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Funktionale und hübsche Desktops


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LinuxWelt XXL - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 28.04.2022
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Bildquelle: LinuxWelt XXL, Ausgabe 2/2022

Ubuntu 20.04: Das Ubuntu-System mit Gnome-Desktop ist weder besonders schön noch anpassungsfähig. Aber es ist sehr übersichtlich und einfach zu bedienen.

Nutzer haben unterschiedliche Ansprüche an die Bedienoberfläche. Auf der einen Seite stehen Anwender, die kaum mehr als ein Terminal erwarten. Andere legen besonderen Wert auf die Ästhetik: Einheitliche Farben, klare Linien und präzise Schriften sind ihnen wichtig. Zwischen den beiden Extremen bewegen sich Anwender, die ohnehin nur den Browser oder Mediaplayer öffnen und denen System und Desktop herzlich egal sind. Linux hat für alle genannten Benutzergruppen etwas zu bieten. Es ist am einfachsten, gleich die Distribution zu installieren, die den individuellen Ansprüchen am ehesten entspricht. Die zugehörigen Livesysteme bieten einen ersten Eindruck von Aussehen und Bedienung.

Desktopumgebungen wie Gnome, KDE oder XFCE stammen aus eigenständigen Projekten und sind daher nicht an eine spezielle Distribution gebunden. Konfiguration und Paketmanagement unterscheiden sich je nach Linux-Distribution ...

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... teilweise jedoch gravierend. Die Distributoren fügen eigene Tools hinzu und setzen jeweils andere Akzente auf dem Desktop.

Gnome: Weniger ist manchmal weniger

Die Gnome-Entwickler verfolgen eine ganz eigene Philosophie. Ein naturbelassenes Gnome (www.gnome.org) bietet wenig von dem, was etwa Linux-Mint-oder Windows- Nutzer gewohnt sind. Ein klassisches Startmenü oder eine Taskleiste gibt es nicht und der Desktop kann weder Ordner noch Verknüpfungen aufnehmen. Stattdessen zeigt sich im aktuellen Gnome 41 nach der Anmeldung oder nach einem Klick auf „Aktivitäten“ eine horizontale Leiste (Gnome Dash) mit einigen Programmstartern. Laufende Anwendungen signalisiert das Dash mit einem Punkt. Das Icon ganz rechts führt zu einer Übersicht mit allen installierten Programmen, die sich über das Kontextmenü in die Favoriten aufnehmen lassen.

Die Ansicht über „Aktivitäten“ zeigt auch die virtuellen Arbeitsflächen. Standardmäßig gibt es davon zwei. Verschiebt man ein Programmfenster auf die letzte Arbeitsfläche, fügt Gnome automatisch eine weitere hinzu. Gnome lässt sich am besten mit einem Touchpad oder der Tastatur bedienen. Mit einer Zwei-Finger-Geste kann man beispielsweise zwischen den Arbeitsflächen wechseln. Die Super-Taste (Windows-Taste) ruft „Aktivitäten“ auf, Alt-Esc wechselt zwischen Fenstern und Alt-Leertaste zeigt das Fenstermenü. Minimieren-und Maximieren-Schaltflächen gibt es bei Gnome-Fenstern nicht. Man kann Super-H verwenden, um Fenster zu verbergen, über den Taskwechsler Alt-Tab lässt es sich später wieder hervorholen.

Design und Leistung: Gnome bezeichnet sich selbst als „einfach, schön und elegant“. Das mag in einzelnen Bereichen stimmen, insgesamt wirkt der Gnome-Desktop jedoch eher altbacken. Beschriftungen sind teilweise zu groß und grob, Schaltflächen in 3D-Darstellung gelten als nicht besonders modern, die Standardicons etwa im Dateimanager sind eher langweilig. Der Verzicht auf übermäßige Effekte bei Desktop und Fenstern trägt allerdings kaum Verbesserung der Leistung bei. Gnome fühlt sich weder besonders schnell noch langsam an.

Einstellungen: Die Gnome-Einstellungen sind übersichtlich und funktional. Für das Erscheinungsbild des Desktops gibt es keine Optionen, vom Hintergrundbild einmal abgesehen. Neu in Gnome 41 ist die Kategorie „Multitasking“. Es gibt beispielsweise eine Option, über die sich die aktiven Bildschirmkanten abschalten lassen. Ist die Funktion aktiv, füllt ein Fenster die Hälfte des Bildschirms aus, wenn es an den linken oder rechten Rand gezogen wird. Zieht man es an den oberen Rand, wird es auf Vollbild vergrößert.

Gnome lässt sich individuell anpassen, aber dafür sind zusätzliche Werkzeuge erforderlich. Beispiele finden Sie ab Seite 26.

Standardsoftware: Zu Gnome gehören einige Anwendungen, die alle im einheitlichen Design erscheinen. Dazu gehören beispielsweise der Texteditor Gedit, der Mediaplayer Videos und der Musikplayer Rhythmbox. Die Paketverwaltung mit dem Namen „Software“ gehört ebenfalls zu Gnome und ist mit leichten Änderungen in den meisten Distributionen zu finden, die auf Gnome basieren.

Distributionen: Ein weitestgehend unverändertes Gnome installieren Fedora, Debian und Open Suse. Ubuntu verwendet ebenfalls Gnome, zeigt aber den Programmstarter Ubuntu-Dock dauerhaft links auf dem Bildschirm.

Zorin-OS basiert auf Ubuntu und verwendet Gnome als Desktop. Davon ist allerdings nicht viel zu sehen. Das System zeigt eine Taskleiste und ein klassisches Startmenü. Die Auswahl des Desktopthemas und geeigneter Schriftarten verleihen Zorin ein sehr klares und ästhetisches Design. Die kostenlose Core-Version bietet nicht alle Einstellungen. Wer mehr möchte, muss Zorin-OS Pro kaufen (39 Dollar). Dort sind auch Desktoplayouts im Stil von Windows 11 und Mac-OS enthalten.

KDE: Schick und gut anpassbar

Die intensive und schnell fortschreitende Entwicklung hat bei KDE (https://kde.org) in der letzten Zeit zu zahlreichen Verbesserungen geführt. In diesem Artikel beziehen wir uns auf neuere KDE-Versionen. Kubuntu 21.10 und KDE Neon installieren aktuell KDE Plasma 5.23. Bei älteren Versionen sind nicht alle beschriebenen Funktionen zu finden.

KDE zeigt ein klassisches Startmenü und eine Taskleiste. Das Startmenü („Anwendungs-Starter“) zeigt zuoberst Favoriten für den Schnellzugriff an. Unter „Alle Anwendungen“ erscheint eine alphabetisch sortierte Liste der installierten Anwendungen. Der Rest des Menüs zeigt Programmkategorien wie „Büro“ und „Internet“. Der rechte Mausklick kann teilweise zur schnelleren Navigation dienen. Bei „Systemeinstellungen“ beispielsweise sind im Menü die zuletzt aufgerufenen Einstellungen zu sehen, bei Firefox „Ein neues Fenster öffnen“ und „Ein neues privates Fenster öffnen“.

Am unteren Rand sind Schaltflächen für „Standby-Modus“, „Neu Starten“ und „Herunterfahren“ untergebracht. Rechts davon gibt es ein Icon, das zu „Sperren“, „Abmelden“ und „Benutzer wechseln“ führt. Die beiden Bereiche können ihre Plätze tauschen, wenn man das eine oder andere häufiger benötigt. Dazu klickt man auf das Icon ganz rechts oben, um die Einstellungen des Anwendungsstarters aufzurufen, und aktiviert unter „Primäre Aktionen“ die Option „Sitzungs-Aktionen“.

Die Taskleiste heißt bei KDE „Fensterleiste nur mit Symbolen“. Sie dient als Programmstarter und zeigt laufende Programme an. Über einen rechten Mausklick und den Menüpunkt „Fensterleiste mit Symbolen einrichten“ lässt sich die Leiste anpassen.

Design und Leistung: KDE bietet eine klare Optik mit scharfer Schriftdarstellung und meist mit modernen, flachen Schaltflächen. Die Gestaltung der KDE-Anwendungen ist zum größten Teil einheitlich. Die KDE-Ent- wickler scheinen eine Vorliebe dafür zu haben, jede denkbare Option in ein Programm einzubauen. Das führt in einigen Anwendungen zu überladenen Menüs mit Unter-und Unter-Unter-Menüs, die kaum noch auf den Bildschirm passen. Besonders übersichtlich ist das nicht, lädt aber zum Experimentieren ein. Die Geschwindigkeit des Systems scheint das nicht zu beeinträchtigen. KDE ist nach wie vor kein Leichtgewicht unter den Desktopumgebungen, aber auf jedem aktuellen Rechner angenehm und schnell zu bedienen.

Einstellungen: KDE besitzt eine Zentrale für die Systemeinstellungen, die der von Gnome ähnelt. Wer den Desktop individuell konfigurieren möchte, wird hier seine Freude haben. Die Basiseinstellungen sind unter „Erscheinungsbild“ zu finden. Hier lässt sich ein „Anwendungs-Stil“ auswählen, weitere sind über „Neue globale Designs holen“ abrufbar. Die Details sind beispielsweise unter „Plasma-Stil“, „Farben“ und „Fensterdekoration“ einstellbar. Wem die vorgegebenen Stile nicht genügen, kann zusätzliche herunterladen.

Zurück in der Hauptübersicht sind unter „Arbeitsbereich“ weitere Einstellungen für den Desktop zu finden. Die betreffen vor allem das Verhalten der Arbeitsbereiche und der Fenster.

Standardsoftware: Zu den KDE-Anwendungen gehören der Dateimanager Dolphin und der Texteditor Kate. Dazu kommt die Programmverwaltung Discover, über die man auch die zahlreichen Plasma-Erweiterungen abrufen kann. Systemaktuali- sierungen lassen sich über Discover ebenfalls installieren.

WEITERE SPANNENDE DESKTOPUMGEBUNGEN

Gnome, KDE, XFCE oder Cinnamon sind die bevorzugten Desktopoberflächen vieler Linux-Nutzer. Daneben gibt es weniger bekannte Software, die entweder Ähnliches bietet oder ganz andere Wege einschlägt. Zu nennen ist beispielsweise der Mate-Desktop (https://mate-desktop.org), der eine Art Mischung von Gnome und Cinnamon darstellt. Durch den offiziellen Ubuntu-Ableger hat er eine gewisse Verbreitung gefunden. Auf Ubuntu-Basis läuft außerdem Elementary OS, dessen Entwickler den eigenen Pantheon-Desktop verantworten. Das System orientiert sich bei der Desktopgestaltung eher an Mac-OS als an Windows. Elementary OS ist ästhetisch ansprechend, bei der Bedienung aber gewöhnungsbedürftig. Es gibt keine Menüleiste, die Steuerung erfolgt ausschließlich über die Symbolleiste oder das Kontextmenü. Fenster lassen sich standardmäßig nur per Klick auf das zugehörige Icon im Dock minimieren. In den Fensterleisten gibt es nur eine Schaltfläche für die Darstellung im Vollbild.

In einer ähnlichen Liga spielt der Budgie-Desktop (Ubuntu Budgie, Solus-OS), der sich ebenfalls an Mac-OS orientiert. Wieder eher konservativ ist der Moksha-Desktop, der in Bodhi Linux zu finden ist. Startmenü und Taskleiste gehören zu seinem Repertoire. Individuelle Anpassungen sind möglich, aber kompliziert. Dafür ist das System auf Geschwindigkeit getrimmt. Obwohl es auf Ubuntu basiert, startet und reagiert es außerordentlich schnell.

Bunsenlabs ist eine eher ungewöhnliche Linux-Distribution, die den Fenstermanager Openbox und dessen Fähigkeiten nutzt. Es gibt eine Menü-Schaltfläche und eine Taskleiste. Das Kontextmenü des ansonsten funktionslosen Desktops öffnet ebenfalls das Hauptmenü. Die schlichte, aber ästhetische Oberfläche ist in Grenzen anpassungsfähig. Das Wichtigste findet sich unter „Preferences –› Openbox –› WM Preferences“ sowie „Preferences –› Appearance“. Bunsenlabs gehört zu den besonders schnellen und anspruchslosen Linux-Systemen.

Distributionen: Alle größeren Distributionen bieten Ausgaben mit KDE-Desktop. Kubuntu 20.04 (ab April 2022 in Version 22.04) ist als LTS-Version mit KDE Plasma 5.18 nicht ganz auf dem neuesten Stand. In dieser Version wurde beispielsweise der Anwendungsstarter noch nicht überarbeitet. Kubuntu 21.10 enthält KDE Plasma 5.22 und damit bereits etliche Neuerungen. Wer ein besonders aktuelles KDE möchte, greift zu KDE Neon. Das System basiert auf Ubuntu 20.04, enthält aber immer die neueste KDE-Version. Fedora installiert ebenfalls relativ neue KDE-Versionen und Open Suse Tumbleweed ist als Rolling Release ohnehin immer auf dem neuesten Stand.

XFCE: Leichtgewicht für Individualisten

Auch XFCE (www.xfce.org) gehört zu den älteren Desktopumgebungen, die Entwicklung verläuft aber eher langsam. Nach mehr als vier Jahren Pause erschien im August 2019 die Version 4.14, im Dezember 2020 wurde das kleine Update 4.16 nachgereicht. Häufige Updates alleine sind jedoch auch kein Qualitätsmerkmal. XFCE hat auf jeden Fall eine treue Fangemeinde, weil die Desktopumgebung sparsam mit Ressourcen umgeht und trotzdem gut anpassbar ist.

Xubuntu positioniert eine klassische Taskleiste am oberen Bildschirmrand. Das Startmenü mit Suchfunktion zeigt „Favoriten“, „Zuletzt verwendet“ und „Alle Anwendungen“. Darunter sind Kategorien wie „Büro“ und „Internet“ zu finden. Für den schnellen Start kann man Programme aus dem Menü über das Kontextmenü in die Favoriten aufnehmen. Im rechten Bereich sind die Uhr und der Lautstärkeregler sowie Statusbenachrichtigungen zu Netzwerk und Updates untergebracht. Fedora mit XFCE ist ähnlich konfiguriert, zeigt aber ein einfacheres Startmenü ohne Suchfunktion.

Bei XFCE bestehen die Leisten wie bei KDE aus einzelnen Elementen. Ein rechter Mausklick auf einen freien Bereich in der Leiste führt zum Menü „Leiste –› Leisteneinstellungen“. Auf der Registerkarte „Anzeige“ lässt sich festlegen, ob die Leiste waagerecht oder senkrecht ausgerichtet sein soll. Wer die Leiste am unteren Bildschirmrand sehen möchte, entfernt das Häkchen vor „Leiste sperren“. Klicken Sie dann ganz links auf die Leiste und ziehen Sie sie nach unten. Danach können Sie das Häkchen wieder setzen.

Auf der Registerkarte „Objekte“ sind die enthaltenen Elemente aufgelistet, die Position lässt sich über die Pfeil-Schaltfächen ändern. Über die „+“-Schaltfläche fügen Sie neue Elemente hinzu. Die können Sie auch mit der Maus direkt vom Dialog auf die gewünschte Stelle in der Leiste ziehen.

Jedes Element besitzt eigene Einstellungen, die sich über die Schaltfläche mit dem Zahnradsymbol aufrufen lassen. Das geht auch direkt in der Leiste über den Kontextmenüpunkt „Einstellungen“. Bei Xubuntu sehen Sie an der ersten Position das „Whisker-Menü“, welches sich auch bei Fedora nachträglich aktivieren lässt. Welche Einträge das Menü an welcher Stelle zeigt, lässt sich detailliert in den Einstellungen festlegen. Auf der Registerkarte „Suchbefehle“ erfährt man, welche Kürzel im Suchfeld des Menüs gelten. „!w“ beispielsweise leitet eine Suche in der Wikipedia ein. Sie können neue Suchbefehle festlegen und vorhandene ändern.

Design und Leistung: Xubuntu ist nicht unbedingt ein Hingucker. Als Grafikbibliothek dient GTK 2, der Vorgänger des im aktuellen Gnome verwendeten GTK 3. Die grafischen Elemente und Schriftarten wirken daher nicht besonders elegant, unterscheiden sich aber auch nicht wesentlich vom Gnome-Desktop. XFCE benötigt wenig Hauptspeicher und liegt beim Ressourcenbedarf im unteren Bereich. Die Desktopumgebung ist daher immer eine Empfehlung für weniger leistungsstarke Hardware.

Einstellungen: Die „Einstellungen“ erreichen Sie bei Xubuntu schnell über das Icon am unteren Rand des Startmenüs. Relevante Bereiche für die Desktopgestaltung sind „Erscheinungsbild“, „Schreibtisch“ und „Feineinstellungen der Fensterverwaltung“. Über „Fensterverwaltung“ lässt sich der Fensterstil festlegen. Wählen Sie „Greybirdacessibility“ für einen etwas größeren Fensterrahmen, der sich leichter mit der Maus anfassen lässt.

Standardsoftware: Zum XFCE-Desktop gehören beispielsweise der Dateimanager Thunar, der Mediaplayer Parole und der Texteditor Mousepad. Diese recht einfachen Programme können mit ihren Pendants in Gnome oder KDE nicht ganz mithalten. Wem der Funktionsumfang nicht ausreicht, kann aber einfach das gewünschte Programm einer anderen Desktopumgebung installieren.

Distributionen: Xubuntu 20.04 LTS ist als offizielle Ubuntu-Variante wahrscheinlich die beste Wahl für ein System mit XFCE- Desktop. XFCE gibt es ohne besondere Anpassungen auch bei Fedora oder Open Suse. Die schicke Distribution Voyager demonstriert, was mit XFCE möglich ist. Die Distribution basiert auf Xubuntu oder Debian und hat den Desktop im Mac-OS-Design gestaltet. Prägendes Merkmal ist das Dock am unteren Bildschirmrand. Das typische XFCE-Panel ist ebenfalls vorhanden, daneben weitere Leisten für spezielle Funktionen. Das System wird mit mehreren Desktopstilen und Hintergrundbildern ausgeliefert, über die sich Gestaltung und Farbgebung anpassen lassen.

LXQT: Leicht und schnell

Das „L“ in LXQT steht für leichtgewichtig („Lightweight X11 Desktop Environment“, https://lxqt-project.org). Das Ziel der Entwickler ist ein besonders schlanker Desktop, der sich auch auf leistungsschwacher Hardware gut verwenden lässt. „QT“ weist auf das verwendete GUI-Toolkit Qt hin, das auch KDE verwendet.

LXQT bleibt beim bewährten Konzept. Eine Leiste am unteren Bildschirmrand mit einem einfachen Startmenü, Schnellstarter, Taskleiste und Symbole etwa für Netzwerk und Lautstärkeregelung. Die Leiste lässt sich konfigurieren. Wie bei KDE und XFCE sind Menü und Anwendungsstarter einzelne Elemente, die sich beliebig verschieben lassen. Die Leiste lässt sich ebenfalls an allen Bildschirmrändern andocken. Bei Bedarf können weitere Leisten mit unterschiedlichen Bedienelementen erstellt werden.

Design und Leistung: In puncto Ästhetik ist LXQT zwischen KDE und XFCE angesiedelt. Bedienelemente und Fenster sind ansprechend gestaltet, die Farbgebung ist angenehm. Wirklich modern sieht die Oberfläche aber nicht aus. Dafür ist der Ressour- cenbedarf nicht besonders hoch und die Desktopoberfläche lässt sich flüssig bedienen. Einige Benutzer mag es stören, dass bei LXQT in einigen Bereichen die deutschen Übersetzungen fehlen und daher Teile der Einstellungen nur in englischer Sprache erscheinen.

Einstellungen: Über das Menü und „Einstellungen –› LXQt-Systemeinstellungen“ lässt sich das „Konfigurationszentrum“ aufrufen, das beispielsweise zu „Bildschirmeinstellungen“ oder „Datum und Zeit“ führt. Man kann die einzelnen Optionen auch direkt unter „LXQt-Systemeinstellungen“ ansteuern. Über „Erscheinungsbild“ kann man den „Widget Style“ wählen. Die Vorgabe ist „Breeze“. Wählt man „Windows“, versprüht der Desktop den spröden Charme der 90er-Jahre (Windows 95). Bei „Icon Theme“ und „LXQt Theme“ gibt es einige wenige Themes zur Auswahl. Die Darstellung lässt sich im „Konfigurationszentrum“ auch über „Fenstermanager Openbox“ beeinflussen, wo es mehr Themes zur Auswahl gibt.

Standardsoftware: Zu LXQT gehören der Dateimanager Pcmanfm-Qt, der Bildbetrachter Lximage-Qt und das Qterminal. Besondere Überraschungen hat die Software nicht zu bieten. Sie integriert sich jedoch gut in die Desktopoberfläche und liefert die wichtigsten Funktionen.

Distributionen: LXQT-Editionen gibt es beispielsweise von Ubuntu (Lubuntu) und Fedora. Die Desktopumgebung lässt sich außerdem bei Debian, Open Suse und Manjaro installieren.

Cinnamon: Der robuste Klassiker

Cinnamon (https://github.com/linuxmint/ cinnamon) orientiert sich an klassischen Desktops wie Gnome 2, Windows XP und Windows 7. Es gibt ein Startmenü mit Suchfunktion, das Kategorien wie „Büro“, „Grafik“ und „Multimedia“ zeigt. Es genügt, mit der Maus über die Kategorien zu fahren, der Inhalt zeigt sich dann in der rechten Hälfte des Fensters. Ganz links gibt es einige Schaltflächen, die zu den „Favoriten“- Programmen führen. Die Reihenfolge lässt sich ändern, man kann Programme hinzufügen oder entfernen.

Die Leiste am unteren Bildschirmrand dient als Taskleiste und zeigt laufende Programme als Icon an. Per rechtem Mausklick und „An der Leiste anheften“ lässt sich ein Programm dauerhaft in der Leiste unterbringen, die damit auch als Schnellstarter dient. Die Elemente der Leiste sind „Applets“, die sich beliebig verschieben oder löschen lassen. Cinnamon bietet standardmäßig nur wenige Applets an, weitere kann man jedoch herunterladen (siehe ab Seite 26). Der Desktop lässt sich standardmäßig als Dateiablage nutzen. Sie können Ordner, Dokumente oder Programmverknüpfungen darauf ablegen.

Design und Leistung: Die Cinnamon- Oberfläche ist zwar schlicht, aufgrund einer gelungenen Farbgebung und präzisen Schriftdarstellungen aber angenehm anzusehen. Cinnamon ist bei den Systemressourcen nicht besonders anspruchsvoll und läuft daher auch auf älterer Hardware. Für Geräte mit weniger als vier GB RAM und schwachem Grafikchip ist aber eher XFCE zu empfehlen.

Einstellungen: Alle Optionen sind bequem über die „Systemeinstellungen“ erreichbar. Themen und Hintergrundbilder für die Arbeitsfläche sind mit wenigen Mausklicks geändert. Zusätzliche Themen lassen sich auf der Registerkarte „Hinzufügen/Entfernen“ herunterladen.

Standardsoftware: Zu Cinnamon gehören Programme wie der Texteditor Xed, der Bildbetrachter Xviewer und der Dokumentbetrachter Xreader. Alle basieren auf bekannten Open-Source-Anwendungen, wurden von den Entwicklern aber angepasst, um sich besser in Cinnamon zu integrieren.

Distributionen: Cinnamon ist eine Eigenentwicklung des Linux-Mint-Teams. Die Desktopumgebung lässt sich auch in anderen Systemen installieren, beispielsweise Ubuntu oder Fedora. Der Desktop ist vor allem bei Windows-Umsteigern beliebt.