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Netto: Weg von den Eigenmarken


ÖKO-TEST Kompakt Ernährung und Genuss - epaper ⋅ Ausgabe 7/2011 vom 23.02.2012
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Foto: Netto Marken Discount

Anders als Aldi oder Lidl erweiterte Netto das Filialnetz nicht nur durch die Eröffnung neuer Standorte. Vielmehr kaufte der Discounter immer wieder marode Ketten auf, bis Netto sich selbst übernahm und nach einigem Hin und Her 2005 an Edeka verkauft wurde.

Netto macht Plus mit Plus

Ende 2008 winkte das Bundeskartellamt einen Deal durch, der die Discounterbranche in Unruhe versetzte: Lebensmittelgigant Edeka durfte 2.500 Filialen des Discounters Plus kaufen, die bis dahin zu Tengelmann gehört hatten. Sie wurden inzwischen auf das Netto-Format umgeflaggt. Mit dem Deal wurde Netto ...

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... zum drittgrößten Discounter in Deutschland. Mit den fast 4.000 Geschäften hat Netto zwar mehr Filialen als Lidl, setzte mit 11,4 Milliarden Euro 2010 aber deutlich weniger um als der Branchenzweite. Doch Netto will weiter expandieren. Allein von September 2010 bis März 2011 eröffnete der Edeka-Discounter 140 neue Filialen und will in diesem Tempo weitermachen.

Mit 3.500 Artikeln wirbt der Discounter auf seiner Webseite, davon sind nach Unternehmensangaben die Hälfte Markenprodukte. In vielen Märkten gibt es eine eigene Wurst- und Fleischabteilung. Die Obst- und Gemüsestände nehmen großen Raum ein. Nicht zuletzt befinden sich im Eingangsbereich vieler Netto-Filialen Bäckereien. Als einziger Discoun-ter bietet Netto etwa die Hälfte seiner Getränke in Mehrweggebinden an.

Sein Preisimage erarbeitet sich Netto mit den üblichen Discountertiefpreisen sowie Aktionspreisen. Es gibt aber auch Produkte, deren Preis auf Supermarktniveau liegt. Branchenexperten sehen in dem großen Sortiment eine Ertragsbremse. Das Handling der vielen Artikel verursacht höhere Kosten. Eine Netto-Filiale setzt nur halb so viel um wie ein Aldi-Geschäft mit einem Drittel der Artikel. Die Lebensmittelzeitung berichtete unter der Überschrift „Netto mistet aus“, dass die Unternehmensführung das Sortiment beschneiden und so den Ertrag verbessern wolle. Netto selbst bestreitet aber bislang solche Pläne.

Gestärkt werden sollen aber die Eigenmarken. Bisher gibt es die von Plus übernommene Öko-Marke BioBio und die Naturkosmetikmarke Blütezeit. Auch die Plus-Marke für fett- und kalorienreduzierte Lebensmittel VivaVital wanderte ins Netto-Sortiment. Fleischund Wurstwaren bietet der Discounter unter der Eigenmarke Ponholz an. Unter dem Slogan „Ein Herz für Erzeuger“ laufen Artikel, bei denen der Aufpreis von zehn Cent laut Netto direkt an die Bauern weitergeleitet wird.

Verbessern müsste der Discounter jedenfalls auch sein ramponiertes Image als Arbeitgeber: Mit der Plus-Übernahme und der verschärften Expansion stiegen die Beschwerden über die Arbeitsbedingungen massiv an (siehe Seite 62).

Netto ist nicht gleich Netto

In Deutschland gibt es noch einen zweiten Discounter namens Netto. Dessen Wurzeln liegen in Dänemark. In Kopenhagen eröffnete der Mutterkonzern Dansk Supermarkt 1981 den ersten Netto-Markt. Schon bald engagierte sich der Konzern auch in Deutschland, England, Polen und Schweden. 1990 wurde Netto Deutschland unter Mitwirkung von Dansk Supermarkt gegründet. Die Geschäfte der rund 320 Netto-Markt-Filialen in Deutschland, die hauptsächlich in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt liegen, werden seitdem von Stavenhagen in Mecklenburg-Vorpommern aus organisiert. Gut 1,1 Milliarden Euro Umsatz machte Netto Stavenhagen 2010.

Auch an der dänischen Netto-Kette ist der Handelskonzern Edeka beteiligt. 1992 brauchten die Dänen einen starken Partner in Deutschland. Der hieß zunächst Spar Handels AG und übernahm 50 Prozent der Netto-Anteile. 2005, als Spar von Edeka geschluckt wurde, übernahm die Edeka 25 Prozent der Dansk-Supermarkt-Anteile. Seither bezieht Netto Stavenhagen seine Markenartikel über die Edekazentrale, die Eigenmarken liefert die dänische Konzernmutter. Weil es schon mal zu Verwechslungen der Kunden in Sachen Netto-Netto kommt, betont der Netto-Discounter mit den dänischen Wurzeln sein Herz für Familien. Er nennt sich Netto – der Familiendiscounter. Das Logo ist streng in Gelb-Schwarz gehalten. Ein stilisierter Hund trägt darin das Einkaufskörbchen.

Plus: Es war einmal

Die Plus Warenhandelsgesellschaft wurde 1972 in Mülheim an der Ruhr gegründet. Sie gehörte zur Unternehmensgruppe Tengelmann – wie auch der Textildiscounter KiK, die Baumarktkette Obi, der Ein-Euro-Discounter Tedi und die Kaiser’s Tengelmann Supermärkte. Die Tengelmanngruppe wurde bis März 2008 von Erivan Haub geleitet, seitdem halten dessen Söhne Georg-Christian und Karl-Erivan die Zügel in der Hand. Die Plus-Filialen machten im Jahr 2007 in Deutschland einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro, schrieben aber rote Zahlen und wurden deshalb verkauft. Der größte Teil ging an Edeka/Netto, 300 Märkte kaufte Rewe/Penny. Die Auslandsfilialen in Rumänien und Bulgarien übernahm Lidl. In Österreich heißen die Plus-Filialen „Zielpunkt“ und gehören seit 2010 dem Luxemburger Investor BluO, der sie in preisaggressive Supermärkte umwandeln will. Nur noch der Internetshop www.plus.de gehört zur Tengelmanngruppe und verkauft unter dem alten blau-orangen Logo online zu Discountpreisen fast alles – außer Lebensmittel.