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Keine Sanierung ohne Experten


Denkmalsanierung - epaper ⋅ Ausgabe 1/2018 vom 29.06.2018

DER ENERGIEBERATER IM BAUDENKMAL


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Bildquelle: Denkmalsanierung, Ausgabe 1/2018

Auch dieses Denkmal in Wiesbaden wurde mit Unterstützung eines Energieberaters im Baudenkmal energetisch saniert.


Die Anerkennung des Energieberaters für Baudenkmale wurde ins Leben gerufen, als die Förderbank KfW sowie das zuständige Ministerium ein Förderprogramm zur energetischen Sanierung für Denkmale sowie erhaltenswerte Bausubstanz auflegten. Damit die Sanierung dieser Gebäude unter fachlich qualifizierter Aufsicht erfolgt, wurde in Abstimmung mit den Architekten- und Ingenieurkammern der „Energieberater für Baudenkmale“ geboren. Zur Durchführung der Anerkennung hat ...

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... der Verein WTA e. V. (Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e. V.) zusammen mit der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger die Koordinierungsstelle „Energieberater für Baudenkmale“ an die WTA GmbH übertragen.

Die Führung der Liste der Energieberater für Baudenkmale sowie die allgemeine Verwaltung der Einträge wird durch die Koordinierungsstelle an die WTA GmbH delegiert. Diese nimmt in Absprache mit der Koordinierungsstelle alle Aufgaben und Pflichten wahr.

Die Anerkennung als Energieberater im Baudenkmal ermöglicht Sachverständigen die Planung, Durchführung und Bewertung von Maßnahmen zur Energieeffizienzsteigerung an Baudenkmalen und sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz im Rahmen der KfW-Programme zur energetischen Sanierung (KfW-Programmnummern 151/152, 430, 431, 218, 219 in der jeweils gültigen Fassung). Personen, die gemäß dieses Schemas als Sachverständige anerkannt sind, sind befähigt, die „energetische Fachplanung und Baubegleitung“ sowie die Bestätigungen zur Antragstellung und zur Durchführung für Baudenkmale und für sonstige besonders erhaltenswerte Bausubstanz im Sinne des § 24 En EV im Rahmen der genannten KfW-Programme durchzuführen.

UMFANGREICHE KENNTNISSE

Anerkannte Personen weisen im Speziellen das folgende Wissen und die folgenden Fähigkeiten auf:

• Fähigkeit zur selbstständigen Durchführung von energetischer Fachplanung und Baubegleitung sowie Kenntnisse oder Erfahrungen in der fachgerechten Bearbeitung von Baudenkmalen und sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz

• Fähigkeit, relevante Bauschäden erkennen und beurteilen zu können

• Kenntnis der einschlägigen Gesetze, Normen und Richtlinien sowie Förderprogramme

• Fähigkeit der Kommunikation mit Behörden.

Die Verlängerung des Eintrags bzw. die Anerkennung muss alle drei Jahre mit den entsprechenden theoretischen und praktischen Nachweisen erneut beantragt werden. Als Architekt und Energieberater im Baudenkmal ist es die Aufgabe, ein erhaltenswertes Gebäude im Einklang von Denkmalschutz und Energieeinsparverordnung zu sanieren und zu modernisieren. Es reicht also nicht aus, die vorhandene Bausubstanz zu konservieren, sondern das Gebäude muss gleichzeitig auch in energetischer Hinsicht zukunftstauglich gemacht werden, ohne dabei Kulturgut zu zerstören oder dauerhaft zu schädigen.

Es sollte der Anspruch sein, die alte Bausubstanz „liebevoll“ wiederherzustellen bzw. zu bewahren und ggf. durch neue Techniken oder Baumaterialien dauerhaft zu verbessern. Ziel ist das Beseitigen von alters- und bauartbedingten Mängeln, einschließlich dem Konservieren der bestehenden Bausubstanz. Energetische Ertüchtigungsmaßnahmen lassen sich auch oftmals mit dem Rückbau nicht denkmalgerechter Bausubstanz als Chance begreifen.

BEISPIEL INNENDÄMMUNG

Bestehende Werte können über Generationen hinweg zukunftsfähig gemacht werden. Dabei gilt es dann immer wieder, auch aktuelle Tendenzen aufzugreifen, diese aber auch sehr kritisch zu prüfen. Ein Beispiel dafür ist eine moderate Innendämmung auf Basis nachhaltiger Baumaterialien, wenn eine Außendämmung aus denkmalrechtlichen Gründen nicht möglich ist. Dies funktioniert mittlerweile, aber nur, wenn die Bauphysik und deren Folgen bei der Planung gewissenhaft berücksichtigt werden. Zu empfehlen ist ein hoch mineralisches und vor allem dampfdiffusionsoffenes Wandsystem, weil es die problematische Innenkondensation im Wesentlichen selbst reguliert.

Pro Innendämmung:

• Denkmalschutz der Fassade kann erhalten bleiben
• Behaglichkeit
• Energieeinsparung
• höherer Freiheitsgrad in der Möblierung
• bessere Vermietbarkeit, folglich höherer Marktwert
• witterungsunabhängiger als Außendämmung
• große Planungsfreiheit in materialtechnischer Hinsicht

Kontra Innendämmung:

• thermisch bedingte Längenänderung der Bauteile (ggf. Rissbildung)
• sommerlicher Wärmeschutz
• Wärmebrücken-Aktivierung
• Anfälligkeit durch nutzungsbedingte Durchdringungen
• kleinere Nutzfläche
• Feuchteschutz technischer Aufgaben erforderlich (z. B. fehlender Schlagregenschutz)
• Anfälligkeit bei schlechter Planung und Ausführung

In der Regel dreht sich beim Energieberater im Baudenkmal alles darum, einen harmonischen Kompromiss von Denkmalpflege und Energieverbrauch zu finden. In der Praxis heißt das, dass der Berater sich bei seiner Arbeit an den Vorgaben der En EV orientieren muss, ohne die dort geltenden Auflagen in allen Aspekten erfüllen zu müssen. So ist es auch möglich, nach entsprechender Plausibilitätsprüfung eine Befreiung von der En EV zu erwirken. Dabei lässt sich meistens eine erhebliche Verbesserung schaffen – und sei es nur, um das Wohlbefinden des Nutzers zu erhöhen. Hierbei sollten auch das jeweilige Nutzerverhalten analysiert und ggf. Anreize für ein verbessertes Heiz- und Lüftungsverhalten geschaffen werden.

Viele Verbesserungen stehen in keinem Lehrbuch und müssen erst mit dem entsprechenden Ingenieurgeist entwickelt werden. Manchmal ist bereits eine kleine, kaum erkennbare Holzleiste ausreichend, um Zugerscheinungen zu minimieren. So kann der Energieberater einen wesentlichen Beitrag zur Behaglichkeit des Nutzers beisteuern, ohne das Baudenkmal zu verfälschen.

SORGFÄLTIGE BERECHNUNGEN

Pauschale Amortisationsberechnungen in Form von Kuchen- oder Balkendiagramm können hilfreich sein, sollten aber immer kritisch hinterfragt werden. Für die Einhaltung der Energieeinsparverordnung ist zwar ein pauschaler Wärmebrückenzuschlag ausreichend. Bei gewissenhafter Beurteilung energetischen Verbesserungspotenzials sollte jedoch jede Wärmebrücke im rechnerischen Einzelnachweis überprüft werden und darüber hinaus noch auf praktische Sinnhaftigkeit. Das allgemeine Credo „Viel hilft viel“ kann auf lange Sicht ein Denkmal zerstören. Oftmals war die ursprüngliche Bausubstanz der damaligen Baumeister im Anbetracht der geringen technischen Hilfsmittel von außerordentlicher Güte und wurde erst später durch unüberlegte, nicht sinnvolle Maßnahmen im Wortsinne kaputt saniert. Hier kommt es darauf an, das Gute vom Schlechten zu trennen: das Gute zu bewahren, das Schlechte zu eliminieren und mit geeigneten Materialien sensibel zu ertüchtigen. Auch nicht fachgerechte Lösungen können bei entsprechender hochqualitativer Umsetzung die beste Option sein.

Im Altbaubereich gleicht keine Baumaßnahme der anderen. Trotz vielfältiger Erfahrungen aus vorangegangenen Baumaßnahmen geraten auch Experten für Baudenkmale immer wieder in Situationen, bei denen man durch Anamnese und Analyse der Gegebenheiten zu neuen Schlüssen gelangt. Wenn man sich vor Augen hält, wie viel alte Bausubstanz es in Deutschland gibt, dann ist es wichtig, die Menschen dafür zu sensibilisieren, welches Kapital sich hier verbirgt und welche Arbeit und Sorgfalt gleichzeitig nötig sind, um diese Bauten neu zu beleben. Durch eine wohlüberlegte Planung und Baubegleitung lässt sich dabei ein hoher Mehrwert für jeden Altbau erzielen.

Weitere informationen zum energieberater im Baudenkmal: www.wta-gmbh.de

CLAUDIUS BECKMANN
ist Architekt. Er hat mit seinem Büro vielfältige Erfahrung im umgang mit Altbausubstanz – Voraussetzung für die Anerkennung als Energieberater im Baudenkmal.
www.architekturbuero-beckmann.de


Fotos: Beckmann