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Fingermalfarben: Finger weg


ÖKO-TEST Jahrbuch - epaper ⋅ Ausgabe 10/2015 vom 09.10.2015

Fingermalfarben sind eigentlich eine prima Idee und großer Spaß für Kinder. Leider schneiden die meisten knalligen Farben in unseren Tests immer schlecht ab. Zwar hat die EU ihre Vorgaben verschärft und Anbieter haben ihre Rezepturen geändert. Dennoch sind nur drei der 16 untersuchten Produkte zu empfehlen.


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Foto: Imgorthand/iStock

Die kleinen Hände in Farbe tunken und sofort auf Papier oder Fensterglas loslegen – unmittelbarer können Kinder nicht malen. Es ist dieser direkte Kontakt mit der Farbe, der Fingermalfarben zu Hause und im Kindergarten so beliebt macht. Gleichzeitig wird der intensive ...

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Die kleinen Hände in Farbe tunken und sofort auf Papier oder Fensterglas loslegen – unmittelbarer können Kinder nicht malen. Es ist dieser direkte Kontakt mit der Farbe, der Fingermalfarben zu Hause und im Kindergarten so beliebt macht. Gleichzeitig wird der intensive Hautkontakt auch zur Achillesferse dieses Spielzeugs: Die Farben sind anfällig für Schmutz und Keime, es könnten sich beispielsweise Schimmelpilzgifte bilden und von Kindern aufgenommen werden, etwa wenn im Eifer des Malens ein Finger in den Mund gelangt.

Dieses Risiko ist bekannt, Produzenten versetzen Fingermalfarben deshalb nicht nur mit Bitterstoffen gegen das Verschlucken, sondern auch mit Konservierungsstoffen. Diese halten zwar Keime fern, können allerdings ihrerseits Probleme bergen.

Bei einer Untersuchung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aus dem Jahr 2013 wurden in der Hälfte der Proben meh-rere, in Einzelfällen bis zu sieben verschiedene Konservierer nachgewiesen. In mehreren Proben entdeckten die Behörden das als Einzelkomponente nicht zulässige Konservierungsmittel Chlormethylisothiazolinon sowie Grenzwertüberschreitungen für Kathon, ein Gemisch aus Isothiazolinonen. Beide Stoffe gelten als relativ starke Kontaktallergene.

Um Kinder besser vor gesundheitlichen Risiken zu schützen, gilt für Fingermalfarben seit dem vergangenen Jahr eine neue, strengere EU-Norm. Anders als bisher ist es beispielsweise seit Oktober 2014 nicht mehr erlaubt, in neu auf den Markt gebrachten Farben eine bestimmte Gruppe von Parabenen mit erhöhtem allergenem Potenzial (Butyl-, Propyl-, Isobutyl- und Isopropylparaben) als Konservierungsstoffe einzusetzen. Weiterhin erlaubt – und auch in Gebrauch – sind aber Bronopol und DMDM-Hydantoin. Beide spalten Formaldehyd ab, das unter anderem zu Reizungen und Allergien führen kann.

Die Botschaft von den umstrittenen Konservierungsstoffen scheint – nicht zuletzt durch die verschärfte Norm – wenigstens bei einigen Anbietern von Fingermalfarben angekommen zu sein: Die Branche sucht nach Alternativen. Das ist nur eines der Ergebnisse unseres aktuellen Tests, für den wir 16 Fingermalfarben unter die Lupe genommen haben.

Das Testergebnis

■ Es tut sich was…: Von 16 getesteten Farben schneiden acht mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ab. Im aktuellen Test enthalten alle getesteten Produkte ausreichend Bitterstoff, um zu verhindern, dass Kinder die Farben verschlucken.
■ Noch immer machen Anbieter ihre Farben mit bedenklichen Stoffen haltbar. In sechs Produkten wurden Formaldehyd/-abspalter nachgewiesen, die wir streng abwerten, denn Formaldehyd wirkt stark allergisierend und gilt als krebsverdächtig. Drei getestete Farbsets enthielten die oben erwähnten Parabene mit erhöhtem allergenem Potenzial. Auch wenn die von uns getesteten Chargen aufgrund ihres Produktionsdatums die Norm nicht verletzen, werten wir ab – ÖKO-TEST kritisiert die Verwendung von bedenklichen Parabenen schon seit längerer Zeit. Umstrittene halogenorganische Verbindungen, von denen viele allergieauslösend sind, haben wir in drei Produkten zu bemängeln. Einmal wies das von uns beauftragte Labor Methylisothiazolinon nach, das wir – wie auch bei Kosmetika – aufgrund seiner allergenen Wirkung abwerten. Auch das allergisierende o-Phenylphenol (Biphenyl-2-ol) werten wir ab, wenn es laut Hersteller als Konservierer enthalten ist. Zudem kritisieren wir Polyaminopropyl Biguanide (PHMB) und Zinkpyrithion mit jeweils zwei Noten Abzug. PHMB ist mittlerweile als Gefahrenstoff (CMR2) eingestuft. Es besteht der Verdacht, dass PHMB beim Einatmen giftig ist. Zinkpyrithion kann die Haut reizen und greift in die Zellteilung ein.
■ Zwei Farben enthielten Nitrosamine über dem aktuell geltenden Grenzwert. Nitrosamine wirkten im Tierversuch krebserregend. In Fingermalfarben können sie gebildet werden, wenn sowohl nitrosierbare Substanzen vorhanden sind als auch Nitrosierungsmittel. Zu Letzteren zählt etwa der Konservierungsstoff Bronopol. Der Anbieter Binney & Smith setzt ihn in den Crayola-Farben ein, in denen ein erhöhter Wert an Nitrosaminen nachgewiesen wurde. Sowohl die Crayola-Farben als auch das ebenfalls positiv getestete Produkt von Aurednik werten wir auf „ungenügend“ ab, denn Nitrosamine gelten in den nachgewiesenen Gehalten in der Kosmetikproduktion als technisch vermeidbar. Auf die Beurteilung „nicht verkehrsfähig“ verzichten wir, da nicht zweifelsfrei festzustellen war, ob die Farben aufgrund ihres Herstellungsdatums unter die aktuellste Regelung für Nitrosamine fallen. ■ Im Rot der Giotto Be-Bè Fingermalfarben wies das von uns beauftragte Labor das aromatische Amin o-Anisidin nach. Im Kontakt mit der Haut wirkt o-Anisidin toxisch, es steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Die zulässige Menge in Fingermalfarben ist auf 10 mg/kgbeschränkt, nachgewiesen wurde allerdings ein höherer Wert – deshalb hätten die getesteten Giotto Be-Bè Fingermalfarben aus unserer Sicht so nicht verkauft werden dürfen. In den Farben der Firma Stylex wies das Labor das aromatische Amin Anilin nach, das im Tierversuch krebserzeugend ist.

■ Einige Anbieter teilten uns mit, die Konservierung ihrer Fingermalfarben ändern zu wollen oder dies bereits getan zu haben. Insbesondere ist eine Abkehr von Isothiazolinonen, Parabenen sowie den Formaldehydabspaltern Bronopol und DMDM-Hydantoin zu erkennen. Stattdessen wird unter anderem Phenoxyethanol verwendet – ein Stoff, dessen allergisierende Wirkung als vergleichsweise gering gilt, ebenso wie seine biozide Wirkung. Die Sicherheit von Phenoxyethanol wird derzeit von der EU neu bewertet.

Abkürzungen: PHMB = Polyaminopropyl Biguanide.
Anmerkungen: 1) PHMB. 2) Halogenorganische Verbindung. 3) Formaldehyd/-abspalter. Methylisothiazolinon, Methylchlorisothiazolinon und Bronopol deklariert, aber nicht nachgewiesen. Laut Anbieter wurden die Konservierungsmittel Bronopol und Isothiazolinone mittlerweile komplett durch Phenoxyethanol ersetzt. Das neue Produkt besitze eine geänderte Verpackung. 4) Formaldehyd/-abspalter. Methylisothiazolinon, Methylchlorisothiazolinon und Bronopol deklariert, aber nicht nachgewiesen. 5) Nitrosamine, halogenorganische Verbindung. Laut Anbietergutachten wurden keine Nitrosamine nachgewiesen. Allerdings ließ sich anhand der Prüfberichte nicht nachvollziehen, ob die von uns geprüfte Charge getestet wurde. 6) Nitrosamine, Formaldehyd/-abspalter, bedenkliche Parabene. 7) o-Anisidin über Grenzwert, Formaldehyd/-abspalter, bedenkliche Parabene. Produkt enthält auch Schaumstoffschwämmchen und eine Malschürze, die wir nicht getestet haben. Das Labor wies Formaldehyd/-abspalter nach, nicht aber das deklarierte Bronopol. Laut Gutachten des Anbieters enthält die rote Farbe kein o-Anisidin, aufgrund fehlender Chargennummern auf dem Gutachten aus dem Jahr 2011 können wir allerdings nicht nachvollziehen, ob es sich um die von uns getestete Charge handelt. 8) Bedenkliches Paraben. Methylisothiazolinon deklariert, aber nicht nachgewiesen. 9) Formaldehyd/-abspalter, Zinkpyrithion. Bronopol deklariert, aber nicht nachgewiesen. 10) Formaldehyd/-abspalter, o-Phenylphenol. Methylisothiazolinon, Methylchlorisothiazolinon und Bronopol deklariert, aber nicht nachgewiesen. 11) Anilin, Phenoxyethanol, Methyl-isothiazolinon. Phenoxyethanol über dem Grenzwert, allerdings nicht so signifikant, dass das Produkt unter Berücksichtigung der Messunsicherheit laut Einschätzung von Behörden als „nicht verkehrsfähig“ zu bezeichnen ist. Laut Anbietergutachten enthält die von uns geprüfte Charge Phenoxyethanol unter dem Grenzwert.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Zur Abwertung um jeweils fünf Noten führen: a) mehr als 10 mg/kg des aromatischen Amins o-Anisidin; b) mehr als 0,02 mg/kg Nitrosamine (über aktuellem Grenzwert). Zur Abwertung um jeweils vier Noten führen: a) mehr als 10 mg/kg Formaldehyd/-abspalter; b) mehr als 1 % Phenoxyethanol; c) Anilin. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) deklarierte halogenorganische Verbindungen, es sei denn, das von uns beauftragte Labor hat auf den deklarierten Stoff getestet und ihn nicht nachgewiesen; b) bedenkliche Parabene, hier: Propyl- und/oder Butyl- und/oder Isobutyl- und/oder Isopropylparaben; c) Polyaminopropyl Biguanide (PHMB); d) Zinkpyrithion. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Methylisothiazolinon; b) deklariertes o-Phenylphenol. Das Gesamturteil beruht auf der Beurteilung des Inhalts.
Testmethoden: siehe www.oekotest.de → Suchen → „J1510“ eingeben.
Bereits veröff entlicht: ÖKO-TEST Ratgeber Kleinkinder 2015. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

ÖKO-TEST rät

■ Es gibt drei „sehr gute“ Produkte, die auch preislich erschwinglich sind. Eltern brauchen also keine Kompromisse zu machen.
■ Fragen Sie auch in der Kita, welche Produkte dort verwendet werden, und dringen Sie gegebenenfalls darauf, dass auf unbedenkliche Alternativen umgestellt wird.
■ Die Farben sollten nicht in den Mund genommen oder verschluckt werden.