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For Your Eyes Only: Warum du dich nicht mit 08/15 zufrieden geben solltest


PlusPerfekt Edition Business - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 01.12.2019

Erfolg kommt nicht über Nacht und Niederlagen gehören einfach dazu. Wir lassen uns viel zu oft von Pseudo-Erfolgsgeschichten blenden und versuchen mit dem Mainstream mitzuschwimmen. Dabei ist Individualität so essentiell. Warum besser 007 statt 08|15, dass weiß keine besser als Profiler Suzanne Grieger-Langer.


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Bildquelle: PlusPerfekt Edition Business, Ausgabe 1/2019


@@„Ich glaube, dass Frauen – überhaupt viele Menschen – vor Machtgefügen zurückschrecken, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass Menschen Macht oft missbrauchen.“


Als Laie befürchtet man ja gern, dass ein Profiler einen ansieht und sofort durchschaut.

Ja, natürlich. (Lacht) Nein.
Es gibt auf ...

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... Partys oft Leute, die auf ganz toll machen, mit Küchenpsychologie daher kommen und sagen: Ich durchschaue dich. Da kannst du dich entspannt zurück lehnen. Der hat überhaupt keine Ahnung.Profiling ist keine One-Man-Show. Pro Zielperson sind 25 bis 30 Analysten tätig. Und es ist auch keine One-Minute-Show. Das ist akribische Arbeit oft über Tage, Wochen, Monate. Und wenn es um organisierte Verbrechen geht – worauf meine Mannschaft spezialisiert ist – dann sind wir teilweise Jahre mit einem Fall beschäftigt.

Dein Programm heißt „oo7 statt 08|15“. Werden wir jetzt alle zu Geheimagenten?

Gleich zum Geheimagenten zu werden, ist, glaube ich, nicht nötig. Erfolgsagenten fände ich toll. Und ich meine damit nicht den oberflächlichen Erfolg wie Karrieretitel und irgendwelches Geld. Ich meine, dass man mit dem Gemüt erfolgreich ist. Dass man sein Glück findet, seinen Sinn im Leben und sich schützt vor den eher miesen Mitmenschen und die findet, die einem gut tun. Das wäre für mich ein Erfolgsagent.

Für dich führen 7 Schritte zum Erfolg. Was hat es damit auf sich?

Ich liebe die Sieben, weil sie das Wachstum symbolisiert. Es sind sieben Axiome für Agenten, es sind sieben Todsünden oder – wenn man sie lässt – die sieben Schritte um glücklich zu sein. Irgendwie verfolgt mich nicht nur die Zahl Sieben, ich glaube sogar, dass es sich bei ihr um eine existenzielle Zahl handelt. Genau wie bei meinen sieben Säulen der Macht, über die ich bereits geschrieben habe.

„Schritte“ bedeuten ja in der Regel, man macht einen Schritt und etwas ist geregelt. Das gibt es aber nicht. Es gibt auch keinen Übernacht-Erfolg. Man muss wieder und wieder weiter gehen und wenn man sozusagen bei der Sieben angelangt ist, stellt man fest: Oh, ich hab nochmal was über den ersten Schritt gelernt. Obwohl der vermeintlich abgeschlossen war. Damit wird deutlich, es ist nicht eine Leiter, die man hoch geht, sondern ein Kreis. Wie bei Serpentinen, die man sich hocharbeitet. Je mehr Schritte man geht, desto mehr erlebt man in der Welt, lernt man von sich selbst kennen und desto mehr Spaß hat man.

Der 7. Schritt steht für Individualität. Aber wie viel Individualität ist im Business wirklich möglich und wie viel ist nötig?

Individualität ist nicht nur die Kirsche auf der Sahne. Ich glaube, dass sie zwingend notwendig ist in einer Welt, die als globales Dorf zusammen fließt.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand die Chance auf Erfüllung, Glück oder auch Erfolg hat, wenn er/sie/es nicht sein eigenes, individuelles Leben lebt. Man hat uns früher oder im letzten Jahrtausend beigebracht, dass es sinnvoll ist sich anzupassen. Eben wie die anderen zu sein. Ja, wir leben in einer Gesellschaft und müssen uns sozial verhalten. Das bedeutet auch mal das Ego zurückstecken, damit die Gemeinschaft keinen Schaden nimmt. Aber ohne Individualität geht es nicht. Man verblasst und niemand erkennt dich als Wesen. Das hat den Effekt, dass jene, die einem gut tun würden, einen nicht finden. Und die, die einem nicht gut tun, jemanden finden, von dem sie den Eindruck haben, er würde sich nicht wehren. Von daher plädiere ich dafür seine Ecken und Kanten zu akzeptieren, statt sich zu sehr auf die Schwächen zu versteifen. Schaut lieber auf eure Stärken und betont sie.

Das ist ein bisschen wie beim Make-up. Du gehst ja nicht her und sagst, da habe ich eine Stelle, die finde ich nicht so toll und betonst sie. Du betonst das, was du an dir toll findest. Und der Rest macht letztendlich das Ganze schillernd. Wenn man – ich bleibe mal bei dem Beispiel – einen Blick auf so manches Model wirft, sieht man makellose, symmetrische Gesichter. Abgeschminkt sehen sie aber teilweise nach nichts aus. Ich brauche echte Personen. Vertrauen kriege ich zu Menschen, die in dem Sinne echt sind, dass sie ein bisschen asymmetrisch sind. Ein bisschen Bluna. Weil ich das ja auch bin. Dann fühle ich mich bei und mit ihnen wohler. Also, weg von dem Gedanken „Oh Gott, ich bin nicht perfekt.“

Wie individuell darf man in einem Job sein, in dem es um Dress Codes und Machthierarchien geht?

Gerade wenn es um Dress Codes geht – die sind natürlich fix, wenn ich im Management arbeite – habe ich diese Anzugnummer. Die meisten schaffen es da einfach nicht übers freundliche Steingrau hinaus. Oder wenn ich beispielsweise bei McDonalds arbeite, trage ich eine Kluft. Ich bin in erster Linie professionell gefragt und das Individuelle liegt dann in der Art, wie ich es als Stil rüber bringe. das sollte nicht schreien, sondern elegant und in Ruhe rüber kommen.

Ich glaube, dass gerade da, wo Menschen Uniformen tragen, ist es wichtig auf eine elegante Weise seinen Stil nach vorne zu transportieren, sonst kommst du nie nach oben.

Warum schrecken Frauen oft vor Machtgefügen zurück?

Ich glaube, dass Frauen – überhaupt viele Menschen – vor Machtgefügen zurückschrecken, weil sie die Erfahrung Profiler Suzanne Grieger-Langer ist seit 1993 Unternehmerin und die Frontfrau der Grieger-Langer Gruppe. Seit 2000 ist sie als Trainerin, Dozentin und Lehrbeauftragte aktiv. Sie ist zudem Bestseller-Autorin, Kolumnistin und Speakerin. Mit „Profiler On Tour - Cool im Kreuzfeuer“ ist sie zur Zeit deutschlandweit on Tour. gemacht haben, dass Menschen Macht oft missbrauchen. Das wollen sie selbst nicht tun. Folglich weichen sie zurück, weil sie nicht auch „böse“ sein wollen. Es schüchtern oft ein, wie viel man um Macht kämpfen muss, denn sobald man welche hat, kommt jemand daher und will sie einem wieder abnehmen.

Außerdem glauben viele, indem sie sich aus diesem Bereich der Macht zurückziehen, seien sie sicherer. Der Effekt ist nur, dass die, die dreist sind, noch mehr Zugriff auf Macht haben. Am liebsten gebe ich Leuten Macht, die sie überhaupt nicht haben wollen. Die gehen am ehesten verantwortlich damit um. Diejenigen, die geil auf Macht sind, wollen das für ihr Ego. Aber eben nicht für den Erfolg der Gemeinschaft. Und dann haben es die Falschen in der Hand.

Du unterscheidest zwischen Psychopathen mit hohem Intellekt und geringer Gewaltbereitschaft, die sich oft im höheren Management befinden und Pfeifen, die komplett Kritik resistent sind. Wie navigiert man sich als Geschäftsfrau durch diese Enge?

Grundsätzlich glaube ich, man navigiert nicht nur wie mit dem Auto-Navi durch den Straßenverkehr, sondern vielmehr noch durch ein komplett unzivilisiertes Gebiet. Ob es Psychopathen oder Pfeifen sind Oder vielleicht sogar ein paar Menschen, die nicht so ganz knusper in der Waffel sind, oder einen schlechten Tag haben, ich glaube es ist ganz wichtig, dass ich für mich weiß, wo ich hin will. Sprich, warum renne ich überhaupt los? All diese Störfaktoren könnte man vielleicht als Verkehrsinseln oder Verkehrskegel beschreiben. Da muss man eben Slalom fahren. Viele haben diese Illusion, der Weg zu irgendeinem Ziel wäre gerade. Das war er aber noch nie. Dass wir gerade Straßen bauen ist etwas ganz unnatürliches. Von daher ist es ganz normal sich durchzuschlängeln und das ist auch die richtige Bewegung. Ich komme am weitesten, wenn ich mich wie Wasser verhalte. Wenn ich mich nicht aufhalten lasse, sondern meinen Weg finde. Wenn jemand unbedingt Konfrontation sucht, kann auch Wasser eine gewisse Gewalt entwickeln. Das tut aber in 99,9 Prozent der Fälle überhaupt nicht Not.

Wie kann ich erkennen, ob ich selbst ein Psychopath, Blender oder eine Pfeife bin?

Das ist ziemlich einfach. Die Pfeifen haben es nicht so mit der Selbstreflexion. Wenn jemand meint, er wäre niemals eine Pfeife Dann würde ich sagen, das ist am ehesten ein Kandidat für den Posten. Pfeifen scheuen die Selbstreflexion. Alle, die sich fragen „Oh mein Gott, bin ich eine Pfeife?“ sind typischerweise die sogenannten „Pendler“. Das sind Performer ohne das Rückgrat des Selbstbewusstseins. Sie sind viel zu kritisch mit sich selbst und zu unkritisch mit anderen.

Die Psychopathen wissen, dass sie anders sind und dass sie Menschen zu allem bringen können. Damit haben sie auch kein Problem. Es ist das Umfeld, das ein Problem damit hat, manipuliert zu werden. Unterscheiden kann man diese Menschen-Typen also relativ fix. Für Neugierige, ich habe einen Performance-Check erstellt. Darin findet ihr zwölf erkennungsdienstliche Details, jeweils zur Pfeife, zum Psychopathen und zum Performer. Mit entsprechenden Verhaltenstipps.

Frauen definieren sich oft über die Qualität ihrer Arbeit und leiten davon ab, ob sie es wert sind mehr zu verdienen. Sie trauen sich nicht zu fragen, ob sie eine Gehaltserhöhung bekommen oder tun sich bei Honorarforderungen schwer. Selbstzweifel, Selbstsabotage spielt sicherlich eine Rolle dabei. Welche Tipps sollten Frauen befolgen, um trotzdem einen beruflichen Aufstieg zu erlangen?

Da ist so viel in einer Frage. Ich glaube ein „Problem“ ist, dass das männliche Balzverhalten auf die Präsentation von Stärke geht. Der männliche Dress Code, zum Beispiel, ist ein Jackett und da sind Schulterpolster eingenäht. Das weibliche Balzverhalten zielt auf Schwäche. Man macht sich schwach, um den Stärkeren anzulocken. Und jetzt vergessen Frauen einen ganz wichtigen Aspekt aus dem Privaten ins Professionelle zu übernehmen. Vielleicht kennt ihr den Sänger Roger Cicero. Er hat wunderbare Songs geschrieben. Ein Song lautet „Denn sie will es nun mal.“ Darin hat sie sich eine Idee in den Kopf gesetzt und er erklärt ihr, dass das alles Blödsinn sei. Womit er auch nicht ganz Unrecht hat. Nichts desto trotz verzweifelt er regelmäßig im Refrain, wo er singt „Und am Ende meiner Worte steht sie. Und sie will es nun mal.“ Wenn wir uns daran einfach stetig erinnern Wenn wir beispielsweise eine Tasche wollen, die exorbitant teuer ist, wollen wir sie trotzdem und wir kriegen die Kerle dazu, sie uns zu kaufen. Wenn wir das aus dem privaten in den professionellen Bereich übertragen, dann sind wir im Vorteil. Es gibt einen englischen Spruch, der übersetzt soviel heißt wie: Die Frau ist das einzige Beutetier, das seinem Jäger auflauert. Und bitte Mädels, behaltet das einfach im Blick! Ihr müsst es nicht machen, wie die Männer. Aber beobachtet, was sie tun und womit sie erfolgreich sind. Dann schaut euch an, womit ihr privat erfolgreich seid und übertragt das ins Business. Ihr könnt das.

Selbst mit der besten Vorbereitung, verliert man manchmal. Nach solchen Niederlagen ist es schwer wieder aufzustehen. Hast du ein paar Tipps, wie man leichter mit Niederlagen umgehen kann?

Niederlagen gehören dazu, sie gehören zum Lernen. Ich glaube, das wird falsch definiert. Es heißt „Niederlage“ und das Wort besagt, man läge da. Gefühlsmäßig ja, aber das ist nur ein Moment.

Wenn man das Gehen erlernt, fällt man auch ständig auf die Nase. Trotzdem will man laufen lernen, weil man dann autonomer ist. Man ist nicht mehr abhängig von Anderen. Simone Gerber sagt so schön, man scheitert sich nach oben. Niemand sagt „Oh, ich will laufen lernen“, stellt sich hin, läuft und es funktioniert. Alle, die erfolgreich sind, egal womit, sind einmal mehr aufgestanden, als sie gefallen sind. Nein, das ist nicht wahr. Die sind genau so oft aufgestanden, wie sie gefallen sind. Damit wird deutlich, wie wenig mehr Arbeit das ist. Man muss nicht mehr machen, man muss nur genauso oft aufstehen, wie man hingefallen ist. Ich glaube, was hilft ist eine gesunde Unfähigkeit zu akzeptieren, dass man liegen bleiben muss. Es ist natürlich zu scheitern, weil ich am scheitern lerne. Wir haben eine falsche Einstellung zu Fehlern. Fehler entstehen, das sagt schon das Wort, weil etwas fehlt. Was hat gefehlt? Was habe ich nicht gesehen, was habe ich nicht gewusst, was habe ich nicht elegant genug gemacht, wo war ich nicht durchsetzungsfähig genug?


Am Ende deiner Worte stehe ich, und ich will es nun mal.


Eitelkeit steht einem bei Fehlern oft im Weg.

Eitelkeit steht dem Erfolg sehr im Weg. Im Hochrisikobereich sagt man grundsätzlich, dass es zwei Zustände gibt: Erfolg oder Ego. Man muss sich entscheiden. Wenn dein Ego gewinnt und damit der innerer Schweinehund, oder die Eitelkeit, wirst du keinen Erfolg haben. Wenn du Erfolg willst, musst du die Eitelkeit beiseite stellen.

Was ist, wenn ich trotz dieser ganzen Tipps nicht den Hintern hoch bekomme? Bin ich ein hoffnungsloser Fall?

Ich glaube nicht, dass es hoffnungslose Fälle gibt. Du sagtest es schon. „Ich“ hab den Hintern nicht hoch bekommen. Da muss ich eben üben. Vielleicht fehlt es mir an Erfolgsmuskeln. Die muss ich trainieren. Das ist hart. Aber nichts desto trotz bin ich es, der es macht oder nicht macht. Das ist eine Frage der Entscheidung.

Definitiv gibt es viel Ungerechtigkeit in der Welt. Es gibt Leute, die haben leichter Zugang zu Möglichkeiten und haben auch mehr Unterstützung als Andere. Dass jemand prädestiniert grundsätzlich keine Chance hätte, das gibt es nicht. Aber bei einigen ist die Strecke zum Erfolg deutlich länger. Deshalb fangt früh an, damit ihr nicht auf der Strecke bleibt.