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Kein Kinderkram


ÖKO-TEST Kompass Gütesiegel - epaper ⋅ Ausgabe 3/2010 vom 17.06.2014

Theoretisch muss jedes Spielzeug, das in Europa zum Kauf angeboten wird, bestimmte Sicherheitsvorschriften erfullen. Doch das Sicherheitsnetz hat Schlupflocher, die unseriose Hersteller ausnutzen können. Und sogar Spielzeug, das allen Normen genugt, ist nicht immer unbedenklich.


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Foto: TÜV Rheinland

Für Kinder ist und bleibt die Spielzeugwelt eine Gefahrenzone. Im europäischen Schnellwarnsystem für unsichere Produkte Rapex ist Spielzeug Jahr für Jahr mit Abstand die Produktgruppe mit den meisten Meldungen. In den ÖKO-TESTs fallt haufig mindestens die Halfte der untersuchten Spielwaren mit „mängelhaft“ ...

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Für Kinder ist und bleibt die Spielzeugwelt eine Gefahrenzone. Im europäischen Schnellwarnsystem für unsichere Produkte Rapex ist Spielzeug Jahr für Jahr mit Abstand die Produktgruppe mit den meisten Meldungen. In den ÖKO-TESTs fallt haufig mindestens die Halfte der untersuchten Spielwaren mit „mängelhaft“ oder „ungenugend“ durch.

Auch die Kontrolleure auf der Spielwarenmesse in Nurnberg finden jedes Mal haufenweise Spielzeugschrott an den Standen. Im Jahr 2009 wies jedes vierte der 1.600 untersuchten Produkte mängel auf. Laut Gerhard Schonheiter vom zuständigen Gewerbeaufsichtsamt Mittelfranken waren diese teilweise so schwerwiegend, dass das Spielen damit für ein Kind todlich enden kann. Als Beispiele nennt er Kunststofftiere mit abreisbaren Kleinteilen und Spielzeug mit kleinen Magneten, die sich leicht losen und verschluckt werden können. Meist handele es sich um in China gefertigte Produkte, so Schonheiter – kein Wunder, denn aus dem Reich der Mitte kommen annahernd 80 Prozent der weltweit verkauften Waren.

Doch auch Kinderprodukte, die die gesetzlichen AnFörderungen erfullen, sind oft völler mängel. Denn viele Grenzwerte sind zu lasch. Beispiel polyzyklische aromatische Kohlenwässerstoffe (PAK): Sie stecken haufig in Weichmacherolen, die wiederum in Gummi und Kunststoffen von Spielzeug eingesetzt werden. Viele dieser Verbindungen sind krebserregend und werden deshalb den CMR-Stoffen zugeordnet. CMR bedeutet, der Stoff ist krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefahrdend. Nach der neuen EU-Spielzeugrichtlinie sind CMR-Stoffe in Spielzeug zulassig, wenn deren Gehalt die im Chemikalienrecht festgelegten Grenzwerte nicht überschreitet. Die besonders gefahrliche PAK-Leitsubstanz Benzo[a]pyren durfte demnach bis zu einer Konzentration von 100 Milligramm pro Kilo im Spielzeug vorhanden sein. Zum Vergleich: Das ist 100 Mal mehr als beispielsweise im Weichmacherol für die Herstellung von Autoreifen erlaubt ist oder in Spielwaren, die ein GS-Zeichen für „Geprufte Sicherheit“ tragen.

„Ein Irrsinn“, schimpft Dr. Eva Frei vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg, „PAK reichern sich im Korper an und lassen Tumore wachsen. Bei langerem Hautkontakt konnten Kinder ein Vielfaches dessen aufnehmen, was schwere Raucher über Zigaretten inhalieren“, so die Toxikologin. En Skandal, wenn man zudem bedenkt, dass die Zahl der bosartigen Krebserkrankungen bei Kindern in den vergängenen 20 Jahren um rund 17 Prozent gewachsen ist – auch wenn die gründe hierfür noch unklar sind.

Gültige Bestimmungen oft unzureichend

für das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) steht langst fest: Die Grenzwerte des Chemikalienrechts bieten Kindern keinen ausreichenden Schutz. Spielzeug, das in den Mund genommen werden kann, musse genauso streng beurteilt werden wie Materialien in Kontakt mit Lebensmitteln, Fördern die Experten. Demnach durfte die Freisetzung von CMR-Stoffen wie den PAK analytisch nicht nachweisbar sein.

Viele gultige Bestimmungen entsprechen nicht mehr dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Die Grenzwerte für nervengiftiges Phenol beispielsweise orientieren sich an der taglich tolerierbaren Aufnahmemenge (TDI), die vor rund 40 Jahren festgelegt wurde. Inzwischen hat sich aber die Datenlage geandert. Laut BfR gehort der TDI-Wert für Phenol deshalb auf den Prufstand. Derzeit bewege er sich in einem Bereich, „wo in tierexperimentellen Studien noch schadliche Wirkungen beobachtet wurden“.

Beispiel Diisobutylphthalat (DIBP): Erste Studien zeigen, dass der Weichmacher vergleichbar ist mit dem bereits verbotenen Dibutylphthalat, das im Verdacht steht, wie ein Hormon zu wirken und die Fortpflanzung und Entwicklung zu beeinflussen. Im Januar 2010 wurde DIBP in die Kandidatenliste für besonders besorgniserregende Stoffe der Euro paischen Chemikalienagentur (ECHA) aufgenommen. Auf dieser Liste stehen bisher (Stand Februar 2010) nur gut 30 Verbindungen, darunter viele, die schon lange als sehr gefahrlich bekannt sind. Trotzdem ist der hochst bedenkliche Stoff derzeit rechtlich noch nicht geregelt.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die fehlenden Kontrollen. Bisher bescheinigt sich die Industrie mit dem CE-Zeichen selbst, dass sie die gesetzlichen Vorgaben einhalt. Verbraucherschutzer Fördern deshalb eine qualitätsprufung durch eine neutrale Stelle. Wie notwendig dies ware, wird deutlich am Beispiel Phthalate: Seit Jahren sind drei der gesundheitsschadlichen Weichmacher generell in Spielzeug verboten, drei weitere durfen speziell in Babyartikeln und Spielzeug, das in den Mund genommen werden kann, nicht mehr enthälten sein. Und trotzdem findet ÖKO-TEST diese Stoffe immer wieder.

CE

Wer vergibt es? Das Zeichen ist eine Selbsterklarung des Herstellers.

Was bedeutet es? Jedes Spielgerat, das in der EU vertrieben wird, muss dasCommunauté-Européenne- Zeichen tragen. Damit verburgt sich der Inverkehrbringer, dass sein Produkt den jeweiligen Vorschriften der Europäischen Gemeinschaft entspricht. Diese Pflicht gilt nicht für alle Produkte, die wie Spielzeug aussehen. Zum Beispiel Kindermodeschmuck oder Kinderspielrader fallen nicht unter die Kategorie Spielzeug. Bei der Einstufung lasst der Gesetzgeber viel Spielraum. Das Zeichen wird von Herstellern oder Importeuren in eigener Regie vergeben. Nur ein sehr kleiner Anteil der CE-Erklarungen wird extern von einer behordlich anerkannten Stelle überpruft. Dann hat dasCE -Zeichen eine Kennnummer. Das Label ist zeitlich unbegrenzt gultig. über Schadstoffbelastungen sagt es wenig aus, weil die europäische Spielzeugrichtlinie auf diesem Gebiet bisher wenig strenge Auflagen macht. Im engeren Sinne ist dasCE -Siegel kein Sicherheits-, sondern ein Handelszeichen – quasi eine Art „Reisepass“, der den ungehinderten Vertrieb einer Spielware in Europa ermöglicht.
Bewertung: für Eltern ist das Zeichen wertlos. Verbraucherschutzer Fördern deshalb seit Jahren eine verpflichtende Prufung des Zeichens durch eine unabhangige Stelle.

GS

Wer vergibt es? Staatlich zugelassene Prufinstitute wie der TUV oder das VDE Pruf- und Zertifizierungsinstitut.

Was bedeutet es? Das freiwilligeGS -Zeichen steht für„Geprüfte Sicherheit“ und bescheinigt, dass das Produkt von einer zugelassenen, zertifizierten Prufstelle auf die sicherheitstechnischen AnFörderungen des Gerate- und Produktsicherheitsgesetzes gecheckt wurde. Im Rahmen der Zertifizierung kommen in der Regel die einschlagigen Normen zum Tragen. Die AnFörderungen gehen zum Teil über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus: Zum Beispiel gibt es einen Grenzwert für polyzyklische aromatische Kohlenwässerstoffe, allerdings ist dieser aus unserer Sicht nicht allzu streng. Auserdem werden im Laufe der funfjährigen Geltungsdauer Produkt und Produktion mehrfach kontrolliert. Wichtig: DasGS -Zeichen sollte in Verbindung mit der Prufinstitution – zum Beispiel „TUV“ oder „VDE“ – aufgeklebt sein. Fehler in der Aufschrift weisen auf eine Falschung hin. Spielzeuge tragen eher selten einGS -Zeichen, da mit der Zertifizierung ein hoher finanzieller Aufwand verbunden ist, den die meisten Hersteller scheuen.

Bewertung: Ein vorhandenesGS -Siegel kann beim Spielzeugkauf eine Entscheidungshilfe sein. Allerdings greifen die Kriterien bei schadlichen Chemikalien zu kurz. Unsere Tests haben gezeigt, dass auch auf „Geprufte Sicherheit“ nicht immer Verlass ist.

VDE – Spielzeug geprüft

Wer vergibt es? Das VDE Pruf- und Zertifizierungsinstitut.

Was bedeutet es? Das Siegel bestätigt die Sicherheit eines Elektrospielzeugs, wenn man damit sachgemas umgeht. Darüber hinaus testen die VDE-Prufer auf thermische, chemische und mechanische Risiken, also auch die Brennbarkeit, das Verschluckungsrisiko und ob giftige oder krebserregende Stoffe in Konsole, Spieluhr und Co. enthälten sind. Dabei richtet man sich vor allem nach den Normen der EU und den deutschen Bestimmungen. Kontrolliert werden einzelne Muster, aber auch während der Fabrikation werden Stichproben genommen. Manchmal wird auch lediglich eine Komponente des SpielzeugsVDE -getestet, etwa der Stecker. Er tragt dann das Zeichen. Nur wenn die Prufplakette auf dem Typenschild des Gerats angebracht ist, wurde das Spielzeug komplett getestet. Weltweit tragen 200.000 Produkttypen mit einer Million Modellvarianten dasVDE -Zeichen.

Bewertung: Bei Elektrospielzeug ist dieVDE -Plakette eine Einkaufshilfe in Sachen elektronische Sicherheit. Was die Schadstoffe betrifft, bieten andere Prufzeichen etwas mehr Orientierung.

TÜV Süd/LGA tested + TÜV-Proof

Wer vergibt sie? TUV Sud/ TUV Rheinland LGA Produkt GmbH.

Was bedeutet es? Im Gegensatz zum TUV Nord prufen die beiden anderen grosen TUV-Organisationen auch Kinderspielzeug. Basis sind die gesetzlichen Bestimmungen. Hersteller oder Importeure können ihre Produkte freiwillig diesen Tests unterziehen. Haufig steht das Prufzeichen nicht in Verbindung mit demGS -Zeichen. Das kann ganz unterschiedliche Dinge bedeuten: Im Vergleich zumGS -Zeichen ist die Darstellung der TUV-Prufung auf dem Produkt weniger eingeschrankt. So besteht für Hersteller die möglichkeit, bestimmte Eigenschaften wie etwa „Speichel- und Schweisechtheit“ hervorzuheben. Der Hinweis „Produktion überwacht“ auf dem Achteck des TUV Sud signalisiert, dass die Prufer über die gesetzlichen Vorgaben hinaus den Herstellungsprozess kontrollieren und regelmasig Stichproben machen. Noch etwas weiter geht dasProof -Zeichen der TUV Rheinland LGA Produkt GmbH. Getestet wird zusatzlich nach eigenen Kriterien. Welche dies genau sind, erfahren wir leider nicht – die Prufkriterien wurden trotz mehrmaliger Anfrage nicht herausgegeben.

Bewertung: Im Gegensatz zumCE -Zeichen können sich Eltern auch wirklich darauf verlassen, dass die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen überpruft worden ist. Allerdings: Was schadliche Chemikalien betrifft, sind die Grenzwerte oft viel zu lasch. Somit geht auch bei den TUV-Zeichen der vorbeugende Verbraucherschutz für Kinder nicht weit genug.TÜV-Proof ware im Prinzip der richtige Ansatz. Da aber die Vergabekriterien im Dunkeln bleiben, können wir das Zeichen nicht empfehlen.

Spiel gut

Wer vergibt es? Der Spiel gut Arbeitsausschuss Kinderspiel + Spielzeug e.V.

Was bedeutet es? In erster Linie bezieht die Bewertung sich auf padagogische Kriterien und den Spielwert. So soll Spielzeug, das dieses Zeichen erhalt, vor allem die Fantasie anregen und möglichst viele Spielmöglichkeiten bieten. Die Prufer achten zwar auf Materialien und deren Umweltvertraglichkeit, auf Haltbarkeit und Design, aber Sicherheitstests fuhren sie nicht durch. Ende 2005 hat der Ausschuss jedoch Spielzeug aus PVC vomSpielgut - Zeichen ausgeschlossen. Hersteller können sich beim Spiel-gut-Arbeitsausschuss mit einem Produkt bewerben. Wird es für den Test angenommen, lasst der Ausschuss Kinder mit einem Musterprodukt Probe spielen. Abschliesend urteilt ein unabhangiges Expertengremium über Auszeichnung bzw. Ablehnung oder macht Verbesserungsvorschlage. Der Verein finanziert sich aus dem Verkauf von Buchern und aus offentlichen Zuschussen. Jedes Jahr werden rund 600 Artikel begutachtet. Knapp die Halfte der gepruften Spielsachen erhalt das Zeichen, die Begründungen sind im Internet nachzulesen.
Bewertung:Spiel gut ist sehr zu empfehlen, wenn es um den padagogischen Spielwert von Spielzeug geht. Allerdings ist es kein Sicherheitszeichen.

Fair spielt

Wer vergibt es? Trager der AktionFair spielt sind unter anderem Misereor, die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands und die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands.

Was bedeutet es? Der Weltverband der Spielzeugindustrie (ICTI) hat einen freiwilligen Verhaltenskodex für menschenwurdige Arbeitsbedingungen in Spielzeugfabriken entwickelt. Zu dessen Einhaltung fuhrt er in chinesischen Fabriken sogar Inspektionen durch. Die Ergebnisse behalt der Verband aber für sich. Deshalb ist die AktionFair spielt aktiv geworden: Unterwww.fair-spielt.de können Verbraucher sich in einer regelmasig aktualisierten Liste darüber informieren, wie weit deutsche Spielzeughersteller und ihre Lieferanten den freiwilligen Verhaltenskodex umsetzen bzw. ob sie sich überhaupt an der Selbstverpflichtung beteiligen.Fair spielt bietet eine Liste der Vorreiter und der Nachzugler und nennt darüber hinaus Firmen, die (fast) komplett in Deutschland oder der Europäischen Union produzieren. gründlage der Informationen sind Auskunfte der Firmen, von denenFair spielt sich jeweils Kopien der Zertifikate vorlegen lasst. Das Teddy-Logo der Initiative auf Verpackungen anzubringen, ist nicht geplant. „Wir finden nichts Auszeichnungswurdiges daran, wenn sich Firmen an absoluten Mindeststandards oder blos den nationalen Gesetzen orientieren“, so Projektleiter Uwe Kleinert.
Bewertung: Kein Siegel, aber eine einzigartige möglichkeit, sich darüber zu informieren, wie ernst es den Spielzeugherstellern wirklich mit ihrer sozialen veräntwortung ist.

Deutscher Spiele Preis

Wer vergibt es? Der Friedhelm Merz Verlag.

Was bedeutet es? Ausgezeichnet wird, was dem Publikum gefallt. Journalisten, Spielekreise, Handler sowie die Leser der FachzeitschriftenFairplay undSpielbox werden angeschrieben und um ihre Teilnahme gebeten. In der Regel kommen über 2.000 Teilnehmer zusammen. Jeder darf für die aus seiner Sicht funf besten Spiele des aktuellen Jahrgängs stimmen. Darüber hinaus kann ein Kinderspiel gewählt werden. Aus den Stimmen wird dann eine Preistragerliste von zehn Spielen ausgezahlt, wobei die ersten drei den Deutschen Spielepreis in Gold, Silber und Bronze erhalten.
Bewertung: Die Auszeichnung gibt Hinweise auf den Spasfaktor eines Spiels. Die genauen Motive, warum es ausgewählt wurde, bleiben jedoch im Dunkeln. Ein Blick in die Preistragerliste der vergängenen Jahre zeigt, dass padagogische Kriterien eher weniger entscheidend sind.

Kinderspiel des Jahres

Wer vergibt es? Der Verein Spiel des Jahres e. V.

Was bedeutet es? Wie beim grosen Bruder, demSpiel des Jahres , werden die Spielidee, die Verstandlichkeit der Regeln und die Stabilitat des Materials bewertet. BeimKinderspiel des Jahres für junge Spieler bis acht Jahren müssen auserdem padagogische Kriterien erfullt werden. In der Jury sitzen Spielekritiker und Fachjournalisten, die unabhangig von Spielautoren und -herstellern sein müssen. Umwelt- und Gesundheitsaspekte, die über die gesetzlichen Vorschriften hinaus gehen, werden nicht untersucht. Der Verein finanziert seine Arbeit mit Lizenzgebuhren für das Signet.

Bewertung: Gesundheits- und Umweltaspekte spielen keine Rolle. Eltern können aber davon ausgehen, dass die Preistrager – auch aus padagogischer Sicht – empfehlenswert sind. Leider begründet die Jury ihre Entscheidungen nicht.

Auditorix

Wer vergibt es? Die Initiative Horen und die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen.

Was bedeutet es? Mit dem qualitätszeichen sollen herausragende deutschsprachige Horspiele und Horbucher für Kinder von drei bis 13 Jahren gekennzeichnet werden. Jeder Verlag kann bis zu zehn Vorschlage einreichen. Die Jury besteht aus unabhangigen Medienpadagogen und -erziehern, Kommunikationswissenschaftlern sowie Kinder- und Jugendbuchautoren. Als Kriterien werden neben „Horgenuss“ und „handwerklichem können“ vor allem padagogische Aspekte wie etwa „thematische Vielfalt“ oder „Anregungen, die die Gedankenwelt, die Gefuhle und das Wissen voranbringen“, genannt. Die Inhaltsstoffe der CD-Materialien oder die Umweltvertraglichkeit der Verpackungen spielen bei der Vergabe keine Rolle. Bei der ersten Auflage im Jahr 2009 wurden insgesamt zehn Horbucher aus 123 Vorschlagen der Verlage ausgezeichnet.
Bewertung: Das noch junge ZeichenAuditorix hilft Kindern und Eltern, sich auf dem wachsenden Markt für Horbucher zurechtzufinden.

Au-pair incoming/outgoing

Wer vergibt es? Das RAL Deutsche Institut für Gutesicherung und Kennzeichnung und die Gutegemeinschaft Au-pair.

Was bedeutet es? Das Siegel soll die Suche nach einer verlasslichen Vermittlungsagentur für Au-pair-Stellen erleichtern. Unter anderem müssen Agenturen, die ins Ausland gehende Jugendliche betreuen, garantieren, dass die Vermittlung nur über vertrauenswurdige Partneragenturen erfolgt. Arbeitszeit, Tatigkeiten sowie Leistungen der Gastfamilie werden schriftlich fixiert. Gastfamilien in Deutschland verpflichten sich, die Au-pairs ausreichend zu versichern und ein monatliches Mindesttaschengeld von 260 Euro zu zahlen. Die Einhaltung aller Kriterien prufen unabhangige Gutachter bis zu zweimal jahrlich – unangekundigt. Eine Liste mit rund 50 zertifizierten Agenturen gibt es aufwww.guetegemeinschaftaupair.de .
Bewertung: Das Zeichen bietet einen verlasslichen Schutz vor unseriosen Anbietern.

OK für Kids

Wer vergibt es? Der TUV Nord und der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB).

Was bedeutet es? Hotels und Erlebnisorte werden auf ihre Kinderfreundlichkeit überpruft. Die Kriterien, die im Internet einsehbar sind, entwickeln Kinder und Experten gemeinsam. Es gibt drei gründlegende Bereiche: „Leitlinien“, „Ausstattung/Service“ und „Handeln gegenüber und mit Kindern“. Gepruft wird vor Ort etwa die Kinderfreundlichkeit als Unternehmensleitlinie, der Einsatz von geschulten Betreuern und die Beteiligung von Kindern an der Programmgestaltung. Das Zeichen wird auf Antrag vergeben. Erganzend bietet der DKSB ein Beratungskonzept für Unternehmen an. Nach der Vergabe gibt es stichprobenartige Tests. Altersempfehlungen werden leider nicht gemacht. Zertifiziert wurden bisher mehrere Familotels sowie der Movie- und der Hansa Park.

Bewertung:Ok für Kids ist für Eltern ein guter Anhaltspunkt. Da es sich aber um keinen verdeckten Test handelt und bislang nur wenige Hotels und Erlebnisorte ausgezeichnet wurden, taugt das Siegel nicht für einen Vergleich der Anbieter am Markt.

Foto: Brand X