Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

EXTRA BABY: TEST Krabbelstrumpfhosen: Helden in Strumpfhosen


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 110/2019 vom 24.10.2019

Die Hosen farbenfroh, die Testtabelle überwiegend grün: Wir können die meisten Strumpfhosen für Babys und Kleinkinder empfehlen. In den Anti-Rutsch-Noppen stecken aber Schadstoffe.


Artikelbild für den Artikel "EXTRA BABY: TEST Krabbelstrumpfhosen: Helden in Strumpfhosen" aus der Ausgabe 110/2019 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 110/2019

Geringelt oder gepunktet, mit Bagger-Motiv oder Tapir: Auf Strumpfhosen für Kleinkinder geht es ganz schön bunt zu. Aber: Gefärbte Baumwolle direkt auf zarter Babyhaut – ist das wirklich zu empfehlen? Ja, ist es. Keine der 18 Hosen im Test enthält krebserregende Farbbestandteile. Und auch sonst haben wir für Eltern acht „sehr gute“ und sechs „gute“ Nachrichten. Nur vier Produkte schneiden schlechter ab.

DIE HOSEN HALTEN ...

Weiterlesen
Artikel 2,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 110/2019 von Gut durch den Alltag: GUT DURCH DEN ALLTAG. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Gut durch den Alltag: GUT DURCH DEN ALLTAG
Titelbild der Ausgabe 110/2019 von ÖKO-TEST WIRKT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ÖKO-TEST WIRKT
Titelbild der Ausgabe 110/2019 von Gemeinsam besser: GEMEINSAM BESSER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Gemeinsam besser: GEMEINSAM BESSER
Titelbild der Ausgabe 110/2019 von ÖKOLOGIE IM AUSLAND Teil 2. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ÖKOLOGIE IM AUSLAND Teil 2
Titelbild der Ausgabe 110/2019 von Megatrend Vegan: Gesellschaftsfähig. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Megatrend Vegan: Gesellschaftsfähig
Titelbild der Ausgabe 110/2019 von Vegane Kinderernährung: Geht’s auch ohne Tier?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Vegane Kinderernährung: Geht’s auch ohne Tier?
Vorheriger Artikel
Öko-Bilanz von Windeln: Ist Plastik am Po öko?
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel EXTRA BABY: Erstausstattung: Das braucht Ihr Baby wirklich
aus dieser Ausgabe

... BABY-SABBER AUSGEZEICHNET STAND
Ein Grund für das gute Ergebnis: Die Textilien färben nicht ab, wenn sie mit Speichel oder Schweiß in Kontakt kommen. Auch die günstigsten nicht. Nur dieAlana Strumpfhose, Punkte marin schwächelt hier etwas. Ein zweiter Grund für die guten Noten: Viele Krabbelstrumpfhosen überzeugen im Schadstofftest.

Vier fallen allerdings negativ auf, sie bringen am Ende des Testfeldes etwas Gelb in die ansonsten grüne Tabelle. Das liegt an verunreinigten Materialien, genauer gesagt: an „ABS“ und Schurwolle.

Den Begriff „ABS“ haben die Hersteller von der Autoindustrie abgeschaut. Sie meinen damit allerdings kein Antiblockiersystem. Sondern Kunststoffnoppen an Füßen oder auch Knien, die verhindern sollen, dass die Kleinen mehr über den Boden schlittern als krabbeln und beim Laufen lernen ausrutschen. Doch woraus bestehen die Noppen? Anders als bei den textilen Materialien machen die Hersteller das oft nicht transparent. Und es gibt durchaus Unterschiede.

ALLE NOPPEN IM TEST ENTHALTEN UMWELTBELASTENDE STOFFE
Von uns beauftragte Labore fanden heraus: In den Noppen der drei „ausreichenden“ Produkte der MarkenEwers, Jako-O undWeri stecken sowohl PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen als auch Weichmacher. Diese Kombination ist nicht ungewöhnlich: Die Weichmacher machen, wie der Name schon sagt, sprödes PVC weich. Früher setzten Hersteller für solche Zwecke gern Phthalate ein, von denen allerdings einige als fortpflanzungsgefährdend eingestuft sind. In Babyartikeln und Spielzeug sind sie inzwischen streng geregelt.

Die Hersteller stiegen deshalb um auf Ersatzstoffe wie beispielsweise DEHT (Diethylhexylterephthalat). Diese Substanz kritisieren wir in allen drei „ausreichenden“ Strumpfhosen. Sie kann sich aus dem Kunststoff lösen und ist in der Umwelt weit verbreitet. Was sie dort anrichtet, ist noch nicht genug erforscht. Chlorierte Verbindungen wie PVC sehen wir kritisch, weil sie die Umwelt belasten und in der Müllverbrennung gesundheitsschädliche Dioxine freisetzen.

Die Noppen von drei weiteren Strumpfhosen sind aus Silikon. Leider enthalten alle drei das Siloxan D6. Diese Substanz listet die europäische Chemikalienagentur (ECHA) als „besonders besorgniserregenden Stoff“, weil er sich in der Umwelt anreichert und dort sehr schwer abbaubar ist. Deshalb gibt es für diese drei Hosen Notenabzüge unter dem Testergebnis Weitere Mängel. Unterm Strich kann damit keine Strumpfhose mit Noppen im Test besser abschneiden als „gut“.

UMWELTSCHÄDLICHES PESTIZID IN EINER BIO-STRUMPFHOSE

In der einzigen Schurwollhose im Test, derHess Natur Wollstrumpfhose, grau geringelt , wies ein Labor Spuren eines Pestizids nach: Cypermethrin. Wir lassen Produkte aus Schurwolle darauf untersuchen, weil manche Schafzüchter es einsetzen, um Insekten von der Wolle fernzuhalten. Die europäische Chemikalienagentur (ECHA) stuft den Stoff als giftig und schädlich für die Haut ein. Außerdem schädigt Cypermethrin die Umwelt, es ist unter anderem sehr giftig für Wasserorganismen.

Die Schurwolle in der Strumpfhose von Hess Natur stammt aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT), auch ihr Baumwollanteil ist bio. Das bedeutet unter anderem: Züchter verpflichten sich, auf synthetische Pestizide zu verzichten. Auch wenn die Menge an Cypermethrin relativ gering ist und Eltern keinen Schaden für ihre Kinder befürchten müssen: Unserer Meinung nach haben auch solche Rückstände eines chemisch-synthetischen Nervengifts in einem Produkt aus kontrolliert biologischer Tierhaltung und biologischem Anbau nichts verloren.

Sie suchen gute Bio-Strumpfhosen? Wir können fünf empfehlen.


Anbieter Hess Natur schrieb uns dazu, bei dem nachgewiesenen Cypermethrin handele es sich um Verunreinigungen. Vermutlich habe das Material in der Umwelt befindliche Partikel aufgenommen. ÖKOTEST kann letztlich nicht beurteilen, woher das Pestizid in diesem konkreten Fall stammt.

NICHT GUT FÜR DIE NATUR

Apropos Umwelt: Vier Produkte kritisieren wir aufgrund halogenorganischer Verbindungen. Viele Substanzen dieser Stoffgruppe können sich in der Umwelt anreichern. Manche lösen auch Allergien aus. In Textilien können sie aus dem Färben oder aus der Oberflächenveredelung stammen.

Etwas weniger problematisch sehen wir optische Aufheller. Diese Substanzen werten wir nicht unter den Inhaltsstoffen ab, sondern nur unter den „Weiteren Mängeln“. Auch sie belasten die Umwelt. Hersteller setzen sie trotzdem gern ein, um Etiketten oder Garne noch ein Stück weißer zu machen. Echt überflüssig, finden wir. Ganz besonders bei Etiketten im Inneren der Hosen.

Bliebe noch der Schadstoff TBEP (Tris [2-butoxyethyl]phosphat): Ein Labor wies ihn in derBaby Butt Strumpfhose Sweety, weiß-braun nach. TBEP gehört zur Gruppe der phosphororganischen Verbindungen und wird häufig als Flammschutzmittel oder Weichmacher eingesetzt, aber auch in Wasch- und Reinigungsprodukten. Er kann unter anderem der Haut schaden und hat nach unserer Auffassung in Krabbelstrumpfhosen nichts verloren.


„Bio-Kleidung muss nicht teuer sein: Die günstigste „sehr gute“ Hose in Bio-Qualität ist GOTS-zertifiziert und kostet 4,99 Euro.“


Jörg Döbereiner , Redakteur Öko-Test

So haben wir getestet

Wir haben 18 Strumpfhosen für Kleinkinder eingekauft, sechs davon mit Noppen gegen das Rutschen auf glatten Böden. Fünf Produkte haben Bio-Baumwolle ausgelobt, eines Bio-Schurwolle und Bio-Baumwolle. Die Größen bewegen sich zwischen 80 und 98. Wir ließen die Strumpfhosen je nach Material anders prüfen: Schadstofflabore analysierten alle auf krebserregende aromatische Amine, krebsverdächtige Formaldehyd/- abspalter und weitere problematische Verbindungen wie hormonell wirksame Weichmacher. Außerdem mussten alle Produkte simuliertem Speichel und Schweiß standhalten, wobei sich die Farben der Textilien nicht verändern durften. Hosen mit Noppen ließen wir zusätzlich untersuchen, unter anderem auf krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und giftige zinnorganische Verbindungen. Produkte mit Polyester prüften wir auf Antimon, die Schurwollhose auf Pestizide.
Besonders kritische Schadstoffe bewerten wir unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Andere, insbesondere umweltschädliche Stoffe, führen wir unter dem Testergebnis Weitere Mängel auf. Sie können das Gesamturteil verschlechtern. In der Speichel- und Schweißprüfung traten allenfalls geringe Mängel auf, sie haben keinen Einfluss auf das Gesamturteil.

RATGEBER

1

Auf der Suche nach einer guten Krabbelstrumpfhose? Wir hätten da 14 Vorschläge, darunter fünf aus Bio-Baumwolle und zwei Thermohosen. Sie sind im Handel auch in anderen Größen als den getesteten erhältlich.

2

Wenn Ihr Kind auch ohne Noppen fröhlich krabbelt, ersparen Sie doch der Umwelt die zusätzlichen Schadstoffe.

3

Die Strumpfhosen besser auf links waschen, das erhält die Farben.

GUT ZU WISSEN: Kinder nachhaltig schön anziehen

Wenn Sie Kinderkleidung im Freundesund Verwandtenkreis aus- und verleihen und gebraucht kaufen, können SieGeld sparen und dieUmwelt schonen. VieleSchadstoffrückstände aus der Produktion sind ausgebrauchten Textilien gutrausgewaschen . Gerade tiptop erhaltene Kinderstrumpfhosen fürs Babyalter gibt es auf den Flohmärkten für Kindersachen bisweilen kistenweise, weil die kleinen Füße und Beine noch so blitzschnell wachsen.

Mietportale und(Online-)Secondhandläden für Kindersachen haben immer auf.Kilenda.de, Kindoo.de, raeubersachen.de undtchibo-share.de vermieten zunächst für einen Monat und rechnen danach tagesgenau ab. Das Portal Räubersachen ist aufökologische Kinderkleidung spezialisiert und repariert diese auch. Keine Bange: Die Kleidung darf zwar bei der Rückgabe heile und sauber sein, Sie müssen aber auch nicht draufzahlen, wenn doch ein Loch und Möhrenbreifarbe drin sind. Wenn ein Kleidungsstück unerwartet lange passt, wird’s nicht teurer als der Neupreis. Wenn der erreicht ist, darf man es behalten.


Foto: Meaghan Curry/Stocksy

Fotos: Xiao Jiang/getty images; Anja Wägele Illustration: graphixmania/Shutterstock