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GETESTET: TEST NAGELLACKE: BAD LACK


ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 14.06.2018

Wer hat’s gefunden? Die Schweizer! Die Rede ist leider nicht von einem Kräuterbonbon, sondern von krebserregenden Nitrosaminen in Nagellacken. Darauf und auf weitere Schadstoffe haben wir 23 Lacke untersuchen lassen.


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ÖKO-TEST RÄT

► Wer es bunt liebt, aber Nitrosamine meiden mochte, kann unter den von uns getesteten Produkten nurzur Naturkosmetik greifen. In alien anderen farbigen Lacken stecken zumindest Spuren von Nitrosaminen.
► Top-Coats, also Klarlacke, schneiden in un-seremTesttendenziell besserab.Auch ohne Farbe lassen sich damit Akzente setzen.
► Ofter mal eine Pause ...

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► Wer es bunt liebt, aber Nitrosamine meiden mochte, kann unter den von uns getesteten Produkten nurzur Naturkosmetik greifen. In alien anderen farbigen Lacken stecken zumindest Spuren von Nitrosaminen.
► Top-Coats, also Klarlacke, schneiden in un-seremTesttendenziell besserab.Auch ohne Farbe lassen sich damit Akzente setzen.
► Ofter mal eine Pause machen: Nagellack und Nagellackentferner trocknen die Nagel aus. Deshalb Erholungsphasen einlegen und die Nagel in dieserZeit immer mal wie-der einfetten, zum Beispiel mitHandcreme.

Christoph Kolumbus war einer, Vasco da Gama ebenfalls, und in gewisser Weise kann auch Dr. Urs Hauri zu den Entdeckern gezählt werden. Der Schweizer ist Chemiker am Kantonalen Laboratorium Basel-Stadt. Er hat zwar keine neue Welt entdeckt, aber sein Labor war es, das gemeinsam mit zwei weiteren Kantonslaboren erstmals krebserregende Nitrosamine in Nagellacken nachwies. Gesucht hatten sie nicht danach. Vielmehr handelte es sich um einen Zufallsbefund, wie Hauri erzählt. Im Rahmen einer Untersuchung von Kinderkosmetik stießen sie auf die Nitrosamine N-Nitrosodiethanolamin (NDELA) und N-Nitrosodimethylamin (NDMA) in Nagellacken. Besonders überraschend war dabei der NDMA-Fund. Während NDELA bereits in anderen kosmetischen Mitteln gefunden wurde, etwa in Wimperntuschen und Haarfärbemitteln, war NDMA bis dahin eher als Verunreinigung in Gummiartikeln bekannt. Es folgten weitere Untersuchungen, die die Ergebnisse bestätigten. Auch in Deutschland wurden nun Nagellacke getestet. Insgesamt zehn Proben hat das Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz (TLV) untersucht, allerdings nur auf NDELA und nicht auf weitere Nitrosamine. Die Hälfte der untersuchten Nagellacke hat das Landesamt beanstandet.


In allen farbigen Lacken, auf deren Behältern „Nitrocellulose“ deklariert war, steckten auch giftige Nitrosamine.


Foto: Nik_Merkulov/getty images

Im Frühjahr 2017 veröffentlichte das Kantonslaboratorium Basel die Ergebnisse seiner neuesten Untersuchung von insgesamt 104 Nagelprodukten, davon 63 klassischen Nagellacken, auf Nitrozellulosebasis. Wieder wurden die Schweizer fündig. Noch ist nicht geklärt, wie die Nitrosamine in den Nagellack kommen. „Wir vermuten Nitrozellulose als Ursache“, berichtet Hauri. Nitrozellulose ist deklariert und in Nagellacken als Filmbildner enthalten. Auffällig war allerdings bei unseren eigenen Untersuchungen, dass in allen farbigen Lacken, in denen Nitrozellulose deklariert war, auch Nitrosamine gefunden wurden. In vier von sechs farblosen Topcoats allerdings war zwar ebenfalls Nitrocellulose deklariert, hier hat unser Labor aber keine Nitrosamine darin nachgewiesen. Um die Nitrosaminfunde in Kosmetika einschätzen zu können, helfen folgende Fakten: Nitrosamine sind krebserregend.
► Das Bundesinstitut für Risikobewertung ordnet ein: „Nitrosamine sind geno toxische Kanzerogene, für die kein sicherer toxikologischer Schwellenwert existiert. Für solche Verbindungen gilt das Minimierungsgebot, die Aufnahme über alle Quellen sollte möglichst gering sein.“ Darin liegt das Problem: Nitrosamine können nicht nur in Kosmetik enthalten sein, sie werden auch mit der Nahrung aufgenommen, insbesondere durch Lebensmittel wie gepökeltes oder geräuchertes Fleisch und geräucherten Fisch. Auch (Passiv-) Rauch ist eine Quelle.
►Nitrosamine sind keine gezielt eingesetzten Inhaltsstoffe, sondern entstehen als Reaktionsprodukte.
► Nitrosamine sind laut Kosmetikverordnung in der EU verboten. Allerdings werden geringe Mengen toleriert, wenn sie bei „guter Herstellungs praxis“ „technisch unvermeidbar“ und „für die menschliche Gesundheit“ sicher sind.

Doch wie hoch ist die technisch unvermeidbare Menge für Nitro samine in Nagellacken? Da sie erst seit Kurzem ein Thema sind und bisher, wenn überhaupt, nur auf NDELA untersucht wurde, konnte uns keines der angefragten Untersuchungsämter für die anderen Nitrosamine einen konkreten Orientierungswert nennen. Das Baseler Kantonslaboratorium hat aufgrund seiner eigenen Untersuchungen Gehalte von 466 Mikrogramm pro Kilogramm als technisch vermeidbar eingestuft, da 90 Prozent der Produkte Gehalte unterhalb dieses Wertes aufwiesen. Nagellacke, die mehr als 466 Mikrogramm Nitrosamine pro Kilogramm aufwiesen, wurden verboten. Solange es keinen deutschlandweit festgelegten Orientierungswert gibt, werden die deutschen Untersuchungsämter nach demselben Verfahren vorgehen. Es ist davon auszugehen, dass je nach Auswahl der Proben mit höheren oder niedrigeren Werten für die technische Vermeidbarkeit zu rechnen ist.

DAS TESTERGEBNIS

Breit gefächert. Von „sehr gut“ bis „ungenügend“ ist alles dabei. Es gibt einen klaren Sieger. Platz zwei haben immerhin vier Nagellacke erreicht. Mit „befriedigend“ schneiden drei Produkte ab. Acht Lacke sind „ausreichend“. Das untere Ende der Notenskala ist dicht bevölkert.
Nitrosamine. In vier Nagellacken haben wir krebserregende Nitrosamine in Mengen gefunden, die die von den Baseler Chemikern gezogene Schwelle überschreiten. Damit wären sie technisch vermeidbar und laut EU-Kosmetik-Verordnung verboten. In weiteren 13 Nagellacken hat das von uns beauftragte Labor ebenfalls Nitrosamine nachgewiesen, allerdings unterhalb dieser Grenze.
Sehr gute Naturkosmetik. Nummer eins im Test ist der Logona Natural Nail Polish, der erste und bislang einzige zertifizierte Bio-Farbnagellack. Der Hersteller setzt keine Nitrocellulose ein, sondern verwendet Schellack – eine harzige Substanz, die aus den Ausscheidungen von Schildläusen gewonnen wird.
Kritische UV-Filter. In vielen Nagellacken stecken bedenkliche UV-Filter. Die Hersteller setzen sie ein, um die Lacke in ihren Glasfläschchen vor Sonnenlicht zu schützen. Einige Filter stehen im Verdacht, hormonell wirksam zu sein. Der Filter Benzophenon-1 zeigte seine hormonelle Wirksamkeit im Tierversuch. Für Octocrylen und Etocrylen liegen Hinweise auf eine hormonelle Wirkung aus Zellversuchen vor.
Besser, aber noch nicht gut. Früher steckten Phthalate, die als fortpflanzungsgefährdend eingestuft sind, als Weichmacher in Nagellacken. Inzwischen hat der Ersatzweichmacher Acetyltributylcitrat diese Rolle übernommen. Noch ist nicht geklärt, wie sich Ersatzweichmacher auf die Gesundheit auswirken.
Auch das noch! Punktabzug gibt es für erhöhte Mengen des bedenklichen Lösungsmittels Styrol, das beim Einatmen gesundheitsschädlich ist. Die phosphororganische Verbindung Triphenylphosphat und Acrylate können Allergien auslösen. In einem Gel-Top-Coat steckt Benzophenon, vermutlich als Fotoinitiator eingesetzt. Die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft Benzophenon als „möglicherweise krebserregend“ ein. Aus Sicht der Europäischen Agentur für Chemikalien ist die Frage der Kanzerogenität auch nach Tierversuchen nicht abschließend geklärt. Wir nehmen aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes trotzdem Punktabzug vor.

Fett gedruckt sind Mangel.
Glossar: Erlauterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 192. Anmerkungen: 1) Enthalt Nitrosamine,aberweniger als 466 |jg/kg.2)Auf die Anfrage von OKO-TEST, ob das Produkt seit der jungsten Veroffentlichung desTestergebnisses unverandert ist, kam bisRedaktionsschlusskeineAntwoit.3) Enthalt den bedenklichen UV-Filter Etocrylen. 4) Enthalt den bedenklichen UV-Filter Benzophenon-l. Auf dieAnfrage von OKO-TEST, ob das Produkt seit der jungsten Veroffentlichung desTestergebnisses unverandert ist, kam bis Redaktionsschluss keine Antwort. 5) Enthalt Nitrosamine, aber weniger als 466 Mg/kg. Auf die Anfrage von OKO-TEST, ob das Produkt seit der jungsten Veroffentlichung desTestergebnisses unverandert ist, kam bis Redaktionsschluss keine Antwort 6) Enthalt den bedenklichen UV-Filter Benzophenon-l. Enthalt die bedenklichen UV-Filter Benzophenon-l und Octocrylen. Enthalt Nitrosamine, aber weniger als 466 ug/kg. Auf die Anfrage von OKO-TEST, ob das Produkt seit der jungsten Veroffentlichung desTestergebnisses unverandert ist, kam bis Redaktionsschluss keine Antwort. Enthalt den bedenklichen UV-Filter Benzophenon-l. Enthalt Nitrosamine, aber weniger als 466 Mg/kg. Auf die Anfrage von OKO-TEST, ob das Produkt seit der jungsten Veroffentlichung desTestergebnisses unverandert ist, kam bis Redaktionsschluss keine Antwort. 9) Enthalt Nitrosamine, aber weniger als 466 Mg/kg. Weiterer

Mangel: Anbieter hat die Farbbestandteile der Oder „May contain“-Deklaration auch auf Anfrage nicht aufgeschlusselt. Auf die Anfrage von OKO-TEST, ob das Produkt seit der jungsten Veroffentlichung desTestergebnisses unverandert ist, kam bis Redaktionsschluss keine Antwort. 10) Enthalt den bedenklichen UV-Filter Benzophenon-l. Enthalt Nitrosamine, aber weniger als 466Mg/kg. 11) Enthalt den bedenklichen UV-Filter Etocrylen. Enthalt Nitrosamine, aber weniger als 466pg/kg. 12) Enthalt den bedenklichen UV-Filter Etocrylen. Enthalt Nitrosamine, aber weniger als 466 pg/kg. Auf die Anfrage von OKO-TEST, ob das Produkt seit der jungsten Veroffentlichung desTestergebnisses unverandert ist, kam bis Redaktionsschluss keineAntwort 13) Enthalt den bedenklichen UV-Filter Benzophenon-l. Das Produkt wird nun von der Firma Coty vertrieben und nicht mehr, wie auf der von uns eingekauften Verpackung angegeben, von Procter & Gamble. Laut der Firma Coty sollte das Produkt ab Juni 2018 nicht mehr im Sortiment sein.14) Enthalt die bedenklichen UV-Filter Benzophenon-1 und Etocrylen. Enthalt Nitrosamine, aber weniger als 466 pg/kg. Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgefiihrt. Unter demTestergebnis Inhaltsstoffe fiihrtzurAbwertung um vier Noten: ein Nitrosamingehalt von mehrals 466 jig/ kg. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten fuhren: a) halogenorganische Verbindungen; b) der bedenkliche UV-Filter Benzophenon-1; c) ein stark erhohter Gehaltvon mehrals 1.000 mg/kg an phosphororganischen Verbindungen (hier:Triphenylphosphat). Zur Abwertung um jeweils eine Note fuhren: a) Benzophenon und/oder die bedenklichen UV-Filter Etocrylen und/oder Octocrylen, wenn nicht bereits wegen bedenklicher UV-Filter um zwei Noten abgewertet wurde; b) ein ertiohter Gehalt von mehr als 100 mg/kg an

Acrylat (hier: Butylmeth-acrylat); c) ein erhohter Gehalt von mehr als lOm^kg bis 100mg/kg Styrol; d) mehr als 1.000 mg/kg eines Ersatzweichmachers (hier: Acetyltributylcitrat), falls nicht schon wegen Triphenylphosphat abgewertet wurde.Unter dem Testergebnis Weitere Mangel fuhrt zur Abwertung um vier Noten: Der Hersteller schlusselt auch auf Nachfrage die Farbbestandteile der Oder *May contain“-Deklaration nicht auf. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mangel, das „befriedigend“ Oder..ausreichend” ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mangel, das ^mangelhaft” Oder „ungenugend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Aus rechtlichen Grunden weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht iiberpriift haben.Testmethoden undAnbieterverceichnis finden Sie unter oekotestde -Suchen -„N1806“ eingeben.Bereits veroffentlicht: OKO-TEST Magazin8/2017. Aktualisierung derTestergebnisse/Angaben, sofernsich aufgrund neuerwissenschaftlicherErkenntnissedie Bewertungvon Mangeln geandert oder OKO-TEST neue/zusatzliche Untersuchungen durchgefuhrt hat.Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschiitzt. Ohne schriftliche Geneh-migung des Verlags diirfen kelne Nachdrucke. Kopien. Mikrofllme Oder Elnspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

WAS 1ST EIGENTLICH GEL-NAGELLACK?

Gel-Nagellack gab es fru-her nur in Nagelstudios. Doch seit einiger Zeit ste-hen auch in den Regalen der Drogerien immer mehr Nagellackflaschchen mit der Bezeichnung „Gel“. Im Gegensatz zum Profibe-darf wird keine UV-Lampe zumTrocknen benotigt. Ein Zweiphasenverfahren gibt es trotzdem bei einigen: Zu-nachst wird der farbige Lack aufgetragen, anschliefiend der Topcoat, ein spezieller Uberlack. Was ist anders? Birgit Huber vom Industrieverband Kor-perpflege- und Wasch-mittel (IKW) sagt: „Viele Verbraucherinnen schatzen Gel-Nagellacke aufgrund des besonderen Gel-Looks -die Nagel erhalten mehr Volu-men und glanzen sehr stark. Aufterdem zeichnen sich die-se Lacke dadurch aus, dass sie sehr kratzfest und lange haitbarsind.“ Hort sich nach gutem Marketing der Konzer-ne an. Dazu Birgit Huber: „Ei-nige Hersteiler haben dieses aufeinander abgestimmte Konzept. Es gibt aber Gel-Top-Coats, die liber jeden beliebigen Nagellack aufgetragen werden konnen, um dem Nagel einen Gel-Lookzu verleihen.” Ein klarer Vorteil des Drogerieprodukts gegen-uber Lacken aus dem Na-gelstudio: Es lasst sich mit einem gewohnlichen Nagel-lackentferner beseitigen.