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Kinder und Jugendliche – die neue Generation


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NaturApotheke - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 07.09.2022

Erwachsene haben oft ganz bestimmte Erwartungen an ihre Kinder und legen dabei ihre eigenen Erfahrungen und Wertvorstellungen zugrunde. Die Kinder sollten irgendwann auf eigenen Füßen stehen, selbst eine Familie gründen können und uns im Alter möglichst unterstützen – so wie wir das auch für unsere Eltern tun würden. Der gesellschaftliche und vor allem der technische Wandel, die Globalisierung, Pandemien und der Klimawandel stellen alle jetzt lebenden und künftigen Generationen vor größte Herausforderungen. Unsere Kinder und Enkel sind dabei das schwächste Glied in der Kette, das dürfen wir auch im Hinblick auf den demographischen Wandel hin zu einer alternden Gesellschaft nicht vergessen. Aus diesem Grund tun wir gut daran, die Interessen der Jugend bei gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen mehr miteinzubeziehen.

Seit mehr als 2000 Jahren schimpfen die Alten über die ...

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... Jungen

Zitat von Sokrates (5. Jhd. v. Chr.): „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

ZUNEHMEND UNGLEICHE LEBENSBEDINGUNGEN

Kinder und Jugendliche haben in unserer Zeit und ganz besonders seit der Corona-Pandemie vermehrt mit ähnlichen Entwicklungs- und Gesundheitsproblemen zu kämpfen, wie beispielsweise Übergewicht, Rückenschmerzen, Depressionen und Angststörungen. Trotzdem trifft es nicht alle Kinder und Jugendlichen gleich hart. Bemerkenswert ist, dass sich die junge Generation in sehr unterschiedlichen Lebenslagen wiederfindet, je nachdem, welcher Gesellschaftsschicht sie angehört und in welchen Regionen sie aufwächst. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war der Unterschied zwischen Arm und Reich in Deutschland noch nie so groß wie heute und die Corona-Pandemie hat die Chancenungleichheit noch verstärkt. Das bezieht alle Lebensbereiche mit ein: Gesundheit, Bildung, Wohnen und berufliche Aufstiegschancen. Die zunehmende Ungleichheit in unserer Gesellschaft verhindert auch, dass wir uns ausreichend um die eigentlich wichtigen Themen unserer Zeit kümmern können. Es geht um Wohlstand und Lebensqualität für uns alle und um die Zukunft unserer Kinder in unserem Land und auf unserem Planeten. Vergessen wir nicht, dass es diese und folgende Generationen sein werden, die sich eines Tages um uns kümmern müssen, wenn wir alt und auf Hilfe angewiesen sind.

WAS BRAUCHEN KINDER?

Kinder müssen eine Menge Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln, um als Erwachsene ein glückliches und selbstständiges Leben führen zu können. Sie brauchen neben einer gesunden Ernährung mit gemeinsamen Mahlzeiten die Geborgenheit der Familie, Bewegung in der Natur, Bildung, Aufmerksamkeit und Verlässlichkeit im Alltag sowie den sozialen Austausch mit anderen Kindern. Das schien früher sehr viel einfacher zu bewerkstelligen als heute.

Kinder gesund ernähren

Um Kinder für eine gesunde, vollwertige Ernährung zu begeistern, ist einiges an Erziehungsarbeit erforderlich, insbesondere die Vorbildfunktion der Eltern. Kinder werden langsam an den Geschmack gesunder Lebensmittel herangeführt.

» Kinder essen mit allen Sinnen: Da hilft es schon mal, die Karotte wie eine Blume zu schneiden und viel buntes Fingerfood anzubieten.

» Gemeinsam mit Kindern kochen und sie bei der Menüplanung mitreden lassen.

» Verschmähte Lebensmittel in kurzen Abständen immer wieder auf neue Art anbieten.

» Kinder immer wieder erinnern, genügend zu trinken. Hier bieten sich beispielsweise verdünnte Fruchtsäfte, ungezuckerte Tees und Mineralwasser an, um den Durst zu löschen.

» Süßigkeiten nicht als Belohnung für gute Leistungen einsetzen oder wenn das Kind quengelig ist, denn das fördert später ein ungesundes Essverhalten mit Folgeerkrankungen.

FAMILIENLEBEN FRÜHER

Familien lebten enger und dauerhafter zusammen, die Großeltern waren öfter in erreichbarer Nähe. Es gab kein Handy, kein Internet, wenig Fernsehen und das Leben war unkomplizierter zu organisieren. Kinder haben sich nach der Schule verabredet oder auf der Straße getroffen. Spätestens zum gemeinsamen Abendessen hat sich die Familie am Tisch versammelt. So waren Kinder viel weniger beaufsichtigt als heute, obwohl sie häufiger im Haushalt mithelfen mussten. Bewegungsmangel war selten und die Spiele durften draußen in der Natur oder im städtischen Park auch mal abenteuerlich sein. Wichtige Fertigkeiten und motorische Fähigkeiten wie Muskelkraft und Gleichgewichtssinn wurden trainiert, indem man auf Bäume kletterte, Verstecken spielte und Baumhäuser baute. Den Geist konnte man dabei ebenfalls schulen. Das heißt nicht, dass früher alles besser war, denn auch damals waren Kinder der Willkür von Erwachsenen ausgesetzt oder haben andere schlimme Erfahrungen gemacht. Es waren einfach andere Lebensbedingungen.

EIN DURCHORGA-NISIERTES LEBEN

Kinder machen heute nur noch selten die Erfahrung von Langeweile. Das Gefühl, nichts Rechtes mit sich und der Zeit anfangen zu können, schafft aber auch wichtige Freiräume für Kreativität und die Auseinandersetzung mit sich selbst, um Geist und Seele gesund zu erhalten. Diese Freiräume gehen zunehmend verloren, wenn Kinder von morgens bis abends einem strengen Terminplan folgen und Lücken sofort mit dem Handy oder dem Tablet gefüllt werden. Aus Zeitgründen oder weil der Schulweg gefährlich ist, werden Kinder häufig mit dem Auto in die Schule gebracht und wieder abgeholt, während die Eltern in der Zwischenzeit ihrer Arbeit nachgehen. Nach dem Unterricht schließt sich für viele Schüler eine Mittagsbetreuung an, wo sie, natürlich beaufsichtigt, spielen und Hausaufgaben machen können. Diverse Freizeitbeschäftigungen wie Sportvereine, Reitoder Musikunterricht müssen zusätzlich im Terminkalender berücksichtigt werden, wenn das finanziell und organisatorisch noch möglich ist. Abends bleibt dann meist kein Raum mehr, um sich spontan mit Freunden zu treffen. Dieses geplante Leben unter Beaufsichtigung hat auf der einen Seite seine Berechtigung, denn was ist, wenn dem Kind unter fremder Aufsicht etwas passiert? Wer haftet dann für die Folgen? Unsere Kinder mögen dieses Leben als normal empfinden, denn sie kennen ja kein anderes. Auf der anderen Seite entsteht dadurch aber auch leicht eine Überbehütung, die unseren Kindern weniger Spontaneität und Entwicklungsfreiräume erlaubt und so ihre Ressourcen und ihre Fantasie einschränkt. Versuchen wir, ihnen wieder mehr Freiräume zu eröffnen, auch indem wir mit gutem Beispiel vorangehen und uns selbst die Zeit dafür nehmen. Setzen wir das Smartphone weniger als Kontrollinstrument ein. Wir Erwachsenen müssen nicht immer alles über unsere Kinder wissen und sie ständig im Blick haben. Haben wir ein wenig Vertrauen, dass sie altersgerecht eine gewisse Selbstständigkeit und Lebenstauglichkeit entwickeln können, damit sie zu glücklichen Erwachsenen heranreifen, die ihren Alltag meistern.

GESUNDES ESSEN FÜR KINDER

Eine gute Lebensqualität für Kinder beinhaltet auch eine gesunde Ernährung (siehe auch NA 02/2022, ab Seite 24). Leider hat die Ernährungsindustrie mit ihren ungesunden Snacks und Süßigkeiten gerade die Kinder im Fokus. Über die Werbung wird den Erwachsenen zusätzlich suggeriert, dass es sich dabei um gesunde Lebensmittel handelt, die den Kindern nicht schaden. Werfen wir einen allgemeinen Blick auf die Ernährungsgewohnheiten unserer Kinder, so zeigt sich ein alarmierendes Bild. 3,5 Millionen Kinder werden mittags über Schulküchen und Catering-Services ernährt. Da diese Versorgung den Kindern schmecken und preiswert sein soll, enthält sie oft zu viel Fett, Zucker, Salz und einfache Kohlenhydrate. Ein weiterer großer Teil der Schulkinder ernährt sich vorzugsweise von Fastfood und süßen Getränken. Sie bekommen Geld von zu Hause mit, um sich in der Schule etwas zu essen zu kaufen. Mit frischem Obst, Gemüse und Vollkornprodukten in einer guten Qualität sind die meisten Kinder daher unterversorgt, auch weil es weniger attraktiv scheint als Döner, Pizza & Co. Deren Verkaufsstände stellen ganz nebenbei auch beliebte Treffpunkte für das soziale Leben unserer Kinder dar. Wer hier dazugehören möchte, macht mit, insbesondere wenn alternative Treffpunkte fehlen. Langfristig hat das oft Folgen für die Gesundheit. Unsere Kinder sind vermehrt übergewichtig und entwickeln öfter ernährungsbedingte Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 oder Essstörungen. Aber auch Hauterkrankungen, Allergien und psychische Störungen lassen sich auf ungesundes Essverhalten zurückführen. Kinder lieben Süßes und das gehört zur Kindheit dazu – aber in Maßen.

Nährstoffmangel bei Kindern und Jugendlichen

Insbesondere hochverarbeitete Nahrungsmittel fördern eine Mangelernährung bei Kindern und Jugendlichen, die während ihrer Entwicklungsphasen besonders viele Nährstoffe benötigen. Dazu gehören Fertiggerichte, Wurstwaren, Softdrinks und Süßigkeiten. Ein übermäßiger Konsum dieser Nahrungsmittel belastet nicht nur das kindliche Immunsystem und das Körpergewicht, es kann auch zu ADHS-ähnlichen Symptomen, zu depressiven Verstimmungen und zu verminderter Leistungsfähigkeit führen. Reizbarkeit, überschießende Impulsivität und Konzentrationsstörungen können durch einen Mangel an Vitalstoffen in der Ernährung entstehen und führen manchmal vorschnell zur Diagnose ADHS.

TIPP: Eine Laboruntersuchung, die Aufschluss über die Mikronährstoffe im Blut gibt, kann hier richtungweisend sein. Mit einer vollwertigen Ernährung und gegebenenfalls mit der vorübergehenden Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln lässt sich die Situation deutlich verbessern.

KINDER ENTWICKELN SICH UNTERSCHIEDLICH

Laut Bundespsychotherapeutenkammer in Deutschland ist derzeit jedes dritte Kind psychisch auffällig. Vor der Pandemie betraf das nur jedes fünfte Kind. Unsere Kinder leiden an Depressionen, Ängsten, Suchterkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten. Sie sind aggressiv, hyperaktiv, aufsässig und haben Konzentrationsprobleme. Die Corona-Pandemie hat die Situation verschärft und es gibt längst nicht genug Hilfsangebote für Kinder und Jugendliche.

Auffällige Kinder und Kinder, die anders als andere waren, gab es schon immer. Deutlich macht das die Geschichte vom Struwwelpeter aus dem Jahr 1844. Es waren früher der Klassenkasper, der Rauf bold oder der Zappelphilipp, die in der Schule für Aufsehen sorgten und meist Disziplinarmaßnahmen des Lehrers, wie das Nachsitzen oder andere Strafarbeiten, zu spüren bekamen. Auch das „In der Ecke stehen müssen“ ist mir als Kind noch begegnet. Half alles nichts, folgte ein Elterngespräch mit dem Lehrer oder dem Schuldirektor. Insgesamt waren solche Situationen allerdings zumeist überschaubar und stellten kein größeres Problem dar.

Was das Smartphone bewirkt

Allgemein wird ein Handy erst ab neun Jahren empfohlen. Belegt ist inzwischen durch zahlreiche Untersuchungen, dass sich die Gehirne durch die intensive Nutzung der digitalen Medien in ihrer Struktur verändern. Manche Bereiche verkümmern und andere Bereiche entwickeln neue Vernetzungen und Neuronen, werden also auch gefördert. Was das langfristig für Folgen mit sich bringt, vermögen wir heute vielleicht noch gar nicht abzuschätzen, weil hier schlicht die Langzeiterfahrung fehlt.

Wir dürfen aber auch das Vertrauen in unsere Kinder haben, dass sie lernen werden, damit richtig umzugehen. Sie werden genau die Fähigkeiten entwickeln, die sie später im Alltag und Berufsleben brauchen.

Wir Erwachsenen haben dabei die Aufgabe, Kinder vor den Gefahren im Netz zu schützen und dafür zu sorgen, dass sie andere für ihre Entwicklung wichtige Dinge nicht vernachlässigen. Das bedeutet, dass wir uns intensiv damit auseinandersetzen müssen, was für unsere Kinder je nach Alter im Einzelnen gut oder schlecht ist. Das bedeutet auch immer, Grenzen zu setzen und konsequent zu bleiben, was mitunter ziemlich anstrengend werden kann.

VIELE ANFORDERUNGEN

Seit Jahren haben wir einen zunehmend drastischen Mangel an Lehrern, Erziehern und Pädagogen für unsere Kinder zu beklagen und deren Überforderung wächst mit immer neuen Aufgaben. Man denke nur an den Online-Unterricht, der in der Pandemie ganz kurzfristig gestartet werden musste. Geeignete Quereinsteiger sollen das Problem abfedern, Fachkräfte werden aus dem Ruhestand zurückbeordert oder sollen gar nicht erst in Rente gehen. Unter solchen Bedingungen müssen sich Kinder möglichst gut anpassen können und in der Gruppe funktionieren, um die Kindergarten- und Schulzeit unbeschadet zu überstehen. Ihrem Entwicklungspotenzial wird man dabei nur selten gerecht werden. Kinder fallen häufiger aus der vorgegebenen Norm heraus und gelten schnell als auffällig. Wie viel Potenzial verschenken wir dadurch für unser aller Zukunft, indem wir unseren Nachwuchs so wenig unterstützen! Manche Lehrkräfte empfehlen den Eltern hyperaktiver Kinder, vom Arzt das Medikament Ritalin verschreiben zu lassen, damit diese Kinder sich besser in die Klassengemeinschaft integrieren können, oder dass die Kinder zu einer Förderschule wechseln sollen.

Andere Kinder verweigern schlicht und dauerhaft den Schulbesuch. Die dem Elternhaus zur Verfügung stehenden Ressourcen entscheiden mit darüber, ob es die Kinder vor diesem Druck schützen kann. Genügend finanzielle Mittel, Herkunft und gute Bildung der Eltern ermöglichen es ihren Kindern eher, sich entsprechend ihrer Fähigkeiten und ihrer Persönlichkeit zu entwickeln als Kindern aus weniger begüterten Haushalten.

Was wir als Eltern unabhängig davon aber immer tun können, ist, uns unterstützend hinter unsere Kinder zu stellen und ihre Interessen zu vertreten. Wichtig ist auch, ihr Selbstwertgefühl zu stärken und dafür zu sorgen, dass sie sich geliebt und geborgen fühlen. Das macht sie letztendlich stark für ein Leben in der Erwachsenenwelt.

DIGITALE MEDIEN VERÄNDERN UNSERE KINDER

Kulturhistorisch wurde die Einführung neuer Medien von älteren Generationen stets kritisch beäugt. Die Digitalisierung stellt hier keine Ausnahme dar und ist dennoch aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Bis zu acht Stunden täglich verbringt unser Nachwuchs inzwischen am Smartphone und am PC. Die Älteren von uns, die noch eine Kindheit und Jugend ohne Computer erlebt haben, fragen sich manchmal, ob das so gut ist für die Entwicklung. Ein kleines Kind im Vorschulalter lernt seine Umwelt schließlich über Bewegung und seine Sinnesorgane kennen. Es braucht den unmittelbaren Kontakt zu einer Bezugsperson und es muss seine Umwelt ganz physisch begreifen, um gewisse Entwicklungsschritte vollziehen zu können. Das ist vor einem Bildschirm nicht möglich. Ein zu früher Umgang mit dem Tablet oder Smartphone kann durchaus Entwicklungsstörungen nach sich ziehen.

Kindheit im Einklang mit der Natur

Wenn ich in dem kleinen Dorf zu Besuch bin, in dem eine gute Freundin, die bereits Großmutter ist, wohnt, stelle ich jedes Mal fest, dass die Kinder dort noch genauso spielen wie vor 50 Jahren. Kleine Kinder spielen meist unter Aufsicht im eigenen Garten und haben manchmal die Nachbarskinder zu Besuch. Größere Kinder treffen sich nach der Schule draußen und „treiben sich herum“. Sie spielen in Scheunen, im Stall, im Wald oder auf dem landwirtschaftlichen Hof des Nachbarn. Die Bewohner des Dorfes schauen auf die Kinder, damit nichts passiert. Man kennt sich untereinander und meist ist irgendwer von der Familie daheim. Zwar sitzen die Kinder hier auch am Computer und spielen mit dem Handy, aber deutlich weniger als Stadtkinder. Draußen sein mit anderen Kindern ist schließlich viel spannender und man ist mit seinen Freunden zusammen. Sicherlich wird dabei auch der eine oder andere Unfug ausgeheckt, der für die Kinder Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Nachteile: Der Weg zur Schule ist oft recht weit und die Kinder müssen früh aufstehen, um mit dem Bus in die entsprechende Schule zu gelangen. Nachmittags sind die Kinder, bis sie selbst mobil sind, von den Fahrdiensten der Mütter abhängig, falls sie zum Sport, zum Reitunterricht oder zu Freunden wollen, denn öffentliche Verkehrsmittel gibt es in der Regel nur wenige.

NATUR-RÄUME SCHAFFEN

In der Stadt haben Kinder dagegen weniger Raum für Naturerfahrungen, wenn sie nicht gerade einen Park oder Grünanlagen in der Nähe haben. Hier finden sich andere Lebensbedingungen und andere Gefahren für Kinder und Jugendliche, beispielsweise durch den starken Straßenverkehr, eine größere Kriminalitätsrate und weniger naturbelassene Flächen zum Spielen. Somit wird die Freizeitorganisation durch die Eltern wichtiger und das Internet bekommt eine stärkere Bedeutung für Kinder und Jugendliche. Begegnungen finden häufiger online statt, man trifft sich in Chat-Gruppen oder sucht online nach Veranstaltungen, die man besuchen möchte.

Für einen Bezug zur Natur muss man sich in der Stadt ganz bewusst entscheiden, und dies auch entsprechend organisieren. Dabei profitieren Kinder und Jugendliche ganz entscheidend von ihren Erfahrungen in der Natur. Die allgemeine Geschicklichkeit, Sinneswahrnehmungen und die körperli- che Aktivität werden spielerisch gefördert, was die Gesundheit verbessert und zu mehr Selbstbewusstsein führt.

Die Liebe zur Natur lässt sich fördern

Es gibt viele Angebote von Organisationen, Schulen, Gemeinden und Kirchen, die es Eltern leichter machen, ihren Kindern einen Bezug zur Natur zu vermitteln. Ein paar Tipps können hier oft schon weiterhelfen.

www.nabu.de/wir-ueber-uns/

organisation/naju/jugend/ 18043.html

www.wohllebens-waldakademie.de/

www.naturfreundejugend.de/

www.jugendherberge.de/

kinderfreizeiten/

Quellen & Infos

» Sigrid Schmidt, Bachblüten für Kinder, Verlag Gräfe und Unzer, 5. Auflage, 1997

» www.rki.de

» www.caritas-nah-am-naechsten.de

» www.bptk.de, die Bundespsychotherapeutenkammer

Von der Freude, Großeltern zu sein

Die Pandemie hat es gezeigt: Großeltern sind wichtig. Ohne ihre Hilfe hätte so manche Familie die beiden letzten Jahre nicht geschafft. Mit etwas Geschick und viel Zuneigung können sie zum Korrektiv eines hektischen Alltags werden

Als Vollzeit berufstätige Mutter von drei Kindern war ich glücklich über die Hilfe meiner Mutter. So manche lange Rekonvaleszenz oder Ferienzeit der Kinder hat sie mir erleichtert. Und jedes Mal war ich erstaunt, wie widerspruchslos bei meinen Eltern Blumenkohl und Gemüseauflauf aufgegessen, Hausschuhe und Zöpfe getragen wurden.

Heute bin ich selber Großmutter und versuche, meine Tochter zu entlasten. Da ich noch mitten im Berufsleben stecke, ist das nicht immer einfach. Aber jede Mühe hat ihren Lohn. Genauso wie meine Kinder mühelos zwischen Großelternund Elternwelt wechselten, macht das jetzt mein Enkelkind. Was zu Hause wilde Debatten hervorruft, wird bei „Omama“ und „Opapa“ ohne Murren akzeptiert. Mein Enkelkind muss ich nicht erziehen. Ich muss nichts beweisen, muss nicht cool oder up to date sein. Ich darf stützen, helfen, ein offenes Ohr für großen und kleinen Kummer bieten und eine Insel inmitten des tosenden Alltags schaffen. Das ist auch heutzutage immens wichtig und eine wunderschöne, lohnende Aufgabe.

Tipps für eine gute Großelternzeit

Damit das Zusammenspiel zwischen Großeltern, Kindern und Enkeln klappt, helfen uns diese Tipps:

» Stimmen Sie sich mit den Eltern ab: Weihnachtsplätzchen backen, Ostereier anmalen, ein Halloween-Kostüm besorgen – nur nach Absprache. Sie wollen ja kein Konkurrenzprogramm auflegen, sondern helfen.

» Teilen Sie Hobbys und Vorlieben: Malen nach Zahlen, Perlensticken, Puzzeln, Kartenspielen, Modellflugzeuge basteln – was Ihnen Freude macht, begeistert auch die Enkel. Wählen Sie gern aus der Zeit gefallene und nicht digitale Tätigkeiten, als Großeltern dürfen Sie das!

» Teilen Sie Alltagsaufgaben: Kochen und garteln Sie gemeinsam, putzen Sie zusammen Ihre Schuhe oder nähen Sie einen Knopf an. Sie werden staunen, wie begeistert die Kinder dabei sind.

» Geben Sie dem Kind Zeit: Oft braucht es eine Möglichkeit zum Rückzug oder zum Ausruhen. Planen Sie „Nichtstun“ ein. Schwierige Phasen lassen sich im Schutzraum „Großeltern“ manchmal besser verarbeiten oder besprechen als im Alltag bei den Eltern.

» Lassen Sie sich nicht ausnutzen. Damit die Freude am Enkel bleibt, braucht es feste Absprachen, damit Sie planen und die Großelternzeit in Ihren eigenen Alltag integrieren können. Notdienst schön und gut, allerdings nicht jede Woche.

Wo Großeltern gefragt sind

Sie möchten gern helfen, habe n aber kein Enkelkind in der Nähe? Viele Organisationen sind dringend auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen. Hausaufgabenbetreuung, Krankenpflege, Frühstücksservice, Schülerlotse, die anfallenden Aufgaben sind vielfältig und der Bedarf ist riesig.

Hier ein paar Beispiele:

www-zu-hause-gesund-werden.de

www.jaz-ev.de

www.brotzeitfuerkinder.com

Sie können auch bei der nächsten Schule, in der Kirche oder beim Jugendamt nachfragen, wo Hilfe gebraucht wird.

Enkelkinder sind ein Geschenk, wir müssen es nur annehmen.

Marlene Buschbeck-Idlachemi

Was Kindern und Eltern hilft

FÖRDERN SIE IHR KIND NACH NEIGUNG UND BEGABUNG

Aufgezwungener Musikunterricht kann ein unmusikalisches Kind sehr unglücklich machen, wenn es nur die Erwartungen der Eltern erfüllen soll. Vielleicht steckt stattdessen eine sportliche oder eine künstlerische Begabung in ihm, die gefördert werden kann und die dem Kind auch entspricht.

FREIRÄUME UND TREFFPUNKTE SCHAFFEN

Für kleinere Kinder gibt es viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, während das Angebot für Jugendliche eher schlecht ist. Mit dem Eintritt in die Pubertät ändern sich die Interessen. Jugendliche hören in dieser Zeit häufiger mit dem Sport oder dem Musikunterricht auf, da etwas Neues in ihr Leben tritt und sich Hormonschwankungen deutlich bemerkbar machen. Erwachsene können hier unterstützen, indem sie Raum zur Verfügung stellen. Das kann ein Gartenhäuschen sein, ein kleines Grundstück, ein alter Bauwagen oder ein Kellerraum. Auch Gemeinden können hier unterstützen, indem sie Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Wenn Jugendliche die Möglichkeit haben, sich persönlich zu treffen und auszutauschen, können sie wichtige soziale Fertigkeiten und Freundschaften entwickeln, die oft ein ganzes Leben lang halten.

INTERNET DOSIEREN

Viele Eltern und Großeltern haben ihre Kindheit ohne Computer und Handy verbracht und sind unsicher, wieviel Umgang man den Kindern in welchem Alter erlauben soll. Welche Spiele sind gut oder schlecht für das Kind und wie macht man das Internet kindersicher? Hilfreiche Antworten zu diesen Fragen finden wir wiederum im Internet, beispielsweise auf der Seite www.internet-abc.de, und bei regionalen Beratungsstellen der jeweiligen Städte und Gemeinden. Auch Sozialpädagogen von Jugendzentren oder der Klassenlehrer können hier mit Informationen weiterhelfen. Um gemeinsam Regeln zur Mediennutzung in der Familie aufzustellen, finde ich die kindgerechte Seite www.medien nutzungsvertrag.de recht hilfreich und unterhaltsam.

HILFE HOLEN DURCH BERATUNGSSTELLEN

Erwachsene sind sich oft unsicher, was sie dem Kind erlauben können und was nicht. Wie viel Taschengeld ist wann angemessen? Wie lange darf man das Kind abends in welchem Alter ausgehen lassen? Ab wann darf ein Kind alleine in Urlaub fahren? Oft kommt es zu Situationen, die Eltern an ihre Grenzen bringen. Was ist, wenn das Kind eine Straftat begeht? Wie geht man in der Erziehung mit Alkohol, Zigaretten und Drogen um? Auch das Thema Sexualität kann herausfordernd sein. Das alles sind schwierige Themen, wo man sich unbedingt Unterstützung holen sollte, wenn man sich überfordert fühlt. Man muss sich deshalb auch nicht schämen, denn diese Probleme treten in allen Familien und in allen gesellschaftlichen Schichten auf. Die Caritas-Beratungsstellen bieten kostenfreie und sehr gute Beratungsund Hilfsangebote für Eltern, Kinder und Jugendliche in allen Lebenslagen an. Auch über die Kommunen und Gemeinden, Jugendzentren und Schulpsychologen lassen sich Hilfsangebote erfragen.

Weitere Infos:

• www.sicher-im-netz.de (Internetsicherheit)

• www.nummergegenkummer.de (bei psychischen Problemen)

• www.familienhandbuch.de (alles, was den Alltag angeht)

• www.sternsinger.de (z B. Bastelideen)

FREIZEITTIPPS UND SPIELIDEEN FÜR KINDER

Besonders während der Ferienzeiten bieten viele Kommunen und Gemeinden vergünstigte Unternehmungen und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche an, etwa in Form eines Ferienpasses. Hier lohnt sich ein Blick ins Internet auf die Seite der jeweiligen Gemeinde. Viele Spielideen werden auch über Generationen von Eltern an ihre Kinder und von großen Kindern an kleinere Kinder weitergegeben. Erinnern wir uns wieder an das Kästchenhüpfen, an Blinde Kuh, Murmel-, Lauf- und Versteckspiele. Schnitzeljagden kommen insbesondere bei Kinderfesten gut an. Diese Spiele fördern Bewegung, Geschicklichkeit und soziales Miteinander. Im Buchhandel gibt es jede Menge Bücher zu diesem Thema mit alten und neuen Anregungen.

Angelika Franke

Die besten Erziehungstipps:

1. Seien Sie ein gutes Vorbild. Kinder lernen durch Nachahmen. Daher dürfen wir unser eigenes Verhalten auch mal reflektieren.

2. Hören Sie Ihren Kindern zu. Nehmen Sie Ihre Kinder ernst mit all ihren Sorgen und Nöten.

3. Loben Sie Ihr Kind. Damit verstärken Sie positives Verhalten.

4. Regeln einhalten. Üben Sie sich in einem konsequenten Erziehungsstil und erklären Sie die Regeln. Regeln sollten nicht mal gelten und mal nicht, denn sonst werden sie nicht mehr respektiert.

5. Reden Sie mit Ihren Kindern. Bleiben Sie auch in schwierigen Zeiten mit Ihren Kindern in Kontakt.

6. Schauen Sie Ihr Kind an, wenn Sie mit ihm sprechen. Das Gesagte wird ansonsten gern mal überhört.

7. Pflegen Sie Rituale, die dem Kind Geborgenheit vermitteln. Insbesondere am Abend sind „Zubettgeh“-Rituale für das Einschlafen bei kleineren Kindern hilfreich und wichtig.

8. Ruhe bewahren, auch wenn das manchmal schwerfällt.

9. Gemeinsame Strategien entwickeln.

Dies kann Konflikte im Alltag bei Computernutzung, Mithilfe im Haushalt oder den Hausaufgaben reduzieren.

10. Das Essen sollte nicht zu Erziehungszwecken instrumentalisiert werden. Süßigkeiten zur Belohnung, Essensentzug zur Strafe oder unter Zwang aufessen müssen, dienen keinem gesunden Essverhalten und können sich ein Leben lang schädlich auswirken.

Urlaubstipp: Ferien auf dem Bauernhof Man muss nicht immer weit wegfahren, um mit Kindern Urlaub zu machen. Ferien auf dem Bauernhof sind nachhaltig und gut für die Umwelt. Sie verkleinern den ökologischen Fußabdruck. Die Lebensmittel kommen direkt vom Hof oder regional aus der Nähe. Der Kontakt mit den Hoftieren tut den Kindern, aber auch den Erwachsenen gut. Wanderungen, Kanufahrten und Kräuterführungen sind erholsam und bringen den Urlaubern die Natur wieder näher, je nachdem, was die Region des Bauernhofes landschaftlich anzubieten hat.