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GESUNDER RÜCKENL: BLEIB AUFRECHT


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 90/2019 vom 29.08.2019

Beim Stichwort „Rücken, vor allem in Kombination mit „Schmerzen, kann fast jeder mitreden. Denn als Volk von Vielsitzern hat Deutschland Rücken. Wir sitzen das Problem nicht aus, sondern geben Tipps mit Hand und Fuß – gegen das Kreuz mit dem Kreuz.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 90/2019

Neulich, zu Beginn des Sommers: Rund 60 Leute, alle Ende 40 oder gerade 50 geworden, feiern 30 Jahre Abitur. Die obligatorische Frage: „Und, wie geht’s dir so?” Als dann die Schulfreundin von einst antwortet: „Eigentlich super, aber mein Rücken!”, hat der Abend eines seiner Themen gefunden: Fast jeder hat eigene Erfahrungen, kann mitreden. Statt Fotos ...

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... vom pubertierenden Nachwuchs oder der letzten Urlaubsreise machen Geheimtipps die Runde: vom Physiotherapeuten mit den Wunderhänden, von der genialen Arztpraxis – und von garantiert wirksamen Übungen.

Der Abi-Jahrgang steht stellvertretend für: Deutschland hat Rücken. Flächendeckend. Mit Geheimtipps begnügen wir uns nicht, sondern haben Spezialisten gefragt, was im akuten Fall oder bei chronischen Rückenschmerzen hilft und was wissenschaftlich Stand der Dinge ist – bei Diagnose, Therapie und Vorbeugung.

WAS TUT WEH, WENN WIR VON RÜCKENSCHMERZEN SPRECHEN?

Hexenschuss, Ischias, Bandscheibe: Rückenschmerzen äußern sich unterschiedlich – in einer Schmerzskala von unangenehm, aber erträglich bis kaum auszuhalten. Oft ist ein Mix unterschiedlicher Faktoren verantwortlich: Schäden am Bewegungsapparat, mangelnde Bewegung, seelische Konflikte und Stress, ein Bandscheibenvorfall, verspannte Rücken-o der Nackenmuskeln, Überlastungen, Verschleißerscheinungen, einseitige Belastungen wie stundenlanges Sitzen oder exzessiv betriebener Sport.
Lendenwirbelsäulen-Syndrom: Am häufigsten sitzt der Schmerz im unteren Rücken bzw. im Kreuz. Er wird meist durch verspannte Rückenmuskeln ausgelöst.
Hexenschuss: Schießt ein höllischer Schmerz wie ein Blitz ins Kreuz, spricht man von Hexenschuss, der Arzt von Lumbago. Ursache kann ein gereizter Nerv sein, Verschleiß an der Wirbelsäule oder der Bandscheibe.
Ischias: Der Ischias, einer der dicksten und längsten Nerven, zieht sich bis ins Bein hinab. Ist er gereizt, kann das starke Schmerzen hervorrufen. Ischias, offiziell Ischialgie, steht stellvertretend für Kreuzschmerzen, die ins Bein ausstrahlen.
Bandscheiben: Die „Stoßdämpfer” sitzen zwischen den Wirbeln der Wirbelsäule und bestehen aus einem äußeren Faserring und einem gallertartigen Kern. Bei einem Bandscheibenvorfall entstehen Risse im Faserring, sodass Gewebe aus dem Gallertkern austreten und auf die umliegenden Nerven drücken kann. Ursache ist meist altersbedingter Verschleiß, verstärkt durch Fehl-o der Überlastungen.
Andere Ursachen: Für Rückenschmerzen können auch Erkrankungen wie Osteoporose und Arthrose, Übergewicht, Tumore oder Brüche von Wirbelkörpern verantwortlich sein.

WELCHE ARTEN VON RÜCKENSCHMERZEN GIBT ES?

Das meinen Fachleute, wenn sie davon sprechen:
Spezifischer Rückenschmerz: Heißt, die Rückenschmerzen haben eine konkrete organische Ursache: eine verformte Wirbelsäule oder entzündliche Muskelund Bindegewebskrankheiten.
Nicht spezifischer Rückenschmerz: Dabei findet sich mit einfachen klinischen Mitteln keine Ursache, die die Beschwerden überzeugend erklärt. Nicht spezifischer Rückenschmerz wiederum kann akut, subakut oder chronisch sein.
Akuter Rückenschmerz: Tritt erstmals oder nach sechs schmerzfreien Monaten auf und hält höchstens sechs Wochen an.

Mehr als Krankengymnastik: Moderne Physiotherapie hat das Lebensumfeld und die Persönlichkeit des Patienten im Blick.


Foto: nensuria/getty images

Subakuter Rückenschmerz: Dauert länger als sechs Wochen an.
Chronischer Rückenschmerz: Hält länger als drei Monate an und kann in dem Zeitraum unterschiedlich intensiv sein. Chronisch rezidivierend heißen Schmerzen, die nach einer beschwerdefreien Zeit wieder auftreten.

WIE SIEHT ERSTE HILFE BEI AKUTEN RÜCKENSCHMERZEN AUS?

Wichtig ist vor allem, sich weiter zu bewegen. Damit das überhaupt möglich ist, kann man auf Schmerzmittel zurückgreifen. Auch Wärme empfinden Betroffene oft als wohltuend und schmerzlösend. Bettruhe ist dagegen keine Option. Sie verstärkt eher die Beschwerden und verzögert die Heilung. Und kann letztlich zu dauerhaften Kreuzschmerzen führen.

SCHMERZMITTEL – WENN JA, WIE LANG UND WIE VIEL?

„So wenig wie möglich, so viel wie nötig”, sagt Wirbelsäulenspezialist und Schmerztherapeut Dr. Mark Klingenhöfer. Der ärztliche Leiter des Wirbelsäulen-u nd Rückenzentrums Dresden betont, dass es wichtig ist, den Schmerzkreislauf mög lichst schnell zu durchbrechen. „Anfangs durchaus auch hoch dosiert. So, dass der Schmerz wirklich weg ist.” Vorrangig kommen nicht steroidale Antirheumatika zum Einsatz, kurz NSAR, also Wirkstoffe wie Diclofenac, Ibuprofen oder Naproxen. Abhängig vom Patienten, Unverträglichkeiten und der Intensität des Schmerzes kommen auch Paracetamol oder starke Medikamente wie Opiate infrage. „Wichtig ist, die Mittel auszuschleichen oder abzusetzen, sobald sich die Symptome bessern”, sagt Klingenhöfer.

Von Spritzen dagegen – etwa bei Hexenschuss – rät er ab: „Sie haben gegenüber Tabletten keinen Vorteil.”

MULTIMODALE THERAPIE – WAS STECKT DAHINTER?

Klingen nicht spezifische Rückenschmerzen trotz Behandlung der Symptome auch nach Wochen nicht ab, empfehlen die ärztlichen Leitlinien multimodale Behandlungsprogramme. Dahinter verbirgt sich ein Mix aus Schmerzbekämpfung, körperlicher Aktivität und psychotherapeutischen Verfahren. Der Patient steht im Mittelpunkt der Therapie, muss kooperieren und Verantwortung für seine Gesundheit übernehmen. „Da Rücken-schmerzen vielfältige Ursachen haben können, sollten sie auch multidisziplinär behandelt werden”, betont Prof. Dr. Martin Alfuth, Therapiewissenschaftler an der Hochschule Niederrhein. Viele Studien hätten gezeigt, dass dieser umfassende Ansatz Einzelmaßnahmen überlegen ist.

Das multimodale Konzept im Einzelnen:
Schmerzmittel: In der Akutphase sind oft Schmerzmittel notwendig. Denn kurzfristig ist es entscheidend, den Patienten wieder in Bewegung zu bringen.
Psycho-/Verhaltenstherapie: Der Patient soll erkennen, wie er mit den Schmerzen umgeht, was sie auslöst und verstärkt, was sie bei ihm bewirken und wie er sie auch selbst einsetzt, etwa um Aufmerksamkeit zu erlangen.
Physio-/Bewegungstherapie: Der Patient soll gezielt seine Rückenmuskulatur stärken und Beweglichkeit fördern – nicht nur, bis es ihm besser geht, sondern möglichst lebenslang. Ausdauertraining beeinflusst zudem die Schmerzschwelle bei Patienten positiv. Sie empfinden die Beschwerden mit der Zeit als weniger intensiv. Moderne Physiotherapie, so Therapiewissenschaftler Alfuth, habe dabei immer auch das Lebensumfeld und die Persönlichkeit des Patienten im Blick.

DIAGNOSE: WANN BRAUCHT ES RÖNTGEN, CT ODER MRT?

Plötzlich auftretende Rückenschmerzen sind in der Regel harmlos und gehen nach einiger Zeit von selbst wieder weg. Ergibt das Gespräch mit dem Arzt und die körperliche Untersuchung keine Hinweise auf gefährliche Ursachen, sind bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT vorerst meist nicht notwendig.

Allerdings definieren Experten „red flags”, dringende Warnhinweise, in denen akute Rückenschmerzen mit bildgebenden Verfahren abgeklärt werden müssen. Dazu gehören Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen und mit Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder Muskelschwäche kombiniert sind. Liegen keine Warnhinweise vor, aber die Schmerzen bessern sich trotz Therapie nicht, werden stärker und halten länger als sechs Wochen an, raten Fachleute ebenfalls dazu, den Patienten zumindest einmal radiologisch zu untersuchen.

BEI BANDSCHEIBENVORFALL IST EINE OP ZWINGEND – ODER?

Nein. Ein Bandscheibenvorfall zieht nicht notwendigerweise einen chirurgischen Eingriff nach sich. Zumal nicht jeder Bandscheibenvorfall Beschwerden verursacht. „In der Regel lässt man einen Bandscheibenvorfall am besten sogar in Ruhe”, sagt Prof. Dr. Bernd Kladny, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Erst wenn konservative Methoden wie Wärme, Medikamente etc. nicht anschlagen, kann man eine OP erwägen. Doch Kladny gibt zu bedenken: „Eine Operation kann zwar die Beschwerden abkürzen, sie ist aber kein Garant dafür, dass die Schmerzen auf Dauer weg sind.” Eine Vergleichsstudie habe ergeben, dass es operierten Patienten eine Zeit nach dem Eingriff nicht eindeutig besser geht als Nichtoperierten.

RÜCKEN-OP: WANN IST SIE UNVERMEIDLICH?

Ganz klar bei Notfallindikationen”, sagt Professor Kladny. „Wenn plötzlich Lähmungen oder Taubheitsgefühle an den Beinen auftreten oder an Darm und Blase mit unkontrolliertem Abgang von Stuhl und Urin, oder wenn es zu gravierenden neurologischen Ausfällen kommt, dann muss man umgehend handeln.” Auch bei Knochenbrüchen oder bakteriellen Infektionen an der Wirbelsäule solle man eher nicht konservativ behandeln.

Ohne Notfallindikation könne man über eine OP nachdenken, wenn sich die Beschwerden bei konservativer Behandlung über Wochen hinweg nicht bessern. „Voraussetzung: die Beschwerden sind durch einen Eingriff behandelbar und es gibt eine gute Prognose”, so Kladny. Es komme aber auch auf den Patienten an: „Wenn einer Zeit hat und der Leidensdruck nicht zu hoch ist, wird man sicher anders entscheiden als wenn jemand durch seinen Job gezwungen ist, schnell wieder auf die Beine zu kommen.”

WAS HAT DIE PSYCHE MIT SCHMERZEN ZU TUN?

„Bei nicht spezifischen Rückenschmerzen, zumal bei chronischen, spielen psychologische Faktoren eine ganz große Rolle”, sagt Dr. Bernhard Klasen, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für psychologische Schmerztherapie und -forschung (DGPSF). Das können familiäre Belastungen wie eine Trennung, Stress, Ärger im Job, traumatische, aber auch positive Ereignisse sein. Deshalb sollte der behandelnde Arzt oder Schmerztherapeut möglichst bald hinterfragen, in welcher Lebenssituation der Patient steckt.

Die Psyche spielt auch eine Rolle dabei, ob Schmerzen chronisch werden. „Normalerweise verschwinden Rückenschmerzen nach einer Weile von selbst, egal, was man dagegen tut”, sagt Klasen. Wenn sich aber jemand aus Angst vor Schmerz nicht bewegt, „kann das die Schmerzen verstetigen.” In einer Schmerztherapie erkennt der Patient, was für ein Typ im Umgang mit Schmerz er ist – und erlernt geeignete Strategien.

WAS HAT RICHTIGES SITZEN MIT EINEM GESUNDEN RÜCKEN ZU TUN?

„Alles”, sagt Nükhet Wieben, Haltungscoach aus Zürich. „Im Prinzip steuern wir in jeder Minute auf dem Stuhl, wie es unserem Rücken geht.” Das, was wir täglich tun, etwa stundenlanges Sitzen, präge unser Leben am stärksten. Daher entscheide die Art, wie wir sitzen darüber, was dabei mit unserer Wirbelsäule geschieht. „Sitzen wir falsch, sind Verspannungen und Schmerzen programmiert”, sagt Wieben, die in ihrem Buch Schmerzfrei sitzen einfache Übungen für eine gesunde Haltung vorstellt.

Richtiges Sitzen heißt für die Expertin aufrechtes Sitzen, und das hat vor allem mit dem Beckenstand und der Tiefenmuskulatur zu tun. „Über die Beckenposition können wir steuern, wie die Wirbel zueinander stehen und welche Muskeln davon wie arbeiten.” Die mehr als 200 Muskeln, die direkt an der Wirbelsäule ansetzen, seien eine ideale Rückenstütze. „Im Alltag aber werden sie zu wenig genutzt und verkümmern. Die Folge sind Rückenschmerzen und Verspannungen.” Wiebens Rezept, um Rückenprobleme aus der Welt zu schaffen: die schlafenden Muskeln wecken, aufmerksam sitzen – und bewusst atmen.

ALTERNATIVES WIE AKUPUNKTUR & CO. – WAS HILFT UND WAS NICHT?

►Kurz gesagt: Alles, was dazu beiträgt, dass Patienten passiv bleiben und sich nicht bewegen, findet keine Gnade in der „Nationalen Versorgungsleitlinie Nicht-Spezifischer Kreuzschmerz”. Begründung: Patienten könnten sie als Alternative zur dringenden Empfehlung sehen, sich zu bewegen. Verfahren wie Kinesio-Taping, Magnetfeldtherapie, Kurzwellendiathermie, Verfahren mit Strom, Laser oder Kälte sowie therapeutischer Ultraschall werden daher stark negativ bewertet.
Akupunktur empfiehlt die Leitliniengruppe zwar nicht ausdrücklich, die Nadeln können jedoch sowohl bei akuten als auch chronischen nicht spezifischen Rückenschmerzen gesetzt werden.
Progressive Muskelrelaxation wird empfohlen, sofern die Rückenschmerzen chronisch sind. Vorher spricht die Leitlinie eine Kann-Empfehlung für das Entspannungsverfahren aus.
Ergotherapie ist ungeeignet bei akuten nicht spezifischen Rückenschmerzen. Zur

DAS IDEALE TRAININGSPROGRAMM

Fotos: Universität Potsdam

GESTEIGERT: ÜBUNGEN GEGEN RÜCKENSCHMERZEN

Das Trainingsprogramm RAN Rücken (mehr Infos auf Seite 61) umfasst vier Übungen in zwölf Schwierigkeitsgraden. Wir stellen exemplarisch die jeweils leichteste (Level 1) und schwierigste (Level 12) Stufe vor. Alle Übungen finden Sie – mit Videos – auf mispex.de.

Behandlung chronischer Fälle, zumal im Rahmen multimodaler Programme, kann sie jedoch zum Einsatz kommen.
Massagen sind im akuten Fall ebenso tabu. Okay sind sie bei länger anhaltenden Rückenschmerzen – vor allem in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen.
► Klar empfehlen die Fachleute hingegen alles, was Patienten inBewegung bringt – kombiniert mit Tipps und Anleitungen für eine Lebensweise, die dem Rücken gut tut, und für den Umgang mit den Schmerzen.

WAS TUN, DAMIT ES ERST GAR NICHT IM RÜCKEN ZWICKT?

Die gute Nachricht: So viel, wie man falsch machen kann, kann man auch richtig machen. Dazu gehören vor allem vielBewegung und eineaufrechte Haltung. Eine trainierte Muskulatur, vor allem an Bauch und Rumpf, stützt den Rücken und entlastet die Wirbelsäule. Wer beim Sitzen, Stehen und Gehen entspannt aufrecht bleibt, aber immer mal wieder seine Position ändert und sich bewegt, verhindert, dass sich Muskeln verspannen oder die Halswirbelsäule überlastet wird.

Auch richtigesTragen undHeben beugt plötzlichen Kreuzschmerzen vor. Statt zu tragen, sollte man große Gewichte lieber schieben oder ziehen – oder die Last auf beide Hände verteilen. Schwere Gewichte lassen sich – bei geradem Rücken – besser aus Knien und Beinen heraus heben.

Auch daseigene Gewicht spielt eine Rolle bei Rückenschmerzen. Denn wer zu viele Kilos mit sich herumschleppt, belastet auf Dauer die Wirbelsäule.

WELCHE ÜBUNGEN HELFEN?

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt RAN Rücken hat ein Trainingsprogramm für Athleten und die Allgemeinbevölkerung entwickelt (siehe linke Seite), das nachweislich sowohl bei der Behandlung als auch Prävention chronischer Rückenschmerzen hilft. Es umfasst vier Übungen mit jeweils zwölf Schwierigkeitsgraden. mispex.de g Training und Übungen

„Diese Übungen mit Störreizen und unvorhergesehenen Kräften von außen trainieren genau jene Bewegungsabläufe, die uns im Alltag begegnen und auf die wir reagieren müssen”, erläutert Sportmediziner Prof. Frank Mayer, Ärztlicher Direktor an der Hochschulambulanz der Uni Potsdam und Projektleiter von RAN Rücken. Er empfiehlt, dass sich Teilnehmer erst drei Wochen lang schulen lassen und die Übungen dann zu Hause weiterführen: zweimal wöchentlich für 25 bis 30 Minuten. „Dieses Intervall kostet auch nicht so viel Überwindung”, sagt Mayer. „Denn Empfehlungen wie jeden Tag ins Fitnessstudio zu gehen, sind zwar optimal, für viele aber nicht realisierbar.” Der Effekt halte etwa ein halbes Jahr an. Dann sei es Zeit für neue Übungen und höhere Level. „Denn Gehirn und Muskeln passen sich schnell an und brauchen neue Herausforderungen”, so Sportmediziner Mayer.