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Photovoltaik: sonniger Boom


ÖKO-TEST Spezial Wohnen und Leben - epaper ⋅ Ausgabe 9/2010 vom 23.09.2010

Die Umwandlung von Sonnenlicht in Strom ist erfolgreich in Deutschland. Sehr erfolgreich sogar. Das hat Konsequenzen, nicht zuletzt für künftige Anlagenbetreiber. Lohnt sich die umwelt freundliche Stromerzeugung in Zukunft noch? Und wenn ja, wie sichert man sich hohe Erträge?


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Deutschland im Juli 2010: makellos blauer Himmel, Rekord tem peraturen, Backofenhitze in ICE-Zügen. Eher unbemerkt hatte die Dauersonne einen weiteren Effekt. Gleich an zehn Juli-Tagen überstieg die an der Leipziger Strombörse EEX gehandelte Menge an Sonnenstrom 7.000 Megawattstunden – ein Rekordwert. ...

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Deutschland im Juli 2010: makellos blauer Himmel, Rekord tem peraturen, Backofenhitze in ICE-Zügen. Eher unbemerkt hatte die Dauersonne einen weiteren Effekt. Gleich an zehn Juli-Tagen überstieg die an der Leipziger Strombörse EEX gehandelte Menge an Sonnenstrom 7.000 Megawattstunden – ein Rekordwert. Zwar nur für wenige Stunden am Mittag, aber bei einem gleichzeitigen Verbrauch von geschätzt rund 70.000 Megawattstunden deckte die Photovoltaik in dieser Zeit immerhin rund zehn Prozent des deutschen Stromverbrauchs. Eine Momentaufnahme nur, aber sie zeigt, wie erfolgreich die einst belächelte Technologie mittlerweile ist. Teilweise mussten die Stromerzeuger in diesen Mittagsstunden sogar konventionelle Kraftwerke herunterregeln oder ganz abschalten, da sie verpflichtet sind, den Strom aus erneuerbaren Quellen vorrangig abzunehmen.

Ob die sommerlichen Spitzenerträge die Rückschläge durch den schneereichen Winter und das regnerische Frühjahr für die Anlagenbesitzer ausgleichen, wird erst die Jahresstatistik zeigen. Insgesamt dürfte sich aber an der Situation des deutschen Strommarkts wenig verändern. Hier hat der Sonnenstrom einen Anteil von nur einem Prozent, der sich demnächst auf zwei Prozent erhöhen dürfte. Ob die Sonne scheint oder nicht, könnte dem deutschen Stromkunden also egal sein, meint man. Doch von dem niedrigen Marktanteil darf man sich nicht täuschen lassen.

Solarboom auf Pump

Denn den Boom der Photovoltaik erkauft sich Deutschland teuer. Das Schlüsselwort heißt Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG. Es regelt unter anderem die Einspeisevergütung für Strom aus erneuer baren Quellen und garantiert dem Eigentümer einer Sonnenstromanlage für 20 Jahre feste Vergütungssätze, abhängig vom Jahr der Inbetriebnahme.

Das Problem: Mit jedem weiteren Megawatt steigen die sogenannten Solarschulden der deutschen Stromverbraucher. Sie bezahlen die Vergütung des Stroms aus erneuerbaren Energien mit einem Aufschlag auf ihre Stromrechnung. Da die staatlich garantierte Zusage 20 Jahre lang gilt, werden deutsche Stromverbraucher noch lange für heute installierte Anlagen zahlen. Auf insgesamt 70 bis 100 Milliarden Euro wird die Gesamtsumme dieser Solarschulden geschätzt, die in den nächsten Jahrzehnten auf den Strompreis aufgeschlagen wird. Konkret zahlt jeder Strom verbraucher ab 2011 voraussichtlich vier statt aktuell circa zwei Cent je verbrauchter Kilowattstunde für die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien, schätzt Holger Krawinkel, Energieexperte des Verbraucherzentrale-Bundesverbands. Bei einem Durchschnitts haushalt sind das dann immerhin circa 14 Euro je Monat.

Eine Rendite von mehr als sechs Prozent ist in Deutschland drin, selbst wenn die Sonne nur durchschnittlich lange scheint. Die Anlagenpreise sollten aber auf niedrigem Niveau wie im diesjährigen Sommer verharren.


Foto: Marina Lohrbach/Fotolia.com

Die überdurchschnittlichen und jahrzehntelangen Erträge für die Anlagenbesitzer von acht bis über zehn Prozent, in Zeiten, in denen Banken für Tagesgeld gerade mal 1,5 Prozent zahlen, sowie die wachsende finanzielle Belastung aller Stromkunden zugunsten weniger Investoren haben die Politik auf den Plan gerufen. Seit Ende 2009 wurde intensiv um einen Sonderabschlag auf die Einspeisevergütung gerungen, der nach monatelangem Feilschen Mitte Juli in zwei Stufen verabschiedet wurde (siehe: Die Einspeisevergütung sinkt). Jetzt geht die Angst um: Macht die radikale Senkung die Hoffnung auf eine ansehnliche Rendite mit umweltfreundlichem Solarstrom zunichte und der deutschen Solarindustrie gleich noch den Garaus?

Preissenkungen sichern Rendite

Die gute Nachricht vorweg: Glaubt man Marktbeobachtern wie den Redakteuren des FachmagazinsPhoton , wird keines von beidem eintreten. Um diese Einschätzung nachvollziehen zu können, hilft es schon, sich die Entwicklungen auf dem Solarstrommarkt der letzten zwei, drei Jahre anzuschauen.

Welche Rendite die Investition in die Sonne ein bringt, hängt vor allem vom Einkaufspreis und in zweiter Linie vom Standort ab. Und der Preis für Solarmodule – und damit für Anlagen insgesamt – kannte in den vergangenen zwei Jahren nur eine Richtung: abwärts. Waren 2008 die Module, in denen Solarzellen das Sonnenlicht in elektrischen Strom umwandeln, noch rar und teuer, konnten sich Käufer und Handwerker 2009 über ein großes Angebot freuen. Dabei herrschte schon damals zu Jahresbeginn große Unsicherheit. Denn die Vergütung für den eingespeisten Sonnenstrom war zu Beginn 2009 mit einem Schlag um acht Prozent gesunken, so stark wie nie zuvor. Würden die Preise für Solaranlagen genauso stark sinken? Nur dann war eine gute Rendite für die Umweltinvestition zu erwarten.

Es kam sogar noch besser. Eine geänderte Förderpolitik in Spanien, Finanzierungsprobleme für Großanlagen aufgrund der Wirtschafts krise und preiswerte Module aus China drückten die Anlagenpreise um 20, in der Spitze sogar um 30 Prozent, nach unten. Statt rund 4.500 Euro wie im Jahr 2008 mussten Sonnenstromfans und rendite orientierte Anleger nur noch 3.600 Euro und weniger pro Kilowatt Leistung bezahlen. Teilweise wurde selbst die magische Grenze von 3.000 Euro je Kilowatt erreicht – zum ersten Mal in der Geschichte der privaten Stromerzeugung per Photovoltaik war der Kunde König. Bei einer guten Anlage und einer leicht überdurchschnittlichen Sonnen einstrahlung lockte eine Rendite von mehr als zehn Prozent – und das sicher für die nächsten 20 Jahre. Das überzeugte auch die letzten Zweifler. Selbst wer 3.600 Euro bezahlte und nur durchschnittliche 900 Kilowattstunden Sonnenstrom je Kilowatt Anlagenleistung ernten kann, durfte immerhin mit 6,6 Prozent Rendite vor Steuern rechnen.

Die Folge: Ab dem Frühsommer 2009 wuchteten die Installateure die Module im Akkord auf die Dächer. Nach Recherchen vonPhoton gaben viele Handwerker für eine kleine oder ungünstig gelegene Anlage mit hohem Installationsaufwand schon gar kein Angebot mehr ab; wer im Herbst noch einen lieferfähigen Installateur fand, bekam teilweise keine Garantie, dass die Anlage noch vor Silvester ans Netz ging und dem Betreiber tatsächlich die für 2009 geltende Vergütung von 43,01 Cent pro eingespeister Kilowattstunde sicherte. Zudem wurden Wechselrichter knapp, da die Hersteller nicht mit dem Boom gerechnet hatten.

Die Investitionslust ließ die in Deutschland installierte Leistung der Solarmodule rasant nach oben schnellen. Wurden 2008 noch rund 1.800 Megawatt neu errichtet, immerhin schon 50 Prozent mehr als 2007, tobte der Markt 2009 geradezu. Am Ende des Jahres registrierte die für die Erfassung neu gebauter Anlagen zuständige Bundes netzagentur zusätzliche Photovoltaikanlagen mit einer für viele Politiker und Branchenvertreter bis dahin kaum vorstellbaren Leistung von zusammen 3.800 Megawatt. Die Gesamtleistung deutscher Sonnenstromanlagen betrug Ende 2009 rund 10.000 Megawatt. Zum Vergleich: Ein Atomkraftwerk leistet rund 1.000 Megawatt, im Gegensatz zu einer Sonnenstromanlage allerdings rund um die Uhr und unabhängig vom Wetter. Doch wie gestaltet sich die Sonnenrendite unter den heutigen neuen Bedingungen?

Attraktiv: Strom selbst verbrauchen

Geändert wurde auch die Vergütung für den Eigenverbrauch des selbst erzeugten Sonnenstroms. Für dessen Erfassung ist ein weiterer Stromzähler nötig, der im Schnitt 15 Euro Miete pro Jahr beim Stromversorger kostet. Die Vergütung staffelt sich in zwei Stufen: Für die ersten 30 Prozent mit einem kleinen und für den darüber hinausgehenden Anteil mit einem sehr ordentlichen Vorteil (siehe unten: Vergütungssätze). Bei einer typischen Privatanlage mit fünf Kilowatt Spitzenleistung und einer Sonnenernte von jährlich 4.500 Kilo wattstunden (KWh) pro Jahr sowie einem übers Jahr gerechneten Eigenverbrauch von 2.000 Kilowattstunden bedeutet dies, dass für die ersten 1.350 selbst genutzten Kilowattstunden der niedrigere Tarif von aktuell 17,67 Cent gezahlt wird. Für die restlichen 650 selbst verbrauchten Kilowattstunden zahlt der Energieversorger 22,05 Cent, was einen Bonus von acht Cent je Kilowattstunde gegenüber der normalen Einspeisevergütung von 34,05 Cent bedeutet. Denn auf diesen Preis wird der normale Strompreis von 20 Cent netto angerechnet, den man ja nicht mehr bezahlen muss. Die übrigen 2.500 Kilowattstunden Strom speist die Anlage wie bisher ins Netz ein und der Stromversorger vergütet diese zum geltenden Satz. Mit der zweistufigen Regelung honoriert der Gesetzgeber, dass die Technik für einen hohen Anteil selbst verbrauchten Sonnenstroms zurzeit noch sehr teuer ist. Gleichzeitig sollen Mitnahmeeffekte verhindert werden. Steigen die normalen Strompreise, wird selbst verbrauchter Sonnen strom noch attraktiver. Welche Rendite eine Sonnenstromanlage mit Eigenverbrauch wirklich bringt, ist schwierig zu berechnen. Dazu müsste genau ermittelt werden, welche Geräte im Haushalt wann wie viel Strom verbrauchen. „Man sollte auch überlegen, ob man in einigen Jahren noch genauso viel Strom verbraucht wie zum Zeitpunkt der Installation“, gibt Diplom-Ingenieur Björn Hemmann von der gemeinnützigen Deutschen Gesellschaft für Sonnenergie (DGS) zu bedenken. Durch die Anschaffung neuer, stromsparender Geräte oder wenn die Kinder ausziehen, kann der Stromverbrauch deutlich sinken. Damit ändert sich auch die Eigenverbrauchsquote, was einen schlechteren Vergütungssatz zur Folge haben kann. Die DGS empfiehlt daher, die Investition in eine Sonnenstromanlage so zu kalkulieren, dass sie sich auch ohne Eigenverbrauch rentiert. „Damit ist man auf der sicheren Seite. Kann man dann mehr als 30 Prozent des Stroms selbst verbrauchen, ist die höhere Vergütung sozusagen ein Extrabonbon“, argumentiert Hemmann.

Voraussetzung: eine private Dachanlage bis 30 Kilowatt Leistung. Der Vorteil bezieht sich auf einen Preis für den eingekauften Strom von netto 20 Cent/kWh. Ab 2011 sinkt die Vergütung entsprechend der normalen Kürzung der Einspeisevergütung. Die Regelung ist befristet bis Ende 2011.

Quelle: Bundesumweltministerium

Foto: SolarWorld AG

Foto: Losrobsos/Fotolia.com

Optimismus ist angesagt

Um Investoren eine ansehnliche Rendite von 7,4 Prozent vor Steuern zu sichern, darf ab Oktober 2010 eine Dachanlage bis 30 Kilowatt (kW) Leistung etwa 2.800 Euro je Kilowatt Leistung kosten. Eingerechnet sind ein Prozent Wartungskosten und ein durchschnittlicher Ertrag von 900 Kilowattstunden je Kilowatt Leistung. Scheint die Sonne im Durchschnitt häufiger, dürfte die Anlage bei gleicher Rendite sogar etwas teurer sein. Um eine 5-kW-Anlage zu diesem Preis anbieten zu können, dürfen die Module nachPhoton -Berechnungen für den Installateur nicht mehr als 1.860 Euro je Kilowatt kosten. „Tatsächlich können Installateure aber schon für 1.680 Euro einkaufen, die Anlagen dadurch für etwa 2.600 Euro anbieten und damit ihren Kunden eine Rendite von circa acht Prozent ermöglichen“, rechnetPhoton -Redakteur Jochen Siemer vor. „Der viel beschworene Kollaps des deutschen Solarmarkts scheint angesichts dieser Zahlen kaum wahrscheinlich“, prognostiziert er. Im Gegenteil. Denkbar ist sogar ein neuer Rekord: Glaubt man Prognosen von Analysten und Marktforschern wie den US-Unternehmen iSuppli oder Solarbuzz, könnte der deutsche Photovol taikmarkt 2010 doppelt so schnell wachsen wie im Vorjahr. Die im Frühjahr veröffentlichten Vorher sagen reichen von 6.000 bis 10.000 Megawatt neu installierter Leis-tung. Ob und wie stark die reduzierte Einspeisevergütung den Boom doch noch verlangsamt, steht allerdings erst zum Ende des Jahres fest, wenn die Bundes netz agentur die entsprechenden Zahlen veröffentlicht.

Wer also in den nächsten Monaten eine Photovoltaikanlage auf sein Dach bauen will, sollte sich vorher genau über die dann geltenden Einspeisevergütungen informieren und – bei aller Euphorie – die Renditeberechnungen des Installateurs nachprüfen. Denn ab 2011 greifen voraussichtlich zusätzliche Abschläge auf die Einspeisevergütung (siehe Kasten). Zudem gelten pauschale Preisprognosen nur für einfach erreichbare und einheitliche Dachflächen, die eine schnelle Montage ermöglichen. Muss ein aufwendiges Gerüst oder ein Kranwagen zum Einsatz kommen, oder sind lange oder komplizierte Zuleitungen nötig, wird es deutlich teurer. Das gilt auch für den Fall, dass die Verschattung der Anlage eine Aufteilung in mehrere Modulfelder erfordert.

Zusatzausstattungen mit Stromspeichern und Informationsanzeigen sollen den Eigenverbrauch und damit die Rentabilität von Sonnenstromanlagen erhöhen. In Zukunft sollen solche elektronischen Geräte unter anderem vorhersagen können, wie viel Solarstrom zur Verfügung stehen wird, und Geräte automatisch einschalten. Zu kaufen gibt es die Technik frühestens Ende 2010. Wann welche Ausstattungen zu welchem Preis zu kaufen sind, steht noch nicht fest.


Foto: Voltwerk Electronics GmbH

Fazit: Ob mit oder ohne Eigenverbrauch, finanziell rentabel sind Photovoltaikanlagen für den Investor nach wie vor, trotz Absenkung der Einspeisevergütung. Eine Voraussetzung dafür sind niedrige Anlagenpreise. Wer für 2.600 Euro ein Kilowatt Photovoltaik einkauft und damit pro Jahr durchschnittlich 900 Kilowattstunden Strom erntet, erzielt bei Installation zwischen Juli und 1. Oktober 2010 und Volleinspeisung ins Netz aktuell eine Rendite von etwa 8,5 Prozent. Selbst bei einem Preis von 3.200 Euro je Kilowattstunde sind es noch rund 5,5 Prozent – jeweils für 20 Jahre garantiert. Wird die Hälfte des Sonnenstroms selbst verbraucht (siehe Kasten), ist die Rendite ungefähr zwei Prozentpunkte höher. Das Gleiche gilt für Standorte mit überdurchschnittlicher Sonneneinstrahlung. Der Boom wird also weitergehen, zumindest bis Ende 2010. Anfang 2011 wird sich zeigen, ob die Hersteller ihre Preise weiter senken können, damit Sonnenstrom auch bei der dann nochmals reduzierten Vergütung ein gutes Geschäft bleibt.

Speicher für höhere Rendite

Deutlich mehr als 30 Prozent des erzeugten Solarstroms selbst zu verbrauchen, ist in einem Privathaushalt schwierig. Sind im Haus keine Stromspeicher installiert, muss der Solarstrom genau dann verbraucht werden, wenn er anfällt, vor allem in der Mittagszeit. Traditionell verbrauchen Privathaushalte aber einen Großteil ihres Stroms abends oder in den sonnenarmen Herbst- und Wintermonaten. Am Anfang macht es sicherlich Spaß, den Sonnenstand zu prüfen und Spülmaschine oder Waschmaschine genau dann anzuschalten, wenn die Sonne scheint. „Auf Dauer ist das aber sehr aufwendig, nur um ein paar Cent extra zu verdienen“, sagt Diplom-Ingenieur Björn Hemmann von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenergie und setzt auf automatische Lösungen. Sie reichen vom einfachen elektronischen Schalter, der ein einzelnes Gerät einschaltet, wenn die Sonne scheint, bis zu elektronischen Anzeigen, die das Sonnenstromangebot und den aktuell im Haus verbrauchten Strom anzeigen und so zum bewussten Stromverbrauch anregen. Denkbar sind auch Tiefkühlschränke, die ihren Inhalt per eigenem Sonnenstrom extra tief gefrieren, um dann die Temperatur langsam wieder auf die normalen minus 18 Grad ansteigen zu lassen. Zu kaufen gibt es solche Geräte allerdings noch nicht.
Am effektivsten sind Akkus, entweder fest im Haus installiert oder mobil in Form eines Elektrofahrzeugs. Gerade ein Elektromobil als Zweitauto für Kurzstrecken, das die meiste Zeit vor dem Haus steht, könnte in Verbindung mit einer Solaranlage gleich doppelten Nutzen bringen. Bezahlbare Modelle bleiben aber auf absehbare Zeit Mangelware.
Auch Speicherlösungen, die im Haus stehen, sind zurzeit noch teuer. So entwickelt die Firma Voltwerk ein Gerät, das mit Lithium-Ionen-Zellen mit einer Kapazität von fünf bis acht Kilowattstunden die Tagesproduktion einer privaten Solaranlage aufnehmen und den Haushalt auch in den Nachtstunden versorgen kann. Laut Hersteller soll damit der Eigenverbrauch von etwa 30 auf 70 Prozent steigen; in den Sommermonaten sei eine Vollversorgung nur mit Sonnenstrom möglich. Was das Gerät, das gleichzeitig auch ein Wechselrichter ist, bei seiner geplanten Markteinführung Mitte 2011 kosten wird, steht noch nicht fest. Aktuell muss man allein für die Lithium-Ionen-Akkus circa 1.000 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität bezahlen, zu viel für eine wirtschaftliche Anwendung. Ähnlich sieht das Kosten-Nutzen-Verhältnis beim Angebot der Firma Solarworld aus, das eine elektronische Steuerung zurzeit noch mit normalen Bleiakkus wie bei einer Autobatterie kombiniert. Bleiakkus verlieren aber relativ rasch ihre Speicherkapazität und müssen nach wenigen Jahren ausgetauscht werden. Deshalb plant auch Solarworld den Umstieg auf Lithium-Ionen-Akkus. Bezahlbare und damit rentable Speicherlösungen wird es auch hier voraussichtlich erst ab 2012 geben.


Foto: irisblende.de