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Gesund von Jahr zu Jahr: Hilfe für den Klapperstorch


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2014 vom 24.01.2014

Oft vergehen Jahre des Wartens, bevor sich ungewollt kinderlose Paare in medizinische Behandlung begeben. Aber auch eine Kinderwunschbehandlung verlangt viel Geduld, denn selten ist sie auf Anhieb erfolgreich.


Artikelbild für den Artikel "Gesund von Jahr zu Jahr: Hilfe für den Klapperstorch" aus der Ausgabe 2/2014 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 2/2014

Die meisten Paare stellen es sich ganz einfach vor: Die Pille abgesetzt und ruck, zuck wird die Frau schwanger. Doch nicht immer klappt das so flugs. Bis zu zwei Millionen Paare in Deutschland bemühen sich vergebens um Nachwuchs, so die Angaben des Vereins Wunschkind, der Selbsthilfegruppen für ungewollte Kinderlosigkeit vertritt. Die Weltgesundheitsorganisation spricht von ungewollter ...

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... Kinderlosigkeit, wenn sich nach ein bis zwei Jahren trotz regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs keine Schwangerschaft einstellt. Doch viele Paare probieren es deutlich länger, bevor sie sich möglicherweise an eine Kinderwunschklinik wenden, um dem Klapperstorch auf die Sprünge zu helfen. Medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen ist kein einfacher Schritt. Die Behandlung greift nicht nur stark in die Intimsphäre und den weiblichen Körper ein. Sie ist auch eine psychische Belastung, die die Partnerschaft auf eine Probe stellen kann. Ob und wie oft man sich auf eine Kinderwunschbehandlung einlässt, ist außerdem eine finanzielle Frage. Wer sich dazu entschließt, sollte vorher die Ursachen für das Ausbleiben einer Schwangerschaft vollständig abklären lassen. Nur dann ist eine erfolgversprechende Therapie möglich. Wir stellen gängige Behandlungsmöglichkeiten vor.

speziellen Kinderwunschkliniken werden Paare über die verschiedenen Möglichkeiten kompetent beraten.


Beschränkte Erfolgsaussichten

Hormontherapie

Wann? Die Hormontherapie wird eingesetzt, um Störungen bei der Eizellenreifung oder beim Eisprung auszugleichen. Die Gabe von Hormonen ist auch Teil anderer Kinderwunsch-Behandlungsverfahren, man nutzt sie zum Beispiel zur Vorbereitung einer künstlichen Befruchtung.Was wird gemacht? Durch Tabletten oder Spritzen mit biotechnologisch gewonnenen Hormonen wird die Eizellenreifung stimuliert. Im Anschluss kann man durch die Gabe des Schwangerschaftshormons humanes Choriongonadotropin (hCG) den Eisprung auslösen. So kann der Zeitpunkt bestimmt werden, wann eine Befruchtung am wahrscheinlichsten ist. Diese Behandlung setzt eine regelmäßige Hormonkontrolle und Anpassung der Dosis voraus.
Was sind mögliche Nebenwirkungen? Bei geregelter ärztlicher Überwachung ist eine hormonelle Überstimulation unwahrscheinlich, es muss aber mit Nebenwirkungen der Medikamente wie Übelkeit und Hitzewallungen gerechnet werden. Durch die Hormonbehandlung kann es zu Mehrlingsschwangerschaften kommen.
Wie sind die Erfolgsaussichten? Die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft liegen bei bis zu zehn Prozent.

Samengewinnung direkt aus den Hoden
Wenn sich im Ejakulat keine Spermien fi nden, zum Beispiel weil der Samenleiter verschlossen ist, bedeutet das nicht, dass ein Befruchtungsversuch unmöglich ist. In diesem Fall kann man direkt aus den Hoden oder Nebenhoden Samenzellen gewinnen. In einem kleinen operativen Eingriff werden Gewebeproben der Hoden entnommen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Spermien enthalten. Entnommene überschüssige Spermien können eingefroren und für spätere Behandlungszyklen genutzt werden.

Kompakt

Was zahlen die Kassen?

Gesetzlich Versicherte: Die Kosten werden nur anteilig übernommen, maximal die Hälfte der Behandlungskosten schießen die gesetzlichen Krankenkassen zu. Die Kassen fassen eine Kinderwunschtherapie als Behandlung eines Paares auf und verteilen die Kosten auf beide Partner. Die Kostenbeteiligung ist zudem an bestimmte Voraussetzungen gebunden:
► Nur verheiratete Paare sind anspruchsberechtigt.
► Beide Ehepartner müssen mindestens 25 Jahre alt sein.
► Die Frau darf höchstens 40, der Mann höchstens 50 Jahre alt sein.
► Die Behandlung muss medizinisch notwendig sein.
► Beide Partner müssen vor der Behandlung einen HIV-Test machen.
► Eine Beratung über die medizinischen, psychischen und sozialen Aspekte der künstlichen Befruchtung ist vorgeschrieben.
► Vor Behandlungsbeginn muss der Kasse ein Behandlungsplan zur Genehmigung vorgelegt werden.

Privat Versicherte: Die Regelungen der privaten Krankenkassen sind unterschiedlich und im Einzelfall abzuklären. Auch bei privat Versicherten ist eine organische Ursache der Kinderlosigkeit Bedingung für eine komplette oder teilweise Kostenübernahme. Bei der Kostenverteilung verfahren die privaten Krankenversicherer nach dem „Verursacherprinzip“; ist zum Beispiel der Mann zeugungsunfähig, ist die Kasse des Mannes für die Kostenübernahme zuständig.

Zuschuss von Bund und Ländern

Der Bund und einige Bundesländer bezuschussen Kinderwunschbehandlungen. Paare können diese Unterstützung für den ersten bis vierten Versuch einer IVF- oder ICSI-Behandlung beantragen. Die Voraussetzung für die Bundesförderung ist, dass sich das Bundesland, in dem der Hauptwohnsitz des Paares liegt, in mindestens der gleichen Höhe wie der Bund an den Behandlungskosten beteiligt. Mehr Informationen hierzu gibt es unter www.informationsportal-kinderwunsch.de

Intrauterine Insemination (IUI)

Wann? Dieses Verfahren der „künstlichen Besamung“ wird angewandt, wenn beim Mann nicht genügend und schlecht bewegliche Samenzellen vorhanden sind. Auch bei einer Immunreaktion des weiblichen Körpers gegen die Samenzellen, bei Verengung des Gebärmutterhalses oder bei Unfruchtbarkeit ohne erkennbare Gründe wird die intrauterine Insemination eingesetzt.
Was wird gemacht? Der Samen wird durch Masturbation gewonnen und im Labor aufbereitet. Bevor mit der Insemination begonnen wird, kann die Eizellenreifung durch die Gabe von Hormonpräparaten gefördert werden. Fast immer wird der Eisprung gezielt durch die Zufuhr des Hormons humanes Choriongonadotropin (hCG) ausgelöst. Mithilfe eines Katheters wird der Samen dann in die Gebärmutterhöhle, möglichst nahe an die Eizelle geleitet. Die Befruchtung soll dann auf natürlichem Wege erfolgen.
Was sind mögliche Nebenwirkungen?
Bei einer zusätzlichen Hormonbehandlung kann es zu Übelkeit und Hitzewallungen kommen. Außerdem besteht dann ein erhöhtes Risiko, mehr als nur ein Kind zu zeugen. Die reine Insemination dagegen ist für die Patientin wenig belastend.
Wie sind die Erfolgsaussichten? Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft liegt nur bei höchstens zehn Prozent pro Zyklus.

Befruchtung mit Spendersamen

Wann? Wenn der Mann keine oder keine funktionstüchtigen Samenzellen produziert oder unter einer Erbkrankheit leidet, kann man für die Insemination Spendersamen verwenden.
Was wird gemacht? Kurz vor dem Eisprung wird die Insemination mit dem Sperma des Spenders durchgeführt. Natürlich kann man den Spendersamen auch für Befruchtungsverfahren wie IVF oder ICSI nutzen.
Was sind mögliche Nebenwirkungen?
Körperliche Beeinträchtigungen sind nicht zu erwarten. Allerdings kann es Paaren psychisch zu schaffen machen, dass der Mann nicht der leibliche Vater ist und der Samenspender unbekannt bleibt.Wie sind die Erfolgsaussichten? Bei der Samenspende wird auf beste „Qualität“ geachtet, damit gute Aussichten auf eine Schwangerschaft bestehen. Die Geburtenrate soll im Schnitt bei 14 Prozent liegen.

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Wann? Dieses Verfahren der Befruchtung außerhalb des Körpers wird angewandt, wenn die Eileiterfunktion gestört ist oder ein Eileiterverschluss diagnostiziert wurde. Auch bei Endometriose – einer Erkrankung der Gebärmutter –, funktionseingeschränkten Samenzellen, immunologischer Unverträglichkeit oder ungeklärten Fruchtbarkeitsstörungen greifen die Ärzte zu dieser Methode.

Leben aus dem Eis

Spermien, Eizellen oder Gewebe kann man einfrieren und zu einem späteren Zeitpunkt verwenden. Dieses sogenannte Kryokonservieren von befruchteten Eizellen im Vorkernstadium zur Übertragung in einem späteren Zyklus ist erlaubt. Der Gesetzgeber verbietet jedoch – mit Ausnahmen – das Einfrieren von Embryonen. Eine Kryokonservierung bietet sich an, wenn bei einer IVF oder ICSI mindestens drei überzählige Eizellen im Vorkernstadium gewonnen wurden und in einem späteren Zyklus übertragen werden sollen. Der Vorteil besteht darin, dass die Frau keine erneute Punktion der Eierstöcke vornehmen lassen muss. Auch auf eine erneute hormonelle Stimulation kann verzichtet werden. Allerdings sind die Schwangerschaftsraten nach Kryokonservierung niedriger als bei der Verwendung von frischen Eizellen.

In-vitro-Fertilisation: In einer Petrischale werden Eizellen mit den zuvor im Labor aufbereiteten Spermien des Partners zusammengebracht.


Was wird gemacht? Erst wird durch Hormone die Eizellenreifung und dann der Eisprung herbeigeführt. Die reifen Eibläschen werden punktiert und die Eizellen entnommen. Diese bringt man in einer Petrischale mit den zuvor im Labor aufbereiteten Spermien des Partners zusammen. In einem Brutschrank werden Ei- und Samenzellen 24 Stunden lang kultiviert. Wenn Ei- und Samenzelle verschmolzen sind, werden der Frau maximal drei Embryonen übertragen.
Was sind mögliche Nebenwirkungen? Hitzewallungen und Übelkeit durch die Hormonbehandlung. Nach der Entnahme der Eizellen können leichte Schmerzen auftreten, ernsthaftere Komplikationen sind selten. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Mehrlingsschwangerschaften.
Wie sind die Erfolgsaussichten? Die „Baby take home“-Rate gibt das Deutsche IVF-Register mit knapp 20 Prozent an.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Wann? Dieses Verfahren wird bei der künstlichen Befruchtung am häufi gsten angewandt. Es kommt infrage, wenn für eine IVF-Befruchtung die Zahl der funktionstüchtigen Spermien zu gering ist.
Was wird gemacht? Wie bei der IVF müssen auch hier nach einer Hormonstimulation und durch Follikelpunktion zunächst Eizellen gewonnen werden. Unter einem speziellen Mikroskop wird dann ein einzelnes Spermium in eine feine hohle Glasnadel aufgesogen und direkt in die Eizelle gespritzt. Nach erfolgreicher Befruchtung und Zellteilung werden nach zwei bis drei Tagen maximal drei Embryonen in die Gebärmutter übertragen.Was sind mögliche Nebenwirkungen? Wie bei der reinen IVF.
Wie sind die Erfolgsaussichten? Auch hier liegen die Aussichten auf eine Schwangerschaft laut IVF-Register bei etwa 20 Prozent.


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