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Geiz ist geil – wenn’s um Energie geht


ÖKO-TEST Spezial Umwelt & Energie - epaper ⋅ Ausgabe 9/2013 vom 13.09.2013

Atomausstieg, Strompreise und fehlende Netze dominieren die Diskussion um die Energiewende. Wobei hier ein Thema regelmäßig durch den Rost fällt: das Einsparen von Energie. Dabei ist das ein Schlüssel zum Erfolg. Wir zeigen Wege, wo und wie Sie ohne Komfortverlust im eigenen Haushalt Geld und Energie sparen können. Und jede Menge CO2 vermeiden.


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Foto: H. Barth/iStockphoto/Thinkstock

Es ist so einfach wie banal: Die beste Kilowattstunde ist die, die erst gar nicht gebraucht wird. Kein Liter Öl, kein Kilo Kohle und keine teure Überlandleitung für Wind- oder Sonnenstrom. Keine Klimabelastung durch den ...

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... Ausstoß zusätzlichen Kohlendioxids, kein Feinstaub, keine Kosten. Warum immer nur darüber gestritten wird, wie fossile Energieträger und Atomkraftwerke durch umweltfreundliche ersetzt werden, welche Belastung das für die Stromnetze bedeutet und wer das alles bezahlen soll, ist unter diesen Vorzeichen kaum zu verstehen. Denn Sparen ist eine unserer wichtigsten Energiequellen. Das sieht eigentlich auch die Bundesregierung so. Schon 2007, zu Zeiten der großen Koalition, als die Kanzlerin noch Klimakanzlerin war, wurde im Rahmen des Integrierten Energie- und Klimaschutz-programms dem Energiesparen und der Energieeffizienz eine wichtige Rolle zugesprochen. Passiert ist einiges, aber der große Durchbruch blieb aus.

Raus damit! Der radikale Weg ist sicher der konsequenteste. Doch Heizung oder Waschmaschine vorzeitig zu entsorgen kann sich kaum jemand leisten. Wichtiger ist es, die Geräte energie-, umwelt- und geldschonend zu bedienen.


Foto: kaibieler/photocase.com

So trat 2009 eine strengere Energieeinsparverordnung für Neubauten und Gebäude sanierungen in Kraft, viel Geld und Zeit floss in Förderprogramme und Informa tions kampagnen. Auf europäischer Ebene verschärften sich die Anforderungen für Haus haltsgeräte, der guten alten Glühlampe wurde der Garaus gemacht und an vielen weiteren Schräubchen gedreht. Der Erfolg ist messbar, wenn auch in sehr bescheidenem Rahmen. So konstatiert die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen – quasi die oberste Instanz in Sachen Energiestatistik – im vergangenen Jahr einen Rückgang des gesamtstaatlichen Primär energieverbrauchs um 0,8 Prozent. Damit lag der Rückgang aller verbrauchten Energie immerhin über dem Durchschnitt früherer Jahre. Von 1990 bis 2012 sank der Primärenergieverbrauch – also der komplette Verbrauch, zum Beispiel vom Ölbohrloch bis zum Heizkessel, bereinigt um die wetterbedingten Temperaturschwankungen – nur um 0,4 Prozent. Einfacher gesagt: Beim Thema Energie gehen wir zwei Schritte vor und einen Schritt zurück. Oder doch nur rückwärts?

Eine Abwrackprämie für Kühlgeräte wäre sinnvoll

„Die Reduzierung beim Primärenergieverbrauch beruht allein auf dem stärkeren Einsatz erneuerbarer Energien“, sagt Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energie -Agentur, die als eine ihrer Kernaufgaben die Information der Bürger zum Thema Energie effizienz gesetzt hat. „Beim Endenergieverbrauch, also dem, was tatsächlich im Heizkessel, im Automotor oder im Elektrogerät ankommt, haben wir eine sehr schwache Entwicklung. Da sind wir bei Weitem nicht auf dem Reduktionspfad, der notwendig wäre.“ Kohler vermisst klare Wegweiser für die Bürger: „Uns mangelt es an Transparenz und Klarheit“, sagt er und nennt als Beispiel das Verbrauchslabel für Haushaltsgeräte. „Bei manchen Geräten geht es von G bis A, dann gibt es solche mit A++ und solche mit A+++, da blickt man als Laie kaum durch.“

Eine Abwrackprämie für Kühlgeräte, die Haushalten mit wenig Geld zugutekommt, und ein ebenfalls sozial gestaffeltes Programm zur steuerlichen Berücksichtigung von Dämm maßnahmen und neuen Heizungen im Gebäude bestand als Ergänzung der bestehenden KfW-Förderprogramme sind nach Ansicht Kohlers zwei Instrumente, die den bummelnden Energiesparzug wieder in Fahrt bringen könnten. Zusätzlich muss es bei Industrie und Gewerbe striktere Regeln ge-ben, nach denen sich Unternehmen vom Aufschlag auf den Strompreis nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz befreien lassen können (EEG-Umlage). „Außer einem Nachweis des internationalen Wettbewerbs sollte der Betrieb auch belegen müssen, dass er in Energieeffizienz investiert hat“, fordert Stephan Kohler. Im Moment sei es teilweise noch so, dass Unternehmen unnötig Strom verbrauchen, nur um in die Verbrauchs klasse für die Befreiung von der EEG-Umlage zu kommen. „Solche negativen Anreize muss man abschaffen.“

In die gleiche Kerbe, aber inhaltlich und sprachlich noch einmal deutlich vehementer, schlägt Dr. Uwe Leprich, Leiter des Saarbrücker Instituts für Zukunftsenergiesysteme (Izes) und Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. „Es ist eine Lebenslüge, dass alle Beteiligten in Deutschland mehr Energieeffizienz wollen“, sagt Leprich und denkt dabei vor allem an die deutsche Politik, die sehr stark in die Interessen von Verbänden und großen Konzernen verstrickt sei. „Wenn es zum Schwur kommt, werden an sich sinnvolle Verordnungen verwässert oder hin ausgezögert“. Beispiele kennt Leprich reihenweise – von der sich immer wieder verzögernden Novelle der Energieeinsparverordnung über die in ihrem Entwurf sinnvolle, aber verschleppte europäische Energieeffizienzrichtlinie bis hin zur „unfassbaren“ Wiederzulassung von elektrischen Nachtspeicheröfen, deren Ende eigentlich schon beschlossen war. „Nachtspeicherheizungen dienen allein der Auslastung von Steinkohle kraftwerken. Diese jetzt als Speichermöglichkeiten für überschüssigen Öko-Strom umzudeklarieren ist unglaublich verlogen.“

Auf den Markt oder auf die Einsicht der Bürger zu setzen, hält Leprich für wenig sinnvoll. „Für die meisten Men-schen machen die Energiekosten einen vergleichsweise geringen Teil ihres Haushaltsbudgets aus, das ist im Vergleich dann einfach nicht so wichtig.“ Zudem erstrecken sich Einsparungen, etwa durch sparsame Haushaltsgeräte, über einen langen Zeitraum. Statt auf die Kräfte des Marktes zu warten oder Zeit und Geld in immer neue Aufklärungs kampagnen zu stecken, sollte die Politik lieber klare Vorgaben machen. „Länder wie Frank reich oder Großbritannien geben ihren Energieversorgern Einsparziele vor. Wie diese erreicht werden, ist dann Sache der Unternehmen“, nennt Leprich Vorbilder. Auch Dänemark, wo die Installation von Öl- und Gasheizungen schlichtweg verboten wurde und schon lange eine Kultur der Kraft-Wärme-Kopplung etabliert ist, könnte ein Vorbild für Deutschland sein. „60 Prozent des Stroms kommt dort aus besonders effizienten Kraftwerken; Heizwärme ist quasi ein Abfallprodukt“, erklärt der Volkswirtschaftler.

Wie viel Energie verbrauche ich?

Wenn es der Politik an Mut und Durchsetzungsvermögen mangelt, müssen es die Bürger richten. Für viele Haushalte ist allerdings überhaupt nicht klar, wie es um ihren Energieverbrauch bestellt ist und wo sie sparen können. Sind 4.500 Kilowattstunden Strom pro Jahr für eine vierköpfige Familie viel, durchschnittlich oder wenig? Wie verhält es sich mit dem Verbrauch der Heizung und der Warmwasserbereitung in Relation zur Wohnungsgröße, und wie stark belastet eine Urlaubsreise per Flugzeug das Klima?

Antworten, zumindest für den Bereich Strom, soll jetzt ein Forschungsprojekt des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt am Main gemeinsam mit dem Öko-Institut in Freiburg im Breisgau finden. „Seit Jahren stagniert der private Stromkonsum auf hohem Niveau. Die Vielzahl der Einzelhinweise ist für die Verbraucherinnen und Verbraucher oft viel zu unüber sichtlich und führt nicht dauerhaft zu Verhaltensänderungen im Alltag“, sagt ISOE-Energieexperte Immanuel Stieß. „Unsere Forschungen zeigen, dass die Menschen häufig gar nicht wissen, wie viel Strom sie tatsächlich verbrauchen und wo sie ihr Verhalten sinnvoll ändern können.“ Ziel des jetzt gestarteten und bezeichnenderweise vom Bundesbildungs ministerium geförderten Forschungsprojekts ist ein neues Label, das den gesamten Stromverbrauch eines Haushalts transparent macht. „Die neuen Verbrauchsklassen werden auf der Grundlage des Jahresstromverbrauchs gebildet“, sagt Corinna Fischer vom Öko-Institut. „Im Unterschied zu bereits vorhandenen Energieklassen wird damit nicht die Stromeffizienz von Einzelgeräten klassifiziert, sondern erstmals der Gesamtstromverbrauch aller technischen Geräte im Haushalt zusammengefasst.“ Erste Ergebnisse werden allerdings erst 2014 vorliegen.

Doch Strom ist nicht alles – im Gegenteil. Weit mehr als 70 Prozent der Energie im Haushalt wird im Durchschnitt für Heizung und Warmwasser verbraucht. Und das Mobilität ist ein weiterer wichtiger Bereich. Eine Möglichkeit, den eigenen Energieverbrauch und damit die persönliche CO2 -Bilanz zu berechnen, bieten Rechner im Internet. Auf dem Portal www.co2-online.de finden sich zahlreiche Energiesparchecks, vor allem rund um den Strom- und Energieverbrauch. Nahezu alle Verbrauchsfelder deckt der CO2 -Rechner des Umweltbundesamts ab, der vom Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung entwickelt wurde. Hier kann man online zu Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum seinen Verbrauch und seine Gewohnheiten angeben, speichern und mit dem bun-desweiten Durchschnitt oder seinen Vorjahresergebnissen vergleichen.

Der Bundesumweltminister warnt: Steigen Sie nicht zu oft in die Badewanne. Duschen reicht auch und spart jedes Mal 70 Liter Wasser und rund 100 Euro im Jahr pro Person.


Foto: pischare/photocase.com

Wer – wie der Autor des Beitrags – den Rechner ausprobiert, wird schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Liegt man dank gut gedämmtem Haus, Gas-Brennwerttherme und Solar anlage sowie Öko-Strombezug, Bio-Lebensmitteln und maßvollem Fleischkonsum anfangs gegenüber dem deutschen Durchschnittsbürger gut in Front, verhageln die überdurchschnittliche Fahrleistung des Dieselvans und vor allem die Fernreise des letzten Jahres die Klimabilanz der Familie. Und obwohl man versucht, sparsam mit Energie zu wirtschaften, und effiziente Geräte anschafft, stagniert der Energieverbrauch seit Jahren auf gleichem Niveau, wobei er doch gefühlt hätte sinken sollen. Anders ausgedrückt: Die Stromersparnis, die uns ein neuer A+++-Kühlschrank und der neue LED-Fernseher bringen, wird durch mehr Autokilometer, den neuen WLAN-Router, die vier Computer im Haus und eben die Urlaubsreise per Flugzeug wieder zunichtegemacht. Wandert der alte Kühlschrank dann statt auf den Wertstoffhof in den Keller und kühlt dort rund um die Uhr brummend Bier und Sekt für die nächste Party in drei Wochen, führen selbst vorbildliche Sparinvestitionen ins Absurde.

Auf dem Weg zum Klimahaushalt

Dass es trotzdem Interesse an einem umfassenden energiesparenden und klimafreundlicheren Alltag gibt, zeigt ein Projekt, das die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) im Herbst 2013 abschließen werden. Über sechs Monate haben drei Klima beraterinnen und ein Klimaberater der Verbraucherzentrale 78 Kölner Haushalte intensiv zu Einsparmöglichkeiten und klimafreundlichen Alternativen in vielen Lebensbereichen angeleitet. Aus mehr als 200 Bewerbungen wurde nach einem festgelegten Katalog eine möglichst große Bandbreite an Haushalten ausgesucht. „Die Spanne reichte von öko-affinen Gutverdienern mit zwei oder mehr Kindern bis hin zum Einpersonenhaushalt, der auf staatliche Transferleistungen angewiesen ist. Zudem war in jeder Gruppe mindestens ein Haushalt mit Migrations hintergrund vertreten“, erläutert der Leiter des Feldversuchs Frank Waskow von der Verbraucherzentrale NRW.

Aufs Auto so oft wie nur möglich verzichten

Die Beratungsthemen erstreckten sich vom Heizen und Lüften über Möglichkeiten, Strom zu sparen und auf Öko-Strom zu wechseln, seine Ernährung auf regionale und saisonale Prod ukte mit geringem Anteil tierischer Lebensmittel umzustellen bis hin zu Änderungen bei der Mobilität im Alltag und auf (Ferien-)Reisen. „Nachdem wir die Zusammenhänge erklärt haben, gab es eine große Bereitschaft, auch kleine Dinge wie den Stand-by-Verbrauch von Elektrogeräten zu senken, zum Beispiel durch abschaltbare Zwischenstecker oder Steckerleisten“, berichtet Klimaberaterin Sonja Pannenbecker. Auch beim Lüften und bei anderen Alltagsdetails gibt es noch viel zu verbessern. „Viele lüften doch noch mit den Fenstern in Kippstellung oder räumen den Kühlschrank ungünstig ein“, sagt Sonja Pannenbecker. Auch die Temperatur im Raum um ein oder zwei Grad zu senken oder sich um die korrekte Bedienung von Heizkörperthermostaten zu bemühen stand auf der Liste der Berater.

Schwieriger ist der Bereich Mobilität, vor allem in der Freizeit. „Nachdem wir unsere Gewohnheiten ausführlich analysiert haben, sind für den Weg zur Arbeit vom Auto oder ÖPNV auf Fahrräder umgestiegen, zumindest bei annehmbarem Wetter. Den Sommer über haben wir das gut durchgehalten, im Herbst und Winter ist das schon schwieriger“, sagt Stefan Klaus (Name geändert, d. Red.), der auch die positive gesundheitliche Wirkung der zusätzlichen Bewegung spürt. Probleme sind die teilweise lebensgefähr liche Fahrten durch den Kölner Großstadtverkehr und Großeinkäufe, für die man sich extra Zeit nehmen muss oder eben doch das Auto. Der Universitäts angestellte und seine Lebensgefährtin hatten in Sachen Energieeinsparung und Klimaschutz durchaus ein gewisses Know-how. „Wann welche Lebensmittel Saison haben, wie man solche aus regionalem Anbau erkennt und wie man so einkauft und kocht, dass man möglichst wenig wegwerfen muss, war uns aber neu und hat unseren Speiseplan bereichert.“ Am Urlaubsflug ans Mittelmeer wollten die beiden aber nicht rütteln. „Das konnten und wollten wir nicht ändern“, sagt Klaus.

Auch Beatrix Reiterer kann auf das Flugzeug nicht verzichten. Die Sängerin hat häufig Auftritte in Italien. „Bei einer Reise mit dem Zug wäre der Zeitaufwand einfach zu hoch“, sagt die Mutter von zwei kleinen Kindern. Auch der Aufwand, mit öffentlichen Verkehrsmitteln mit einem Zwei- und einem Fünfjährigen unterwegs zu sein, legt häufigere Fahrten mit dem Auto nahe. Andere Tipps waren einfacher umzusetzen. Die Teilnahme am Klimaalltag-Projekt hat die Vegetarierin veranlasst auf vegane Ernährung umzusteigen, also alle tierischen Lebensmittel zu meiden. Auch beim Energiesparen in der Wohnung setzt die Familie einiges um. „Beim Kochen nutzen wir nun häufiger die Restwärme der Kochplatte, drehen den Thermostat um ein Grad runter. Aber als Mieter hat man nicht so viele Möglichkeiten wie als Hauseigentümer“, bedauert Reiterer. Als sich herausstellt, dass ihr Vermieter die gesetzliche Pflicht hat, die Decke zum Dachboden zu dämmen, setzte er das nach einem freund liche Hinweis auch gleich um.

Gibt es den 100-prozentigen Klimahaushalt überhaupt? Vermutlich sehr selten, und eine Öko-Diktatur will auch niemand. Andererseits gibt es auf den zweiten Blick erstaunliche Einsichten: „Ein öko-affiner Vierpersonenhaushalt im Effizienzhaus, der vorwiegend Bio-Lebensmittel konsumiert, kann eine schlechtere Energie- und Klimabilanz haben als ein Haushalt mit geringem Einkommen, der in einer schlecht gedämmten Mietwohnung lebt“, zieht Klimaberaterin Sonja Pannenbecker ihr Fazit. Denn Familien mit gutem Einkommen haben oft zwei Autos und fliegen regelmäßig in ferne Länder – ein Luxus, den sich andere nicht leisten können. Bei allen gibt es aber Interesse und Möglichkeiten, weniger Energie zu verbrauchen, das beweist der Praxisversuch. Energiesparen bleibt also nach wie vor die halbe Wende.

Unterwegs sein

Foto: Okea/iStockphoto/Thinkstock

Im Alltag: Statt mit dem Auto besser zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs sein, vor allem auf Kurzstrecken, die bei Autos einen besonders hohen Spritverbrauch und Schadstoffausstoß zur Folge haben. Besorgungen kann man zusammenfassen und so auch den Zeitaufwand optimieren. Für Autofahrer gibt es eine Vielzahl von Spritspartipps, mit denen man 15 bis 20 Prozent Treibstoff einsparen kann: Unnötigen Ballast aus dem Auto sowie Dachträger entfernen, Spritsparreifen aufziehen und Reifen mit höherem Luftdruck aufpumpen. Eine ausführliche Sammlung der zahlreichen Möglichkeiten findet man zum Beispiel bei Automobil- und Verkehrsclubs wie ADAC www.adac.de und VCD www.vcd.org. Spritspartrainings bieten Automobilclubs, Fahrschulen oder Autohersteller an. Beim Neukauf ist die VCD-Auto-Umweltliste eine gute Orientierungshilfe; seit zwei Jahren veröffentlicht der Verein auch eine Elektroautoliste ohne Bewertung.
In der Freizeit: Flugreisen produzieren mit Abstand den höchsten Energieverbrauch und die höchste Klimabelastung. Wer nicht auf Bahn, (Fern-)Bus oder ein per Fahrrad oder ÖPNV erreichbares Nahziel ausweichen oder die Zahl der Flüge reduzieren kann oder will, kann die damit verbundenen Emissionen durch Einzahlung in Klimaprojekte zumindest rechnerisch kompensieren. Empfehlenswert ist zum Beispiel die deutsche Non-Profit-Organisation Atmosfair www.atmosfair.de. Hier kann man übrigens auch andere Treibhausgasemissionen rechnerisch ausgleichen und Klimaschutzprojekte in zahlreichen Ländern unterstützen sowie Informationen und Anbieter zum umweltgerechten Reisen finden.

Lüften

Foto: iStockphoto/Thinkstock

Geräte: Lüftungsgeräte können in neuen oder sanierten Häusern den Wärmeverlust durch die Lüftung deutlich senken. Dazu sollte man einen Fachbetrieb konsultieren.
Bedienung: Falsche Sparsamkeit kann zu Problemen führen, etwa dazu, dass der CO2 -Gehalt zu hoch wird, was die Konzentration beeinträchtigt. Regelmäßiges, richtiges Lüften schützt auch vor Schimmel. Ein Hygrometer, das die Luftfeuchtigkeit misst, hilft, das Problem zu erkennen. Lüften bei gekipptem Fenster verbraucht in der Heizperiode besonders viel Energie, weil die Luft nur langsam ausgetauscht wird und der Raum auskühlt. Effektiv ist die Stoßlüftung. Dabei drei-bis viermal pro Tag gleichzeitig alle Fenster für wenige Minuten öffnen. Thermostatventil während des Lüftens auf null stellen. Bei Wind und/oder Temperaturen um den Gefrierpunkt reichen drei bis fünf Minuten, bei ruhigem, wärmerem Wetter sind 10 bis 15 Minuten notwendig, um Feuchtigkeit und verbrauchte Luft aus dem Raum zu bekommen. Im Sommer kann beliebig gelüftet werden, außer im Keller. Hier sollten bei feuchtem, warmem Wetter die Fenster zu bleiben, da die kondensierende Feuchtigkeit den Schimmelbewuchs fördert.

Heizen

Foto: iStockphoto/Thinkstock

Geräte: Eine neue Heizanlage kann den Verbrauch um 20 bis 30 Prozent senken, beim Einsatz von Solarenergie noch mehr.
Bedienung: Jedes Grad weniger spart sechs Prozent Heizkosten. 20 Grad Celsius im Wohnraum, 18 im Schlafzimmer und 22 im Bad sind ausreichend. 20 Grad entsprechen etwa der Stufe 3 auf dem Thermostatventil. Nachtabsenkung: Nachts kann man die Raumtemperatur absenken, drei bis fünf Grad je nach Vorliebe und Dämmstandard des Hauses. Das geht mit den meisten Heizungssteuerungen automatisch. Eine stärkere Absenkung hat kaum Sinn – vor allem bei alten Häusern, da es mehr Energie kostet, die ausgekühlten Mauern wieder aufzuwärmen.

Beleuchtung

Foto: Pavel Losevsky/iStockphoto/Thinkstock

Geräte: Die Beleuchtung ist mit rund acht Prozent an der Stromrechnung beteiligt; falsche Sparsamkeit durch düstere Räume ist unangebracht und kann auf Dauer sogar zu Gesundheitsbeschwerden und Depressionen führen. Lampen, die länger als zwei Stunden am Tag brennen, sind bevorzugte Kandidaten für LED- oder gute Energiesparlampen.
Bedienung: Das Licht ausschalten, wenn es nicht benötigt wird, ist eine einfache Stromsparübung. Gute Energiespar- oder LED-Lampen halten sehr viele Schaltvorgänge aus. Auch hell gestrichene und eingerichtete Räume mit viel Tageslicht senken den Verbrauch.

Heimbüro und Kommunikation

Foto: Jacob Wackerhausen/iStockphoto/Thinkstock

Geräte: Alte Röhrenmonitore, vor allem große, sind auch große Verbraucher. Hier lohnt der Austausch gegen die Nachfolger mit LED-Technik, wenn die Funktion nachlässt. Laserdrucker haben einen höheren Stromverbrauch als Tinten strahler. Ein Multifunktionsgerät mit Faxfunktion oder ein Faxgerät sollte man nur anschaffen, wenn es wirklich benötigt wird, da so ein Betrieb rund um die Uhr notwendig ist. Laptops sind effizienter als Tischrechner; bei beiden benötigen leistungsstarke Geräte mehr Strom als Standardmodelle, die für Büroarbeiten und zum Surfen im Internet ausreichen.
Bedienung: Bildschirmschoner sind Stromfresser und bei Flachbildschirmen technisch auch unnötig. Auch bei Tischrechnern sollte man die Stromsparoptionen in der System steuerung nutzen. Rund um den Schreibtisch versammeln sich zahlreiche Geräte, die man – an eine schaltbare Steckerleiste angeschlossen – mit einem Fingerdruck komplett von Netz trennen kann. Das gilt zum Beispiel für Netzteile von PCs, Notebooks, Druckern, Lautsprechern und anderen heimlichen Stromfressern.

Hausinstallation

Foto: Olaf Hermann/fotolia.com

Geräte: Pumpen für Heizwasser und die Warmwasserzirkulation gehören zu den Hauptverursachern hoher Stromrechnungen. Überdimensioniert, veraltet und häufig rund um die Uhr in Betrieb können leicht mehrere Hundert Euro für nur teilweise benötigte Funktionen anfallen. Ein Austausch ist eine der Maßnahmen, die sich am schnellsten amortisiert.
Bedienung: Pumpen kann man per Zeitschaltuhr abschalten oder in ihrer Leistung herunterregeln lassen. Gesondert installierte Heizungspumpen im Sommer ausschalten. Besitzer einer Solaranlage können die Heizung von etwa Mitte Mai bis in den September hinein ausschalten, sofern die Sonne normal lange scheint.

Information und Unterhaltung

Foto: iStockphoto/Thinkstock

Geräte: LED-Fernseher sind sparsamer als alte Röhrengeräte, allerdings steigt ihr Stromverbrauch mit der Bildschirmgröße stark an. Wahre Stromfresser können Spielkonsolen sein. Auch bei Stereoanlagen, Satellitenreceivern, Video- oder Festplattenrekordern lohnt sich eine Kontrolle mit einem Strommessgerät.
Bedienung: Lediglich einige jüngere Geräte (ab Baujahr 2010) verfügen über einen Stand-by-Verbrauch von unter einem Watt. Ältere Geräte bei Nichtgebrauch ganz vom Netz trennen. Das geht allerdings nur, wenn keine Updates heruntergeladen werden. Beim Abschalten helfen schaltbare Steckerleisten oder automatische Powersafer. Kleinvieh macht auch Mist: Lade- und Netzgeräte aus der Steckdose nehmen, wenn sie nicht benötigt werden. Das Gleiche gilt auch für Spielkonsolen, bei denen sich Bequemlichkeit heftig in der Stromrechnung niederschlagen kann.

Kochen und Backen

Foto: Fuse/Thinkstock

Geräte: Die Rangliste der energiesparenden Herde lautet in absteigender Folge: Gas, Induktion, Ceran, Gussstahl. Heißluftbacköfen sind sparsamer als solche nur mit Ober- und Unterhitze.
Bedienung: Die Restwärme von Kochplatten hält noch einige Minuten an, weshalb man häufig die Stromzufuhr vor Ende der Garzeit abschalten kann. Dampfdrucktöpfe sparen Energie und schonen Vita mine; Wasserkocher erhitzen Wasser schneller und sparsamer. Töpfe mit planem Boden sollten zum Durchmesser der Platte passen. Backofen nur wenn nötig vorheizen und Ofentür so selten wie möglich öffnen. Der Blick durchs Glas reicht.

Kompakt

Durchblick beim Energieverbrauch
Pauschale Angaben zu Durchschnittswerten beim Strom oder Heizenergieverbrauch sind wenig sinnvoll, zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen. Flexibler sind Onlinerechner. Wir haben einige davon ausprobiert.

UBA-CO2 -Rechner
Umgerechnet rund elf Tonnen Treibhaus gase verursacht ein Einwohner Deutschlands im Schnitt pro Jahr und liegt damit deutlich über dem weltweiten Pro-Kopf-Aufkommen von circa 6,8 Tonnen. Wie die eigene Klimabilanz ausfällt, zeigt der CO2 -Rechner des Umweltbundesamts. Mit standardisierten Abfragen kommt man relativ schnell zum Ziel, kann die Ergebnisse speichern und überprüfen, ob man seinen Energieverbrauch und die damit verbundene Klimabelastung reduzieren kann: www.uba.klima-aktiv.de

CO2 -online-Energiesparchecks
Das gemeinnützige Portal vereinigt nicht nur zahlreiche Informationen zum Energiesparen. Hilfreich sind auch die vielen Onlinerechner, mit denen man seine Heizanlage, seinen Stand-by-Stromverbrauch, die Effizienz der Heizungspumpe oder von Kühl- und Gefriergeräten überprüfen kann. Die Ergebnisse sind detailliert und enthalten nützliche Hinweise zu konkreten Einsparmöglichkeiten: www.co2online.de → Energiesparchecks

Dena-Effizienzportale
Auch die Deutsche Energieagentur betreibt mehrere Informationsportale für Energiesparer: unter anderem zum Thema Strom www.stromeffizienz.de; Informationen zur Altbausanierung unter www.zukunft-haus.info und alles rund um Effizienzhäuser – neu oder saniert – auf effizienzhaus.zukunft-haus.info

Projekt Klimaalltag
Ausführliche Informationen und Ergebnisse des Projekts Klimaalltag der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) und weiterer Partner finden sich im Internet unter www.klima-alltag.de

Elektrische Warmwasserbereitung

Foto: ***jojo/photocase.com

Variante: Der Anteil der Warmwasserbereitung am Stromverbrauch ist erheblich! Wer mittelfristig auf andere Energieträger (Solar, Wärmepumpe, Zentral- oder Etagenheizung) umsteigen kann, spart viel Energie und Geld. Bei sehr langen Leitungen zwischen Heizkessel und Zapfstelle kann eine elektrische Warmwasserbereitung allerdings sinnvoll sein.
Bedienung: Warmwasserspeicher während längerer Abwesenheit abschalten. Eine Zeitschaltuhr nimmt Untertisch-Warmwasserspeicher (Fünf-bis Zehnlitergeräte) über Nacht oder in Büros übers Wochenende vom Netz.

Nur so viel Warmwasser in der Temperatur bereiten, wie tatsächlich benötigt wird; ältere Boiler und Kleingeräte verlieren durch schlechte Dämmung viel Energie. 55 bis 60 Grad Celsius sind meist völlig ausreichend (Stellung „E“ des Reglers wählen).

Bei elektronischen Durchlauferhitzern nur die tatsächlich benötigte Temperatur einstellen, zum Beispiel 38 Grad zum Duschen. So wird an der Armatur kein Kaltwasser beigemischt und unnötiger Stromund Wasserverbrauch vermieden.

Geschirr spülen

Foto: iStockphoto/Thinkstock

Anschluss: Die meisten Spülmaschinen kann man an die Warmwasserleitung anschließen. Das senkt den Stromverbrauch zur Wassererwärmung. Voraussetzung: Das warme Wasser kommt aus einer neueren Zentralheizung oder einer Solaranlage. Wichtig sind kurze Leitungswege, spätestens nach einem Liter sollte warmes Wasser fließen.
Bedienung: Spülen per Maschine verbraucht deutlich weniger Energie und Wasser als das Spülen von Hand. Spülmaschine nur vollbeladen anschalten. Vorspülen ist meist unnötig.

Kühlen und Gefrieren

Foto: Thomas Northcut/Digital Vision/Thinkstock

Standort: Sinkt die Umgebungstemperatur eines Kühlgeräts um ein Grad, verbraucht es sechs Prozent weniger Strom. Schlecht steht der Kühlschrank neben Herd oder an einem sehr sonnigen Ort.
Temperatur: Im Kühlschrank sind sieben, acht Grad ausreichend, bei Gefriergeräten –18 Grad. Gerade bei älteren Geräten lohnt ein Kühlgerätethermometer zur Kontrolle.
Bedienung: Türen nicht zu lange offen stehen lassen, gekochte Speisen erst abkühlen lassen, dann in den Kühlschrank stellen. Tiefgefrorenes kann man vorausschauend im Kühlschrank auftauen lassen. Ordnung im Gefriergerät verringert die Suchdauer. Kühlschrank bei langer Abwesenheit ausräumen, reinigen und ausschalten.