhren oder ein Ministückchen Sellerie mit der Tomatensauce pürieren, geraspelte Zucchini in die Lasagne oder auf die Pizza packen. In den frisch gepressten Orangensaft kommt ein Schuss Möhrensaft. Und statt Gemüsesuppe mit gröberen Stückchen zu servieren, wird alles zu einer cremigen Suppe püriert. So essen selbst notorische Nörgler vollwertige Lebensmittel, ohne zu protestieren.

Zusammen essen macht Spaß: Wenigstens einmal am Tag sitzt die ganze Familie gemeinsam am Tisch.


Foto: Banana Stock

Und noch ein paar Kniffe aus der Trickkiste: Zarte Prinzessbohnen, die keine harten Fäden haben und sich sogar als „Prinzessinnenbohnen“ verkaufen lassen, kommen bei Kindern eher an als normale grüne Bohnen. Mag das Kind keinen Spargel, lässt man es erst mal die garantiert nicht bitteren Köpfchen vom eigenen Teller probieren. Vielleicht kommt der Nachwuchs so auf den Geschmack.

Eine große Rolle spielt auch die Frage, wie und in welcher Atmosphäre gegessen wird: Sitzt die ganze Familie entspannt am Tisch, wird dabei erzählt und gelacht, dann wird das Essen zu einem Ritual, auf das keiner mehr verzichten will. Fühlen sich Kinder dagegen kontrolliert und unter ständiger Beobachtung oder wird sogar gestritten, wird es am Esstisch schnell stressig.

Schwierige Essphasen hat jedes Kind. Meist kommt der Appetit von ganz alleine wieder, Kompromisse sind immer wieder nötig. Wer die Gemüsesuppe nicht essen will, darf sich eine Scheibe Vollkornbrot mit Käse machen und ein paar Gurkenscheiben und Cocktailtomaten dazu nehmen. Tabu sollte es allerdings sein, ein essfaules Kind mit dem Nachtisch als Belohnung zu locken. So lernt der mäkelige Esser nämlich, dass Süßes etwas Gutes ist, das Hauptgericht mit Gemüse dagegen wird zum notwendigen Übel.

Und selbst, wenn der Sprössling manches gesunde, noch unbekannte Lebensmittel nicht sofort mit Begeisterung annimmt, muss es nicht gleich vom Speisezettel gestrichen werden. Im Gegenteil: Bietet man Kindern unbekannte Lebensmittel acht- bis zehnmal an, werden sie bereits als vertraut erkannt und akzeptiert, fand die amerikanische Wissenschaftlerin Professor Lean Birch von der University of Pennsylvania heraus. Sie hatte in einer Studie das Essverhalten von 197 Mädchen vier Jahre lang beobachtet.

Haltung der Eltern entscheidet

Wichtig bei allen Ideen: Eltern sollten authentisch bleiben und das vorleben, was sie predigen. Denn Kinder sind unbestechliche Beobachter, und sie ahmen die wichtigsten Personen in ihrem Leben nach. Sie registrieren ganz genau, wenn Papa morgens Nutella aufs Brot streicht, sie aber Haferflocken löffeln sollen. Essen die Eltern selbst viel Gemüse und Obst, greifen die Kinder (irgendwann) ganz selbstverständlich zu Äpfeln und Möhren. Essen die Erwachsenen wenig Frisches, ermahnen ihre Kinder jedoch zum gesunden Konsum, läuft der Erziehungsversuch ins Leere. Mit Geboten wie „Iss Vollkornbrot, das ist gesund“ kann man wenig punkten und erzeugt eher Abwehr. Zeigt man aber, dass einem das dunkle Brot gut schmeckt, wirkt das schon überzeugender.

Wie wichtig die Gewohnheiten und der Ernährungsalltag der Eltern beim Thema Essen sind, hat der englische Koch und Entertainer Jamie Oliver erfahren müssen. Er engagiert sich seit rund zehn Jahren intensiv für gesundes Essen, insbesondere Kindern will er den Geschmack von gesunden Lebensmitteln vermitteln und ihnen zeigen, wie man kocht.

Ein bisschen Grün aufs Pausenbrot: Sieht gut aus und macht das Schulfrühstück noch etwas gesünder.


Foto: stockbyte

Kochen mit Jamie Oliver: Britische Schüler mochten das gesunde Essen aber nicht.


Foto: obs/RTL II

„Entscheidend ist, ob ich weiß, was man mit den Lebensmitteln anfängt. Es geht um Wissen. Aber wenn du in einer Familie aufgewachsen bist, in der niemand dir das Kochen beibringt, du es nicht in der Schule lernst und dort auch kein vernünftiges Essen bekommst, wenn es keine Kultur des Essens gibt: Was verdammt noch mal machst du dann mit drei, vier Euro? Du kaufst einen Burger“, sagte er kürzlich in einem Interview mitWelt online .

Jamie´s School Dinner

Deshalb hatte Oliver schon vor einigen Jahren eine Offensive für gesundes Schulessen gestartet. Seine Mission: weg mit Chicken Nuggets und Fischstäbchen, her mit echtem, frischen Gemüse und Obst. In seiner Show „Jamie’s School Dinner“ warb er für eine kleine Ernährungsrevolution – und rannte bei der Regierung offene Türen ein. Sie unterstützte die Aktion mit über 400 Millionen Euro für den Umbau von Schulküchen und besseres Essen.

Dennoch: Die Kampagne gilt als gescheitert. Als das gesunde Essen im September 2006 zur Pflicht in britischen Schulkantinen wurde, starteten ausgerechnet die Eltern eine Rettungsaktion: Sie karrten einkaufswagenweise Hamburger, Pommes und Sandwiches zur Schule, weil ihren Kindern das gesunde Essen angeblich nicht schmeckte. Klar, dass viele Schüler das gesunde Essen boykottierten. Ein Kampf gegen Windmühlen? „Vor einem Jahr war ich frustriert“, sagt Oliver. Ans Aufgeben denkt der Koch aber dennoch nicht.

Eigentlich essen sie ja gesund

Auch die Politiker in fast allen europäischen Ländern verstärken unterdes ihre Anstrengungen, schlechten Ernährungsgewohnheiten entgegen zu wirken. Sie fördern gesundes Essen an Schulen mit verschiedenen Programmen. Äpfel statt Schokoriegel, Paprikastreifen statt Chips: Dafür soll ein Programm zur kostenlosen Abgabe von Obst und Gemüse an Schulkinder in allen EU-Staaten sorgen, für das die EU Mittel in Höhe von jährlich 90 Millionen Euro bereitstellt, weiteres Geld kommt aus den Mitgliedsstaaten. Es ist für den Kauf von Obst und Gemüse bestimmt, das an Schulen verteilt wird. Das Programm soll mit dem Schuljahr 2009/2010 anlaufen.

Beruhigend für viele Eltern dürfte das Fazit einer Untersuchung der Fachhochschule Hamburg sein, nach denen sich Kinder eigentlich gesund ernähren, wenn sie die Wahl haben. Die Ernährungsforscher stellten in vier Kindertagesstätten ein Mittagsbüffet auf. Die Drei- bis Sechsjährigen durften sich eine Woche lang aus 34 Speisen ihr Essen selbst zusammenstellen. Dabei haben sie genau so ausgewählt, wie es von Ernährungsexperten empfohlen wird: viel Gemüse, Obst und Getreideprodukte, weniger Fleisch.