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Geburtsvorbereitungskurs: Gut gerüstet


ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 11/2015 vom 20.11.2015

Als Hechelkurs wird die Geburtsvorbereitung manchmal verspottet. Zu Unrecht: Die Kurse verbessern die Körperwahrnehmung, und werdende Eltern können alle Fragen rund um die Geburt stellen. So gewinnen sie Sicherheit für die entscheidenden Stunden.


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Foto: gilaxia/iStock

Vielen Schwangeren wird in den letzten Wochen und Tage etwas mulmig: Was sich mit dem Kind alles ändern wird! Was noch zu organisieren und zu besorgen ist! Und vor allem: Hoffentlich ist das Kind gesund und es wird eine leichte Geburt. „Alle schwangeren Frauen haben Angst“, war der bekannte französische Geburtshelfer Frédérick Leboyer ...

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... überzeugt. In einer Forsa-Umfrage erklärten immerhin 53 Prozent der Frauen, sie hätten Furcht vor der Entbindung.


Gut vorbereitete und informierte Frauen erleben die Geburt gelassener


Wie man damit umgeht, ist Typsache: Auf jeden Fall hilft das Gefühl, gut vorbereitet zu sein. Allerdings ist eine Entbindung keine Prüfung, für die man üben kann. Am besten, man hört auf das eigene Bauchgefühl und wendet sich mit Fragen an den Gynäkologen oder die Hebamme. Diese Fachleute können dank ihrer Erfahrung Unsicherheiten ausräumen. Doch was wirklich zählt, so Frédérick Leboyer, ist das Ver trauen der werdenden Mutter in ihre Kräfte. „Die Geburt ist wie ein Sturm, durch den die Frau ihr Schiff gut durchbringen muss. Sie ist der Kapitän.“

Und damit der Kapitän gut gerüstet für die möglicherweise turbulente Reise ist, gibt es Geburtsvorbereitungskurse. Zwar kann frau die Geburt nicht so richtig üben. Und kein noch so intensives Training garantiert eine schmerzlose und leichte Entbindung. Aber Studien belegen, dass gut vorbereitete und informierte Mütter die Geburt gelassener erleben. Schon vor 80 Jahren erkannte der britische Arzt und Geburtshelfer Grantly Dick-Read, dass Furcht bei der Geburt eine fatale Kettenreaktion in Gang setzt: Die Frau verkrampft sich, die Wehen können ins Stocken geraten; die Geburt dauert dadurch länger und ist schmerzhafter. Kann sich die Frau hingegen entspannen, bewältigt sie den Schmerz besser, und die Geburt geht schneller voran. Dick-Read entwickelte auf der Grundlage dieser Erkenntnisse eine Methode der Geburtsvorbereitung, die im Wesentlichen aus Atem- und Entspannungsübungen besteht.

Auch andere Geburtshelfer wie Dr. Fernand Lamaze, Adriana Zillo und Dr. Hans Greissing (Zilgrei-Methode) entwickelten Theorien und spezielle Übungen. Die meisten modernen Kurse vermitteln jedoch nicht nur eine Lehre, sondern stellen die sinnvollsten Elemente aus verschiedenen Richtungen zusammen. Denn mit einem guten Mix aus Theorie und Praxis sind die werdenden Eltern am besten gerüstet. Dabei ist auch an die Väter gedacht: Seit es für die Mehrheit der Männer zur Selbstverständlichkeit geworden ist, bei der Geburt ihres Kindes dabei zu sein, richten sich die meisten Geburtsvorbereitungskurse an beide Elternteile. Mit Rücksicht auf die Väter lassen manche Anbieter die Kurse von weiblichen und männlichen Referenten gemeinsam leiten.

Auch haben sie spezielle Angebote für Männer ins Programm aufgenommen. Da erfahren die werdenden Väter etwas über ihre Aufgabe im Kreißsaal, über Sexualität in Schwangerschaft und Stillzeit, die finanziellen Auswirkungen des Kinderkriegens und wie man Windeln wechselt. Den meisten Vätern kommen solche Offerten entgegen, denn viele fühlen sich im weiblich geprägten Umfeld der Geburtsvorbereitung etwas fehl am Platz. Sind die Männer unter sich, wagen sie es eher, von ihren Bedenken und Unsicherheiten zu sprechen, als im Beisein der schwangeren Partnerin, denn ihr wollen sie ja eine Stütze sein.


Männer lernen, wie sie ihre Partnerin am besten unterstützen


Aber nicht nur Männer gehen manchmal mit gemischten Gefühlen in den Kurs. Auch so manche werdende Mutter findet die Vorstellung peinlich, vor versammelter Frauenschaft zu hecheln und den Beckenboden zu trainieren. Dennoch: Die meisten genießen die Geburtsvorbereitung und freuen sich über die Kontakte zu anderen Schwangeren. Wenn der Kurs aus einer festen Gruppe besteht, findet man schnell Kontakt. Bei fortlaufenden Angeboten mit ständig wechselnden Teilnehmern ist das in der Regel deutlich schwieriger.

Auch wer das zweite oder dritte Kind erwartet, sollte sich den Vorbereitungskurs nicht entgehen lassen. Denn oft können erfahrene Mütter die Informationen besser aufnehmen. Außerdem bietet der Kurs etwas Abstand zum Alltag sowie die Gelegenheit, sich ganz auf die Schwangerschaft zu konzentrieren. Am besten machen die werdenden Eltern den Vorbereitungskurs dort, wo das Kind zur Welt kommen soll. So werden einem die Geburtshelfer und die Umgebung vertrauter.

Anbieter und Kosten

■ Kliniken, Geburtshäuser, Hebammenpraxen, selbstständige Hebammen, Familienbildungsstätten, Volkshochschulen, Mütterzentren, Wohlfahrtsverbände und private Initiativen bieten Kurse an.
ƒ Am besten nimmt man zwischen dem sechsten und siebten Monat am Kurs teil.
ƒ Die Krankenkassen zahlen 14 Stunden reguläre Geburtsvorbereitung für werdende Mütter, wenn eine Hebamme den Kurs leitet. Die Kosten für den Vater werden oft nicht erstattet, nachfragen sollte man trotzdem.
ƒ Kurse über mehrere Wochen bringen mehr als ein Crashkurs am Wochenende.

Das sollte der Kurs bieten:
■ Informationen über körperliche und psychische Vorgänge während der Schwangerschaft und Geburt
■ Entspannungsübungen
■ Atemübungen
■ Gymnastik, vor allem Beckenbodentraining
■ Vorstellen unterschiedlicher Gebärhaltungen
■ Anleitungen zur Partnermassage während der Geburt
■ Vorbereitung auf das Stillen
■ Babypflegetipps
■ Austausch in der Gruppe
■ Spezielle Infos für den Vater

Kompakt

Von Bauchtanz bis Zilgrei

Neben der Geburtsvorbereitung bieten die meisten Kliniken, Geburtshäuser und Hebammen ein vielfältiges Zusatzprogramm an. Diese Kurse müssen jedoch im Unterschied zur regulären Geburtsvorbereitung aus eigener Tasche gezahlt werden.
Yoga: Hilft dabei, seelisch und körperlich ausgeglichener zu werden. Körperübungen machen geschmeidig, Atemübungen beruhigen und helfen bei der Wehenarbeit. Entspannungsund Meditationsübungen erleichtern den Umgang mit den Schmerzen bei der Geburt.

Foto: g-stockstudio/Shutterstock

Lamaze: Konzentriert ausgeführte Atemübungen helfen, bei der Geburt mitzuarbeiten. Gleichzeitig lernt die Schwangere, gezielt bestimmte Muskelpartien einzusetzen, während der Rest des Körpers entspannt bleibt.
Zilgrei: Hier werden kombinierte Atemund Haltungsübungen trainiert.
Shiatsu: Massage und Akupressur sollen sowohl gegen mögliche Schwangerschaftsbeschwerden helfen als auch einer leichteren Geburt dienen.
Haptonomie: In entspanntem Zustand wird gedanklich und über die auf dem Bauch liegenden Hände Kontakt zum ungeborenen Kind aufgenommen.
Geburtsvorbereitung im Wasser: Gymnastik und Atemübungen im Wasser dienen nicht nur der Vorbereitung auf eine Wassergeburt. Die leichte Bewegung im Wasser ist für Schwangere besonders angenehm und schonend, da Wasser das deutlich angestiegene Körpergewicht besser trägt. Tauchübungen dienen dabei dem Atemtraining und der Entspannung.
Bauchtanz: Trainiert die Beckenmuskulatur, verbessert die Blutzirkulation und Atmung sowie das Körperempfinden und baut dadurch Ängste und Verkrampfungen ab. Da nicht alle Bewegungen des orientalischen Tanzes gut für Schwangere sind, sollte man ein spezielles Training für Schwangere besuchen.