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Muttermilch ist nicht zu toppen


ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 2/2010 vom 07.04.2010

Muttermilch ist auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Babys abgestimmt, und auch die Mama profitiert vom Stillen. Wenn es Probleme gibt, helfen Hebammen oder Stillberaterinnen.


Alles, was der kindliche Körper benötigt, steckt in der Muttermilch: Milchzucker macht das Kind satt und unterstützt den Aufbau der Darmflora. Die in der Milch enthaltenen ungesättigten Fettsäuren sorgen für die gesunde Entwicklung des Gehirns. Immunstoffe aus der Muttermilch schützen das Baby vor vielen Krankheiten.

Um Allergien vorzubeugen, ist es ganz wichtig, in den ersten vier Monaten voll zu stillen. Das empfiehlt die Deutsche ...

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Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie, Ausgabe 2/2010

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... Gesellschaft für Ernährung (DGE) in ihrer neuesten Leitlinie zur Allergieprävention. Die positive Wirkung des Stillens wurde unter anderem durch die Langzeitstudie GINI (German Infant Nutritional Intervention Study) belegt, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Die Studie untersucht seit 1996 den Einfluss verschiedener Ernährungsarten auf die Allergieentwicklung.

Gesund für die Mama

Die Fähigkeit zu stillen, ist nicht abhängig von der Größe der Brust. Das Gewebe reift bereits während der Schwangerschaft und bereitet sich so auf die Milchproduktion vor. Stillen ist gut für die Gesundheit der Mutter, denn die Ausschüttung des Hormons Oxytocin durch das Saugen des Kindes beschleunigt die Rückbildung der Gebärmutter, der Wochenfluss versiegt eher. Studien zeigen zudem, dass Mütter, die gestillt haben, seltener an Brustkrebs erkranken. In der Regel haben alle Frauen genug Milch für ihre Kinder, zumindest in den ersten vier besonders wichtigen Monaten.

Bereits kurz nach der Geburt kann man die Winzlinge der Mutter an die Brust legen, in der ersten Lebensstunde ist der Saugreflex bei einem Baby groß. Auch wenn es nur ein ganz wenig nuckelt, setzt es auf diese Weise den Milchfluss in Gang. In den ersten Tagen bekommt das Neugeborene eine gelbliche Milch, das Kolostrum. Es enthält besonders viel Protein, Vitamine und Mineralien, aber wenig Fett. Das noch nicht ausgereifte Magen-Darm-System des Babys kann diese erste Milch besonders gut verwerten. Vor allem aber braucht das Baby die in der Muttermilch enthaltenen Abwehrstoffe. Sie schützen es vor Infektionen, solange sein eigenes Abwehrsystem noch nicht richtig funktioniert.

Die Vormilch ist so hoch konzentriert, dass dem Baby bereits kleinste Mengen reichen. Etwa zwischen dem 5. und 15. Tag wird dann Übergangsmilch gebildet, sie ist gelblich cremig. Die reife Frauenmilch entsteht ab der dritten Woche. Diese Milch sieht bläulich weiß aus und enthält mehr Fett und Kohlenhydrate als die Milch der ersten Tage. Die Kalorien braucht das Kind jetzt, um zu wachsen. Selbst während einer Stillmahlzeit ändert sich die Zusammensetzung der Milch: Zunächst fließt kalorienärmere Vormilch, die den Durst löscht. Im ersten halben Jahr braucht das Baby daher keinen Tee oder Saft. Ist das Wetter heiß und das Kind durstig, wird es öfter kürzer trinken wollen. Je länger das Kind trinkt, desto fetthaltiger wird die Milch. Deshalb ist es gut, wenn das Kind die Brust leer trinkt, damit es ausreichend mit fetterer Milch versorgt wird.

Mehr Zweisamkeit geht nicht: Beim Stillen holen sich Babys nicht nur die nötige Trinkration, sondern auch innige Liebe und Zuwendung von Mama.


Angebot und Nachfrage

Das Kind wird so oft und so lange angelegt, wie es möchte. Viele Neugeborene trinken in 24 Stunden acht bis zwölf Mal. Mit zunehmender Milchproduktion werden die Abstände größer, so pendelt sich nach und nach in den ersten Wochen bei vielen Frauen und ihren Kindern ein Vier- Stunden-Rhythmus ein. Das Baby trinkt so viel, wie es braucht, überfüttern kann man es nicht. Ein Neugeborenes benötigt pro Kilogramm Körpergewicht und Tag 120 bis 200 Gramm (g) Milch. Ein 3.000 g schweres Baby trinkt also täglich 360 bis 600 g Milch.

Eine Stillmahlzeit dauert etwa 20 bis 45 Minuten, manche Kinder trinken eine Brust aber auch in fünf Minuten leer. Am Anfang wird die Stillmahlzeit mehr Zeit in Anspruch nehmen als nach einigen Wochen, wenn die Stillprozedur Routine geworden ist. Die Milchmenge richtet sich nach dem Appetit des Kindes: Je öfter es an der Brust saugt, desto mehr Milch wird gebildet. Wenn das Kind eine starke Wachstumsphase hat, wird es häufiger an seine Milchquelle wollen. Nach nur wenigen Tagen hat sich die Milchmenge an den steigenden Bedarf angepasst.

Stillende Frauen brauchen täglich etwa 600 Kilokalorien zusätzlich. Sie sollten sich während der Stillzeit ausgewogen und vollwertig ernähren und keine einseitigen Diäten machen, auch wenn von der Schwangerschaft ein paar Kilos geblieben sind. Bei einseitiger Ernährung bekommt das Kind unter Umständen nicht alle Nährstoffe, die es braucht. Grundsätzlich darf eine stillende Mutter alles essen. Was der Mutter und damit dem Kind über das Fruchtwasser in der Schwangerschaft gut bekommen ist, wird in der Regel auch beim Stillen vertragen. Manchmal können Stillkinder mit wundem Po reagieren, wenn die Mutter säurehaltige Lebensmittel wie Zitrusfrüchte oder scharfe Speisen zu sich genommen hat. Beobachten Sie, wie Ihr Kind reagiert. Einige Säuglinge vertragen Orangensaft, Ananas und Zitrone - Curry, Paprika und Pfeffer jedoch nicht. Wenn Sie einen Zusammenhang beobachten, verzichten Sie probeweise auf die entsprechenden Lebensmittel, aber lassen Sie sich nicht alles verbieten, was schmeckt.

Mütter sollten Fisch essen

Zwiebeln, Knoblauch und Kohl wird nachgesagt, beim Baby Blähungen hervorzurufen. Blähungen sind jedoch meist auf die Unreife des Magen-Darm- Traktes des Kindes zurückzuführen. Probieren Sie es mit einer Gemüsesorte, wenn Sie die Verträglichkeit prüfen wollen. Ist innerhalb von 24 Stunden nichts passiert, darf das Gemüse, auch wenn es Kohl ist, gern auf dem Speiseplan stehen bleiben. Allergene Lebensmittel im Speiseplan der Mutter zu meiden, ist nicht sinnvoll. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt stillenden Müttern sogar ausdrücklich, zur Allergieprävention ihrer Babys Fisch zu essen.

Stillende Frauen sollten - wie andere Menschen auch - etwa zwei Liter am Tag trinken; darüber hinaus müssen sie keine Extra-Flüssigkeit zu sich nehmen. Geeignet sind Wasser, Kräuter- oder Früchtetees und verdünnte Saftschorle. Kaffee oder Schwarztee sind nicht verboten, sollten aber in Maßen getrunken werden, auch das Kind spürt Koffein und Teein. Alkohol besser meiden. Wer sich mal ein Gläschen Bier oder Wein gönnen möchte, trinkt es gleich nach dem Stillen, damit sich der Alkohol bis zu Babys nächster Mahlzeit etwas abgebaut hat. Die Konzentration in der Muttermilch ist 30 bis 60 Minuten nach dem Alkoholgenuss am höchsten. Achtung: Sekt kurbelt bei manchen Frauen die Milchproduktion an, trotzdem ist dies kein Mittel zur Milchförderung.

Muttermilch einfrieren

Muttermilch lässt sich gut einfrieren. Abgepumpte Milch kann man bedenkenlos zwei bis drei Tage bei maximal vier Grad Celsius im Kühlschrank aufbewahren. Eingefroren (bei minus 18 Grad Celsius) hält sie theoretisch etwa sechs Monate; allerdings sollte man sie so lange nicht aufbewahren, weil Mütter für einen zwei Monate alten Säugling andere Milch produzieren als für ein sieben Monate altes Baby. Die Flaschen mit dem Datum des Abpumpens versehen. Erwärmen lässt sich die Milch unter fließendem Wasser oder in einem Fläschchenwärmer. Achtung, in der Mikrowelle erhitzt die Milch ungleichmäßig. Reste wegschütten. Einmal aufgetaute Milch nicht wieder einfrieren, sondern innerhalb von zwölf Stunden verfüttern.

Ein bis zwei Tassen Salbeitee pro Tag helfen, die Milchproduktion beim Abstillen zu reduzieren.


Auch Abstillen braucht Zeit

Eine Mutter kann ihr Kind stillen, solange beide das möchten. Nach etwa fünf vollendeten Stillmonaten braucht das Baby aber mehr Nährstoffe, als Muttermilch ihm bieten kann. Zusätzlich sollte jetzt der erste Brei auf den Tisch kommen. Wenn Kinder den Rhythmus des Abstillens selbst bestimmen dürfen, trinken sie oft nach und nach immer weniger – nur noch einmal morgens, nachts oder abends, oder wenn sie Trost suchen. Es gibt auch Kinder, die von heute auf morgen die Brust ablehnen. Das ist nicht einfach für die Mutter. Zum einen kann sie Probleme mit der Brust bekommen, weil diese natürlich nicht genauso spontan die Produktion einstellt und ein Milchstau drohen kann. Zum anderen muss sich auch die Mutter psychisch darauf vorbereiten, die innige Zweisamkeit einer Stillbeziehung zu beenden.

Ein Problem kann auch der abfallende Spiegel des milchbildenden Hormons Prolaktin werden. Manche Frauen bekommen eine regelrechte Depression. Deshalb sollte man sich fürs Abstillen Zeit nehmen und Rückschläge in Kauf nehmen. Manche Babys kämpfen wie die Löwen um Mamas Brust, da ist Geduld angesagt. Ideal ist es, nach und nach immer eine Milchmahlzeit durch Beikost zu ersetzen. Daneben dem Baby Wasser oder ungesüßten Fencheltee anbieten. Manche Kinder, die bislang nur aus der Brust getrunken haben, lehnen die Flasche ab. Probieren Sie es mit einem kleinen Becher oder einem Löffel. Oder die Mutter verlässt die Wohnung und überlässt dem Vater die Fütterung.

Wenn der Körper die Milchproduktion nicht problemlos aufgibt, hilft Salbeitee, ein bis zwei Tassen pro Tag. Auch ein engerer BH unterdrückt die Milchbildung etwas. Wenn die Brüste zu voll sind und spannen, nicht abpumpen; das regt die Milchbildung erneut an. Besser etwas Milch von Hand ausstreichen. Chemische Abstillmittel wie die in Deutschland zugelassenen Arzneien mit dem Wirkstoff Bromocriptin können starke Nebenwirkungen wie Kreislaufprobleme haben. Diese Tabletten sind rezeptpflichtig und nur für Notfälle unter Aufsicht eines Arztes zu empfehlen. Einen Versuch wert zur Milchregulierung und auch zum Abstillen ist das Homöopathikum Phytolacca. In welcher Dosierung und Potenz das Mittel eingenommen wird, wissen Hebammen und Homöopathen.

Schadstoffe in der Muttermilch?

Dass Stillen gut für Mutter und Kind ist, war noch Mitte der 80er-Jahre umstritten. Müttern wurde damals geraten, ihre Milch auf Rückstände von Umweltchemikalien untersuchen zu lassen und bei hoher Belastung das Stillen einzuschränken. Die Belastung der Muttermilch mit klassischen Schadstoffen ist aber zum Glück rückläufig. Allerdings finden sich seit einigen Jahren Spuren von Weichmachern und Flammschutzmitteln in der Muttermilch. Dennoch raten Experten zu stillen, weil die Vorteile des Stillens die Risiken durch mögliche Schadstoffe überwiegen.


Foto: Andrey Kuzmin/Fotolia.com

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