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FOTOKUNST: Kritisch betrachtet


fotoMAGAZIN Edition - epaper ⋅ Ausgabe 8/2018 vom 18.09.2018

Kunst ist eine schöne Sache – zumindest wenn man ihre Sprache versteht. Kuratoren und Kritiker feilen permanent am Wörterbuch des distinguierten Geschmacks. Unser aktuelles Lieblings-Vokabular der abgehobenen Kunstprosa.


Akzelerationismus

Es ist ein Wort, das nur zehn Prozent aller Vernissage- Besucher aussprechen und vermutlich noch weniger mit Bedeutung füllen können. Genau der richtige Trend- Term also, um den elitären Kunstbetrieb nach unten abzugrenzen. Hinter dem kleinen Zungenbrecher verbirgt ...

Artikelbild für den Artikel "FOTOKUNST: Kritisch betrachtet" aus der Ausgabe 8/2018 von fotoMAGAZIN Edition. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: fotoMAGAZIN Edition, Ausgabe 8/2018

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... sich die innovative Idee, mittels totaler Beschleunigung schnellstmöglich einen kulturellen Schiffbruch herbeizuführen. Stellen Sie sich also vor den Spiegel, schließen Sie die Augen und nuscheln Sie dann immer wieder jenes kaum aussprechbare Wörtchen, mit dem Sie schneller an Ihre Sprachgrenzen kommen werden, als der Kapitalismus an die Grenzen der Vorstellungskraft.

ILLUSTRATION: © GETTY IMAGES

Postfaktisch

Das Schlimmste lag eigentlich schon hinter uns: In den 1970ern gab es das Posthistoire, in den 80ern die Postmoderne. Danach war alles „Post-“, was auch nur im Entferntesten ein Präfix tragen konnte: Es gab den Postkapitalismus, die Postpolitik, die Postreform. Schließlich aber war auch dem letzten Kuratoren kein dickeres Ende mehr eingefallen. Dann kam Donald Trump an die Macht – und mit ihm die Wiedergeburt der Totalverendung unseres Daseins.

Anthropozän

Wenn früher mal die Welt unterging, dann nannte man das Waldsterben, Tschernobyl oder wahlweise auch Apokalypse. Das waren für sich genommen schlimme Dinge, in summa aber noch nicht derart tragisch, dass man sie nicht mit ein paar aufrüttelnden Bildern wieder aus der Welt bekommen hätte. Seit geraumer Zeit aber kommt die Endzeit unter neuem Label daher. Der gepflegte Kulturpessimist spricht jetzt vom „Anthropozän“ und meint damit jene große Götterdämmerung, für die es nicht einmal einen letzten Gott zum Licht-Ausmachen braucht.

Intervention

Kunst ist die Kunst des gepflegten Wartens. Auf Vernissagen und bei Atelier-Besuchen warten wir auf ein Event, eine Erkenntnis oder auch nur auf das Eintreffen unsererFacebook -Gruppe. Wer indes nicht mehr warten kann, der sollte vielleicht einmal zu intervenieren beginnen: Man kann eine solche Intervention auf einem Tafelbild, in einem Environment oder im Liebesleben von Vito Schnabel vollführen. Der Intervention sind da keine Grenzen gesetzt, solange man nicht annimmt, dass sich durch das Dazwischengehen bereits irgendwas verändert. Beim Intervenieren geht es nur darum, sich für einen kurzen Moment gepflegt die Füße zu vertreten.

Erproben

Man stelle sich vor, Rembrandt van Rijn hätte nur geübt: All die schönen Bilder – die Selbstportraits und die biblischen Szenen – nur ein schnelles Gepinsel wider den Ernstfall. Was im Goldenen Zeitalter noch unvorstellbar war, das wird indes heute zur Realität. Wer in den letzten Jahren die Beipackzettel zu den angesagten Vernissagen in Berlin-Mitte oder London Mayfair studiert hat, der wird immer wieder auf Künstler, gestoßen sein, die zu wahren Weltmeistern im „Erproben“ geworden sind. Mal erprobten sie Materialien, dann Strukturen und Widerstände, mal Revolutionen, Ästhetiken, Interventionen (siehe oben). So ist aus der ernstzunehmenden Kunst ein Probedurchlauf für verzagte Gemüter geworden.