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Gesunder Schlaf für Allergiker: Endlich durchatmen


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2013 vom 28.03.2013

An einen entspannten und erholsamen Schlaf ist für Allergiker oft nicht zu denken. Sie leiden nicht nur tagsüber – etwa wenn sie auf Pollen allergisch reagieren – sondern auch nachts im Schlafzimmer. Wir zeigen, was man dagegen tun kann.


Artikelbild für den Artikel "Gesunder Schlaf für Allergiker: Endlich durchatmen" aus der Ausgabe 4/2013 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: iStockphoto/©Thinkstock

Die Katze musste weg. Margret Siek trauert ihr noch immer noch wenig nach. „Ich mag Katzen“, sagt sie. Allerdings ist die Mutter der Zwillinge Sebastian und Julian die Einzige in der Familie, die frei von allergischen Problemen ist. Ganz anders ihr Mann Thomas, der Elektrotechnikmeister leidet von Kindheit an unter Heuschnupfen. Er reagiert ...

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... auf Gräserpollen. An die Katze hatte das Paar aus Rietberg gar nicht gedacht, als Thomas Siek abends auf dem Sofa mehrfach keine Luft mehr bekam. „Tagsüber hatte ich eigentlich keine Beschwerden“, erinnert er sich: „Das passierte immer, wenn ich abends zu Hause zur Ruhe kam.“ Siek berichtete seinem Hausarzt von den Beschwerden, der schickte ihn unverzüglich zum Lungenfacharzt. Klare Empfehlung des Spezialisten: Die Familie sollte sich so schnell wie möglich von ihrer Katze trennen. Die hat nun ein neues Zuhause bei Tierfreunden gefunden, die nicht durch Allergien belastet sind.

Familie Siek hat es richtig gemacht und schnell gehandelt. „Die Trennung von den Tieren fällt zwar schwer, aber bei großem Leidensdruck ist sie wohl der einzige Weg“, sagt Dr. Heike Behrbohm, Sprecherin des Bonner Vereins Deutsche Haut- und Allergiehilfe (DHA). Laut ihren Angaben ist die größte Grup-pe unter den Tierhaarallergikern empfindlich gegen Katzen. Auch Professor Dr. Thomas Fuchs von der Universitätsmedizin Göttingen – er ist Vorstandsmitglied des Ärzteverbands Deutscher Allergologen (ÄDA) – rät seinen Patienten zum Verzicht: „Das gilt ebenso für Meerschweinchen, Kaninchen, Pferde, Hamster, Mäuse, Ratten, Vögel und manchmal Hunde.“

Der Trend, auf engstem Raum mit einem Haustier zu leben, trage zu einer höheren Allergenbelastung bei, heißt es in einer Broschüre der DHA. Unter ungünstigen Umständen kann die höhere Belastung zum Auslöser für weitere Beschwerden werden. So stellte der Facharzt bei Thomas Siek eine Empfindlichkeit gegen Frühblüher wie Birke und Pappel fest, die ihm bis dahin unbekannt war. „Außerdem reagiere ich wohl auf Hausstaubmilben“, so Siek. Aus seinem Heuschnupfen hat sich im Laufe der vergangenen Jahre eine Bronchitis entwickelt.

Dabei bemühten sich der Elektrotechnikmeister und seine Frau aktiv um vorbeugende Maßnahmen. Zum Beispiel legen sie ihre Kleidung abends nicht im Schlafzimmer ab, um keine Pollen einzuschleppen. Die Familie schläft auf speziellen Allergikermatratzen; seit dem Hinweis des Arztes sind die zusätzlich mit sogenannten Encasings bezogen. Die Spezialbezüge sollen gegen die Partikel der Haustaubmilben abschirmen. Wichtigste Maßnahme der Familie: Beim Bau des eigenen Hauses wurde in eine Lüftungsanlage investiert. Früher musste Siek von Juni bis August spezielle Medikamente einnehmen. Ohne diese Hilfsmittel wachte er morgens mit vollkommen vereiterten Augen auf. Das ist im neuen Haus nun ganz anders: Über einen leistungsfähigen Filter wird die Luft zentral angesaugt, vorgewärmt und im Haus verteilt. An mehreren Stellen nimmt die Anlage die Abluft auf, ihr wird die Wärme entzogen, bevor sie nach draußen strömt. „Wir haben jetzt immer gute, saubere Luft im Haus“, so Siek.

Besonders freut ihn, dass das System zudem viel Energie spart, die sonst beim Lüf-ten verloren geht. Von der Verbesserung profitieren neben dem Vater auch seine Söhne Sebastian und Julian. „Sie leiden beide unter asthmatischen Beschwerden und reagieren auf Pollen von Gräsern, Roggen und Weizen“, berichtet die Mutter der Zwillinge. Besonders wenn Kinder im Haushalt leben, ist es wichtig die Belastung durch Allergene zu verringern.

Vater Thomas Siek und die Zwillinge Sebastian und Julian sind Allergiker – die Luft im Haus wird gereinigt.


Foto: Christoph Lützenkirchen

Im Winter die Kälte, im Sommer die Sonne

Deutliche Verbesserungen ihrer Situation können die Betroffenen schon mit ganz einfachen Maßnahmen im häuslichen Umfeld erreichen. So macht ÄDA-Experte Fuchs darauf aufmerksam, dass die meisten Schlafräume in deutschen Wohnungen überheizt sind. Außerdem sei die Luftfeuchtigkeit zu hoch, besonders wenn man nachts mit geschlossenem Fenster schläft. Dadurch kann sich an den Fenstern oder hinter Möbeln Schimmel bilden. „Moderne Häuser sind sehr gut abgedichtet“, so Fuchs: „Würden sich die Leute an die gängigen Empfehlungen halten und entsprechend regelmäßig und wirksam lüften, hätten wir die Probleme nicht.“

Auch Hausstaubmilben mögen es feucht und warm. Daher hilft es, die Räume nicht zu warm zu heizen und regelmäßig zu lüften. Am wirkungsvollsten ist Stoßlüften. Dabei werden die Fenster kurz und weit geöffnet. Ein kühles und trockenes Schlafzimmer ist für Milben ungemütlich. Fuchs rät: „Lassen Sie im Winter die Kälte ins Schlafzimmer, im Sommer die Sonne. Das mögen die Milben nicht.“

Das richtige Lüften hängt stark davon ab, wo man wohnt. Wer auf dem Land lebt, sollte in den Abendstunden sowie nachts lüften und in den frühen Morgenstunden alle Fenster wieder schließen. Denn die meisten Pflanzen schicken ihre Pollen frühmorgens zwischen vier und sechs Uhr auf die Reise. In der Stadt steigt die Pollenkonzentration dagegen am Abend an. Zwischen 18 und 24 Uhr erreicht sie erfahrungsgemäß Spitzenwerte. Städter lüften am besten zwischen 6 und 8 Uhr morgens. DHA-Sprecherin Behrbohm empfiehlt zudem, die Zeit kurz nach Regenschauern zum Lüften zu nutzen. „Dann ist die Luft besonders sauber. Allerdings kann bei beginnendem Regen die Pollenkonzentration sogar höher sein, weil die Tropfen die Pollen aufbrechen und die Allergene freisetzen“, so Behrbohm.

Ein Pollenschutz vor dem Fenster kann schon eine deutliche Verbesserung für betroffene Allergiker bringen.


Foto: iStockphoto/©Thinkstock

Stationäre Luftfilter: Die Geräte mit Hepa-Filtersystem schaffen es, die Innenraumluft weitgehend pollenarm zu halten.


Technische Hilfsmittel

Um sich zumindest in der eigenen Wohnung vor dem Stress durch Pollen zu schützen, können Allergiker auch einige Hilfsmittel nutzen. Noch wenig verbreitet aber sehr wirkungsvoll sind Anlagen zur kontrollierten Wohnraumlüftung. Die Anlagen sorgen für einen gleichmäßigen und geregelten Luftwechsel in allen Räumen. Spezielle Filter für Allergiker reinigen die Luft wirksam von Pollen, die Fenster können geschlossen bleiben. Gleichzeitig lösen die Anlagen auch die Probleme mit dem Feuchtigkeitsgehalt der Raumluft. Die Bedingungen für Hausstaubmilben und Schimmelpilze verschlechtern sich. Besonders einfach lassen sich Lüftungsanlagen in Neubauten integrieren. Doch auch Konzepte zum Nachrüsten von Altbauten sind am Markt verfügbar.

Bei geöffnetem Fenster bieten Pollenschutzgitter einen zusätzlichen Schutz. Das sind Netze mit einer besonders feinmaschigen Textilstruktur; sie soll verhindern, dass Blütenpollen durch offene Fenster und Türen in Haus und Wohnung gelangen. Die Netze befestigt man mit einem Doppelklebeband am Fensterrahmen. Wissenschaftlichen Studien zufolge wird das Eindringen von Pollen in den dahinter liegenden Raum durch ein solches Gitter im Durchschnitt um 90 Prozent verringert. Alternativ kann man auch jede Nacht ein feuchtes Betttuch vor das Fenster hängen.

Luftfilter mit Hepa-Filtersystem (High Efficiency Particulate Air) verringern die Pollenbelastung. Die Geräte schaffen es, die Innenraumluft weitgehend pollenarm zu halten. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass das Gerät die gesamte Raumluft zweimal pro Stunde filtern kann. Das Lüften kann ein Luftfilter aber nicht ersetzen. Ganz wichtig ist außerdem die regelmäßige Wartung des Filters. Werden die Reinigungsintervalle nicht sehr penibel eingehalten, wird das Gerät zur problematischen Pollenschleuder.

Pollenallergikern kann zudem der Gebrauch einer Nasendusche Erleichterung verschaffen. Mit einer milden Salzlösung lässt sich Pollen aus der Nasenschleimhaut spülen. Die Lösung gibt es fertig in der Apotheke. Wer sie selbst ansetzen will, braucht etwa einen viertel Teelöffel Salz auf einen Viertelliter lauwarmes Wasser. Vor allem in der Pollenflugzeit empfiehlt es sich, mehrmals täglich zu spülen. einen Viertelliter lauwarmes Wasser. Vor allem in der Pollenflugzeit empfiehlt es sich, mehrmals täglich zu spülen.

Glatte Böden oder Teppich? Beides hat Vor- und Nachteile. Am wichtigsten ist aber, dass die Böden richtig gepflegt werden.


Foto: Jupiterimages/Polka Dot/©Thinkstock

Streitfall Fußböden

Welcher Fußboden sich am besten für Allergiker eignet, ist heftig umstritten. Anhänger glatter Böden wie Parkett oder Fliesen sehen textile Bodenbeläge als Staubfänger. Dagegen könnten glatte Böden regelmäßig feucht gewischt werden und blieben dadurch staubfrei. Eine Studie des Deutschen Allergie- und Asthmabundes und der Gesellschaft für Umwelt und Innenraumanalytik kommt hingegen zu einem gegenteiligen Ergebnis. Bei glatten Bodenbelägen aus Holz oder Laminat sei die Feinstaubbelastung in der Luft höher, als in Räumen mit Teppich. Der Grund: Es werde mehr Staub aufgewirbelt. ÄDA-Experte Fuchs mag sich auf keine der beiden Seiten schlagen. „Letztlich kommt es darauf an, dass man die Böden richtig pflegt“, sagt er.

Wer zum Teppich hin tendiert, kann sich am Label des TÜV Nord für Allergiker orientieren. Es kennzeichnet Teppichböden, die auf ihr Allergisierungspotenzial untersucht wurden. Das Label wird vom Deutschen Allergie- und Asthmabund e. V. anerkannt. Es konzentriert sich auf die allergene Wirkung von Teppichen, eine Prüfung auf flüchtige organische Verbindungen gehört nicht zum Prüfumfang.

Richtig reinigen

Zum Staubsaugen empfehlen sich Geräte mit leistungsfähigen Mikrofiltern. Staubsauger mit HEPA-Filter (High Efficiency Particulate Air-Filter) besitzen eine Filterleistung von 99,7 Prozent. Die neueste Filtergeneration ULPA (Ultra Low Particulate Air) lässt weniger als 0,0005 Prozent der Partikel durch. Wichtig: Den Staubsaugerbeutel immer frühzeitig wechseln, damit die Saugleistung hoch bleibt.

Hausstaubmilbenallergiker sollten nicht selbst saugen, weil sie dann den aufgewirbelten Allergenen besonders stark ausgesetzt sind. Eine gute Lösung für Allergiker sind Zentralstaubsauger, die die Abluft über ein Röhrensystem direkt nach außen leiten. Die DHA hat einen Staubsauger mit Wasserfilter auf seine Allergikertauglichkeit hin geprüft und als empfehlenswert ausgewiesen. Das Gerät leitet die angesaugte Luft in ein Wasserbad, sie wird von Staubpartikeln weitgehend gereinigt und angefeuchtet. Staub, Milben und Pollen bleiben im Wasser gebunden. Zum Staubwischen empfiehlt die DHA spezielle Antistaubtücher. Diese würden den Hausstaub elektrostatisch binden und könnten nach dem Staubwischen weggeworfen werden.

Im Schlafzimmer tabu: Grünpflanzen erhöhen die Luftfeuchtigkeit – da sind Schimmelpilze nicht weit.


Foto: iStockphoto/©Thinkstock

Zimmerpflanzen haben im Schlafzimmer nichts zu suchen, da sind sich die Experten einig. Die Pflanzen erhöhen die Luftfeuchtigkeit, zudem wirkt ihre Erde einladend auf Schimmelpilze. Der Medizintechnikhersteller Dräger hat einen sinnvollen Milbencheck entwickelt. Das Produkt Bio-Check Allergen Control zeigt anhand einer Farbreaktion, wie hoch die Allergenbelastung auf textilen Oberflächen beziehungsweise im Staub ist.

Der Test ist mit 14 bis 17 Euro relativ preisgünstig und liefert Anhaltspunkte für eine möglicherweise hohe Belastung. Bei Werten ab zehn Mikrogramm Milbenallergen pro Gramm Hausstaub (dem Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation WHO) zeigen die meisten Sensibilisierten Symptome. Diese Checks ersetzen aber nicht einen ausführlichen Allergietest beim Arzt.

Verhalten anpassen

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Doch Aller giker tun gut daran, ihr Verhalten auf die Erkrankung abzustimmen. Hausstaubmilbenallergiker sollten Staubfänger wie Vorhänge, Teppiche und Plüschmöbel aus Schlafräumen verbannen. Kleidung, die im Freien getragen wurde, sollte nicht im Schlafzimmer abgelegt werden. Häufigeres abendliches Waschen der Haare spült die Pollen heraus. Außerdem sollte Bettwäsche häufig gewechselt und die Betten gelüftet werden.

Getragene Klamotten bleiben vor der Schlafzimmertür. Denn in den Textilien können jede Menge Allergene stecken.


Foto: iStockphoto/©Thinkstock