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Fehlsichtigkeiten


ÖKO-TEST Kompakt Fit & Gesund - epaper ⋅ Ausgabe 17/2008 vom 01.09.2008

Nicht immer funktioniert das Zusammenspiel von Hornhaut, Linse und Netzhaut reibungslos. Dabei handelt es sich nicht um Erkrankungen des Auges, sondern um Konstruktionsfehler einzelner Bauteile. Die Fachleute sprechen von Fehlsichtigkeiten. Das Ergebnis ist ein unscharfes Bild. Das lässt sich in den meisten Fällen mithilfe passender Brillen oder Kontaktlinsen korrigieren.


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Foto: Essilor/KGS

Kurzsichtigkeit

Foto:VSDAR

Kurzsichtige können nahe Gegenstände scharf sehen – entfernte dagegen nur unscharf. Diese Sehschwäche kann zwei Ursachen haben: Entweder das Auge ist von seiner Form her zu länglich, oder die ...

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... Hornhaut bzw. die Augenlinse sind zu stark gekrümmt. In beiden Fällen liegt der Brennpunkt der einfallenden Lichtstrahlen vor der Netzhaut und das Bild ist unscharf. In den meisten Fällen entwickelt sich die Kurzsichtigkeit in der Jugendzeit. Im Alter kann sich der Grad der Kurzsichtigkeit etwas verringern. Es gibt eine seltene Form, bei der die Kurzsichtigkeit ständig wächst und extrem hohe Werte annimmt. Die sogenannte progressive Myopie muss regelmäßig vom Augenarzt kontrolliert werden.

Weitsichtigkeit

Foto:VSDAR

Weitsichtige erkennen jedes Blatt an einem fernen Baum, haben aber Probleme beim Lesen. Hier ist entweder das Auge zu kurz gebaut oder die Hornhaut bzw. die Linse sind zu wenig gekrümmt. In beiden Fällen würden die Lichtstrahlen theoretisch erst hinter der Netzhaut zu einem scharfen Bild zusammentreffen. In jungen Jahren gleicht der Ziliarmuskel die Weitsichtigkeit aus, in dem er die Linse stärker krümmt. Die Augen ermüden dabei schneller und die Anspannung kann zu Kopfschmerzen führen. Im Alter lässt dann auch das Scharfsehen in die Ferne nach.

Hornhautverkrümmung

Foto:VSDAR

Bei dieser Form der Fehlsichtigkeit ist die Hornhaut ungleichmäßig gewölbt. Die Lichtstrahlen werden unterschiedlich gebrochen und auf der Netzhaut entsteht ein leicht verschwommenes Bild. Kreise erscheinen als Ellipsen, einzelne Punkte als kurze Stäbe. Man spricht deshalb auch von Stabsichtigkeit. Allerdings korrigiert das Gehirn nach, sodass einem diese Abweichungen meist nicht bewusst werden. Es bleibt nur der Eindruck, dass man undeutlich sieht. Die Hornhautverkrümmung kann mit Kurz- oder Weitsichtigkeit verbunden sein. Sie tritt aber auch alleine auf.

Winkelfehlsichtigkeit

Quelle: medi tech GmbH

Die Winkelfehlsichtigkeit ist ein umstrittener Sehfehler. Zahlreiche Optiker bieten spezielle Augenmessungen an und sogenannte Prismenbrillen, die den Sehfehler beheben sollen. Sie erklären Winkelfehlsichtigkeit so: Die Muskeln der beiden Augen sind unterschiedlich stark entwickelt, die Ausrichtung auf einen Gegenstand funktioniert nicht richtig. Deshalb liefern die Augen von dem fi xierten Objekt Bilder, die nicht ganz zusammenpassen. Diese Unschärfen lassen die Augen schnell ermüden, die Buchstaben tanzen beim Lesen. Bei Kindern könnte dies Konzentrations- und Lernschwierigkeiten auslösen. Der Berufsverband der Augenärzte erklärt dagegen: „Die Winkelfehlsichtigkeit ist keine Diagnose, sondern ein Kunstprodukt.“ Er warnt davor, Prismengläser ohne ärztliche Begleitung zu verwenden.

Nachtblindheit

Foto: irisblende.de

Bei nachtblinden Menschen funktionieren die für das Hell-Dunkel-Sehen verantwortlichen Stäbchensehzellen zwar, können sich aber nicht an geringere Beleuchtung anpassen. Deshalb sehen sie bei Dämmerlicht sehr schlecht und bei Dunkelheit gar nichts mehr. Diese echte Nachtblindheit ist eine relativ seltene Erbkrankheit. Auch manche Netzhaut- und Sehnerverkrankungen sowie Vitamin-A-Mangel können dazu führen, dass man in der Dunkelheit schlecht oder gar nicht sieht. Vitamin A braucht der Körper, um den Sehpurpur zu bilden. Bei Vitaminmangel und manchen Augenkrankheiten lässt sich die Nachtsehschwäche wieder rückgängig machen. Angeborene Nachtblindheit ist nicht heilbar. Oft fürchten Menschen, die nachts Sehprobleme haben, dass sie nachtblind werden. Tatsächlich haben diese Sehprobleme andere Ursachen wie höhere Lichtempfi ndlichkeit, Hornhauttrübungen oder eine Sehschwäche, die tagsüber noch nicht aufgefallen ist. Grundsätzlich sieht man mit zunehmendem Alter nachts schlechter.

Farbenfehlsichtigkeit

Flamingos – für Normalsichtige.


Farbfehlsichtige sehen sie so.


Fotos: Dr. Olav Hagemann/Achromatosie-Selbsthilfe/ Laborlexikon.de

Etwa acht Prozent der Männer und ein Prozent der Frauen können Farben nicht korrekt wahrnehmen. Bei ihnen funktioniert ein Teil der Zapfen nicht. Das sind die für das Farbsehen verantwortlichen Sehzellen in der Netzhaut.

Meist trifft es entweder die Zapfen, die rot sehen, oder die für grün. Beide Fälle führen zu einer Rot-Grün-Sehschwäche. Seltener ist ein Ausfall der

Zapfen für blaues Licht und die damit verbundene Blau-Gelb-Sehschwäche. Für Menschen mit einer Farbensehschwäche ist die Welt nicht etwa grau, sondern anders bunt, weil bestimmte Farbtöne ausfallen.

Erkennen lässt sich eine Farbensehschwäche beim Blick auf einschlägige Testtafeln. Farbenfehlsichtigkeit ist vererbbar. Die Ursache ist ein Gen-Defekt auf dem X-Chromosom. Da Frauen

zwei X-Chromosomen im Erbgut haben, sind sie weniger häufig betroffen. Denn meist ist nur eines der beiden Chromosomen defekt und das zweite gleicht den Fehler aus.

Bei Männern mit nur einem X- Chromosom schlägt der Defekt dagegen voll durch. Heilbar ist die Farbensehschwäche nicht. Brillen mit abgestimmten Farbfiltern können in leichten Fällen die Farbenerkennung verbessern.

Farbenblindheit

Farbenblind ist ein Mensch dann, wenn er gar keine Farben wahrnimmt, sondern die Welt nur in Grautönen sieht. Von dieser seltenen und nicht heilbaren Erbkrankheit ist in etwa einer von 30.000 Menschen betroffen. Bei Farbenblinden sind meist alle Zapfen außer Funktion. In manchen Fällen können sie noch ein wenig Blau und Violett wahrnehmen, weil die Zapfen fürs blaue Licht noch funktionieren. Die Farbenblindheit geht mit weiteren Sehproblemen einher. Die Sehschärfe ist gering, da die für das Scharfsehen verantwortliche Makula nur Zapfen als Sehzellen enthält und somit komplett ausfällt. Das Auge versucht diesen Mangel durch schnelle Bewegungen auszugleichen. Es kommt zu einem sichtbaren Augenzittern. Farbenblinde sind zudem sehr lichtempfi ndlich.

Schielen

Schielen ist ein Augenstellungsfehler mit erheblichen Folgen für das Sehvermögen. Beim Schielen lassen sich die beiden Augen nicht optimal auf ein Objekt fi xieren. Dadurch ist die räumliche Wahrnehmung schlechter, es kommt zu Doppelbildern.

Beim sogenannten latenten Schielen gelingt es dem schielenden Auge noch, den Fehler auszugleichen. Doch diese Anstrengung kann auf Dauer zu Kopf- oder Augenschmerzen und Konzentrationsstörungen führen. Beim Begleitschielen kann sich das Auge nicht mehr selbst helfen. Die Doppelbilder gelangen ins Gehirn und werden dort aussortiert. Das Gehirn unterdrückt systematisch die Bilder des schielenden Auges.

Dadurch kann sich dessen Sehkraft nicht entwickeln, es wird schwachsichtig. Zudem leidet das räumliche Sehen, weil das Gehirn nur noch einäugig sieht.

Das Schielen zeigt sich meist in den ersten Lebensjahren und sollte wegen der möglichen Folgen schnell behandelt werden. Betroffen sind etwa drei bis fünf Prozent der Bevölkerung. Die Anlage zum Schielen ist vererbbar.

Behandeln lässt sich das Schielen durch das wechselseitige Abkleben der Augen sowie das Tragen der passenden Brille. In schweren Fällen ist eine Operation notwendig, bei der die Augenstellung ausgerichtet wird.

Altersweitsichtigkeit

Foto: Eschenbach/KGS

An dieser Form der Weitsichtigkeit leidet man, wenn die Arme zum Zeitunglesen zu kurz sind. Sie betrifft alle Menschen mehr oder weniger stark. Denn die Linse wird mit dem Alter starrer und lässt sich nicht mehr so stark krümmen, wie es notwendig wäre, um die kleinen Buchstaben scharf darzustellen. Dieser Prozess beginnt zwar schon im jugendlichen Alter, macht sich aber meist erst zwischen 40 und 50 bemerkbar. Die Antwort darauf ist die Lesebrille. Mit zunehmendem Alter verstärkt sich diese Fehlsichtigkeit und man braucht schließlich auch für mittlere Entfernungen eine Sehhilfe.

Fehlsichtigkeit früh erkennen

Foto: Michael Timm

Wir lernen Sehen durch ständiges Üben. Das beginnt mit dem ersten Augenblick und dauert in etwa bis zur ersten Klasse. Danach kann das Auge seine Sehfähigkeiten kaum noch verbessern. Ein erfolgreiches Sehtraining setzt voraus, dass auf der Netzhaut beider Augen ein scharfes Bild entsteht. Wird das Gehirn jahrelang nur mit unscharfen Bildern gefüttert, dann bleibt die Welt unscharf und das Auge schwachsichtig. Das kann zu Sehkrafteinbußen führen, die sich später durch Brillen nicht mehr korrigieren lassen. Diese Gefahr ist besonders stark, wenn nur ein Auge fehlsichtig ist und deshalb jahrelang im Sehtraining quasi übergangen wurde.

Deshalb plädiert der Berufsverband der Augenärzte dafür, dass jedes Kind spätestens mit 30 bis 42 Monaten augenärztlich untersucht werden sollte. Denn die Vorsorgeuntersuchungen U 5 im sechsten bis siebten Lebensmonat, die U 7a im dritten und die U 8 im vierten Lebensjahr sowie die U 9 vor der Einschulung überprüfen zwar den Sehsinn, übersehen aber oft Fehlsichtigkeiten.

Kleine Kinder sind in der Regel etwas weitsichtig. Das ist normal – und unproblematisch, denn die Linsen von Kinderaugen sind sehr elastisch. Das Kinderauge kann daher die Weitsichtigkeit ausgleichen. Sie verschwindet durch das Wachstum des Auges meist von ganz allein. Stärkere Weitsichtigkeit, Kurzund Stabsichtigkeit sollte man frühzeitig korrigieren, ebenso das Schielen. Um solche Fehlsichtigkeiten zu erkennen, muss der Augenarzt den Linsenmuskel mit Augentropfen ruhigstellen. Denn ansonsten würde der Muskel – wie im Alltag auch – versuchen, die Sehstörung auszugleichen. Sie wäre dann nur schwer oder gar nicht zu erkennen. Während die Tropfen wirken, sieht das Kind nur verschwommen. Optiker dürfen diese Tropfen nicht einsetzen.

Solange die Augen wachsen, kann sich die Sehstärke ändern. Besonders rasch geschieht dies in der Pubertät. Dann sind häufiger angepasste Brillengläser nötig. Daher sollten Augen und Brillen von Kindern und Jugendlichen etwa einmal im Jahr vorsorglich untersucht werden, empfiehlt das Kuratorium Gutes Sehen. Generell haben Kinder mit schielenden oder fehlsichtigen Geschwistern beziehungsweise Eltern ein erhöhtes Risiko für Fehlsichtigkeiten. Das können Anzeichen für Sehprobleme bei Kindern sein:

• Probleme beim Bällefangen
• häufiges Augenreiben, Blinzeln oder Stirnrunzeln
• Lichtempfindlichkeit, Kopfschmerzen
• häufiges Stolpern, Balancestörungen, Tollpatschigkeit
• Schwierigkeiten in der Dämmerung und im Dunkeln
• schnelles Ermüden beim Lesen, Schreiben, Malen
oder keine Lust darauf
• langsames, flüchtiges oder fehlerhaftes Lesen
• unsauberes Schriftbild, Verrutschen in der Zeile
• mit der Nase lesen