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Keine vergeudete Zeit


ÖKO-TEST Ratgeber Gesundheit & Fitness - epaper ⋅ Ausgabe 8/2008 vom 19.11.2008

Knapp ein Drittel unseres Lebens verschlafen wir. Doch während wir ruhen und uns erholen, herrscht in den Reparaturwerkstätten des Körpers Hochbetrieb. Und auch das Gedächtnis braucht die Nachtruhe, um besser zu funktionieren.


Artikelbild für den Artikel "Keine vergeudete Zeit" aus der Ausgabe 8/2008 von ÖKO-TEST Ratgeber Gesundheit & Fitness. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

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„Vier Stunden schläft der Mann, fünf die Frau und sechs der Idiot“, so oder ähnlich hat es Napoleon angeblich gesagt. Auch für Thomas Edison war Schlaf nichts anderes als Zeitverschwendung. Gerüchten zufolge kam der Erfinder der Glühbirne mit zwei Stunden Nachtruhe aus.

Möglicherweise sträubten sich die beiden unbewusst gegen lange Schlummerzeiten, weil ihnen der ...

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... Schlaf ein wenig unheimlich war – schließlich ist der Mensch hier mehr oder weniger ohne Bewusstsein. Als todesähnlicher Zustand wurde der Schlaf daher lange Zeit bewertet: In der griechischen Mythologie ist Hypnos, der sanfte Gott des Schlafs, ein Bruder von Thanatos, dem Tod. Auch die Germanen hielten Schlaf und Tod für Geschwister, beide wurden „Sandmann“ genannt.

Doch der Schlaf hat weniger mit dem Tod als mit dem Leben zu tun. Das weiß jeder, dem tagsüber schon mal ein paar Stunden Schlaf gefehlt haben: Die Knochen tun weh, man friert, das Gehirn ist wie gelähmt und es fällt schwer, sich zu konzentrieren. Eigentlich will man nur eines – sich endlich hinlegen.

Körper und Geist brauchen die nächtliche Pause. Warum das so ist und was im menschlichen Organismus während des Schlafs vor sich geht, damit beschäftigen sich Wissenschaftler nun seit einigen Jahrzehnten. Erste Erkenntnisse über den Schlaf gewannen Forscher in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts, nachdem die Elektroenzephalografie (EEG) entwickelt wurde. Diese Messmethode erlaubt es, Hirnströme präzise zu verfolgen. Die Daten im Schlaflabor machen sichtbar, dass das Gehirn seine elektrische Aktivität ständig verändert, sobald wir die Augen schließen. Neurowissenschaftler unterscheiden fünf Schlafstadien, wobei Tiefschlaf (NonREM-Schlaf) und Traumschlaf (REM-Schlaf) die beiden wichtigsten Phasen sind. Alle Schlafphasen zusammen ergeben einen Schlafzyklus von rund 90 Minuten. Dann wachen wir kurz auf – oft ohne es zu merken – und schlummern gleich wieder ein. Wer acht Stunden schläft, begibt sich sechsmal auf die Berg- und Talfahrt zwischen Tiefschlaf und Traumschlaf.

Umschalten auf den Ruhemodus

Während der Einschlafphase, dem ersten Schlafstadium, registriert das EEG gleichmäßige Wellen, die immer langsamer und höher werden. Unsere Muskeln beginnen sich zu entspannen, manchmal zucken dabei kurz die Beine. Die Augen pendeln von oben nach unten, zunehmend verengt sich die Wahrnehmung und geht in Fantasien über. Die etwa fünfzehnminütige Phase sollte störungsfrei verlaufen, denn der Schlaf ist noch sehr labil.

Das zweite Schlafstadium ist ein leichter Tiefschlaf. Wir sinken immer weiter in den Schlaf, die inneren Bilder verschwinden. Das EEG-Protokoll verzeichnet jetzt einzelne heftige Ausschläge. Die Augen beruhigen sich, die Muskeln erschlaffen und wir bewegen uns kaum. Gleichzeitig werden Puls und Atmung langsamer und Blutdruck sowie Körpertemperatur sinken.

Im eigentlichen Tiefschlaf dann, in den Stadien drei und vier, bewegen sich die Hirnströme gemächlich in gleichmäßigen hohen Wellen, den sogenannten Deltawellen. Die Muskeln sind schlaff und die Augen relativ ruhig. Das Herz schlägt nur noch 50- mal pro Minute. In dieser Phase können die Schläfer nur schwer geweckt werden.

Während wir äußerlich reglos sind, herrscht in den Reparaturwerkstät- ten des Körpers allerdings Hochbetrieb. Der Körper produziert vor allem Wachstumshormone. Dadurch teilen und erneuern sich Zellen, die Haut ersetzt zum Beispiel abgestorbene Hornzellen, das Immunsystem liefert neue Killerzellen und Antikörper. Gleichzeitig läuft die Kommunikation von Nervenzellen auf Hochtouren: Sie speichert und verarbeitet Erlerntes. Auf diese Weise regenerieren sich Körper und Geist.

Im Bett ist’s nett – und am Wochenende passt auch schon mal die ganze Familie unter eine Decke.


Foto: irisblende.de

Heftiges Augenrollen und wilde Träume in der REM-Schlafphase

Es folgt der REM-Schlaf, das fünfte Stadium. REM steht für „Rapid Eye Movements“ und bezeichnet die Periode während unseres nächtlichen Trips, in der die Augäpfel unter den geschlossenen Lidern plötzlich heftig zucken und rollen. Während des REM-Schlafs beschleunigen sich die Hirnströme plötzlich und tanzen in kleinen Zickzacksprüngen über das Diagramm. Puls und Atmung werden unruhig, der Penis erigiert.

Schwer aktiv: Das Gehirn macht nachts keine Pause. Mit einem EEG lassen sich die Hirnströme messen.


Foto: Helios Kliniken GmbH

Nicht zu wenig, nicht zu viel

Wer dauerhaft zu wenig schläft, bezahlt das mit Bluthochdruck, erhöhtem Blutzucker, einem angeschlagenen Immunsystem und Konzentrationsstörungen. Länger schlafen als nötig ist allerdings auch nicht ratsam. Der Blutdruck sackt nach unten und man fühlt sich eher schlapp als frisch und erholt. Eine japanische Studie hat sogar ergeben, dass sieben Stunden Schlaf das gesündeste Maß sind. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach brauchen etwa 60 Prozent der Deutschen nach eigenen Angaben täglich sieben bis neun Stunden Schlaf, um fit zu sein. Frauen tendieren deutlich häufiger als Männer zu acht bis neun Stunden Nachtruhe.

Diese Phase ist die Zeit der Träume. Jetzt verarbeitet das Gehirn die Eindrücke des Tages und wiederholt unbewusst motorische Fertigkeiten.

Im Laufe von mehreren Schlafzyklen verändern sich Dauer und Intensität der einzelnen Phasen. In der ersten Hälfte der Nacht sind die Tiefschlafphasen länger und das Wachstumshormon regiert. In der zweiten Nachthälfte gewinnt das Stresshormon Kortisol die Oberhand. Es drosselt die Regeneration, lässt den Tiefschlaf leichter werden und bereitet den Körper auf das Erwachen vor. Die Träume werden heftiger und länger und können sich in den Morgenstunden bis zu einer Dreiviertelstunde erstrecken. Wer während einer REM-Phase geweckt wird, kann sich meist deutlich an seinen Traum erinnern – deshalb sind die Traumfetzen direkt nach dem Aufwachen am lebendigsten. Und noch etwas Erstaunliches zeigt sich nach dem Schlaf: Aufgaben, die am Abend zu schwer erschienen, gehen nun leichter von der Hand. Denn die Nachtruhe hilft auch dem Gedächtnis auf die Sprünge.

Erst lernen, dann schlafen

Experimente belegen, dass der Schlaf eine entscheidende Rolle für die Gedächtnisbildung spielt. Das betrifft sowohl das prozeduale Gedächtnis, das sich auf das unbewusste Erlernen von Bewegungsabläufen, feinmotorischen Fertigkeiten und Sinnesverknüpfungen bezieht, als auch das deklarative Gedächtnis, das für das bewusste Erinnern von Fakten und Episoden zuständig ist. „Wenn jemand ein Klavierstück übt, Vokabeln paukt oder sich ein U-Bahn-Netz einprägt und in der darauf folgenden Nacht schläft, werden die frisch erworbenen Fähigkeiten besser im Langzeitgedächtnis eingespeichert, als wenn er in der ersten Nacht wach bleibt“, erklärt Hirnforscher Professor Jan Born vom Institut für Neuroendokrinologie der Universität Lübeck.

Das bewies Born mit seinem Forscherteam durch eine Reihe von Studien. In einem Versuch beispielsweise bearbeiteten 106 Testpersonen im ersten Schritt eine Reihe von Zahlenrätseln, in die die Antwort in Form eines versteckten Schlüssels eingebaut war. Danach legte sich die eine Gruppe für acht Stunden aufs Ohr, während die Mitglieder der anderen Gruppe unterschiedlich lange wach bleiben mussten. Ein paar Tage später, nachdem inzwischen alle ausgiebig geruht hatten, wurden den Teilnehmern erneut Aufgaben mit dem bekannten Lösungsprinzip vorgelegt. Das Ergebnis: Von den Tüftlern, die das Problem überschlafen hatten, waren doppelt so viele erfolgreich wie von denen, die auf die Bettruhe verzichten mussten.

Die verschiedenen Schlafstadien scheinen nach Borns Erkenntnissen dabei jeweils unterschiedliche Gedächtnisleistungen zu unterstützen.

Der REM-Schlaf fördert die unbewussten Lernvorgänge wie den Erwerb motorischer Fähigkeiten. Der Tiefschlaf dagegen ist für höhere kognitive Leistungen verantwortlich. Er spielt die entscheidende Rolle, wenn es darum geht, sich Fakten zu merken oder knifflige Aufgaben zu bewältigen.

Am nächsten Tag ist manches einfacher – denn der Schlaf hilft auch dem Gedächtnis auf die Sprünge.


Foto: irisblende.de

Vielleicht haben deshalb auch einige Berühmtheiten die nächtliche Auszeit in vollen Zügen genossen. Goethe beispielsweise war ein bekennender Freund des Schlafs und gönnte sich mindestens neun Stunden. Und Einstein verbrachte zehn bis zwölf Stunden im Bett, wo er auch wesentliche Aspekte seiner Relativitätstheorie entdeckt haben soll.

Kurz nach dem Aufwachen sind Träume oft noch ganz lebendig, aber wenig später verblassen die Traumbilder.


Foto: Image Source

Verein für Langschläfer

„Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, sind wir da, wo’s schöner ist“ – so lautet ein Motto der Langschläfer, die sich im Spätaufsteherverein Delta-t organisiert haben. Der Zusammenschluss hat das Ziel, zeitversetzt und lang schlafenden Menschen zu Anerkennung, Toleranz und einem ihrer Natur entsprechenden Leben zu verhelfen. Weitere Infos gibt es auf der Internetseitewww.delta-t.org