Lesezeit ca. 7 Min.
arrow_back

GUT GESÄT


Logo von Landlust Im Garten
Landlust Im Garten - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 02.03.2022

Artikelbild für den Artikel "GUT GESÄT" aus der Ausgabe 1/2022 von Landlust Im Garten. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Landlust Im Garten, Ausgabe 1/2022

Rasensaat wächst in wenigen Wochen zu dichtem Rasen, wenn der Boden bis zum Keimen feucht bleibt.

Ob als reine Zierfläche oder als Nutzfläche zum Spielen und Toben – Rasen ist eine Dauerkultur für Jahrzehnte und sollte deshalb sorgfältig angelegt werden.

Ausschlaggebend ist das richtige Saatgut. Die einzelnen Grasarten und sogar die jeweiligen Sorten unterscheiden sich in Wuchskraft, Narbendichte und Wasserbedarf – also in allen Punkten, die das Aussehen der Rasenfläche und ihren Pflegeaufwand bestimmen. Die Wuchskraft bestimmt, wie oft man den Rasen mähen muss, wie viel Schnittgut anfällt, aber auch, wie schnell der Rasen Lücken wieder schließen kann. Das Wuchsverhalten der Gräser bestimmt die Narbendichte und damit das Erscheinungsbild der gesamten Fläche. Vom Wasserbedarf hängt es ab, wie gut die Gräser mit sommerlicher Trockenheit klarkommen. Ein Punkt, der in Zukunft immer wichtiger werden wird.

Die Mischung unterschiedlicher Gräser bestimmt die Eigenschaften und Eigenarten des ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Landlust Im Garten. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 1/2022 von Liebe Gartenbegeisterte!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Gartenbegeisterte!
Titelbild der Ausgabe 1/2022 von ALLES ERWACHT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ALLES ERWACHT
Titelbild der Ausgabe 1/2022 von Im zarten Rüschenrock. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Im zarten Rüschenrock
Titelbild der Ausgabe 1/2022 von HISTORISCHE ROSENSCHÄTZE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HISTORISCHE ROSENSCHÄTZE
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Quer durch den ZIERGARTEN
Vorheriger Artikel
Quer durch den ZIERGARTEN
VITALES KRAUT
Nächster Artikel
VITALES KRAUT
Mehr Lesetipps

... späteren Rasens.

Großfamilie mit Spezialisten

Die für einen Rasen infrage kommenden Gräser gehören zur Familie der Süßgräser Poaceae, wobei von den rund 200 in Mitteleuropa vorkommenden Arten nur ein kleiner Teil rasentauglich ist. Denn um sich für hochwertige Saatgutmischungen zu qualifizieren, müssen die Gräser ganz bestimmte Voraussetzungen mitbringen: Sie müssen mit den Boden-, Feuchte-und Nährstoffverhältnissen im Garten zurechtkommen, mehrjährig wachsen und dauerhaft schnittverträglich sein. Schließlich sollen die Rasengräser nur wenige Zentimeter hoch wachsen.

Manche Gräser wachsen horstartig und büschelweise und bilden mehr oder weniger lange Ausläufer, mit denen sie sich ausbreiten und schön dicht wachsen. Erst die Kombination beider Wuchstypen ergibt eine schön dichte Grasnarbe.

Die richtigen Sorten

Neben den drei wichtigsten Rasengräsern – der ausläuferbildenen Wiesenrispe Poa pratensis, dem trittfesten Ausdauernden Weidelgras Lolium perenne und dem feinblättrigen Rotschwingel Festuca rubra – gibt es noch die Lägerrispe Poa supina, die sich besonders an schattigeren Standorten bewährt hat. Viele dieser Gräser sind auch robuste Futtergräser, die allerdings nicht schnittverträglich sind. Erst die aus den Arten gezüchteten Sorten haben die nötigen Eigenschaften. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass man bei Saatgutmischungen immer wieder auf dieselben Artnamen, aber auch zahlreiche Sortennamen stößt – je nach Schwerpunkt der jeweiligen Mischung.

Sorten gegen Trockenstress

Die Sorten-Züchtung ist langwierig und aufwendig, weshalb hochwertige Saatgutmischungen auch ihren Preis haben. In Zukunft werden mit der häufiger auftretenden sommerlichen Trockenheit genügsame Grasarten wie Rohr-Schwingel Festuca arundinaceae wichtiger werden. Diese Gräser stecken auch Hitzeperioden ohne ausgiebige Wassergaben gut weg. Das spart zum einen Gießwasser und beugt zum anderen auch späteren Lücken im Rasen vor. Wenn ein Rasen auch unter Trockenstress robust und wüchsig bleibt, ist er viel widerstandsfähiger gegen Unkraut und Moos, die sich sonst in den Lücken von trockengeschwächtem Rasen sofort breit machen.

Optimal abgestimmt

Grasarten werden nicht einzeln, sondern im Handel als fertig zusammengestellte Mischungen mit unterschiedlichen Eigenschaften angeboten. Für jeden Rasentyp gibt es Saatgutmischungen mit unterschiedlichen Zusammensetzungen, deren Arten und Sorten sich mit ihren jeweiligen Vor-und Nachteilen ergänzen und auf die gewünschten Eigenschaften abgestimmt sind. Hier gilt es für den Gärtner genau wie beim Staudenkauf: die für seine persönlichen Wünsche qualitativ beste Mischung zu finden.

Gängige Rasentypen

Die früher übliche Einteilung der Rasenmischungen nach Zier-, Sport-und Schattenrasen gerät immer mehr in den Hintergrund. Dicht werden alle Markenmischungen und robust sind sie auch. Modernes Saatgut unterteilt man nun eher in Nachsaatrasen und, ganz grob, in Strapazier-oder Gebrauchsrasen, der sowohl in der Sonne als auch im Schatten wächst und auch Trockenheit gut wegsteckt. Die Mischungen sind Alleskönner, die überwiegend robust oder pflegeleicht sind, dann aber vielleicht nicht ganz so exakt dichte Narben wie ein hocheleganter englischer Rasen bilden.

Die jeweiligen Schwerpunkte der Mischungen spiegeln sich oft in den Produktnamen wider: „strapazier“, „trocken“, „Nachsaat“ oder „zier“. Auch wenn es spezielle Nachsaatmischungen gibt, sät man am besten mit der Mischung nach, aus der die Rasenfläche besteht. Das Erscheinungsbild kann sonst von der bestehen Rasenfläche abweichen. Wer Wert auf feinsten englischen Rasen legt, kauft dafür spezielle Mischungen mit tiefschnittgeeigneten Gräsersorten, die allerdings pflegeintensiver sind.

Lücken im Rasen

Wohlklingende Namen wie „Berliner Tiergarten“ oder „Fürst Pückler“ sind leider keine Gewähr für gute Rasen- Qualität. Unter diesem Namen sind je nach Anbieter ganz unterschiedliche Rasenmischungen im Angebot – meist mit erheblichem Anteil an preiswerten Futtergräsern. Diese wachsen schnell und begrünen die Fläche im Handumdrehen; Futtergräser sind jedoch auf Dauer nicht schnittverträglich. Das hat zur Folge, dass sich die Gräser durch häufiges Mähen nach und nach zurückziehen und Lücken im Rasen hinterlassen, die sofort von Unkraut und Moos besetzt werden. Der günstige Preis solcher Rasenmischungen ist im Vergleich zu hochwertigen Mischungen sehr verlockend. Wenn der Hobbygärtner auch noch die Arten-Zusammensetzung preiswerter Mischungen mit denen von teureren vergleicht, stößt er sogar auf dieselben Namen. Dennoch haben die enthaltenen Futter-Sorten ganz andere gezüchtete Eigenschaften.

Prüfsiegel stehen für Qualität

Wenn einem Rasen entsprechende schnittverträgliche und belastbare Gräser fehlen, werden früher oder später Löcher im Rasen entstehen. Schon nach wenigen Jahren investiert man dann Geld und Zeit für Rasenpflegemittel, die jedoch gar nicht mehr wirken können. Die Grundsubstanz fehlt einfach. Der Preis ist bei Saatgut daher ein gewisses Qualitätskriterium: Hochwertige Mischungen kosten im Fachhandel mit rund 15 Euro für 50 Quadratmeter dreimal so viel wie preiswertes Saatgut. Hobbygärtner sollten außerdem auf Prüfsiegel unabhängiger Institute wie der Landwirtschaftlichen Untersuchungs-und Forschungsanstalten (LUFA) achten. Die Zusammensetzung der Mischung sollte auf ein grünes Etikett gedruckt sein, das diese als „Mischung nach RSM“ kennzeichnet. Diese sogenannten Regelsaatgutmischungen sind geprüft, entsprechen dem Stand der Züchtung und müssen bestimmte Qualitätskriterien bei Mindestkeimfähigkeit, Reinheit und Sorteneignung erfüllen. Hochwertige – und damit eben auch teurere – Gräser ersparen dem Gärtner mit den Jahren also viel Pflege.

Soll der Rasen pflegeleicht, aber robust sein, eignet sich ein Gebrauchsrasen mit unterschiedlichen Sorten vom Rotschwingel Festuca rubra commutata und Festuca rubra trichophylla, aber auch mit Anteilen von Weidelgras Lolium perenne und Wiesenrispen-Sorten Poa pratensis. Mit Gebrauchsrasen kommen die meisten Gärtner bestens klar, er verträgt als Alleskönner auch Toben und Gartenfeste. Der Rasen braucht regelmäßige Pflege und wöchentlichen Schnitt.

Wird der Rasen durch tobende Hunde oder spielende Kinder stark beansprucht, kommen Mischungen für Strapazierrasen infrage. Der daraus wachsende Rasen ist wüchsig und schließt entstandene Lücken schnell durch Wurzelausläufer. Die stark wachsenden Sorten benötigen allerdings recht viel Dünger und man muss wöchentlich mähen, bei feuchtwarmem Wetter und mit Mulchmäher auch zweimal in der Woche. Für strapazierfähige Rasen sind vor allem Sorten vom Deutschen Weidelgras Lolium perenne und der Wiesenrispe Poa pratensis geeignet.

Wer Wert auf einen reinen, kurz geschorenen Zierrasen legt, braucht eine Saatgutmischung mit überwiegend feinblättrigen und sehr dicht wachsenden Grasarten. Das sind neben Sorten der üblichen Gräser besonders das Flechtstraußgras Agrostis stolonifera, das Rote Straußgras Agrostis capillaris und der Horst-Rot-Schwingel Festuca rubra commutata. Die Namen der Saatmischungen haben meist ein „Zier“ im Namen, die Gräser sind filigran und tiefschnittgeeignet. Man muss allerdings einen hohen Wasser-und Nährstoffbedarf in Kauf nehmen – und damit einen hohen Pflegeaufwand. Mulchmähen funktioniert bei sehr dichter Grasnarbe oft nicht, da das Schnittgut einfach auf den Halmen liegen bleibt und nicht dazwischenrutscht, wo es verrottet.

WELCHEN RASEN WILL ICH?

Für einen Schattenrasen muss die Mischung überwiegend Läger-Rispengras Poa supina, Rotes Straußgras Agrostis capillaris oder Hainrispe Poa nemoralis enthalten. Diese Gräser kommen mit weniger Licht zurecht, sind aber nicht ganz so robust und belastbar wie etwa das Weidelgras. Der Name Schattenrasen ist leicht irreführend, denn im tiefsten Schatten unter Nadelbäumen oder im dauerhaften Schatten neben Gebäuden wächst bei zumutbarem Pflegeaufwand kein brauchbarer Rasen. Auch an anderen Standorten ist Schattenrasen immer pflegeintensiver als an sonnigeren Standorten. Er sollte gut einen Zentimeter höher stehen, er braucht unter Bäumen mehr Wasser, und da seine Grasnarbe nicht so dicht wird, ist auch häufigeres Vertikutieren und regelmäßiges Nachsäen nötig.

Damit der Rasen sommerliche Trockenperioden ohne dauernde Wassergaben übersteht, sind robuste und trockenverträgliche Gräser wie Rotes Straußgras Agrostis capillaris, Härtlicher Schwingel Festuca trichophylla oder Rohr-Schwingel Festuca arundinaceae nötig. Vorteilhaft beim Rohr-Schwingel sind zum Beispiel seine sehr langen Wurzeln, mit denen er sich noch Wasser aus tieferen Bodenschichten holen kann, auch wenn der Oberboden längst trocken ist. Wichtig ist, auch trockenverträgliche Gräser und damit auch die Saatgutmischung gleich nach der Anlage durchdringend zu wässern. Im Jahr der Anlage wird trockenverträglicher Rasen zunächst wie jeder anderer Rasen gewässert, bevor man die Wassergaben reduzieren kann. Rohr-Schwingel wurzelt anfangs nur in die Tiefe, wenn der Boden feucht ist. Sonst bleiben die Wurzeln in den obersten Bodenschichten stecken. Haben sich die Wurzeln dagegen erst einmal in der Tiefe etabliert, kommen die Gräser mit wenig Gießwasser aus. Vom Mähaufwand ist trockenverträglicher Rasen wie Gebrauchsrasen; die speziellen Gräser haben oft dickere Halme, sodass das Erscheinungsbild zunächst ungewohnt wirkt.

Bei großen Flächen, auf denen man den Pflegeaufwand gering halten möchte, eignet sich Landschaftsrasen aus dem Fachhandel. Dieser enthält mit Sorten von Rotschwingel Festuca rubra ein robustes und anspruchsloses Gras, was Wetterverhältnisse und Standort betrifft. Die Gräser der Landschaftsmischungen wachsen langsam, schließen daher aber auch Lücken nur langsam und sind nicht unbedingt zum Toben geeignet. Normales Begehen des Rasens ist kein Problem. Gedüngt wird nur, wenn der Boden sehr mager ist. Sonst wächst der Rasen stärker und es entsteht ein unnötiger Mehraufwand bei der Pflege der Fläche.

Wer es blühend mag und sich bis auf zweimaliges Mähen im Jahr gar nicht um die Fläche kümmern möchte, sät eine Blumenwiesenmischung aus. Die enthaltenen Arten sind ausdauernd oder einjährig und beste Insekten-und Schmetterlingspflanzen. Man wählt für die Aussaat möglichst Mischungen aus dem regionalen Fachhandel, die mit den Bodenverhältnissen der Region am besten klarkommen. Da man Blumenwiesen nicht betreten kann, sind ungenutzte Gartenecken als Standort ideal.

Text: Thomas Heß, Dr. Heidi Lorey