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Heuschnupfen richtig behandeln: Pollen als Trainingspartner


ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit - epaper ⋅ Ausgabe 3/2014 vom 07.03.2014

Medikamente können die Symptome von Heuschnupfen zwar kurzfristig lindern. Auf Dauer lässt sich die Allergie aber nur mit einer spezifischen Immuntherapie überwinden. Doch die Behandlung erfordert Geduld und Disziplin.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit, Ausgabe 3/2014

Die lästigen Symptome lindern – auf die Schnelle. Oder die Allergie ganz überwinden – auf Dauer: Bei der Behandlung von Heuschnupfen gibt’s die Kurzstrecke – zahlreiche, oft rezeptfreie Medikamente, die für schnelle Abhilfe bei tränenden Augen und einer dichten Nase sorgen. Und es gibt die Langstrecke – die spezifische Immuntherapie (SIT), auch Hypo- oder Desensibilisierung genannt. ...

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Die meisten Pollenallergiker entscheiden sich für die schnelle Hilfe aus der Apotheke und versuchen ansonsten, den auslösenden Pollen möglichst aus dem Weg zu gehen. Die frei verkäuflichen Medikamente in Form von Tabletten, Tropfen oder Spray greifen in den Entzündungsprozess ein und lindern die Beschwerden. Sie wirken rasch und sind in aller Regel gut verträglich. Allerdings können die Mittel veraltete Wirkstoffe oder problematische Hilfsstoffe enthalten, wie unser Test von Allergiemitteln ab Seite 56 zeigt.

Langfristig hilft nur die Desensibilisierung, bei der das Immunsystem über drei Jahre hinweg systematisch an die allergieauslösenden Pollen gewöhnt wird. Allergologen empfehlen einen möglichst frühen Einsatz, weil die SIT am erfolgreichsten ist, wenn der Heuschnupfen noch nicht lange besteht und nur wenige verschiedene Pollen dafür verantwortlich sind. Zudem lassen sich mit einer frühen Behandlung Verschlimmerungen sowie Folgeschäden wie allergisches Asthma verhindern.

Bei der Desensibilisierung erhält der Patient die Allergene zunächst in verdünnter Form, später in hoher Dosis per Spritze in die Unterhaut des Oberarms (SCIT: Subkutane Immuntherapie), als Tropfen unter die Zunge geträufelt oder neuerdings auch als Tablette (SLIT: Sublinguale Immuntherapie).

Vorteil der Therapie unter der Zunge ist, dass sie vom Patienten selbst zu Hause durchgeführt werden kann. Sie eignet sich besonders für Patienten, die Angst vor Spritzen haben, sie nicht vertragen oder regelmäßige Arztbesuche nur schwer einrichten können. „Die Wirksamkeit ist jedoch bei einigen Allergenen noch nicht so gut erforscht wie bei der Spritzenmethode und gilt nur bei einer Gräserpollenallergie als eindeutig belegt“, sagt Kleine-Tebbe. Daher sollte sie nur bei Heuschnupfen gezielt eingesetzt werden. Für Kinder und Jugendliche empfehlen die aktuellen Leitlinien der DGAKI eine SLIT nur mit Präparaten, deren Wirksamkeit nachgewiesen wurde – und nur dann, wenn eine SCIT nicht infrage kommt.

Eine Alternative zur langwierigen Immuntherapie – zumindest für Pollenallergiker – ist die Kurzzeittherapie: Dabei bekommen Allergiker vor der Pollensaison in der Regel vier bis sieben Injektionen in wöchentlichem Abstand. Allerdings muss auch die Kurzzeittherapie drei Jahre lang durchgeführt werden. Zudem fehlen überzeugende Ergebnisse zu Langzeiteffekten und Vergleichsstudien zur Langzeittherapie.

Obwohl die SIT gut wirkt, wählen die wenigsten Heuschnupfenpatienten die Pollen als Trainingspartner – denn die lange Distanz erfordert Geduld, Disziplin und Hartnäckigkeit. Ein weiteres Problem sind die hohen Abbruchquoten: „Die meisten Patienten stört der anfangs starke Juckreiz unter der Zunge“, so Kündig. Auch die gängige Spritzenmethode, für die Allergiker etwa 40 bis 50 Mal innerhalb von drei Jahren zum Arzt müssten, sei vielen zu mühsam.

Deshalb sucht Kündig mit seiner Züricher Forschergruppe nach weniger zeitaufwendigen, angenehmeren Behandlungsformen. Erster vielversprechender Ansatz: die intralymphatische Immuntherapie (ILIT). Dabei wird das Allergen direkt in die Lymphknoten gespritzt – einem Ort, an dem mehr Immunzellen vorhanden sind und daher auch eine stärkere Immunreaktion ausgelöst werden kann. „Mit drei Injektionen kann etwa der gleiche Effekt erzielt werden wie mit 50 Spritzen unter die Haut“, so Kündig. Der Haken daran: Die Spritzen müssen per Ultraschall kontrolliert werden, was hohe Kosten verursacht. Größere Hoffnung setzt Kündig in ein neues Wirkstoffpflaster, das innerhalb von zwei Monaten während der Pollensaison sechs Mal über Nacht aufgeklebt werden muss – eine praktische Sache für Kinder, die Angst vor der Spritze haben. Bis zur Marktreife braucht es allerdings noch mehrere Jahre, so Kündig.


Forscher suchen nach weniger zeitaufwendigen Alternativen.


Dies gilt auch für einige Impfstoffe, die sich derzeit noch in der Forschungspipeline befinden: So hat etwa die Wiener Firma Biomay ein Mittel für Graspollenallergiker entwickelt (BM32), das nur drei bis vier Mal pro Jahr gespritzt werden muss. An der Zulassung eines Wirkstoffs gegen Birkenpollenallergie (AllerT) arbeitet das Schweizer Unternehmen Anergis. Er soll eine schnelle Therapie in zwei Monaten ermöglichen.

Neue Verordnung: Anbieter müssen Wirksamkeit belegen

Zahlreiche Präparate zur spezifischen Immuntherapie (SIT) sind in der jüngeren Vergangenheit vom Markt verschwunden. Hintergrund ist die neue Therapieallergeneverordnung, in deren Konsequenz viele Anbieter ihre Sortimente bereinigt haben. Seit 2011 müssen Therapieallergene wie andere Arzneimittel zugelassen werden. Das gilt für Präparate der wichtigsten Allergengruppen Süßgräser, frühblühende Bäume, Hausstaubmilben, Bienen- und Wespengift. Andere Mittel, etwa Rezepturen für Beifuß-, Eschenpollen- oder Tierhaarallergiker, sind weiter von der Zulassungspflicht ausgenommen. Bevor die Verordnung in Kraft trat, galten viele Therapieallergene als individuelle Rezepturen und mussten nicht zugelassen werden, das heißt, es konnten Allergenmischungen ohne Wirksamkeitsnachweis vom Arzt verschrieben werden. Laut Experten geht die neue Richtlinie in die richtige Richtung. Denn allgemein wird empfohlen, für die SIT hochwertige Allergenextrakte mit gesichertem Wirksamkeitsnachweis zu verwenden. Allerdings sind die nun geforderten Zulassungsstudien aufwendig und teuer. Für einige Produkte lohnt sich dies aus Herstellersicht nicht. Die Folge: Bis Ende 2011 wurden bereits rund 6.500 Produkte vom Markt genommen, nur für etwas mehr als 100 sollen jetzt alle entsprechenden Studien durchgeführt werden. Die Hersteller haben noch einige Jahre Zeit, diese zu erbringen. Informationen zu den einzelnen Präparaten gibt es beim Paul-Ehrlich-Institut:
http://www.pei.de/DE/arzneimittel/allergene/allergene-node.html


Foto: Mallivan/iStock/©Thinkstock