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Photovoltaik Auf die Dächer, fertig, los!


ÖKO-TEST Spezial Wohnen und Leben - epaper ⋅ Ausgabe 9/2011 vom 02.09.2011

Viele sahen schon das Ende des Booms bei Sonnenstromanlagen nahen. Doch nun werden bis Ende 2011 wahrscheinlich wieder massenhaft Module und Wechselrichter installiert. Denn die finanziellen Bedingungen sind günstig wie selten.


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Foto: Marina Lohrbach/Fotolia.com

Satte 15 Prozent! Minus! Das war das Horrorszenario, das bis Juni 2011 über der deutschen Solarbranche wie das Schwert des Damokles hing. Diese zusätzliche Kürzung der Einspeisevergütung ab 1. Juli hatten Branchenvertreter und Politik ausgehandelt, um den massiven Anstieg der installierten Solarstromproduktion zu begrenzen. Und das, obwohl bereits ...

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Satte 15 Prozent! Minus! Das war das Horrorszenario, das bis Juni 2011 über der deutschen Solarbranche wie das Schwert des Damokles hing. Diese zusätzliche Kürzung der Einspeisevergütung ab 1. Juli hatten Branchenvertreter und Politik ausgehandelt, um den massiven Anstieg der installierten Solarstromproduktion zu begrenzen. Und das, obwohl bereits zum 1. Januar die Vergütungen um 13 Prozent gekürzt worden waren. Dabei stellten die 15 Prozent die schmerz vollste Stufe des sogenannten atmenden Deckels dar. Dieser sah vor, dass die Installations zahlen von März bis Mai – hochgerechnet auf das ganze Jahr – die Grundlage für die weitere Kürzung sein sollte. Das Motto: Je mehr Sonnenstrom anlagen gebaut werden, umso niedriger wird der damit produzierte Strom vergütet. Damit sollte erreicht werden, dass die Gemeinschaft der Stromkunden, die ja die Kosten für die Subventionierung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien, also auch aus Wind oder Bio-Masse, trägt, nicht noch stärker belastet wird. Immerhin war die Umlage auf rund 3,5 Cent je Kilowattstunde gestiegen. Die Nervosität war in der Branche vom Modulhersteller bis hin zum kleinen Installateur deutlich spürbar. Würde die massive Kürzung den rasanten Aufschwung der Branche wieder einmal massiv bremsen? Alle Beteiligten warteten auf die Meldung der Bundesnetzagentur, bei der Photovoltaikanlagen registriert werden müssen. Und es passierte: nichts!

Mit aufs Jahr hochgerechnet nur 2.800 Megawatt blieb der zu erwartende Zubau weit hinter den Schätzungen zurück; nicht mal die niedrigste Kürzungsstufe wurde erreicht. Ob es am Wetter, den unerfüllten Renditeerwartungen der Kunden, der cleveren Verhandlungstaktik der Solarlobby oder einfach an den zu kurzfristigen festgelegten Rahmenbedingungen lag, ist müßig zu diskutieren. Für Interessenten zählt allein, dass für typische Privatanlagen bis 30 Kilowatt Leistung, die 2011 installiert werden, nach wie vor 28,74 Cent je Kilowattstunde bezahlt werden. Auch die vorteilhafte Regelung für die Vergütung selbstverbrauchten Sonnenstroms bleibt bestehen (siehe Tabelle S. 38).

Preise sinken

Nicht nur der Kaufstreik in Deutschland bescherte parallel dazu Herstellern und Händlern volle Lager. Weltweit wurden die Produktionskapazitäten für Module, Wechselrichter und Komponenten massiv ausgeweitet; gleichzeitig reagierten viele Staaten auf den Boom bei Sonnenstromanlagen mit radikalen Förderkürzungen.

Die Folge sind rasch fallende Anlagenpreise. Die Fachzeitschrift Photon registrierte zum Beispiel bei An lagen bis zehn Kilowatt im Januar noch einen durchschnitt lichen Preis von 2.925 Euro je Kilowatt Leistung Peak (kWp), im Mai war dieser Wert schon auf 2.590 Euro je kWp gefallen. Und der Trend zeigt weiter nach unten. Vor allem günstige Modulpreise treiben die Anlagenkosten weiter nach unten. Auf der Messe Intersolar wurden schon asia tische Module für unter einem Euro je Watt ab Werk (1.000 Euro je kWp) angeboten. Zwar sind solche No-Name-Produkte für Endkunden mit erheblichen Risiken bei Leistung, Garantie und Service behaftet, auf das Preisniveau von Qualitätsprodukten wirken sich die Dumpingangebote trotzdem dämpfend aus. Das Warten auf klarere Marktbedingungen und fallende Preise hat sich also gelohnt. Schon bei einem Preis von 2.500 je kWp sind an durchschnittlichen Standorten (Jahresertrag 900 Kilowatt stunden/kWp) Renditen von mehr als sechs Prozent möglich. Bei noch niedrigeren Preisen, überdurchschnittlich effizienten Solarzellen und/oder einem sehr sonnigen Standort sind sogar wieder zweistellige Renditen in Sicht. So ist es auch in diesem Jahr kein Geheimnis mehr: Beim aktuell niedrigen Zinsniveau für Sparbücher und Festgeld gibt es kaum eine bessere – und wegen der staatlichen Garantie der Einspeisevergütung über 20 Jahre – kaum eine sicherere Möglichkeit, sein Geld gewinnbringend anzulegen.

Blick auf deutsche Dächer. Eine Photovoltaikanlage besteht aus Modulen, die per Spezialkabel verschaltet werden. Optimal ist eine Ausrichtung nach Süden.


Foto: ogressie/Fotolia.com

Damit wiederholt sich die Geschichte: Wie 2009, als der Markt erst nur langsam in Gang kam, um dann gegen Jahresende in eine hektische Rallye zu münden, bei der investitions wütige Käufer die Projektierer und Installa- teure zu Höchstleistungen antrieben, wird es wohl auch in diesem Jahr wieder einen Sonnenstrom-Boom geben. Für eine Verdoppelung der Zubauzahlen wie in den Vorjahren wird es zwar nicht reichen, aber aufs Jahr gesehen sind zusätzliche 7.000 Megawatt oder mehr durchaus realistisch. Manche Experten wie die Photon-Chefredakteurin Anne Kreutzmann rechnen sogar mit 10.000 Megawatt.

Dass diese erneute Aufstockung der wetterbedingt sehr sprunghaften Solarstromproduktion die Stromnetze und ihre Manager vor immer größere Probleme stellt, die nicht wissen, wohin mit dem massenhaft anfallenden Strom, interessiert die vielen Tausend renditeorientierten Anleger nicht. Auch nicht, dass die Mehrheit der Stromverbraucher, die gar keine Chance haben, eine Photovoltaikanlage zu kaufen oder zu montieren, einen immer höheren Strompreis bezahlen muss und die Akzeptanz der umweltfreundlichen Technologie sinkt. Für die Photovoltaikbranche, vor allem für die vielen Handwerksbetriebe und kleineren Projektierer, heißt es wieder Augen zu und mitnehmen was geht, denn spätestens im Herbst beginnt das Zittern von Neuem. Denn aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Auch die novellierte Fassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sieht ab dem 1.1.2012 Kürzungen der Einspeisevergütung von 1,5 bis maximal 24 Prozent vor, je nachdem wie Sonnenstromkapazitäten von Oktober 2010 bis September 2011 installiert wurden. Das Hü und Hott beim Sonnenstrom, die Unsicherheiten für Anbieter wie auch Käufer zum Jahres ende und zur Jahresmitte sowie der Streit um seine angemessene Vergütung werden also weitergehen. Zumindest so lange, bis sich an den Förderbedingungen nichts Wesentliches ändert – und die Hersteller noch Potenzial für Preissenkungen haben.

Qualität auf dem Dach

Foto: www.wagner-solar.com

Eine Photovoltaikanlage ist eine langfristige Investition. Damit sich die Ausgabe auch wirklich lohnt, sollten zukünftige Betreiber nicht einfach „ein Stück Solaranlage“ bestellen. Wir sagen, worauf Sie achten sollten. Mindestens 20 Jahre lang soll und muss eine Photovoltaikanlage zuverlässig und ohne größere Reparaturen funktionieren. Nur dann spielt sie die meist fünfstellige Investition und den erwarteten Gewinn ein. Eine konservativ angelegte Kalkulation, die entsprechende Wartungskosten und einen Puffer für Schäden enthält, und ein wachsames Auge auf die Qualität der Komponenten und der Montage lohnt sich deshalb.

Gut planen

Da Freilandanlagen bis auf wenige Ausnahmen von der Förderung ausgeschlossen wurden, ist ein geeignetes Dach für Privatleute die wichtigste Voraus setzung für den Bau einer Sonnenstromanlage.

Das Dach muss nicht das eigene sein, allerdings ist diese Standardlösung einfacher und unbürokratischer. Für einen hohen Ertrag ist eine Dachfläche Richtung Süden mit einer Neigung von etwa 35 Grad ideal. Im Süden der Republik kann es auch einige Grade flacher sein, im Norden steiler. Bei vergleichsweise niedrigen Anlagenpreisen lohnt sich die Installation auch auf Dächern, die nicht direkt nach Süden weisen. Eine Abweichung bis zu 30 Grad nach Ost oder West bringt meist immer noch eine gute Rendite. Die Dachneigung sollte dann mehr als 35 Grad betragen, da die Sonne morgens und abends flacher steht. Eine Festlegung der optimalen Ausrichtung und dem Ertrag ist mit Simulationsprogrammen möglich, über die die Solarinstallateure verfügen.

Wird die Anlage auf einem Flachdach installiert, bestehen hier größere Optimierungsmöglichkeiten als auf einem Schrägdach. Wegen der notwendigen Halterungen aus Stahl, Aluminium oder als Kunststoffwanne sind die Montage kosten aber höher als an einem Steildach.

Wer ein Haus mit Solardach besitzt, sollte die Bäume nicht allzu hoch in den Himmel wachsen lassen, denn mit Schatten sieht es auch mit dem Ertrag düster aus.


Foto: lassedesignen/Fotolia.com

Tragfähig sollte die Basis für die Sonnenstromanlage natürlich auch sein, Flachdächer zumindest teilweise begehbar. Etwa acht Quadratmeter Fläche werden pro Kilowatt Leistung (kWp) benötigt. Unterhalb von drei kWp ergibt eine Sonnenstromanlage heute wirtschaftlich meist wenig Sinn, da die Grundkosten für Planung und Montage ähnlich hoch wie bei größeren Anlagen sind. Attraktivere Renditen versprechen Anlagen ab circa fünf kWp, die immerhin rund 40 Quadratmeter Dachfläche benötigen. Der Installateur sollte den Nachweis führen, dass die Anlage und das damit bestückte Dach den örtlichen Schnee- und Windlasten Stand halten.

Achtung Schatten!

Eine wichtige Rolle spielt die Verschattung durch Dachaufbauten, Bäume, Strommasten oder Antennen, denn schon ein kleiner Lichtmangel wirkt wie ein Knick in einem Gartenschlauch und kann so einen Teil oder die komplette Anlage zeitweise lahmlegen.

Ein Ausschlusskriterium ist das aber nicht. Mit einer intelligenten Verschaltung der Module und etwas Abstand zu Dachgauben und Antennen lässt sich auch unter diesen Umständen Strom ernten. Voraus setzung ist, dass der Installateur die technische und elektrische Auslegung sowie die Montage der Anlage an den jeweiligen Standort anpasst. Das gilt nicht zuletzt für den Wechselrichter. Nur wenn er zur Anlage passt, wandelt er den gewonnenen Sonnenstrom (Gleichstrom) effizient in Netzstrom (Wechselstrom) um. Der Installateur sollte die Kombination mit einem Simulationsprogramm überprüfen, Fertig pakete sind meist nur durch Zufall optimal zusammengestellt. Preislich relevant ist auch der Zugang zum Dach. Muss der Installateur umständlich klettern, weite Wege gehen oder ist wegen der großen Höhe ein besonderes Gerüst nötig, verteuert sich die Montage.

Gut einkaufen

Wer gleich auf das erstbeste Angebot eingeht, ohne auf nähere Angaben zu bestehen, ist selbst schuld, wenn Fehler auftreten. Mindestens drei Vergleichsangebote sollte man einholen. Doch für den Laien ist eine Prüfung des mit Fachchinesisch gespickten Papiers sehr aufwändig. Am einfachsten machen es sich Käufer, wenn Sie Standards nach dem Gütezeichen Solar RAL GZ 966 vereinbaren. Hier sind von der Angebotserstellung bis zur Einweisung Schritt für Schritt ausführliche, verbraucherfreundliche Regelungen enthalten (www.gueteschutz-solar.de).

Beim schriftlichen Angebot sollte neben einer genauen Auflistung aller Bau- teile und deren Spezifikation eine Rentabilitätsberechnung dabei sein, die auf den durchschnittlichen, zehnjährigen Solarstrahlungsdaten des Deutschen Wetterdiensts für den genauen Standort beruht. Einfach die einfallende Sonnenenergie für die Region oder die nächsten Großstadt zu wählen, ist unlauter. Die Leistungsgarantien für Module sind oft das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind. Zwar verwenden sorgfältige Installateure computer gestützte Simu lationsprogramme, um die Position und die Auslegung der Anlage zu optimieren. Aber auch die meist mittelständischen Handwerker wissen nicht immer, welche Qualität die Solarmodule haben, die die Hersteller liefern. Technisch bedingt weicht die Leistung eines Moduls nicht selten von dem vom Hersteller angegebenen Wert nach oben oder unten ab.

PV-Anlagenpass

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) hat zusammen mit dem Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke einen Photo voltaik-(PV-)Anlagenpass entwickelt. Warum? Eine steigende Anzahl von Schadensfällen habe gezeigt, dass es bei PV-Anlagen Defizite durch eine fehlerhafte Planung und Installation gebe. Diese sollen mithilfe des PV-Anlagenpasses bei der Übergabe der Anlage an den Kunden vermieden werden. Im Pass dokumentieren Installateure Kennzeichen der Anlage wie installierte Leistung, Hersteller und Typ der Module und Gewährleistungszeiten. Mehr unter www.photovoltaik-anlagenpass.de

Achtung Diebstahl!

Foto: Simon Kraus/Fotolia.com

Seit Jahren steigt die Zahl der Diebstähle von Photovoltaikanlagen. Springt keine Versicherung ein, verwandelt sich der Deal mit der Sonne schnell zum Verlustgeschäft. Häufig betroff en sind Anlagen auf dem Land, besonders auf allein stehenden Ställen oder Scheunen. Denn hier können Moduldiebe unbehelligt die Anlage ausspähen, Löcher in den Zaun schneiden und Befestigungen lockern. Aber auch einfach erreichbare Anlagen auf Hausdächern wurden schon gestohlen.

Dabei sind Abwehrmaßnahmen gar nicht schwierig oder teuer. Denn schon ein erhöhter Zeitaufwand für die Demontage und den Abtransport schreckt Diebe ab. Bei Dachanlagen auf privaten Wohnhäusern reicht es in der Regel, die Schrauben, die die Module auf den Montagegestellen halten, gegen rasches Lösen zu sichern. Das geht mit speziellen Schrauben, deren Werkzeugaufnahme bei einem bestimmten Drehmoment abschert, wodurch nur eine runde, mit Werkzeug schwer zu greifende Oberfläche zurückbleibt. Die Alternative sind Schrauben, die sich nur mit speziellen Werkzeugen lösen lassen. Bei bestehenden Verschraubungen kann man kleine Stahlkugeln in die Öff nungen der Inbusschrauben einschlagen oder Gießharz einfüllen. Nachteil dieser Methode: Müssen Module wegen eines Defekts ausgetauscht werden, steht man vor dem gleichen Problem wie der potenzielle Dieb – die Schraube lässt sich nur mit Gewalt oder durch Aufbohren lösen. Wer schon weiß, dass die Module versetzt oder getauscht werden sollen, greift deshalb besser zu sogenannten Modulschlössern. Das sind am Montagegestell angebrachte Vorrichtungen, in welche die Module einrasten und die sich nur mit einem speziellen Schlüssel wieder öff nen lassen.

Achten sollte man auch auf die Qualität der Klemmen, die die Module auf dem Gestell halten. Schwachbrüstige Modelle lassen sich einfach aufbiegen, dickere Profile aus Aluminium oder Edelstahl leisten hier mehr Widerstand. Wer dann noch den Zugang aufs Dach erschwert und den Wechselrichter in einem geschlossenen Raum montieren lässt, macht alles richtig. Wer allerdings eine Leiter am Haus hängen lässt und zudem einen wenig einsehbaren Zugang samt Anfahrmöglichkeit frei hält, lädt Diebe geradezu ein, sich zu bedienen.

Wer wissen will, wie gut seine Module arbeiten, sollte sich die Datenblätter der gelieferten Module (Flasher-Protokolle) anschauen. Darin dokumentiert der Hersteller die in einem Solarsimulator direkt nach der Produktion gemessene Leistung. Doch Vorsicht: Ein unlauterer Trick ist es, die Leistung der kompletten Anlage schönzurechnen, indem von einzelnen, guten Modulen auf die ganze Lieferung hochgerechnet wird. Deshalb sollten alle Module geprüft worden sein und eine Flasher-Liste bei Lieferung dabei sein (siehe auch weiter unten „Gut montieren“). Manche Anbieter werben mit so genannten Plus-sortierten Modulen, die alle besser arbeiten, als bei der Nennleistung angegeben. Einen Vergleich mit anderen Angeboten ersetzt ein solches Versprechen aber nicht.

Leistungsverlust einkalkulieren

Im Gegenzug sollte die Wirtschaftlichkeitsberechnung auch den Leistungsverlust der Anlage einkalkulieren. Denn bei Solarzellen vermindert sich mit der Zeit der Wirkungsgrad. Das heißt, sie wandeln das Sonnenlicht von Jahr zu Jahr in weniger elektrischen Strom um. Dieser Degradation genannte Effekt tritt bei kristallinen Modulen ein, sobald sie der Sonne ausgesetzt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie hat einen Mittelwert für diese Anfangsdegradation von 1,1 Prozent herausgefunden. Bei Dünnschichtmodulen, d ren Degradation langsamer verläuft, aber deutlich stärker ist, geben die Hersteller von vornherein eine Nennleistung an, die diesen Effekt berücksichtigt. Als Kunde sollte man deshalb in diesem Punkt genau nachfragen, um nicht nach Jahren mit einer leistungsschwachen Anlage dazustehen.

Hauptsache, die Montage stimmt. Dafür entwickeln die Hersteller Systeme, die Material, Gewicht und Aufbauzeit sparen und einen stabilen Verbund bieten.


Foto: www.wagner-solar.com

Auch bei Photovoltaikanlagen kostet Qualität mehr als ein No-Name-Produkt. Vor allem aus China drängen haufenweise unbekannte Marken auf den lukrativen deutschen Markt. Außer den sehr günstigen Preisen erhält man jedoch nur wenige Informationen über die Qualität; manche Module sind nicht mal nach dem Mindeststandard zertifiziert. Das bedeutet nicht, dass Module aus China generell schlechter als deutsche, europäische oder japanische Ware sind. Große Qualitätshersteller halten sowohl in der Qualität wie in der Leistung mittlerweile mit der euro päischen Konkurrenz gut mit. Einen Überblick bieten regelmäßige Tests von Fachzeitschriften (www.photon. de), Erfahrungswerte anderer Anlagenbetreiber oder der Modultest in ÖKOTEST April 2010 (www.oekotest.de). Die Faustregel, dass Anlagen betreiber etwa alle zehn Jahre einen neuen Wechselrichter benötigen, hat sich durch neue Technologien weitgehend überholt. Ganz genau prüfen sollte man die Garantie versprechen der Hersteller. Der erste Eindruck, dass der finanzielle Verlust durch den qualitätsbedingten Ausfall eines Moduls eins zu eins ersetzt wird, täuscht häufig. Nicht selten scheitert der Garantieanspruch schon an der Frage, wer überhaupt feststellen darf, dass die Module wirklich zu wenig Strom liefern. Die meisten Hersteller behalten sich vor, selbst nachzumessen.

Dafür muss das Modul aber in der Regel eingeschickt werden; die Kosten für die Demontage und den Versand trägt in der Regel erst einmal der Kunde – auch wenn das Paket nach China gehen sollte. Allein die Versandkosten sind in diesem Fall fast so hoch, wie die Kosten für ein neues Modul. Völlig unterschiedlich regeln zudem die Hersteller, wie sie den Anlagenbesitzer entschädigen: durch den Austausch der defekten Module, zusätzliche Module, deren Montage aber der Kunde bezahlt, oder durch einen Geldbetrag, der durch knifflige Berechnungsmethoden nicht selten lächerlich gering ist.

Gut montieren

Die besten Komponenten nützen wenig, wenn bei der Installation geschludert wird. Aus Kostengründen werden schon mal zu dünne Kabel und zu schwache Schrauben verwendet. Auch ein lose verlegtes und dann durchgescheuertes Kabel kann die ganze Anlage lahmlegen. Ausführliche Qualitätsrichtlinien für die Montage von Sonnenstromanlagen hat die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie mit dem Gütezeichen RAL GZ 966 entwickelt (www. gueteschutz-solar.de).

Sonnenstrom selbst verbrauchen

Auch in der Überarbeitung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wurde die Vergütung für den Eigenverbrauch selbsterzeugten Sonnenstroms beibehalten. Das heißt, dass Strom, der nicht ins Netz fließt, sondern vor Ort verbraucht wird, mehr wert ist, als ins Netz eingespeister Strom. Für die Erfassung des Eigenverbrauchs ist ein weiterer Stromzähler nötig, der im Schnitt etwa 15 Euro Miete pro Jahr beim Stromversorger kostet. Die Vergütung staffelt sich in zwei Stufen: Für die ersten 30 Prozent, gemessen am Gesamtertrag, mit einem kleinen und für den darüber hinausgehenden Anteil mit einem sehr ordentlichen Vorteil. Bei einer typischen Privatanlage mit fünf Kilowatt Spitzenleistung und einer Sonnenernte von jährlich 4.500 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr sowie einem übers Jahr gerechneten Eigenverbrauch von 2.000 Kilowattstunden bedeutet dies, dass für die ersten 1.350 selbstgenutzten Kilowattstunden der niedrigere Tarif von aktuell 12,36 Cent gezahlt wird. Für die restlichen 650 selbstverbrauchten Kilowattstunden zahlt der Energieversorger 16,74 Cent, was einen Bonus von acht Cent je Kilowattstunde gegenüber der normalen Einspeisevergütung von 28,74 Cent bedeutet. Denn auf diesen Preis wird der normale Strompreis von circa 20 Cent netto angerechnet, den man ja nicht mehr bezahlen muss. Die übrigen 2.500 Kilowattstunden Strom speist die Anlage wie bisher ins Netz ein, und der Stromversorger vergütet diese zum geltenden Satz. Mit der zweistufigen Regelung honoriert der Gesetzgeber, dass die Technik für einen hohen Anteil selbstverbrauchten Sonnenstroms zurzeit noch sehr teuer ist. Gleichzeitig sollen Mitnahmeeffekte verhindert werden. Steigen die normalen Strompreise, wird selbstverbrauchter Sonnenstrom noch attraktiver.

Nicht zu optimistisch
Welche Rendite eine Sonnenstromanlage mit Eigenverbrauch wirklich bringt, ist schwierig zu berechnen. Dazu müsste genau ermittelt werden, welche Geräte im Haushalt wann wie viel Strom verbrauchen. „Man sollte auch überlegen, ob man in einigen Jahren noch genauso viel Strom wie zum Zeitpunkt der Installation verbraucht“, gibt Diplom-Ingenieur Björn Hemmann von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenergie (DGS) zu bedenken. Durch die Anschaffung neuer stromsparender Geräte, oder wenn die Kinder ausziehen, kann der Stromverbrauch deutlich sinken. Damit ändert sich auch die Eigenverbrauchsquote, was einen schlechteren Vergütungssatz zur Folge haben kann. Die DGS empfiehlt daher, die Investition in eine Sonnenstromanlage so zu kalkulieren, dass sie sich auch ohne Eigenverbrauch rentiert. „Damit ist man auf der sicheren Seite. Kann man dann sogar mehr als 30 Prozent des Stroms selbst verbrauchen, ist die höhere Vergütung sozusagen ein Extrabonbon“, argumentiert Hemmann.

Dachdesign mit dem Computer. Auch extra vagante Lösungen lassen sich planen und kalkulieren. Die Hersteller benutzen dafür meist ihre eigene Softwa re.


Fotos: www.wagner-solar.com (2)

Wichtig ist eine gute Hinterlüftung der Module: Je heißer eine Solarzelle wird, umso weniger Strom liefert sie. 70 Grad Celsius sind bei voller Sonneneinstrahlung keine Seltenheit; die Stromausbeute sinkt dadurch um bis zu zehn bis maximal 15 Prozent. Über der Dachober fläche montierte oder frei aufgestellte Anlagen sind gegenüber im Dach montierten Solar modulen im Vorteil, da sie besser gekühlt sind. Fünf Zentimeter Abstand zwischen Dachdeckung und Solarmodulen gelten als guter Richtwert. Einheitlich montierte Anlagen haben einen höheren Ertrag als in vielen Einzelteilen montierte Solargeneratoren, bei denen sich die Anlagenteile unterschiedlich stark erwärmen und sich dadurch negativ beeinflussen. Gleichmäßige Dünnschichtzellen halten Hitze meist besser aus als mono- oder polykristalline Zellen. Ausschlaggebend ist der sogenannte Temperaturkoeffizient: Je näher er bei Null ist, umso besser.

Nicht nur wer selbst bei der Montage mit anpackt, sollte darauf achten, dass ein geeignetes Gerüst mit Absturzsicherung zur Verfügung steht. Als Privatmann handelt man bei der Eigenleistung zwar auf eigenes Risiko, sobald aber bezahlte Helfer mit dabei sind, ist die Einhaltung der betreffenden Technischen Regeln für Betriebssicherheit vorgeschrieben. Diese sollte natürlich auch der Installateur kennen und danach handeln, weil gerade auf steilen Dächern die Absturzgefahr groß ist. Maßgeblich sind die Vorschriften TRBS 2121-1 bis 3, die kostenlos von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (www.baua.de) veröffentlicht werden. Arbeitssicherheit ist nicht umsonst zu haben, zeichnet aber qualitätsorientierte Anbieter aus.

Module vorsortieren

Auch für Laien leicht zu umzusetzen ist eine Sortierung der Module nach ihrer Leistung. Der Sinn der Fleißarbeit, die sich bei Anlagen mit mehr als einem String (eine Reihe hintereinanderge- schalteter Module) lohnt: Je gleichmäßiger die in einer Reihe zusammengeschalteten Module arbeiten, umso höher ist die Leistung des Anlagenteils, da diese vom schwächsten Modul in der Reihe bestimmt wird. Notwendig dafür die sogenannte Flasher-Liste. Mit dem Flasher simuliert der Hersteller bei der Qualitätskontrolle die Sonneneinstrahlung und erhält Auskunft über die Leistung des Moduls. Auf der Flasher-Liste stehen die Leistungsdaten aller Module einer Lieferung inklusive deren Seriennummer. Liegt die Liste elektronisch als Tabelle vor, ist die Sortierung mit wenigen Mausklicks erledigt; ansonsten muss mit Stift und Zettel gearbeitet werden. Anschließend werden die Module mit ähnlichen Leistungen anhand der Liste sortiert, analog zur Zahl der Strings in Gruppen eingeteilt und entsprechend auf dem Dach montiert und angeschlossen. Manche Hersteller bieten vorsortierte Module ab Werk an.

Sicher überwachen und warten

Solarmodule sind zwar robust, Wind und Sturm, aber auch ein Marder, können einzelne Komponenten beschädigen und den Stromertrag bis zur Entdeckung zunichtemachen. Deshalb die Anlage alle paar Wochen in Augenschein nehmen und alle paar Tage den Stromertrag kontrollieren. Das geht mit den entsprechenden Anzeigemodulen, die viele Anbieter im Programm haben, auch bequem vom Wohnzimmer aus. Eine Reinigung der Module ist in den meisten Fällen nicht notwendig. Der Regen wäscht auch größere Schmutzpartikel irgendwann wieder ab. Eigenmächtig auf dem Dach oder gar auf der Anlage herumzuklettern, kann lebensgefährlich sein! Ähnliches gilt für Schneefall im Winter. Allenfalls vom Erdboden aus kann man versuchen, Schnee zum Abrutschen zu bewegen. Steil geneigte Anlagen ohne Kanten und Ecken haben hier Vorteile.

Jetzt kommen die Speicher für höhere Renditen

Foto: Voltwerk Electronics

Deutlich mehr als 30 Prozent des erzeugten Solarstroms selbst zu verbrauchen, ist in einem Privathaushalt schwierig. Um dieses Manko auszugleichen, entwickeln Solarfirmen zunehmend Speicherlösungen; erste Produkte sind bereits erhältlich. Ohne Speicher muss der Solarstrom genau dann verbraucht werden, wenn er anfällt. Das ist vor allem in der Mittagszeit der Fall. Traditionell verbrauchen Privathaushalte aber einen Großteil ihres Stroms abends oder in den sonnenarmen Herbst- und Wintermonaten. Am Anfang macht es sicherlich Spaß, den Sonnenstand zu prüfen und die Spülmaschine oder Waschmaschine genau dann anzuschalten, wenn die Sonne scheint. „Auf Dauer ist das aber sehr aufwendig, nur um ein paar Cent extra zu verdienen“, sagt Diplom-Ingenieur Hemmann von der DGS und setzt auf automatische Lösungen. Sie reichen vom einfachen elektronischen Schalter, der ein einzelnes Gerät einschaltet, wenn die Sonne scheint, bis zu elektronischen Anzeigen, die das Sonnenstromangebot und den aktuell im Haus verbrauchten Strom anzeigen und so zum bewussten Stromverbrauch anregen. Denkbar sind auch Tiefkühlschränke, die ihren Inhalt per eigenem Sonnenstrom extra tief gefrieren, um dann die Temperatur langsam wieder auf die normalen minus 18 Grad ansteigen zu lassen. Zu kaufen gibt es solche Geräte allerdings noch nicht.

Am eff ektivsten sind Akkus, entweder fest im Haus installiert oder mobil in Form eines Elektrofahrzeugs. Gerade ein Elektromobil als Zweitauto, das die meiste Zeit vor dem Haus steht, könnte in Verbindung mit einer Solaranlage gleich doppelten Nutzen bringen. Bezahlbare Modelle sind aber noch Mangelware. Auch Speicherlösungen, die im Haus stehen, sind zurzeit noch teuer. Dessen ungeachtet ist das Interesse von Fachleuten und Endkunden an den etwa kühlschrankgroßen Schränken groß, wie die Messe Intersolar im Juni 2011 gezeigt hat. Kaum ein Anbieter, der kein entsprechendes System zeigte oder zumindest angekündigt hat. Erhältlich sind die meisten Lösungen mit Speicherkapazitäten von bis zu 20 Kilowattstunden allerdings erst ab 2012. Weitere Gemeinsamkeit: Ob mit billigen und eigentlich veralteten Bleiakkus oder mit modernen Lithium-Ionen-Speichern, zu den aktuell aufgerufenen Preisen sind Speicherlösungen nicht wirtschaftlich, sondern eher eine technische Spielerei. Der Grund sind die hohen Preise beziehungsweise die relativ kurze Lebensdauer der Stromspeicher. Während man allein für Lithium-Ionen-Akkus aktuell etwa 1.000 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität bezahlen muss, verlieren die preiswerteren Bleiakkus relativ rasch ihre Speicherkapazität und müssen nach wenigen Jahren ausgetauscht werden. Wann es bezahlbare und damit rentable Speicherlösungen in größeren Stückzahlen geben wird, hängt von der technologischen und preislichen Entwicklung ab; erst das Jahr 2012 wird hier mehr Klarheit bringen.


Foto: www.wagner-solar.com