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GETESTET TEST BUNTE HAARFARBEN: ZUM KREISCHEN


ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 14.06.2018

Eine neue Haarfarbe bedeutetVeranderung, Neuerfinden, Rebellion. Kein Wunder, dass vor allem Jugendliche gern in den Farbtopf langen. Allerdings haben Haarfarben den Ruf, gesundheitsschadliche Chemie-keulen zu sein. Gilt das auch fur die Regenbogenpalette?


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Foto: iconogenic/getty images

Für Stars und Sternchen gehört es fast zum guten Ton, in einem Zustand ständiger Metamorphose zu leben. Teenie-Idole wie Miley Cirus, Katy Perry und Jennifer Lawrence wechseln Haarschnitt und -farbe inklusive Lebensphilosophie wie andere Menschen die Unterwäsche. Bahnbrechend neu ist dieses Phänomen natürlich nicht. Schon ...

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... Madonna, David Bowie und Co. lebten das Prinzip des ständigen Neuerfindens ihrer eigenen Kunstfigur. Und selbst sie waren damit keine Pioniere. Über Epochen und Kulturkreise hinweg eigneten sich Haare schon immer hervorragend zum Ausdruck von Individualität. Mit aufwendigen Frisuren, Haarschmuck, Perücken oder eben einer neuen Farbe modifizieren Menschen seit jeher ihren Schopf. Den Haaren wird mitunter sogar eine persönlichkeits- und stimmungsbezogene Definitionsmacht zugeschrieben. Das reicht vom profanen „Bad Hair Day“ bis zur radikalen Typveränderung nach einem einschneidenden Lebensereignis. Nicht nur Frauenzeitschriften stürzen sich auf diesen Zusammenhang. Auch wissenschaftliche Arbeiten beschäftigen sich damit, welche Emotionen Haarschnitt und -farbe auslösen können. Frisuren dienen dabei nicht nur als Ausdruck persönlichen Empfindens. Sie können auch ein gesellschaft liches Statement sein: In den 70er- und 80er-Jahren schmückten die wildesten Tollen die Häupter. Dagegen wirkte der pomadengetränkte Dandyschnitt der 50er-Jahre noch harmlos, wenn er auch zu seiner Zeit anrüchig genug war. Wer sein Haar besonders stylt, will sich von der Masse abheben.

ÖKO-TEST RÄT

► Bunte Haarfarbe ist mit Vorsicht zu geniefSen, denn auch sie enthalt Stoffe, die Allergien auslosen konnen. Fur ein richtig knalliges Ergebnis ist zudem meist eine vorherige Blondierung notig. Die notige Chemie birgt noch mehr Risiken und greift zudem die Haarstruktur an.
► Ein dezenteres, dafur aber gesundheitlich unbedenkliches Ergebnis erhalten Sie mit Pflanzenfarben.
► Derauf manchen Packungen empfohlene Selbsttestauf Allergien vor der Anwendung gilt als uberholt. Er kann sogar die Entstehung von Allergien fordern, da jeder Kontakt das Sensibilisierungsrisiko erhoht.

Ob blond, ob braun: Viele Frauen pfeifen auf ihre Naturfarbe und lieben es, sich das Haar knallig bunt zu farben -viele Manner ubrigens auch.


Fotos: heckmannoleg/getty images

Aber funktioniert das heute immer noch? Um im modernen Social-Media-Selbstdarstellungszirkus mit seinen Haaren noch Aufsehen zu erregen, muss man sich jedenfalls ordentlich ins Zeug legen. Bunt kann heute jeder. Längst stehen Verbrauchern in Drogerien und Internetshops neben all den Kolorationen in Naturtönen auch quietschebunte Do-it-yourself-Produkte zur Verfügung. Nachdem chemische Haarfarben in vergangenen Tests eher schlecht abschnitten, wollten wir diesmal wissen, was mit den Regenbogennuancen los ist, und haben 14 bunte Einkomponenten-Haarfarben in die Labore geschickt.

DAS TESTERGEBNIS

Kein Topf voll Gold am Ende des Regenbogens. Die bunten Einkomponen-ten-Haarfarben könnten theoretisch besser abschneiden als ihre oxidativen Schwestern. Denn einige der eingesetzten Färbestoffe sind tatsächlich weniger problematisch als die Substanzen, die ÖKO-TEST in vergangenen Tests von Mehrkomponenten-Haarfarben kritisiert hat. Doch in den Produkten stecken weitere Problemstoffe. So bleiben auch die Regenbogenfarben dem schlechten Ruf chemischer Kolorationen treu.
Buntes Durcheinander: Blau, Türkis, Lila, Grün, Gelb, Orange, Rot, Rosa – leider können wir keinen Farbton empfehlen. Klar ist: Gerade in knallbunten Nuancen steckt oft ein Mix verschiedener Färbemittel, darunter auch sogenannte aromatische Amine. Viele Vertreter dieser Stoffgruppe gelten als problematisch. Kritisch etwa, wenn wie im Color 2 Create by Isana Mix + Shade, Passion Purple Anilin oder anilin freisetzende Farbstoffe enthalten sind. Anilin hat sich im Tierversuch als krebserzeugend erwiesen. Andere aromatische Amine, die in den Haarfarben stecken, hat das wissenschaftliche Beratergremium der EU-Kommission (SCCS) überhaupt noch nicht bewertet. Eine Reihe weiterer Farbstoffe konnten die Experten bislang nicht abschließend bewerten, da das genaue Mischverhältnis der Substanzen unklar ist, sie risikobehaftete Bestandteile enthalten können oder die in Studien getesteten Konzentrationen nicht ausreichten.
Nicht schwarz, nicht weiß. Zwar hat das SCCS 2013 viele Haarfärbestoffe hinsichtlich ihres Sensibilisierungspotenzials, also ihres Risikos, Allergien auszulösen, bewertet. Doch vor allem knallbunte Fär-bestoffe sind in der Liste oft als „nicht klassifizierbar“ aufgeführt. In einigen Fällen lagen dem Komitee nicht genug Daten vor, um zu einer abschließenden Bewertung zu kommen. Entwarnung können wir aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes nicht geben, denn ein Gesundheitsrisiko ist nicht auszuschließen.
Grauzone. Zwar sind Haarfarben offiziell sogenannte Rinse-off-Produkte, werden also abgespült. Doch aufgrund einer Einwirkzeit von teilweise mehr als 30 Minuten sehen wir sie kritischer als zum Beispiel Haarshampoos. Deshalb bewerten wir PEG/PEG-Derivate in den Haarfarben wie in Produkten, die auf der Haut bleiben. PEG/PEG-Derivate können die Haut für Problemstoffe durchlässiger machen. Sie sind – bis auf eine Ausnahme – in allen Farben enthalten.

Fotos: jhonny Greig/getty images

Kritische Keimhemmer. Konservierungsstoffe sorgen dafür, dass Kosmetikprodukte nicht verkeimen – auch in den Haarfarben. Allerdings sind einige alles andere als harmlos. In den beiden Schwarzkopf-Produkten hat das Labor Propylparaben nachgewiesen. Es gehört zu den längerkettigen Vertretern der Parabene, die in Verdacht geraten sind, wie ein Hormon zu wirken, und im Tierversuch fortpflanzungsgefährdend waren.
Unhaltbar. Andere problematische Konservierungsmittel sind Isothiazolinone – zu diesen gehören Methylisothiazolinon (MIT) und die halogenorganische Verbindung Chlormethylisothiazolinon (CIT). Die Mischung steckt in den Haartönungen der Marken Arctic Fox, Crazy Color und Manic Panic. Sie können zum Teil heftige allergische Reaktionen auslösen. MIT und CIT sind in Kosmetikprodukten, die auf der Haut bleiben, sogar verboten.
Problemgruppe: Auf der Verpackung der Haarfarbe L’Oréal Colo Vista Washout, Bluehair ist das halogenorganische Konservierungsmittel Chlorhexidindigluconat („Chlorhexidine Digluconate“) deklariert. Das passt zur Laboranalyse, in der halogenorganische Verbindungen gefunden wurden. Verbindungen mit Chlorhexidin sind als Desinfektionsmittel verbreitet, können aber Allergien auslösen. Auch in der Schwarzkopf Got2B Farb Artist, 096 Caribbean Türkis hat das Labor halogenorganische Verbindungen nachgewiesen. Die genaue Verbindung lässt sich mit der angewandten Testmethode nicht bestimmen. Wer jedes Risiko meiden möchte, greift zu Produkten ohne halogenorganische Verbindungen.