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Medikamente: Eine Frage der Mittel


ÖKO-TEST Fragen und Antworten - epaper ⋅ Ausgabe 3/2012 vom 16.03.2012

Manchmal geht es auch bei Kindern nicht ohne Medikamente. Mal helfen homöopathische Globuli, mal muss es ein Fiebersaft sein und manchmal sogar Antibiotika. Allerdings sollten Eltern ihren Nachwuchs bei ernsteren Beschwerden nicht ohne ärztlichen Rat therapieren. Denn die Wahl des richtigen Arzneimittels ist nicht einfach.


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Foto: Fancy

Wirken Arzneimittel bei Kindern anders als bei Erwachsenen?

Ja. Und deshalb ist es nicht damit getan, die Dosierung anhand des Körpergewichts herunterzurechnen. Dass Medikamente bei Kindern anders wirken, liegt am kindlichen Stoffwechsel und der körperlichen Entwicklung der ...

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Ja. Und deshalb ist es nicht damit getan, die Dosierung anhand des Körpergewichts herunterzurechnen. Dass Medikamente bei Kindern anders wirken, liegt am kindlichen Stoffwechsel und der körperlichen Entwicklung der Heranwachsenden. So läuft beispielsweise in den ersten Lebenswochen die Ausscheidung eines Arzneistoffs nur sehr langsam, sodass er sich über die Maßen anreichert. Danach scheidet der kleine Körper Medikamente zum Teil so schnell aus, dass überhaupt kein ausreichender Wirkspiegel erreicht wird.

Was bedeutet Off-Label-Use?

Off-Label-Use bedeutet die Anwendung von Medikamenten außerhalb des bestimmungsgemäßen Gebrauchs, also der Einsatz eines Arzneimittels gegen eine Krankheit oder bei einer Personengruppe, für die das Medikament von den Zulassungsbehörden keine Genehmigung hat. In der Kinderheilkunde ist es recht verbreitet, dass die Kleinen Mittel bekommen, die eigentlich nur für Erwachsene zugelassen sind. So erhalten beim niedergelassenen Kinderarzt 13 Prozent aller Kinder solche Medikamente, in der Klinik sind es bereits 50 bis 70 Prozent und auf der Neugeborenen-Intensivstation sogar 90 Prozent. Denn während es für banale Infekte und häufigere Krankheiten inzwischen etliche Mittel gibt, die auch für Kinder zugelassen sind, sieht das bei selteneren Erkrankungen ganz anders aus.

Warum gibt es nur relativ wenige, speziell für Kinder zugelassene Arzneimittel?

Foto: ia_64/Fotolia.com

Bis vor wenigen Jahren gab es für die Pharmaindustrie keine verbindliche Verpflichtung, Arzneimittel auch für Kinder zu entwickeln. Erst seit Januar 2007 ist eine EU-Verordnung über Kinderarzneimittel in Kraft, die die Hersteller für Neuzulassungen und für die Genehmigung neuer Anwendungsgebiete verpflichtet, Daten aus klinischen Studien an Kindern vorzulegen. Dabei sind alle Altersgruppen vom Neugeborenen bis zum Jugendlichen zu berücksichtigen. Bis allerdings ausreichend viele zugelassene Arzneimittel zur Behandlung von Kindern zur Verfügung stehen, dürften noch Jahrzehnte vergehen.

Welche Darreichungsformen sind für welches Alter geeignet?

Babys und Kleinkinder können noch keine Tabletten schlucken. Allenfalls Tabletten, die im Mund zergehen sollen, kann man Kindern im Vorschulalter geben, muss aber darauf achten, dass sie nicht wieder ausgespuckt werden. Für Kinder, die noch nicht zur Schule gehen, bieten sich Zäpfchen oder Saft als Darreichungsformen an.

Welche Dosierungshilfen gibt es?

Foto: Banana Stock

Zum Abmessen der richtigen Menge sind in den Arzneimittelpackungen meist Dosierhilfen enthalten, besonders häufig werden Tropfenzähler, Dosierkappen oder Messbecher beigegeben. Wer für einen Säugling ein flüssiges Medikament abmessen will, sollte dafür spezielle Einmalspritzen aus der Apotheke verwenden. Sind im Beipackzettel Tee- oder Esslöffel als Maßeinheit angegeben, gilt: Das Standardmaß für Teelöffel ist normalerweise 5 Milliliter (ml), für Esslöffel 15 Milliliter.

Was tun, wenn das Kind die Medikamente nicht einnehmen will?

Am besten erst einmal an die Vernunft des Kindes appellieren und/oder eine kleine Belohnung in Aussicht stellen. Hat das Kind erst einmal die Erfahrung gemacht, dass Arzneimittel helfen, wird es sich wahrscheinlich in Zukunft nicht mehr verweigern. Wird die Tablette oder Flüssigkeit aber immer wieder ausgespuckt, hilft der Griff zum Zäpfchen. Das zu bekommen, ist zwar auch nicht besonders angenehm, mit ein bisschen Ablenkung funktioniert es aber ganz gut.

Was tun, wenn das Kind nach der Einnahme des Medikamentes erbricht?

Das kommt ein bisschen darauf an, wie lange vorher das Medikament eingenommen wurde. Sind erst wenige Minuten vergangen, kann das Mittel kaum eine Wirkung zeigen. Sind aber schon einige Stunden verstrichen, besteht durchaus noch die Chance, dass sich ein Effekt einstellt. Beobachten Sie dann erst einmal Ihr Kind, ob sich die Beschwerden verbessern. Wenn nicht, sind Zäpfchen die bessere Darreichungsform.

Kann man Medikamente absetzen, wenn es dem Kind deutlich besser geht?

Bei Fieber, Schmerzen oder Durchfall kann und sollte das Medikament natürlich abgesetzt werden, wenn die Beschwerden deutlich nachlassen. Anders sieht das bei Antibiotika aus: Sie sollten weiter nach Anweisung genommen werden, auch wenn es dem Kind besser geht. Denn wer Antibiotika vorzeitig absetzt, riskiert nicht nur gesundheitliche Rückfälle, sondern auch dass sich Resistenzen entwickeln.

Foto: Adam Borkowski/Fotolia.com

Kann ich eine Tablette zerkleinern und unters Essen mischen?

Das sollten Sie auf keinen Fall machen, ohne mit dem Arzt oder Apotheker Rücksprache zu halten. Es gibt Medikamente, die nicht zerkleinert werden dürfen. So müssen beispielsweise alle mit einer Schicht überzogenen Tabletten unbeschädigt geschluckt werden, denn der dünne Film schützt den Wirkstoff vor der Magensäure. Die Tablette soll sich erst später im Dünndarm auflösen. Werden die Medikamente geteilt, wird der Wirkstoff durch die Magensäure zerstört und das Medikament unwirksam. Auch das Vermischen mit Lebensmitteln kann bei bestimmten Arzneimitteln problematisch sein. So können calciumhaltige Lebensmittel wie Joghurt oder Käse mit Antibiotika schwer lösliche Verbindungen eingehen, das Medikament verliert dadurch an Wirkung.

Warum nimmt man einige Medikamente vor und einige während einer Mahlzeit ein?

In der Regel gelangen die Wirkstoffe eines Medikamentes schneller in den Körper, wenn sie auf leeren Magen eingenommen werden. Die Wirkung der Arznei setzt dann schneller ein. Manche Wirkstoffe können aber die Magenschleimhaut angreifen: Dann wird in der Regel empfohlen, das Medikament mit der Mahlzeit einzunehmen, um den Magen zu schonen. Andere Mittel dürfen erst einige Stunden nach einer Mahlzeit geschluckt werden, weil die Wirkstoffaufnahme durch bestimmte Lebensmittel gestört werden kann. Halten Sie sich auf jeden Fall an die entsprechenden Hinweise im Beipackzettel.

Was hat Grapefruitsaft mit der Wirkung von Medikamenten zu tun?

Foto: ccvision.de

Der Saft der Pampelmuse ist zwar eigentlich vitaminreich und gesund. Doch in Zusammenhang mit Medikamenten lässt man besser die Finger von Frucht und Saft. Denn bei etlichen Arzneimitteln wird dadurch die Wirkung verstärkt oder der Abbau der Wirkstoffe deutlich verlangsamt, beispielsweise bei Asthmamedikamenten oder Herzmitteln. Antiallergika und Antibiotika vertragen sich ebenfalls nicht mit Grapefruitsaft.

Gilt das auch für andere Lebensmittel?

Antibiotika aus der Gruppe der Tetrazykline (Wirkstoffe sind beispielsweise Doxycyclin, Minocyclin, Tetracyclin) sollten nicht mit Milch geschluckt werden. Auch für Käse, Quark und Joghurt gilt: Am besten zwei Stunden vor und nach der Einnahme darauf verzichten. Denn das in Milch und Milchprodukten enthaltene Calcium geht mit den Wirkstoffen komplexe Verbindungen ein, die dann nicht mehr durch die Darmwand in die Blutbahn gelangen – wohin sie aber eigentlich sollten, um zu wirken. Das Antibiotikum bleibt im Darm, wird verdaut und wieder ausgeschieden. Derselbe Effekt kann entstehen, wenn solche Arz-neimittel mit calciumreichen Mineralwässern eingenommen werden. Kaffee und schwarzen Tee trinken die wenigsten Kinder, aber Cola und Eistee sind auch bei den Kids beliebt. Wer Antibiotika aus der Gruppe der Gyrasehemmer (Wirkstoffe beispielsweise Ciprofloxacin und Ofloxacin) nimmt, sollte möglichst ganz auf solche koffeinhaltigen Getränke verzichten. Durch die Medikamente wird nämlich das Koffein schlechter abgebaut. Mögliche Folgen sind Herzrasen und Schlaflosigkeit. Bei theophyllinhaltigen Arzneien gegen Asthma oder Bronchitis sind koffeinhaltige Getränke ebenfalls nicht empfehlenswert. Theophyllin und Koffein werden über den gleichen körpereigenen Mechanismus abgebaut. Kaffee, Tee oder Cola verhindern damit den rechtzeitigen Abbau des Arzneiwirkstoffs, sodass das Mittel möglicherweise zu stark wirkt. Am besten Medikamente immer mit einem Glas Wasser einnehmen.

Was tun, wenn man das Medikament einmal vergessen hat?

In solchen Fällen hilft ein Blick in den Beipackzettel, hier steht für diesen Fall eine entsprechende Handlungsanweisung. In der Regel ist es so, dass die Arzneimittel einfach ganz normal weiter gegeben werden. Auf keinen Fall sollte beim nächsten Mal die doppelte Dosis gegeben werden.

Was tun, wenn im Beipackzettel rezeptfreier Arzneien keine Altersangabe steht?

Wenn Sie für das Alter Ihres Kindes keine Dosierangaben im Beipackzettel finden, sollten Sie den Arzt oder Apotheker fragen, ob das Mittel für Kinder geeignet ist, wie es dosiert werden soll und ob es möglicherweise alternative Mittel gibt, die für Kinder zugelassen sind.

Foto: Dan Race/Fotolia.com

Warum dürfen Kinder kein Aspirin nehmen?

Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure, der auch im bekannten Medikament Aspirin steckt, ist nichts für Kinder unter zwölf Jahren. Denn bei Virusinfektionen wie Grippe, Erkältungen oder Windpocken kann ASS zu dem gefährlichen Reye-Syndrom führen, das sich in Hirnhautentzündungen und Leberversagen äußert. Wer seinem Kind etwas gegen Schmerzen oder Fieber geben will, sollte auf Arzneimittel mit den Wirkstoffen Paracetamol oder Ibuprofen zurückgreifen.

Darf man Ibuprofen und Paracetamol, zum Beispiel bei Fieber, kombinieren?

Davon ist abzuraten. Die Kombination mehrerer Wirkstoffe ist immer ein Risiko, weil es zum einen zu Wechselwirkungen zwischen den Wirkstoffen kommen kann und sich zum anderen die Nebenwirkungen verstärken können. Das gilt auch für die Kombination von Ibuprofen und Paracetamol, die gegen Fieber und Schmerzen wirken. Nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen gibt es nicht genug verlässliche Nachweise dafür, dass es Vorteile bringt, Paracetamol und Ibuprofen gleichzeitig oder abwechselnd anzuwenden. Mögliche unerwünschte Wirkungen einer solchen Therapie seien nicht ausrei-chend erforscht. Allerdings werde vermutet, dass es bei einer Kombination beider Medikamente häufiger zu einer Überdosierung kommen könnte.

Foto: by-Studio/Fotolia.com

Wann ist der Einsatz von Antibiotika sinnvoll?

Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Viele Infektionen wie normale Erkältungen werden aber durch Viren ausgelöst. Hier nutzen Antibiotika nicht. Im Gegenteil: Gerade der übermäßige und unsachgemäße Gebrauch von Antibiotika kann mit dazu beitragen, dass die Wirkung dieser wichtigen Mittel langfristig nachlässt und sie bei schweren bakteriellen Infektionen nicht mehr helfen.

Warum nehmen Antibiotikaresistenzen zu?

Das hat verschiedene Gründe. Manche Patienten nehmen die Antibiotika nicht lange genug ein. Dadurch werden die Bakterien nicht komplett getötet und es besteht das Risiko, dass sich die Krankheitserreger anpassen und resistent werden. Außerdem wurden Antibiotika zumindest früher häufig verschrieben, um besorgte Eltern zu beruhigen – auch wenn der Arzt wusste, dass das Mittel bei einer recht harmlosen Virusinfektion nicht hilft. Dieser unkritische Einsatz hat ebenfalls dazu beigetragen, dass Resistenzen zugenommen haben. Denn die Bakterien versuchen, sich gegen die Antibiotikawirkstoffe, die sie ja töten, zu schützen, indem sie nach und nach natürliche Anpassungsmechanismen entwickeln. Auch durch spontane Erbgutveränderungen (Mutationen) und den Austausch von Genen zwischen verschiedenen Bakterien werden die Krankheitserreger widerstandsfähiger. Neben diesen beiden Gründen trägt auch der verbreitete Einsatz von Antibiotika in der industriellen Tierhaltung dazu bei, dass sich vermehrt resistente Keime entwickeln.

Was spricht für die Behandlung von Kindern mit homöopathischen Arzneimitteln?

Der kleine Patient bekommt kein chemisches Medikament, das die Symptome unterdrückt und möglicherweise auch Nebenwirkungen hat, sondern ein sanftes Mittel, das dem Körper helfen soll, sich selbst zu heilen. Dadurch, so die Befürworter der Homöopathie, werde das Immunsystem gestärkt und sei gegen spätere Krankheiten besser gewappnet.

Was spricht dagegen?

Foto: Hannes Eichinger/Fotolia.com

Bis heute ist die von Samuel Hahnemann (1755 bis 1843) entwickelte Homöopathie wissenschaftlich unbewiesen. Chemisch betrachtet, ist sie nicht plausibel. Sie geht davon aus, dass Substanzen, die bei gesunden Menschen bestimmte Symptome hervorrufen, diese bei Kranken lindern. Geradezu paradox erscheint außerdem die Überzeugung, dass die Wirkstoffe besonders gut helfen, wenn sie in extremer Ver-dünnung eingenommen werden. Demzufolge wären hohe Potenzen wirksamer als niedrige. Für die Potenzen gilt der Maßstab eins zu zehn: Mischt man einen Tropfen der Urtinktur (aus Pflanzen, Tieren oder Mineralien) durch kräftiges Schütteln mit neun Tropfen Wasser und Alkohol, entsteht eine sogenannte D1-Potenz. Wiederholt man das Verfahren mit dieser neuen Mixtur, erhält man eine D2-Potenz – und so weiter. Auch wenn kein einziges Molekül der Wirksubstanz mehr nachzuweisen ist, wird weiter verdünnt, denn die Arzneien sollen sich ja durch den Prozess der Verschüttelung potenzieren. In der Homöopathie ist daher vom Gedächtnis des Wassers die Rede. Gemeint ist das ungefähr so: Die Wirksubstanz gibt ihre Information ins Wasser ab. Dort wird sie in energetische Schwingungen umgewandelt, die den Anschub zu einer Selbstheilung des Körpers geben. Allerdings ist es bis heute mit den modernsten Messmethoden nicht gelungen, irgendetwas aufzuspüren, was eine Heilwirkung erklären könnte: weder chemische Moleküle noch irgendeine physikalische Information. Außerdem fehlt es aus Sicht der Schulmediziner auch an einem Nachweis, dass die Homöopathie wirklich wirkt und nicht nur einen Placeboeffekt hat.

Foto: irisblende.de

Bezahlen die Krankenkassen eine homöopathische Behandlung?

Private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten einer homöopathischen Therapie in der Regel komplett. Und auch die gesetzlichen Kassen nutzen immer häufiger ihren rechtlichen Spielraum zugunsten der klassischen Homöopathie und schließen entsprechende Verträge mit Ärzten, Apothekern und Krankenhäusern. Dabei gibt es allerdings erhebliche Leistungsunterschiede. Nachfragen lohnt sich aber auf jeden Fall.

Worauf müssen Eltern bei der homöopathischen Selbstmedikation beachten?

Scheinbar harmlose Beschwerden können sich gerade bei kleinen Kindern binnen kurzer Zeit verschlimmern. Wer zu lange auf eine Besserung durch die homöopathischen Mittel hofft, riskiert einen ernsten Krankheitsverlauf. Wenn es dem Kind schlecht geht, lieber einmal zu oft zum Arzt gehen – er kann besser abschätzen, ob die alternative Behandlung noch weitergeführt werden sollte. Hohes Fieber, Durchfall und Erbrechen über mehr als einen Tag oder ein erneuter Krankheitsausbruch, nachdem es dem Kind bereits besser ging, sind auf jeden Fall Alarmzeichen.

Wie sollten Globuli eingenommen werden?

Die kleinen süßen Kügelchen sind nicht nur für Kinder eine gute Alternative zu homöopathischen Tropfen, die auch Alkohol enthalten. Die Globuli sollten aber nicht wie Tabletten heruntergeschluckt werden, sondern im Mund zergehen, am besten langsam unter der Zunge oder in der Wangentasche. Vorher und nachher etwa 15 Minuten nichts essen und trinken.

Was passiert, wenn man ein falsches homöopathisches Mittel verabreicht?

Auch wenn die homöopathischen Arzneimittel keine Nebenwirkungen im Sinne chemischer Medikamente haben, bleibt eine falsche Anwendung nicht folgenlos: Die falschen Globuli helfen dem Kind nicht und die Krankheit kann sich verschlimmern.

Welche Hilfsstoffe sollten nicht in Medikamenten für Kinder enthalten sein?

Foto: Image Source

Neben den eigentlichen Wirkstoffen in Arzneimitteln gibt es auch zahlreiche zusätzliche Hilfsstoffe, die beispielsweise die Medikamente konservieren, färben oder die Medizin ein bisschen schmackhafter machen. Einige dieser Hilfsstoffe sind aber bedenklich, weil sie schädliche Auswirkungen haben können. Hier die wichtigsten in alphabetischer Reihenfolge:
■ Viele Hustenmittel enthaltenAlkohol. Der hat aber in Medikamenten für Kinder nichts zu suchen – und es geht ja auch ohne.
Benzalkoniumchlorid ist ein Konservierungsmittel, das recht häufig in Augentropfen oder Nasensprays steckt. In Schnupfen- und Allergiemitteln kann der Stoff die Nasenschleimhaut zum Teil bleibend schädigen. Außerdem ist es möglich, dass Benzalkoniumchlorid Allergien auslöst.
■ Das KonservierungsmittelBenzoesäure sollte nicht in Arzneimitteln für kleine Kinder stecken. Weil bei Kindern bis zu zwei Jahren die Verstoffwechselung noch nicht vollständig funktioniert, kann sich Benzoesäure theoretisch anreichern und Gehirnschäden verursachen. Zwar werden üblicherweise nur sehr geringe Mengen verwendet, aber es ist trotzdem ein unnötiges Risiko.
■ Das KonservierungsmittelNatriumbenzoat steht im Verdacht, relativ häufig Allergien auszulösen.
Natriumedetat kann in Nasensprays enthalten sein. Der indirekt konservierend wirkende Stoff macht möglicherweise die Zellmembran durchlässiger für Fremdstoffe.
Parabene schützen Arzneimittel vor Keimbefall und Schimmel. Sie gehören zu den am häufigsten eingesetzten Konservierungsstoffen. Allerdings sind die längerkettigen Vertreter dieser Gruppe wieButyl- und Propylparaben (Ersteres wird bei den Hilfsstoffen auch als PHB-Butylester, Butyl-4-hydroxybenzoat, 4-Hydroxybenzoesäurebutylester oder para-Hydroxybenzoesäurebutylester aufgelistet, Letzteres als Propyl-4-Hydroxybenzoat bzw. E 216) in den Verdacht geraten, wie ein Hormon zu wirken und waren im Tierversuch fortpflanzungsgefährdend.
■ In Cremes und Salben stecken häufigParaffine/Erdölprodukte/Silikone. Diese künstlichen Stoffe werden meist aus Erdöl hergestellt und integrieren sich nicht so mühelos ins Gleichgewicht der Haut.
■ In Salben werdenPEG/PEG-Derivate als Emulgatoren eingesetzt, um die Bestandteile Fett und Wasser gleichmäßig zu mischen. Allerdings können diese Stoffe die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen.
■ Auch verschiedenesynthetische Lebensmittelfarbstoffe sollten nicht in Medikamenten für Kinder stecken. Die Farbstoffe E 102 (Tartrazin), E 104 (Chinolingelb), E 110 (Gelborange S), E 122 (Azorubin), E 124 (Cochenillerot) und E 129 (Allurarot) müssen in Lebenmitteln mit dem Warnhinweis gekennzeichnet werden „Kann sich nachteilig auf die Aktivität und Konzentration von Kindern auswirken“, da es Hinweise gibt, dass diese Stoffe Hyperaktivität bei Kindern fördern können. Im Beipackzettel von Arzneimitteln muss auf die Azo-Farbstoffe Tartrazin (E 102), Gelborange S (E 110), Azorubin oder Carmesin (E 122), Amaranth (E 123), Ponceau 4R oder Cochenillerot (E 124) sowie Brillantschwarz BN (E 151) gemäß Besonderheitenliste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte unter dem Abschnitt Nebenwirkungen mit „kann allergische Reaktionen hervorrufen“ hingewiesen werden.

Wie bewahrt man Medikamente am besten auf?

Foto: AOK-Mediendienst/Jochen Tack

Arzneimittel sollten trocken und kühl aufbewahrt werden. Feuchtigkeit und Wärme können nämlich den Wirkstoffen zu schaffen machen. Das Badezimmer, oft ein beliebter Ort für das Medikamentenschränkchen, ist also denkbar ungeeignet. Besser eignet sich da schon das ungeheizte Schlafzimmer. Um den Überblick nicht zu verlieren, empfiehlt es sich, alle Beipackzettel zusammen mit den entsprechenden Medikamenten aufzubewahren – am besten in der Originalverpackung. Außerdem ist es sinnvoll, sich auf der Schachtel oder der Packungsbeilage zu notieren, wann, wem und für welche Krankheit das Arzneimittel gekauft wurde. Auch wenn ein Familienmitglied das Mittel nicht vertragen hat, sollte dies möglichst auffällig vermerkt werden.

Wie entsorgt man abgelaufene Medikamente?

Grundsätzlich haben Arzneimittel, deren Haltbarkeitsdatum überschritten oder deren Etiketten unleserlich sind, nichts mehr in der Hausapotheke zu suchen, ebenso wenig herumliegende Blisterpackungen ohne Beipackzettel oder ranzig riechende Salben und Cremes. Früher galt die Empfehlung, ausgemusterte Präparate in die Apotheke zu bringen, wo sie fachgerecht entsorgt wurden. Doch durch eine Novelle der Verpackungsverordnung rentiert sich das für viele Apotheken nicht mehr. Viele nehmen abgelaufene Medikamente daher nicht mehr an und raten den Kunden, stattdessen die Tabletten, Kapseln oder Salben – in haushaltsüblichen Mengen – über den Hausmüll zu entsorgen. Rechtlich gesehen ist das in Ordnung, denn Medikamente fallen größtenteils nicht unter Sondermüll. Die Entsorgung über den Hausmüll hat jedoch Tücken. Denn nur eine vollständige Müllverbrennung gewährleistet, dass die Wirkstoffe vernichtet werden. Doch nicht überall wird der Müll verbrannt.