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Pedelecs: Radeln light


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2010 vom 26.03.2010

Räder mit E-Motor sind nur was für Tretfaule, sagen die einen. Pedelecs sind optimal für Radler, die sich von langen Strecken und Bergen nicht mehr abschrecken lassen wollen, meinen die anderen. Fest steht: Das Angebot wächst. Wir stellen die Testsieger aus dem aktuellen Test des Vereins ExtraEnergy vor.


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Foto: BionX

Radfahren ist eine wunderbar ehrliche Sache. Muskelkraft statt Sprit oder Strom, kein Warten auf den Bus oder die S-Bahn, keine Staus, kein Parkplatzsuchen. Wenn es gut läuft, kommt man nicht nur billiger, sondern auch schneller als mit den Öffentlichen ans Ziel. Und dabei bewegt man sich ...

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Radfahren ist eine wunderbar ehrliche Sache. Muskelkraft statt Sprit oder Strom, kein Warten auf den Bus oder die S-Bahn, keine Staus, kein Parkplatzsuchen. Wenn es gut läuft, kommt man nicht nur billiger, sondern auch schneller als mit den Öffentlichen ans Ziel. Und dabei bewegt man sich noch an der frischen Luft.

Das Radfahrerglück wäre kaum auszuhalten, gäbe es da nicht die paar unschönen Seiten. Schwitzfl ecken zum Beispiel. Oder der rote Kopf, wenn der Kinderanhänger oder die Wocheneinkäufe wieder hoch ins Neubaugebiet gestrampelt werden müssen. Würde einem in diesen schwachen Radfahrermomenten jemand eine kleine elektrische Unterstützung anbieten, ein bisschen Rückenwind, ganz ehrlich: Wer würde da Nein sagen?

Dennoch verstoßen Pedelecs, Räder, die genau das bieten, für viele gegen die Radfahrerehre. Aber der Widerstand bröckelt. Die Verkaufszahlen wachsen, auf Fachmessen sind Pedelecs der große Renner. Und dank der modernen Akkus sehen sie schon lange nicht mehr aus wie Opas Fahrrad mit Hilfsmotor.

Den Motor eines Pedelecs vergleicht man am besten mit den Flossen eines Schwimmers: Wer ordentlich strampelt, bekommt durch die Unterstützung gleich noch mehr Schwung. Bei kurzen Fahrten in einer Stadt macht sich das vor allem durch ein leichteres Anfahren und schnelleres Beschleunigen bemerkbar. So richtig beeindrucken Pedelecs allerdings, wenn es mit einem normalen Rad schwierig werden würde. Steigungen radelt man mit geradem Rücken und entspannten Gesichtszügen hinauf. Schwere Ladungen spürt man nicht mehr.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sieht die Einsatzmöglichkeiten der Elektroräder genau dort, wo schon wieder das Auto dran wäre: Wenn die Wegstrecke für die tägliche Nutzung eines Rades zu weit oder zu unbequem wäre, wird sie mit Unterstützung aus der Steckdose wieder realistisch. Zwischen 20 und 30 Kilometer fährt man mit einem Pedelec bequem in einer Stunde. Einmal volltanken kostet ungefähr so viel Strom wie das Kochen einer Kanne Kaffee, bis zu 70 Kilometer weit kommt man damit. Die Deutsche Post hat deshalb seit 2001 Pedelecs im Einsatz, derzeit über 6.000 gelbe Modelle. In den Niederlanden dienen die „elektrischen Fietsen“ der Polizei als Dienstfahrzeug.

Was sind Pedelecs?

Der Begriff steht für Pedal Electric Cycle, für Räder, deren Elektromotor sie nur dann unterstützt, wenn auch in die Pedale getreten wird. Einfach nur am Gasgriff drehen wie beim Mofa funktioniert hier nicht. Pedelecs dürfen eine Motorleistung von bis zu 250 Watt haben. Zum Vergleich: Weitgehend schwitzfreies Radfahren entspricht ungefähr 100 Watt. Durch die Unterstützung des Motors kommt die gleiche Kraft noch einmal dazu, meist sogar noch mehr.

Beim Großteil der Modelle handelt es sich um klassische Pedelecs, deren Motor bei einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern abriegelt. Sie gelten auch rechtlich als ganz normale Fahrräder. Anders sieht es bei Modellen aus, die bis zu 500 Watt Motorleistung haben. Bei diesen „schnellen Pedelecs“, auch S-Klasse genannt, schaltet sich der Motor erst bei 45 Stundenkilometern ab. Sie gelten als Kleinkrafträder mit geringerer Leistung, für die eine Betriebserlaubnis, Mofa- Prüfbescheinigung und ein Versicherungskennzeichen (kostet rund 70 Euro im Jahr) fällig werden. Helmpfl icht besteht nicht, bei den hohen Geschwindigkeiten sollte man aber auf jeden Fall mit Kopfschutz fahren. Auf reinen Radwegen haben diese Modelle nichts mehr verloren – auch Kinderanhänger sind nur für „normale“ Pedelecs erlaubt.

Ein Sonderfall sind Pedelecs mit Anfahrhilfe bis sechs Stundenkilometer: Auch hier brauchen alle, die nach dem 1. April 1965 geboren sind, eine Mofa-Prüfbescheinigung oder einen anderen Führerschein.

Kleine Marktübersicht

Wie viele Pedelecs tatsächlich in Deutschland verkauft wurden und werden, ist schwer zu sagen. Nach Zahlen des Zweirad-Industrie- Verbands wurden 2009 rund 150.000 Pedelecs in Deutschland verkauft, 2005 waren es gerademal 40- bis 50.000. Nach Schätzungen von ExtraEnergy sind die Zahlen noch einmal ein ganzes Stück höher.

Nahezu alle großen Fahrradmarken haben inzwischen eines oder mehrere Modelle im Programm. Die Antriebstechnik holt man sich von außen, etwa von Panasonic, Yamaha, BionX, TranzX oder Sanyo. Neben klassischen Touren- oder Stadträdern gibt es auch Falt- Pedelecs und Pedelec-Mountainbikes. Im Fachhandel liegt der Preis zwischen rund 1.300 und 4.000 Euro. Es geht allerdings auch billiger. Auf dem Markt tummeln sich Dutzende Billigheimer und schwarze Schafe. Auch Discounter bieten ab und an Pedelecs als Sonderaktion an. Der Verein ExtraEnergy (mehr siehe Seite 231) untersuchte in seinem aktuellen Frühjahrstest zwei Modelle – diese schnitten trotz sensationell günstigem Preis gar nicht so schlecht ab. Das Tchibo-Powerbike und dasAlu-Rex von Plus für 599 Euro erfüllten die gesetzlichen Bestimmungen und überlebten die Praxistests, der Fahrspaß der Tester hielt sich allerdings in Grenzen. „Unter den Billigen sind diese die Besten, allein schon wegen der Garantien“, sagt ExtraEnergy- Chef Hannes Neupert, „dem Vergleich mit hochwertigeren Modellen halten sie aber nicht Stand.“

Foto: Trek Fahrrad GmbH

Die Kosten

Je nach Stromanbieter und Art des Stroms kosten 100 Kilometer nach ExtraEnergy-Berechnungen etwa 20 Cent. Bei hochwertigen Pedelecs greift bei Diebstählen die Hausratversicherung in der Regel nicht mehr, wer sich für den Fall der Fälle absichern möchte, muss mit rund 100 Euro jährlich für Versicherungsgebühren rechnen. Bei schnellen Pedelecs kommt es aufgrund der Kombination mit dem Versicherungskennzeichen etwas günstiger. Der größte Kostenfaktor eines Pedelecs ist die Batterie. Nach rund drei bis fünf Jahren ist sie am Ende, eine neue wird fällig – mit 200 bis 1.000 Euro muss man rechnen.

Umweltfreundlichkeit

Pedelecs fahren emissionsfrei, ohne Abgase und Feinstaub. Die vollgeladenen Akkus, die das ermöglichen, gibt es allerdings nicht ohne Nebenwirkungen. Bei ihrer Herstellung, dem Aufl aden und Entsorgen wird Energie verbraucht, die mit CO2-Emissionen verbunden ist. Valide Studien zur Öko-Bilanz von Pedelec- Akkus gibt es nicht. Die ExtraEnergy-Tester haben allerdings den CO2-Verbrauch gemessen, der durch den Stromverbrauch verursacht wird: auf vier Gramm CO2 pro Kilometer Tourenstrecke sind sie dabei gekommen. Die Hersteller müssen nach dem neuen Batteriengesetz verbrauchte Akkus zurücknehmen und entsorgen oder recyceln.

Kompakt

Checkliste für den Pedelec-Kauf
■ Entspricht die Unterstützung beim Anfahren am Berg den Erwartungen?
■ Kann man die Batterie einfach herausnehmen und abschließen?
■ Können Kindersitze montiert werden?
■ Lässt sich das Rad tragen?
■ Kann man Sitz und Lenker gut einstellen?
■ Fährt das Rad sich leichtgängig?
■ Reagieren die Bremsen gut?
■ Ist der Service in der Nähe gewährleistet?
■ Sind Ersatzteile wie Ersatzbatterie und Ladegerät verfügbar und was kosten sie?
■ Zwei Jahre Gewährleistung müssen die Hersteller auf das Rad geben. Die freiwillige Garantie für den Akku sollte mindestens ein Jahr betragen.
■ Ist das Rad ein Markenprodukt oder ein No-Name?
■ Gibt es eine verständliche Bedienungsanleitung?
■ Ist das Rad nach der Straßenverkehrsordnung zugelassen?

Die Technik macht den Unterschied

Tretlagermotoren


Frontantrieb


Heckantrieb


Antriebskonzepte

Die Motoren können im Vorder-, Hinterrad oder am Tretlager sitzen. Mit Qualität hat das wenig zu tun – es stecken schlichtweg unterschiedliche Konzepte dahinter, die sich etwa in Fahrdynamik und Gewichtsverteilung bemerkbar machen. Deshalb gilt: Ausprobieren.
Tretlagermotoren sind sehr kompakt, da sich Motor und Akku zentral am Kettenlager befi nden. Es sind demzufolge nicht allzu viele Kabel und Stecker am Rad verbaut, damit sind diese Modelle weniger störanfällig. Tretlagermotoren sind kompatibel mit allen gängigen Fahrradschaltungen und mit einem Nabendynamo. Da der Schwerpunkt in der Mitte sitzt, haben die Räder in der Regel ein stabiles Fahrverhalten.
BeimFrontantrieb befi ndet sich der Motor in der Vorderradnabe. Für viele deshalb das einzig Wahre, weil nur dieser Antrieb mit Rücktrittsbremse kombiniert werden kann. Allerdings kann das Vorderrad auf glattem Untergrund leicht durchdrehen. Häufi g bei Frontantrieben sind Getriebenabenmotoren. Diese fahren nicht ganz so leise wie die getriebelosen Modelle. Eine Kombination mit Nabenschaltung ist möglich, ein Nabendynamo nicht. Um die Beleuchtung mit Strom zu speisen, muss deshalb auf einen klassischen Seitendynamo zurückgegriffen werden.
BeimHeckantrieb befi ndet sich der Motor in der Hinterradnabe. In der Regel ist der Kraftsensor, der die Muskelkraft misst und in Relation dazu über die Motorsteuerung die Motorkraft steuert, integriert. Bei den meisten Modellen fi ndet man getriebelose Motoren, sogenannte Direktantriebe. Sie sind besonders geräuscharm. Der Ausbau des Hinterrades wird durch den Heckmotor allerdings etwas kompliziert. Hinterradmotoren belasten dort, wo auch ein Großteil des Radler- und Gepäckgewichts sitzt. Eine Kombination mit Nabenschaltung ist in der Regel nicht möglich, ein Nabendynamo im Vorderrad schon.

Pedelec-Motoren gibt es auch als Bausätze, die Montage ist aber nur etwas für den Fachmann. Da sie mit über 1.000 Euro zu Buche schlagen, lohnen sie sich auch nur bei hochwertigen Rädern.

Ein schöner Gedanke: Beim Bremsen oder Bergabfahren wird die Bremsenergie in Strom umgewandelt und der Akku aufgetankt. Zurzeit ist ein solcher Rekuperationsmodus nur bei Hinterradnabenmotoren möglich – und große Ersparnisse darf man sich auch noch nicht erwarten. Zwischen acht und 16 Prozent sind drin.

Die Elektronik

…ist für ein harmonisches, ruckelfreies Pedelec-Fahren zuständig und damit wesentlich für den Fahrspaß verantwortlich. Pedelecs sind in der Regel mit mehreren Unterstützungsmodi ausgestattet, die man an einem Schalter in

Griffnähe einstellen kann. So kann man bestimmen, wie stark der Motor die Fahrerleistung zusätzlich unterstützt. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Bewegungssensoren und Kraftsensoren. Kraftsensoren messen, wie stark in die Pedale getreten wird und steuern auf Basis dessen die Motorunterstützung. Am angenehmsten fahren sich die stufenlos regulierten Modelle.

Bei einfachen Pedelecs gibt es keine fein abgestimmte Steuerung, der Bewegungssensor registriert nur, ob die Pedale getreten werden oder nicht. Der Motor unterstützt also auch, wenn man nur in Zeitlupe und kraftlos in die Pedale tritt. Per Gasgriff kann man dann die Geschwindigkeit regeln. Solche Modelle sind dem Mofa-Fahren schon recht ähnlich.

Klarheit schafft hier nur eine Testfahrt. Dabei zeigt sich schnell, ob der Anschub sanft oder ruppig ist, ob der Motor bei Erreichen der Höchstgeschwindigkeit Knall auf Fall abschaltet oder eher sanft ausklingt. Auch das Anfahren am Berg sollte man unbedingt ausprobieren, hier zeigt sich nämlich, wie kraftvoll der Motor ist und wie schnell er einsetzt.

Über die Anzeige am Lenker wird der Unterstützungsmodus eingestellt. Auch den Akkustand behält man so im Blick.


Foto: BionX

Der Akku

Bitte nicht auffallen! Die modernen Akkus sind echte Kraftpakete, die sich dennoch recht dezent ins Design des Rades einfügen.


Wenn es um den Akku geht, zählt für die meisten nur eines: Wie weit schafft er’s? Bis zu 70 Kilometer sind durchaus drin, die 44 Pedelecs, die ExtraEnergy testete, erreichten im Schnitt eine Reichweite von gut 40 Kilometern bei Überlandfahrten und 26 Kilometern in städtischem Stop-and-go-Verkehr. Die Reichweite hängt allerdings stark vom Fahrverhalten des Radlers ab. Je höher der Unterstützungsgrad, das transportierte Gewicht, je mehr Steigungen je mehr Gegenwind und je schaltfauler der Fahrer, desto früher macht der Akku schlapp. Wichtig: Wer keine ebenerdige, frostfreie Garage mit Stromanschluss hat sollte zu einem Pedelec mit abnehmbaren Akku greifen. Wer möchte schon 25 Kilo oder mehr ins Dachgeschoss schleppen?

Die Unterschiede auf dem Akkumarkt sind enorm. Die Modelle können zwischen zwei und gut acht Kilogramm wiegen. Über die Leistungsfähigkeit sagt das Gewicht allerdings nichts aus. Inzwischen am weitesten verbreitet sindLithiumbatterien. Sie gelten als die vorteilhafteste Technik, sind leicht, haben eine lange Lebensdauer - was sie langfristig günstiger macht, sie laden sich schnell auf und halten die Ladung auch bei längeren Pausen. Die Zeit derNickel-Metallhy- drid-Batterien ist inzwischen vorbei, in den Läden stehen aber noch immer Modelle mit „NiMH' -Akkus. Ihre Lebensdauer ist meist kürzer als jene der Lithiummodelle. Pausiert das Pedelec mehrere Wochen, entladen sie sich gerne selbst.Bleibatterien sind bei uns so gut wie ausgestorben - zu Recht, sie wiegen zu viel und haben eine extrem kurze Lebensdauer. AuchNickel- Cadmium-Akkus, die das giftige Schwermetall Cadium enthalten und deshalb in etlichen Produkten inzwischen schon verboten sind, findet man in Pedelecs nicht mehr.

Ein zentrales Thema bei Batterien ist die technische Sicherheit. Stecker, Ladegeräte und Betriebsspannungen unterscheiden sich von Modell zu Modell, wird Falsches zusammengesteckt kann vom Totalschaden bis zur Explosion alles passieren. „Streng genommen müssten alle Pedelecs mit einem CE-Zeichen nachweisen, dass sie auf ihre elektromagnetische Verträglichkeit geprüft sind", sagt Andreas Kekedi vom SLG Prüflabor, der schon Dutzende Pedelecs geprüft hat, „die wenigsten tragen es allerdings.“ Eine gute Beratung ist unverzichtbar vor dem Kauf und vor der ersten Inbetriebnahme. Die Beleuchtung darf übrigens nicht über den Akku gespeist werden, sondern muss per Dynamo mit Strom versorgt werden.

Gute Typen für unterschiedliche Einsatzbereiche

Macht’s leicht: Kalkhoff Pro Connect 8-G Alfine

Easy-Pedelecs stehen für unkompliziertes Pedelec-Fahren. Sie sehen den klassischen Rädern ganz ähnlich, ihr Elektroantrieb fällt kaum auf, sie sind leicht, leichtläufi g, die Bedienung ist einfach. Die Elektrounterstützung kommt vor allem bergauf und beim Anfahren zum Zug. Technische Raffi nessen oder ein ausgefallenes Design spielen weniger eine Rolle, wichtiger ist ein moderater Anschaffungspreis. Hilfreich: Ein tiefer Einstieg.
ExtraEnergy-Testsieger in dieser Kategorie ist dasKalkhoff Pro Connect 8-G Alfi ne aus dem Haus Derby Cycle Werke. Dass man es hier mit einem Pedelec zu tun hat, erkennt man erst auf den zweiten Blick, der 250 Watt starke Panasonic-Tretlagermotor und der herausnehmbare Akku fallen kaum auf. Insgesamt bringt es das Rad auf leichte 21,3 Kilo. Es bietet einen guten Kompromiss zwischen sportlich und bequem, vom Äußeren bis hin zur Sitzposition. Auf eine Federung wird verzichtet, das Rad fährt sich deshalb hart und sehr direkt. Auch ohne Motorunterstützung ist es angenehm zu fahren, aber „mit“ macht es besonders viel Freude, da der Antrieb geradezu perfekt abgestimmt ist. Das Rad (Preis: 2.399 Euro, Ersatzbatterie 499 Euro) verfügt über eine Acht-Gang-Nabenschaltung, ergonomische Handgriffe und eine Lichtanlage mit hochwertigem Nabendynamo. Der Akku reicht in der Ebene bis zu 44 Kilometer weit, bergauf 22 Kilometer, auf Tour kamen die Testfahrer im Schnitt auf knapp 25 Stundenkilometer. Ein Tacho gehört allerdings nicht zum Lieferumfang.

Familientauglich: Giant Twist Comfort CS

Ein gutesFamilien-Pedelec ist wie geschaffen für Kindersitz oder Anhänger. Es ist sicher und zuverlässig, komfortabel zu fahren und hat eine straßenverkehrssichere Ausstattung. Familien-Pedelecs benötigen einen starken Antrieb, der das zusätzliche Gewicht gut kompensiert. Die Zuladung sollte nicht zu knapp bemessen sein, die Mindestreichweite für städtisches Stop-and-go oder kleinere Ausfl üge reichen, 30 Kilometer sollten es schon sein. Wichtig: eine zuverlässige Batterienanzeige.

Als bestes Modell in dieser Kategorie schnitt dasGiant Twist Comfort CS von Giant ab (Preis: 2.099 Euro, Ersatzbatterie: 499,90 Euro). Das Rad mit Acht-Gang-Nabenschaltung ist der Reichweitensieger im aktuellen Test. Bei Überlandfahrten schaffte sein Akku rund 74 Kilometer, bergauf knapp 33 Kilometer. Serienmäßig ist dasGiant Twist mit zwei herausnehmbaren Batterien à 2,5 Kilo ausgestattet, das macht sich im recht hohen Gesamtgewicht von 30 Kilo bemerkbar. Der kräftige Vorderradmotor zieht ordentlich, es kann schon einmal vorkommen, dass das Vorderrad auf weichem Untergrund kurz durchdreht. Zum Ziehen eines Anhängers braucht es aber genau diese Kraft. Sie macht sich auch in einem guten Unterstützungsfaktor bemerkbar. Etwas gewöhnungsbedürftig fanden die Tester den Kraftsensor im Kettenblatt: Tritt man in die Pedale, so gibt dieser immer etwas nach und vermittelt so ein schwammiges Tretgefühl. Bequem: der hochgezogene Lenker, der eine entspannte, aufrechte Fahrposition erlaubt. Praktisch: der stabile Zweibeinständer.

Auf langen Strecken zu Hause: Kalkhoff Agattu XXL Pedelec C

Tour-Pedelecs sind ideal für lange Touren bei guter Geschwindigkeit. Der Sitz ist bequem, die Ausstattung komfortabel, Berge lassen sich spielend leicht bewältigen. 40 Kilometer Reichweite sollten drin sein und die Zuladung mindestens 110 Kilo erlauben, sodass man ordentlich einpacken kann. Wichtig: ein gutes Abblend- und Fernlicht und eine genaue Anzeige der Batteriekapazität.
DasKalkhoff Agattu XXL Pedelec C (Preis: 1.899 Euro, Batterie 499 Euro) von Derby schleppt ordentlich was weg – und das auch über längere Strecken: bis zu 145 Kilo Zuladung sind drin. Das schafft sonst kein Pedelec im Test, meistens ist bei rund 100 Kilo Schluss. Rahmen, Gabel und Felgen sind verstärkt und extra stabil. Dennoch wiegt das Rad gerade mal knapp 26 Kilo. Es verfügt über eine Acht-Gang-Nabenschaltung, Hydraulikbremsen, der 250 Watt Tretlagermotor von Panasonic läuft harmonisch und mit einer kräftigen Unterstützung. DasAgattu XXL lässt sich angenehm bequem fahren und ist einfach zu bedienen. In der Ebene reicht der abnehmbare Akku knapp 45 Kilometer, bergauf für gut 15 Kilometer.

Sportlich: KTM eCross

Sport-Pedelecs findet man noch eher selten. Sie stehen für Geschwindigkeit und Kraft, für ein exklusives, sportliches Design, einen starken Antrieb und, falls es auch mal über Stock und Stein gehen soll, über eine starke Vollfederung.

Testsieger ist dasKTM eCross Mountainbike von KTM mit 250 Watt BionX Hinterradnabenmotor (Preis: 2.199 Euro, Ersatzbatterie: 890 Euro). DaseCross verfügt über eine 27-Gang Kettenschaltung,ist mit 23,2 Kilo recht leicht und zeigt vor allem am Berg einen starken Unterstützungsfaktor: Im Schnitt gab es das 1,34-fache des Radlers obendrauf, und das (theoretisch) 16 Kilometer lang. Auf Touren hält der abnehmbare Akku gut 48 Kilometer durch. Das Rad verfügt über einen Rekuperationsmodus. Die Tester erfreuten sich an den starken Bremsen, weniger gut gefiel ihnen, dass der Motor recht abrupt abriegelt, statt die Unterstützung sanft ausklingen zu lassen. Schutzbleche, Licht und Klingel fehlen, wer mit demeCross auf die Straße möchte, muss also erst noch nachrüsten.

Schick: BionX Styriette

Holland-Pedelecs stehen für klassische, hochwertige Modelle, auf denen man entspannt aufrecht sitzend radelt. Sie ähneln stark klassischen Fahrrädern und sind robust gebaut. Zu den leichten Laufeigenschaften kommt eine gleichmäßig kräftige Unterstützung mit einer hohen Reichweite.

DieStyriette von Magna Marque/E-Mobility ist etwas fürs Auge und ganz neu auf dem Markt. So neu, dass die ExtraEnergy-Tester die Ergonomie- Tests nicht mehr durchführen konnten. Doch auch ohne die fehlenden Punkte wurde dieStyriette (Preis: 3.199 Euro, Ersatzbatterie 680 Euro) zum Testsieger unter den Holland- Pedelecs. Trotz ihres modernen 250 Watt BionXAntriebs in der Hinterradnabe hat sie ihren Vorfahren, ein Leichtmotorrad aus dem Jahr 1938, nicht vergessen. Sogar die klassische Parallelogrammgabel hat sie behalten, dazu gibt es einen edlen Brooks-Ledersattel und die passenden Ledergriffe. Trotzdem wiegt dieStyriette gerade mal knapp 27 Kilo. Sie verfügt über eine Drei-Gang-Nabenschaltung, was die Tester als völlig ausreichend bewerteten. Der Motor unterstützt den Fahrer kraftvoll, in der Ebene mit der 1,34-fachen Kraft, am Berg sogar mit der 1,63-fachen Kraft. Das ist ordentlich. Auch die Reichweiten – zwischen knapp 19 Kilometer bergauf und 44,5 Kilometern auf Tour – lassen sich sehen. Der Akku steckt dezent unter dem Gepäckträger. DieStyriette gewinnt per Rekuperationsmodus etwas Energie zurück.

Für Freizeit und die Stadt: R & M Delite hybrid 500HS

Wellness-Pedelecs sind etwas für Radler, die auch in ihrer Freizeit gerne draußen unterwegs sind und Spaß an Bewegung haben. Neben einer guten Unterstützung, auch bergauf, zählt ein wendiges Fahrverhalten und ein leiser Motor, der in der Natur nicht stört. Sportlich aussehen sollten diese Modelle auch, die Reichweite ist nicht ganz so wichtig.
City-Komfort-Pedelecs sollen ein komfortables Alltagsverkehrsmittel sein. Bequem, schick, gut ausgestattet, leicht zu bedienen. Wichtig sind ein zuverlässiges Antriebssystem und eine verkehrssichere Ausstattung, aber auch ein ansprechendes Äußeres.

DasR & M Delite hybrid 500HS von Riese & Müller ist Testsieger in beiden Kategorien. Es verfügt über einen 500 Watt BionX Hinterradnabenmotor und fällt damit unter die Gruppe der schnellen Pedelecs. Leichte 25 Kilo bringt dasDelite hybrid 500HS auf die Waage, verfügt über eine Energierückgewinnungsfunktion und eine Reichweite von gut 34 Kilometern in der Ebene und 17 Kilometern bergauf. Die gute Federung macht Bodenwellen vergessen, die starke Unterstützung – im Schnitt das Eineinhalbfache des Radlers – machte den Testfahrern Lust da rauf, auch selbst stärker in die Pedale zu treten: Im Schnitt fuhren sie 32 Stundenkilometer auf der Tourenstrecke. Der stattliche Preis (4.199 Euro, Ersatzbatterie: 900 Euro) schließt unter anderem hydraulische Scheibenbremsen, eine 24-Gang- Kettenschaltung bis hin zu ergonomischen Griffen mit ein.

Macht Fahrt: Dolphin Express

Business-Pedelecs sind wie gemacht für Leute, die über längere Strecken pendeln. Mit ihnen kann man ordentlich Tempo machen, und das über eine größere Reichweite, mindestens 30 Kilometer sollten drin sein. Die Ausstattung sollte verkehrsfähig sein (Schutzblech, Klingel, Ständer), der Antrieb stark, und das bei entsprechendem Komfort. Prädikat: sportlich, edel, schick – der Preis spielt eher eine Nebenrolle.

DasDolphin Express von Stromrad (3.489 Euro, Ersatzbatterie: 960 Euro) gehört zu den Klassikern der schnellen Klasse. Sein 500-Watt-Motor sorgt für eine Geschwindigkeit von bis zu 45 Stundenkilometern in der Ebene. Mit seinem abnehmbaren Acht-Kilo-Akku bringt er insgesamt 31,8 Kilo auf die Waage und ist damit das schwerste Pedelec im l est. DasDolphin macht Lust, ordentlich in die Pedale zu treten, denn es reizt seine Kraft nur aus, wenn auch der Radler seinen Teil dazu gibt - im Schnitt kamen die Tester auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 28 Stundenkilometer in der Ebene und 25,6 Stundenkilometern bergauf, und das über lange Strecken: knapp 60 Kilometer schafft der Akku auf der Tourenstrecke, knapp 40 am Berg. Die Antriebsgeräusche machen sich allerdings klar bemerkbar. Zur Ausstattung gehört eine 27-Gang-Kettenschaltung und Scheibenbremsen.

Preise: Erhebungen durch ExtraEnergy. Anbieterverzeichnis: siehe unterwww.oekotest.de

Kompakt

Das ist ExtraEnergy
Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich Hannes Neupert, Gründer und Vorsitzender von ExtraEnergy, mit Elektrofahrrädern. Aus einem kleinen Verein ist in dieser Zeit ein Test- und Prüfzentrum entstanden, bei dem Hersteller aus aller Welt ihre Fahrzeuge testen lassen. ExtraEnergy organisiert Messen und Kongresse und ist Mitglied in internationalen Standardisierungsgremien. Zweimal im Jahr werden die Ergebnisse der Testreihen aufwww.extraenergy.org bereitgestellt. Ziel: Infos geben, die über die Herstellerangaben zur Reichweite und zum Unterstützungsfaktor hinausgehen. Stellen sich Modelle bei den Tests als Totalausfälle dar, nehmen die Hersteller sie in der Regel vom Markt, um sie zu verbessern.

So testet ExtraEnergy
Am Anfang stehen Ergonomie- Tests, bei denen 100 Freiwillige die Räder beurteilen. Sie testen etwa, ob sich der Akku leicht entnehmen lässt, ob man das Rad leicht eine Treppe hochtragen kann und vieles mehr. Bei Probefahrten wird das Fahrverhalten getestet. Dann folgen die Fahrtests. Hier werden die Pedelecs auf eine Tour geschickt, die über Land, bergaufwärts und durch Innenstadtbereiche führt. Die Räder sind dabei mit aufwendiger Messtechnik ausgestattet. So kann genau verglichen werden, wie weit der Akku reicht, welche Durchschnittsgeschwindigkeit gefahren wurde und wie der Unterstützungsfaktor ausfällt, der angibt, welche Leistung der Motor und welche der Radfahrer einbringt. Bei den Fahrradspezialisten vom Testinstitut Velotech in Schweinfurt werden die Produkte auf ihre mechanische Festigkeit untersucht, geprüft werden unter anderem Bremsen, die Bauteilfestigkeit und die Betriebsfestigkeit des fertig montierten Rades. Die Räder durchlaufen auch einen Dauertest, der die Belastung über 10.000 Kilometer und mehr simuliert. Das Prüflabor SLG Chemnitz übernimmt eine Prüfung der Elektronik und der elektromagnetischen Verträglichkeit. Am Ende werden die Pedelecs in acht Produktgruppen eingeordnet, die Kundenwünsche widerspiegeln – damit jeder findet, was er sucht.

Elektroschrottproblem
In den nächsten Jahren werden aussortierte Handys und Co ein massives Problem in den Entwicklungsländern werden, befürchtet das UN-Umweltprogramm. Problematisch ist vor allem das Recycling: So werden Elektroabfälle in China überwiegend durch kleine Hinterhofunternehmen recycelt. Diese erzielen nicht nur eine geringe Ausbeute bei Metall, sondern produzieren auch toxische Abgase, die die Gesundheit und Umwelt belasten. Jetzt geht es darum, möglichst schnell einen Transfer von Recyclingtechnologien in diese Länder zu bewerkstelligen.

Mappelthorpe gratis
Zur Ausstellung des amerikanischen Fotografen Robert Mapplethorpe im NRW-Forum Düsseldorf, die noch bis zum 15. August läuft, gibt es einen kostenlosen Audioguide. Der Guide umfasst mehr als 20 kurze Hörstücke aus Musik, Stimmen von Zeitzeugen und Wegbegleitern des Fotografen. Er lässt sich in Deutsch oder Türkisch auf den eigenen PC speichern oder als App auf das iPhone www.nrwforum.de _ Ausstellungen _ Robert Mapplethorpe.

Panne mit Google Buzz
Google Buzz ist bereits kurz nach dem Start wegen Datenschutzverletzung kritisiert worden und hat nachgebessert. Wer bereitsGoogle Mail nutzte, erhielt bei der Aktivierung vonBuzz ein Profil, in dem alle E-Mail-Kontakte automatisch als Freunde für alle sichtbar angezeigt wurden. Dass bei sozialen Netzwerken Nutzerprofile standardmäßig öffentlich sind, wurde bereits häufig von Datenschützern kritisiert.

Barrierefrei Reisen
Die Nationale Koordinierungsstelle Tourismus für Alle bietet unter www.natko.de _ Reiseinfos eine Suche nach Hotels, Restaurants, Museen oder Reiseveranstaltern in ganz Deutschland, die barrierefrei gestaltet sind oder solche Reisen im Angebot haben. Ob sich die Barrierefreiheit konkret auf Rollstuhlfahrer, Gehörlose, Hörbehinderte, Blinde, Senioren, Familien oder Gehbinderte bezieht, lässt sich anhand von Piktogrammen erkennen.

Autoklimaanlagen | Ersatzkältemittel mit Fluor ist gefährlich

Foto: ccvision.de

Nun haben Studien des Bundesamtes für Materialprüfung bestätigt, dass das von der Automobilindustrie favorisierte Kühlmittel Tetrafl uorpropen, kurz 1234yf, nicht sicher für den Einsatz in Autoklimaanlagen ist. Das fl uorierte Kühlmittel ist brennbar und kann im Brandfall und beim Kontakt mit heißen Oberfl ächen stark ätzende und giftige Flusssäure bilden, dessen Dämpfe ein Risiko für Fahrzeuginsassen und Unfallhelfer sind. Zudem ist eine Explosionsgefahr nicht auszuschließen. Das Umweltbundesamt und die Deutsche Umwelthilfe fordern die Autobauer bereits seit Jahren vergeblich dazu auf, in Pkw-Klimaanlagen das natürliche Kältemittel R744 (Kohlendixoid) einzusetzen.

Buchtipp | Weltreise

Hier geht es um die Widersprüche beim alltäglichen Warenkonsum: Was ist dran an Studien, die sagen, dass ein Apfel aus Neuseeland ökoeffi zienter ist als aus der Region? Sind die Arbeitsbedingungen in Fernost wirklich so schlimm? Ein Buch, das Denkanstöße gibt.Weltreise-Schreibgruppe,Weltreise. Von weitgereisten Waren und Widersprüchen im Einkaufskorb , Verlag Seitenhieb, Reiskirchen 2009, 5,00 Euro.

Radfahren | Kritische Masse

Regelmäßig treffen sich weltweit und auch in ganz Deutschland Radfahrer und erobern gemeinsam die Straße zurück. Worum geht es? Nach der Straßenverkehrsordnung gilt, dass mehr als 15 Radfahrer einen Verband bilden und nun zu zweit nebeneinander fahren dürfen. Dabei nutzen die Radler quasi die Fahrspur in ihrer ganzen Breite. Gruppen aus 16 und mehr Radfahrern sind also die „Critical Mass“. Unterwww.critical-mass.de Links gibt es Infos zu Critical-Mass-Initiativen von Hamburg bis Freiburg.

Fernsehtipp | Milliardenschwere Delfinindustrie

Ob Delfi narien, Delfi nshows oder Delfi ntherapien – der von Flipper seinerzeit ausgelöste Boom ist ungebrochen. Die intelligenten Meeressäuger sind beliebt und lassen die Kassen klingeln. Die Tiere zahlen dafür einen hohen Preis. Tierschützer prangern an, dass die bewegungsfreudigen Schwimmer in Gefangenschaft leiden. Im gechlorten Wasser, in beengten Verhältnissen und ohne ihre lebenswichtigen sozialen Bindungen erreichen nur die wenigsten ein hohes Alter. Da die Nachzucht in Gefangenschaft schwierig ist, fl oriert auch der Handel mit wilden Tieren, die in blutigen Treibjagden gefangen werden. Delfi ne sind Zentrum eines Milliardengeschäfts, das schwer zu durchschauen ist. ZDF.umwelt bringt am 11. April Licht in trübe Gewässer und zeigt Alternativen zur herkömm lichen Delfi ntherapie und -haltung auf.

Foto: irisblende.de

Sendetermin im April
ZDF.umwelt. Naturnahes Fernsehen sendet am 11., 18. und 25. April 2010, jeweils um 13.20 Uhr.

Werbung | Nur mit Einverständnis

Foto: stockdisc

Bestellcoupons für Zeitungsabonnements, die eine vorformulierte Erklärung für die Nutzung von Daten für Werbung über das Telefon und die E-Mail enthalten, verstoßen gegen das Wettbewerbsrecht und das Bundesdatenschutzgesetz, so das Landgericht Berlin. Werbung sei nur erlaubt, wenn der Kunde dafür seine ausdrückliche Einwilligung per Unterschrift gebe oder durch Ankreuzen eines Kästchens aktiv zustimme. Zudem sei eine solche Klausel laut Datenschutzgesetz vom übrigen Text besonders hervorzuheben, was in dem Bestellcoupon einer Berliner Tageszeitung nicht der Fall war. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, denn der vom Bundesverband der Verbraucherzentralen beklagte Verlag hat Berufung bei der nächsten Instanz, dem Kammergericht Berlin, eingereicht. (LG Berlin 4 O 90/09)

Internet | Grün Surfen?

Das ist zumindest die Idee, die hinter den Suchseiten steckt, die Christian Kroll auf die Beine gestellt hat. Mit forestle.de hat 2008 alles angefangen. Für jeden Klick auf die Werbung der Suchseite erhält Forestle von Yahoo einen Anteil an den Werbeeinnahmen. Diese fl ießen zu 90 Prozent in das ProgrammAdopt an Acre der amerikanischen Organisation The Nature Conservancy. Die restlichen zehn Prozent decken die Verwaltungskosten. Die Suchseite znout.de basiert auf der Google-Suche, wo auch das Geld herkommt, mit dem der CO2-Ausstoß aller Suchanfragen über den Kauf von Zertifi katen kompensiert wird. Im Dezember 2010 hat Kroll dann ecosia.de, die die Suchtechnologie von Yahoo und Bing nutzt, gestartet. Hier gehen 80 Prozent der Werbeeinnahmen an ein Regenwaldprojekt des WWF.

Interview: Weiter dicke Luft?

Seit Anfang dieses Jahres gilt ein neuer Luftqualitätsgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2), der 2010 laut Umweltbundesamt an vielen verkehrsnahen Luftmessstationen überschritten werden wird. Darüber sprachen wir mitFrank Dünnebeil, Verkehrsexperte am Institut für Energie und Umweltforschung in Heidelberg.

ÖKO-TEST: Woher kommen die NO2-Emissionen in den Städten?
Dünnebeil: An den betroffenen Messstationen trägt der lokale Verkehr in der Regel zu mehr als zwei Drittel zur Belastung bei. Die hohen Werte wurden so nicht erwartet, denn in den vergangenen Jahren sind die Stickoxidemissionen der Fahrzeuge stark gesunken. Hier wirken die Abgasnormen, die die Summe der Stickoxide, der NOX, begrenzen.

ÖKO-TEST: Nanu, das passt ja überhaupt nicht zusammen?
Dünnebeil: Neue Benziner stoßen nur noch wenig NO2 aus. Das Hauptproblem sind die Diesel-Pkw. Die erzeugen schon von Haus aus höhere Emissionen. Zudem sind hier die NO2- Emissionen dann noch einmal als Nebenwirkung neuer Fahrzeugtechnologien, durch die andere Abgase wie Kohlenmonoxid reduziert wurden, gestiegen. Hinzu kommt der steigende Anteil von Dieselautos.

ÖKO-TEST: Was bringen die neuen Abgasnormen?
Dünnebeil: Nach den neuen europäischen Pkw-Grenzwertstufen Euro 5 und 6 dürfen Pkw mit Benzinmotor nur noch 60 Milligramm NOX pro Kilogramm ausstoßen – mit Euro 4 sind noch 80 mg/kg erlaubt. Die NOX-Grenzen für Diesel-Pkw liegen dann bei 180 beziehungsweise 150 mg/kg, statt bei 500 und 250 nach Euro 3 und 4. Die NO2-Luftbelastung wird durch die neuen Pkw-Grenzwerte, besonders wenn der Anteil von Fahrzeugen mit Euro 6 steigt, abnehmen.

Computer | Fast jeder zweite verseucht

Der Virenschutzanbieter Panda Security hat mit einem Onlinewerkzeug ermittelt, in welchen Ländern die meisten mit Viren verseuchten Computer stehen. Die Liste wird von Taiwan und Russland angeführt, aber auch in Deutschland sind mehr als 40 Prozent aller PCs betroffen.
Quelle: Panda Security 2009
Grafik: ÖKO-TEST


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