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INTERVIEW: Qualität kombiniert mit Innovation


Fertighäuser - Hausbau Special - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 07.11.2020

Hans Volker Noller, Präsident des BDF, hat ehrgeizige Ziele für den Fertighausbau – und die Zuversicht, sie zu erreichen.


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Bildquelle: Fertighäuser - Hausbau Special, Ausgabe 1/2021

„Bauherren wissen, dass ihr Bauprojekt beim Holzfertigbau in guten Händen ist.“


Herr Noller, im Oktober 2019 wurden Sie zum Präsidenten des Bundesverband Deutscher Fertigbau BDF gewählt. Was haben Sie sich für Ihre Präsidentschaft vorgenommen?
Hans Volker Noller: Im Allgemeinen geht es bei der BDF-Präsidentschaft darum, eine Vision für die Branche zu entwickeln und diese nach Möglichkeit auch zu realisieren.
Mein Ziel ist es, in den nächsten drei Jahren den Marktanteil von ...

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Herr Noller, im Oktober 2019 wurden Sie zum Präsidenten des Bundesverband Deutscher Fertigbau BDF gewählt. Was haben Sie sich für Ihre Präsidentschaft vorgenommen?
Hans Volker Noller: Im Allgemeinen geht es bei der BDF-Präsidentschaft darum, eine Vision für die Branche zu entwickeln und diese nach Möglichkeit auch zu realisieren.
Mein Ziel ist es, in den nächsten drei Jahren den Marktanteil von Holzfertighäusern in Deutschland von derzeit rund 20 auf 25 Prozent zu erhöhen. Wichtig dafür ist das Auffinden von aktuellen Trends und das Identifizieren von innovativen Zukunftstechnologien, die für die ganze Branche von Interesse sind und uns gemeinsam voranbringen.

Das klingt nach viel politischer Arbeit…
H.V. Noller: Aktuell versuchen wir, die politischen Entscheider in Berlin davon zu überzeugen, die Laufzeit des Baukindergeldes zu verlängern. Die Antragsfrist endet eigentlich Ende 2020, aber das bereitgestellte Budget ist noch nicht ausgeschöpft. Wir möchten erreichen, dass dieses Förderprogramm so lange läuft, bis das Geld komplett abgerufen wurde.
Verstärkt aufmerksam machen möchte ich aber auch auf das Thema Baulandmangel. Das ist politisch besonders schwierig. Dafür muss man z.B. auch auf die Entscheidungsträger in den Landkreisen und Kommunen zugehen, um Möglichkeiten für die Linderung der Baulandknappheit zu finden.
Wo der Grund und Boden knapp ist, wird er in der Regel teuer. Um hier etwas Wirtschaftliches generieren zu können, muss man in die Höhe bauen. Deswegen ist ein weiterer meiner Schwerpunkte der Mehrgeschossbau in Holzbauweise.

Was heißt Mehrgeschossigkeit genau?
H.V. Noller: Wir hatten parallel zum einund zweigeschossigen Bauen, also dem klassischen Einfamilienhausbereich, in den letzten Jahren schon einen Trend zum mehrgeschossigen Bauen. Schätzungsweise 20 Prozent unserer Mitgliedsunternehmen haben hierfür neue Konzepte entwickelt und erfolgreich Projekte verwirklicht. Eingeschränkt wurden sie dabei aber meist noch von den Vorschriften der Landesbauordnungen, die den Holzbau nur bis Gebäudeklasse 3 zuließen. Baden-Württemberg hat es uns mit der Holzbauinitiative 2018 erstmals ermöglicht, Gebäude bis zur Gebäudeklasse 5, also mit bis zu fünf Stockwerken, in Holz zu erstellen. Die Holzbauinitiative sowie die damit einhergehenden Änderungen in der Landesbauordnung des Landes Baden-Württemberg werden nun zunehmend von anderen Bundesländern adaptiert. Zum Beispiel sollen in dem neuen Berliner Stadtteil auf der Fläche des Flughafens Tegel bis zu 6 000 Wohnungen in Holzbauweise entstehen.

Genießt der Baustoff Holz nicht nur politische Sympathien, sondern auch beim Bauherrn?
H.V. Noller: Mit Sicherheit. Wir haben in Baden-Württemberg heute einen Marktanteil von 37 Prozent. Wer in seinem Baugebiet vier oder fünf Holzfertighäuser entstehen sieht, wird sich natürlich mit der Bauweise auseinandersetzen und somit auch die Vorteile des Baustoffes Holz und speziell der Holzfertigbauweise erkennen. Diese Menschen entscheiden sich dann auch ganz bewusst für ein Holzfertighaus.

Am Preis liegt das aber nicht. Holzhäuser sind ja nicht günstiger als konventionell gebaute.
H.V. Noller: Das ist richtig. Entscheidungen fallen aber nicht nur aufgrund des Preises, sondern auch weil die Kunden zu schätzen wissen, dass sie beim Holzfertigbau alles aus einer Hand bekommen können. Sie suchen nach einem zuverlässigen Partner, der weiß, wie zu planen ist, um hinterher auch wie gewünscht bauen zu können, bei dem die Abläufe funktionieren und der Kostensicherheit bietet. Ein Beispiel ist die technische Gebäudeausstattung. Bei vielen Bauaufgaben wird diese am Anfang der Planung zur Seite geschoben – und wenn man irgendwann mal auf die Idee kommt, ein Haus z.B. doch klimatisieren zu wollen, dann ist der Rohbau schon erstellt und man hat kaum noch Möglichkeiten, diesen Bauherrenwunsch zu realisieren. Das ist beim Fertigbau anders. Wir denken von vornherein in klaren Strukturen, sodass alle wichtigen Aspekte frühzeitig in die Planung einbezogen werden. Das hat unsere Branche in den letzten Jahrzehnten optimiert. Und Bauherren wissen das zu schätzen, weil es ihnen das Gefühl gibt, dass ihr Bauprojekt beim Holzfertigbau in guten Händen ist, unabhängig davon, ob es sich bei ihrem Projekt um einen Kindergarten oder ein Einfamilienhaus handelt.

Hilft der „Greta-Effekt“ dem Holzbau?
H.V. Noller: Ja, Holzhäuser werden seitdem deutlich positiver wahrgenommen. Das liegt aber nicht nur am Baustoff Holz, sondern weil Holzfertighäuser sehr energieeffizient sind. Auch die Nachhaltigkeit der Bauweise und die Verwendung gesunder und ökologischer Baumaterialien ist ein Plus. Wichtig ist, sich über den ganzen Produktzyklus Gedanken zu machen. Ein Holzfertighaus ist zwar problemlos hundert und mehr Jahre nutzbar, trotzdem müssen wir uns theoretisch mit der Wiederverwertbarkeit der Baumaterialien auseinandersetzen, die wir heute verwenden, bzw. z.B. wie wir noch weniger Abfälle in der Produktion erzeugen. Hier gibt es immer Optimierungsmöglichkeiten. Auch bei den Materialien, die wir verwenden, wird es weitere Entwicklungen zu noch mehr Nachhaltigkeit geben. Damit haben wir uns aber schon vor Greta intensiv beschäftigt.

Früher galt ein Holzhaus ja eher als zweitklassig. Trauen Bauherren dem Holzfertighaus heute auch eine bessere Qualität zu?
H.V. Noller: Ja, und das hat mehrere Gründe: Die Holzfertigbauweise ist besser geworden und die Branche hat sehr viel Zeit und Geld in Aufklärung gesteckt. Heute bauen wir individuelle „High-End-Häuser“, die höchsten ener-getischen Standards und Komfortansprüchen gerecht werden. Die hat es früher so nicht gegeben.
Wir klären inzwischen auch anders und tiefer über die Vorteile des Baustoffes Holz allgemein und der Holzfertigbauweise im Speziellen auf. Diese nachhaltige Strategie zahlt sich nun aus.
Dazu kommt, dass viele Holzfertighausanbieter schon seit vielen Jahrzehnten erfolgreich und zuverlässig am Markt sind. Deswegen geben auch viele Bauherren, die vor zehn oder zwanzig Jahren ein Fertighaus gebaut haben, gerne ihr Wissen und ihre Erfahrungen an ihre Kinder oder Freunde weiter. Diese zufriedenen Kunden sind unsere besten Botschafter, denn sie haben die positiven Erfahrungen des Wohnens in einem modernen Holzhaus bereits gesammelt und können auch über die Vorteile des speziellen Bauablaufs beim Fertighausbau berichten. Das entwickelt sich seit vielen Jahrzehnten sehr positiv.

Redaktionsbesuch von pro fertighaus-Chefredakteurin Astrid Barsuhn bei BDF Präsident Hans Volker Noller im schwäbischen Oberrot-Scheuerhalden, am Stammsitz des Familienunternehmens Fertighaus Weiss, das Noller zusammen mit seiner Frau Christel und seinem Sohn Michael leitet.


Im Oktober 2019 wurde Hans Volker Noller (3.v.re.) zum 7. Präsidenten des Bundesverband Deutscher Fertigbau gewählt. Unterstützt wird er im Vorstand (v.li.) durch Florian Balthasar von Velux, Alexander Lux, Geschäftsführer von Luxhaus, Johannes Schwörer, Geschäftsführer von Schwörer Haus, Dr. Mathias Schäfer, Geschäftsführer von Fingerhaus, Dr. Frank Gussek von Gussek Haus sowie Christian Huf von Huf Haus. Auf dem Foto fehlt Markus Bauk-meier, Geschäftsführer von Meisterstück-Haus, der ebenfalls zum Vorstand gehört.


Welche Rolle spielen die Musterhaus-Ausstellungen?
H.V. Noller: Die Ausstellungen in ganz Deutschland spielen eine große Rolle. Hier können sich Interessenten allgemein zum Bauen informieren und finden vielfältige Beispiele dafür, wie modernes Wohnen aussehen kann. Trotz aller Fortschritte und Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung inzwischen bietet – und die in den Wochen des Corona-Lockdowns besonders wichtig waren, stellen wir dennoch fest, dass Bauinteressenten Häuser live erleben und die Firma sowie die Personen, mit denen sie dort zu tun haben, kennenlernen wollen. Selbst sehr junge Bauherren, die Digital Natives, zeigen sich beim Hausbau sehr konservativ, wollen anfassen und haptisch erleben. Sie setzen sich aber auch ganz genau mit Themen wie der Bauweise und deren Vorteile, den architektonischen Möglichkeiten sowie den Baukosten auseinander. Wenn sie dann erste Gespräche mit Beratern in den Musterhäusern führen, merken sie auch schnell, dass ganz individuell auf ihre Wohnwünsche, die Situation ihres Baugrundstücks und ihre finanziellen Möglichkeiten eingegangen wird. Um diese Beratungsqualität sicherzustellen, können unsere Mitgliedsunternehmen ihre Vertriebsmitarbeiter zum Fachberater/ in Fertigbau (IHK) weiterbilden. Bauinteressenten werden in Musterhaus-Ausstellungen zudem schnell merken, dass die Serviceleistungen dieser Branche überdurchschnittlich und mit der Konkurrenz kaum vergleichbar sind.

Warum sollte ein Bauherr für die Realisierung seines Projekts – ob Mehrgeschoss- oder Einfamilienhausbau – ein Mitgliedsunternehmen des BDF beauftragen?
H.V. Noller: Im BDF bündeln wir die Kompetenz und das Know-how von 49 Fertighausherstellern und über 100 Fördermitgliedern aus der Zulieferindustrie, die wir durch gute Verbandsarbeit in vielen verschiedenen Ausschüssen für den Holzfertigbau ganz praktisch nutzbar machen. Auch deswegen ist die Holzfertigbauweise so innovativ und davon profitieren auch Investoren und Bauherren. Ein Beispiel dafür ist, dass rund 90 Prozent aller 2019 gebauten Holzfertighäuser förderfähige KfW-Effizienzhäuser waren, jedes sechste erfüllte sogar die höchste Förderklasse eines Effizienzhaus 40 Plus.
Darüber hinaus definieren wir verbindliche Qualitätsstandards. Die Satzung der Qualitätsgemeinschaft Deutscher Fertigbau, QDF, dokumentiert diese im Detail: Von der individuellen Planung, über alle Prozessketten, die für die Erstellung eines Gebäudes nötig sind, bis zur Abnahme. Dabei legt die QDF strengere Kriterien fest als gesetzlich vorgeschrieben.
Das betrifft die ökonomische sowie die ökologische Qualität, die soziokulturelle und funktionale Qualität, aber auch die technische Qualität und die der Prozesse. Das schafft Vertrauen und der Kunde weiß, wenn er mit einem BDF-Unternehmen baut, hat er alle Abläufe bis hin zu Gewährleistungsthemen im Griff.

Hat die Covid-19-Krise negative Auswirkungen auf die Holzfertigbau-Branche?
H.V. Noller: In den letzten zehn Jahren war der Holzfertigbau von einem unglaublichen Boom geprägt und die meisten Unternehmen haben mit einer Auslastung von 1,5 bis 2 Jahren gearbeitet. Aufgrund dieses großen Auftragsbestands war unsere Branche in den letzten Wochen sehr privilegiert: Unsere vorwiegend regionalen und europäischen Lieferketten haben weiter funktioniert, in den Werken konnte trotz Schutzmaßnahmen produziert und auf den Baustellen weitergearbeitet werden. So hatte der Corona-bedingte Lockdown laut aktueller BDF-Umfrage bei 65 Prozent unserer Verbandsmitglieder bislang keine negativen Auswirkungen auf die Umsätze. Ob das so bleibt, weiß aber niemand mit Sicherheit zu sagen. Was wir hingegen wissen ist, dass das Geld billig bleibt. Dementsprechend rechnen wir damit, dass das eigene Fertighaus für die individuelle Zukunftssicherung auch weiterhin attraktiv bleiben wird.

Herr Noller, wir bedanken uns für das Gespräch.


Fotos: BDF