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Photovoltaikanlagen: Ohne Dach geht’s auch


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 6/2010 vom 10.06.2010

Die höchste Förderung gibt es nur, wenn man seine Solarstromanlage aufs Dach installiert. Hat man kein passendes, muss man andere Gebäudeteile nutzen, die Module drehbar machen oder sich eine Dachfläche mieten.


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Foto: mp-tec GmbH & Co.KG

Solide Solarberater predigen immer dasselbe. Erstens: Die Stromausbeute und damit der finanzielle Ertrag hängt von der Ausrichtung der Anlage ab. Möglichst direkt nach Süden und um etwa 30 Grad geneigt sollte sie sein, auch etwas nach Osten oder Westen orientierte Anlagen bringen noch akzeptable Erträge. dass eine Investition, die mindestens 20 Jahre lang eine ordentliche ...

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Solide Solarberater predigen immer dasselbe. Erstens: Die Stromausbeute und damit der finanzielle Ertrag hängt von der Ausrichtung der Anlage ab. Möglichst direkt nach Süden und um etwa 30 Grad geneigt sollte sie sein, auch etwas nach Osten oder Westen orientierte Anlagen bringen noch akzeptable Erträge. dass eine Investition, die mindestens 20 Jahre lang eine ordentliche Rendite bringt, ein überschaubares Risiko darstellt, und das Ganze auch noch umweltfreundlich und staatlich garantiert ist? Auf jede Art von Sonnenstromanlagen treffen diese Anforderungen zu. Denn auch nach der recht heftigen Absenkung der Einspesevergütung ist Zweitens: Wer die maximale Vergütung kassieren will, muss bestimmte Regeln beachten, denn den Höchstsatz zahlt der Stromnetzbetreiber nur, wenn die Anlage auf einem Gebäudedach montiert ist und nicht mehr als 30 Kilowatt Spitzenleistung hat, was einer Modulfläche von etwa 240 Quadratmetern entspricht. Für eine übliche Privatanlage mit fünf Kilowatt Leistung werden immerhin noch 40 Quadratmeter Dachfläche benötigt, die zudem schattenfrei und tragfähig sein muss.

Dach mit Doppelnutzen

Doch auch wenn das eigene Dach zu klein ist, in die falsche Richtung weist oder von Bäumen oder Nachbargebäuden verschattet wird, ist der Weg in die umweltfreundliche Stromproduktion noch nicht verstellt. Unkonventionelle Lösungen lohnen sich, denn die wirtschaftlichen Anreize sind verlockend. Wo gibt es das in diesen Zeiten noch, davon auszugehen, dass die Preise für Solaranlagen weiter sinken, Renditen zwischen fünf und acht Prozent sind durchaus machbar. Doch auf welchen Umwegen gelangt man doch noch zum eigenen Sonnenstromkraftwerk?

Gibt es rund ums Haus noch Platz, sind etwa ein Carport oder ein Gartenhaus durchaus geeignet, als rechtlich einwandfreie Tragkonstruktion im Sinne des Gesetzes zu dienen. Seit drei Jahren bietet zum Beispiel die Firma MP-Tec im brandenburgischen Eberswalde Solarcarports auch für den Privatbereich an. Einen Carport mit drei Stellplätzen bietet zum Beispiel nicht nur Platz für drei Pkws, sondern auch je für 36 polykristalline Photovoltaikmodule, die zusammen 7,2 Kilowatt Nennleistung erbringen. 26.750 Euro inklusive Mehrwertsteuer verlangt der Anbieter für die Konstruktion aus Edelstahl und Aluminium inklusive Module, Wechselrichter, Kabel und Zubehör. Für ungünstige Einstrah-lungssituationen ist auch ein Set mit Dünnschichtmodulen erhältlich. 5,4 Kilowatt Spitzenleistung kosten in diesem Fall 15.700 Euro (Stand: 1.5.2010). Ganz neu auf dem Markt ist auch der SunCarport der Bonner Solarworld AG. Das Modell mit einem Stellplatz hat eine Leistung von zwei Kilowatt.

Foto: mp-tec GmbH & Co.KG

Folgt die Sonnenstromanlage mittels Elektroantrieb dem Lauf der Sonne, erntet sie mehr Strom. Allerdings muss sich der Aufwand auch lohnen.


Foto: Solar House Systems GmbH

Eine andere Idee hatte Walter Johannsen. Das drehbare Dach oder Obergeschoss seines Sonnenpavillons richtet die Pultkonstruktion mit der Sonnenstromanlage immer di rekt zur Sonne aus. Von 4 bis 12,5 Meter Durchmesser reicht die Palette der aus Holz konstruierten Gebäude, die in den größeren Varianten ve ri ta ble Wohn- oder Geschäftshäuser mit bis zu 200 Quadratmeter Wohnfläche sind. Die kleinste Ausführung mit vier Meter Durchmesser geht bei den Behörden noch als genehmigungsfreie Gartenlaube durch. Rund 60.000 Euro Materialkosten ohne Photovoltaikanlage veranschlagt die neu gegründete SolarHouse Systems GmbH im badischen Empfingen für ein Haus mit zehn Meter Durchmesser und nutzbarem Obergeschoss. Die Einnahmen aus der Sonnenstromproduktion tragen nach dem Verständnis des Tüftlers zur Finan zie rung des Gebäudes bei. Wichtig bei allen Gebäuden mit Doppelnutzen: Die Sonnenstromerzeugung darf nicht der vorrangige Nutzungszweck sein, sonst verweigert der Stromnetzbetreiber die erhöhte Einspeisevergütung für Dachanlagen.

Per Computer immer der Sonne nach

Doch warum ein ganzes Gebäude drehen? Eigentlich reicht es, die Anlage selbst dem Lauf der Sonne folgen zu lassen und so die fehlende Dachfläche wettzumachen. Solche nachgeführten Anlagen werden im Branchenjargon Tracker genannt. Derartige Montagegestelle stehen bereits zu Tausenden in Solarparks, oft in riesigen Ausführungen, es sind aber auch Modelle auf dem Markt, die sich prinzipiell für den Privatkunden eignen. Erhältlich sind einachsige Modelle, die sich computergesteuert den Tag über mit der Sonne drehen, und zweiachsige, welche die Module zusätzlich je nach Jahreszeit auf die höher oder niedriger stehende Sonne ausrichten. „Der Ertrag steigt dadurch je nach Standort und Modulausstattung um etwa 15 bis 22 Prozent bei einachsigen und um bis zu 40 Prozent bei zweiachsigen Trackern“, bestätigt Oskar Wolf, Fachwirt für dezentrale Energietechnik und Solarfachberater in Nürnberg.

Wer deswegen gleich von zweistelligen Renditen träumt, der sollte sich vorher näher informieren. Denn einfach einen Tracker in den Garten zu stellen reicht nicht. Erstens ist dafür oft eine Baugenehmigung nötig, zum anderen zahlt der Netzbetreiber für den hier erzeugten Strom bestenfalls die Grundvergütung. In Verbindung mit den Mehrkosten von zirka 800 bis 1.000 Euro je Kilowatt Nennleistung für einen Tracker mit Fundament und Montage muss man schon genau rechnen, ob sich der erhöhte Aufwand lohnt. Generell gilt: Je preiswerter Photovoltaikmodule werden, umso weniger lohnt sich in unseren Breiten eine nachgeführte Anlage.

Versuchen, eine nachgeführte Anlage an oder auf ein Gebäude zu montieren und so die höhere Einspeisevergütung zu kassieren, hat der Bundesgerichtshof bereits im Herbst 2008 enge Grenzen gesetzt (Az. VIII ZR 313/07): Danach sind an oder auf einem Gebäude angebrachte Tracker keine Dachanlagen, wenn deren Tragwerk vorrangig darauf ausgerichtet ist, die Photovoltaikmodule zu tragen.

„Anders sieht es aus, wenn das Gebäude schon vorher existiert hat“, präzisiert Lars Kirchner vom nordhessischen Anbieter Kirchner Solar Group. „Auf jeden Fall sollte man vor der Unterschrift unter einen Kaufvertrag die baurechtlichen Gegebenheiten und die Bestimmungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes prüfen lassen, um im schlimmsten Fall nicht ganz ohne Vergütung dazustehen“, warnt Kirchner vor den Tücken des Gesetzes. Ein weiterer Prüfpunkt ist die Statik des Gebäudes, merkt Experte Oskar Wolf an: „Schon bei kleinen Trackern wirkt die Modulfläche von 10 bis 30 Quadratmetern wie das Segel eines Bootes. Um die entstehenden Kräfte zu kompensieren, braucht es unbedingt eine statische Berechnung, sonst kann es zu Schäden am Haus und an der Anlage kommen.“ Außerdem sind Wartungsund Kontrollaufwand höher als bei starren Dachanlagen.

Foto: mp-tec GmbH & Co.KG

Was ist ein Gebäude?

Die höchste Einspeisevergütung erhält der Betreiber für Anlagen auf Gebäudedächern. Doch um die Frage, was ein Gebäude ist, gibt es manchmal Streit. „Gebäude sind selbstständig benutzbare, überdeckte bauliche Anlagen, die von Menschen betreten werden können und vorrangig dazu bestimmt sind, dem Schutz von Menschen, Tieren oder Sachen zu dienen“, bestimmt § 33 Abs. 3 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Außerdem gilt die Höchstförderung nur, wenn die Anlage „an oder auf einem Gebäude oder einer Lärmschutzwand“ montiert ist. Wer etwa die in der Erde verankerten Stützmasten mehrerer Nachführanlagen mit Wänden verbindet und ein Dach darauf zimmert, wird es schwer haben, diese Konstruktion als Gebäude anerkannt zu bekommen. Zudem muss die normale Nutzung des Gebäudes vor der Sonnenstromerzeugung überwiegen. Bei einem Solarcarport sollte also die Zahl der normalerweise darunter stehenden Autos zur Dachfläche passen. Auch wer sein Grundstück mit zehn Solarlauben oder drehbaren Schuppen pflastert, wird in Erklärungsnöte kommen. Streitfälle klärt die unabhängige EEG-Clearingstelle beim Bundesumweltministerium, www.clearingstelle-eeg.de, Telefax 0 30 / 206 14 16-79.

Dach: Haste keins, pachte eins

Statt auf dem eigenen Dach, kann man auch auf fremden Dächern Nutzen bringend in Solarstrom investieren. Entweder beim Nachbarn, in der Verwandtschaft oder bei Dachverpächtern. Zu Letztgenannten stellen Dachbörsen im Internet den Kontakt her. Innerhalb von 20 Jahren muss man als Investor mit Pachtzahlungen von 50 bis 80 Euro pro Quadratmeter rechnen: Das ergibt über die gesamte Laufzeit 400 bis 600 Euro pro Kilowatt Nennleistung. Vorher sollte man klären, ob für das Gebäude überhaupt eine Zusage des Netzbetreibers auf Anschluss besteht. Denn nicht alle Gebäude, etwa Scheunen, sind an das elektrische Versorgungsnetz angeschlossen.

Außerdem wichtig: die Eintragung einer sogenannten Dienstbarkeit im Grundbuch. Damit sichert sich der Besitzer der Anlage – und mit ihm die finanzierende Bank – das Recht, die Photovoltaikanlage zum Beispiel bei einem Besitzerwechsel des Gebäudes weiter zu betreiben. Musterverträge finden sich bei den Dachbörsen im Internet, bei Beratungsvereinen wie Solid (www.solid.de) oder erfahrenen Installateuren. Ein Rechtsanwalt und ein Steuerberater sollten die Vereinbarungen prüfen.

Als Alternative zum Mietdach kann man auch eine frei stehende nachgeführte Anlage kaufen. Elektro-Kirchner zum Beispiel bietet komplett bestückte Tracker an als einzelne „Energiebäume“. Die stehen auf extra ausgewiesenen Grundstücken im Freiland oder auf Parkplätzen in Gewerbegebieten. Wie bei allen Sonnenstromanlagen gilt auch hier, mit spitzem Bleistift nachzurechnen, ob sich die Investition lohnt, denn sowohl der Standort als auch die Serviceleistungen müssen stimmen. Bei einem Ausfall der Nachführung oder eines Moduls muss rasch gehandelt werden, um den Verlust durch Stillstand der Anlage in Grenzen zu halten. Wer sich möglichst wenig kümmern will, sollte nach einer Bürgersolaranlage in der Nähe Ausschau halten. Diese werden von Vereinen oder Stadtwerken betrieben, rundum betreut und bieten dem Investor umweltfreundliche Renditen. Auf den persönlichen Steuerbonus muss man dann aber verzichten, da solche Beteiligungen als Kapitalanlage gelten und auch steuerlich so behandelt werden.