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Politik & Umwelt: Leichte Blumenerden: Schwere Kost


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2015 vom 27.02.2015

Weniger schleppen zu müssen, ist zunächst eine gute Idee. Doch zu welchem Preis? Die von uns untersuchten leichten Blumenerden aus Torf und Kokos überzeugten nicht.


Artikelbild für den Artikel "Politik & Umwelt: Leichte Blumenerden: Schwere Kost" aus der Ausgabe 3/2015 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 3/2015

Blumenerde ist üblicherweise ziemlich schwer, und das Schleppen der großen Säcke aus Bau- und Gartenmärkten trotz Auto eine Herausforderung. Da wundert es nicht, dass nun auch „leichte“ Blumenerde angeboten wird, zum Beispiel „mit 50 Prozent weniger Gewicht“. Doch wie schaffen es die Hersteller, das Gewicht von Erde zu reduzieren? Zum Beispiel indem sie eine Blumenerde anbieten, die fast nur aus Torf besteht. Oder sie wählen die ...

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... „extraleichte“ Variante, mit getrockneten und gepressten Kokosfasern oder -mark.

Dass der Abbau von Torf in hohem Maße klimaschädlich ist, davor warnen ÖKO-TEST, die Umwelt- und Naturschutzverbände und Moorexperten seit Jahren. Moore sind die größten Kohlenstoffspeicher pro Flächeneinheit. Sie binden etwa sechs Mal so viel Kohlenstoff wie Wald. Da die abgestorbenen Pflanzen unter Luftabschluss nicht abgebaut werden, bleibt der Kohlenstoff gespeichert. Solange, bis die Moore trockengelegt und genutzt werden. Durch die Oxidation des im Boden gebundenen Kohlenstoffs entweicht dann das klimaschädliche Kohlendioxid.

Heute kann man in Deutschland je nach Sichtweise nur noch ein bis fünf Prozent der Moore als natürlich bezeichnen. Der Rest wurde bereits entwässert und wird überwiegend land- und forstwirtschaftlich genutzt. Allein durch Oxidation auf landwirtschaftlichen Flächen geht mindestens ein Zentimeter Torf jährlich verloren. Auf intensiv genutzten Flächen ist jedoch nach neuesten Unter suchungen des Naturschutzbunds NABU mit bis zu vier Zentimetern zu rechnen, mahnt Dr. Holger Buschmann, Landesgeschäftsführer von Niedersachsen.


Torfabbau ist klimaschädlich, denn er setzt Kohlendioxid frei


Der Torfabbau in Deutschland findet auf solchen degenerierten Moorflächen statt, wodurch weiterhin CO2 freigesetzt wird. In der Regel werden die Flächen hierzulande im Anschluss vernässt, um sie wieder in ein Moor zu verwandeln. Doch die abgebaute Torfschicht wird extrem langsam wachsen, nur etwa einen Millimeter pro Jahr – es wird also 1.000 Jahre dauern, bis sie zumindest wieder auf einen Meter angewachsen sein wird. Bisher wurden nach Angaben des Industrieverbands Garten (IVG) 15.000 Hektar in Niedersachsen renatu riert, weitere 12.500 sollen dort folgen.

Der Verband beziffert den Einsatz von Torf in Deutschland im Jahr 2013 mit 7,5 Millionen Kubikmetern, gegenüber 9 Millionen Kubikmetern im Jahr 2011, insgesamt ist er seit 2009 leicht rückläufig. 5 Millionen Kubikmeter wurden hierzulande gewonnen. Allerdings: In dem Maße, wie hierzulande die jährliche Torfgewinnung zurückgeht, hat der Import von Torf aus den baltischen Ländern zugenommen. Hier werden vor allem die obersten, schwach zersetzten Torfe abgebaut, der sogenannte Weißtorf, der überwiegend in Blumenerden eingesetzt wird. Es ist zu befürchten, dass sich dort die Torfgewinnung auf bisher wenig oder ungeschädigte Moore ausdehnen wird. Importe aus dem Baltikum bedeuten aufgrund der Emissionen beim Transport weitere 40 Prozent CO2-Belastung, argu mentiert der IVG in einem Positionspapier zum Torfabbau in Niedersachsen, wo der Schwerpunkt des Torfabbaus in Deutschland liegt.

Der Naturschutzbund NABU lehnt – wie andere Umweltschutzverbände auch – grund sätzlich den Abbau von Torf ab und möchte den Verbrauch deutlich reduzieren. Die Naturschützer sind aber zumindest in Nieder sachsen bereit, einen Kompromiss zu machen. Mit dem IVG hat der NABU Niedersachsen Mitte 2014 ein gemeinsames Natur- und Klimaschutzkonzept veröffentlicht, das einen Torfabbau duldet, „solange er unterstützend zur Hochmoorrenaturierung genutzt wird und der Rohstoffbedarf für den Erwerbsgartenbau nicht ohne Torf gedeckt werden kann“. Dr. Holger Buschmann fasst den Kompromiss so zusammen: „Auf ohnehin intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen soll Torfabbau möglich sein, dafür muss es aber eine CO2-Kompensation auf anderen Flächen geben.“ Auch weil die Zeit drängt: „In 20 Jahren braucht man sich nicht mehr über Moorschutz zu unterhalten, dann sind keine Moore mehr da“, begründet er die kompromissbereite Position. Auf diese Weise sollen künftig zusätzliche 25.000 Hektar an Randflächen wieder vernässt werden.

Beim Torfabbau werden große Mengen an gespeichertem CO2 freigesetzt, auch wenn das Moor schon längere Zeit trockengelegt war und die Fläche landwirtschaftlich genutzt wurde.


Foto: imago/blickwinkel


Kokosfasern/ Kokosmark sind Abfälle aus der Faserhülle


Was aber ist die Alternative? Gartenbauverbände und Sub strathersteller argumentieren, dass man Torf nicht gänzlich ersetzen könne, vor allem nicht im Profigartenbau. Dazu reichten die Mengen an alternativen Stoffen nicht aus, zumal Grünkomposte, Rindenhumus und Holzfasern heute auch gerne für Wärmeenergie genutzt werden.

Viele Experten sehen kultivierte Torfmoose als vielversprechenden Ersatz für Torf an, das haben verschiedene Versuche gezeigt. So forschen Moorexperten wie am Institut für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald zu diesem Thema, um die Torfmoose künftig als landwirtschaftliche Nutzpflanze zu etablieren. Die landwirtschaftliche Nutzung nasser Moore bezeichnet man als Paludikultur. 2013 erhielt die Universität Greifswald für ein Forschungsprojekt zu Paludikultur den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Doch noch ist die Torfmooskultivierung Zukunftsmusik.

Zumindest im Hobbygartenbau könnte Torf jedoch komplett ersetzt werden, vor allem durch Kompost und Humusmischungen. Zu den Ersatzstoffen von Torf zählen auch Kokosfasern und Kokosmark, jedoch sind die in Deutschland verwendeten Mengen – überwiegend aus Indien und Sri Lanka – noch sehr gering. Sie werden aus der dicken, faserigen Hülle, die sich um die Kokosnuss legt, gewonnen. Diese Abfälle werden bisher oft verbrannt oder ins Meer geworfen, deshalb ist eine Verwertung durchaus sinnvoll.

Die langen Fasern der Hülle konnten zumindest zu Seilen und Garnen verarbeitet werden. Für den Rest gab es lange Zeit keine Verwendung. Doch die übrigen Fasern und der abgesiebte Feinanteil, das Kokosmark, eignen sich aufgrund ihrer Eigenschaften dazu, anstelle von Torf in Substraten eingesetzt zu werden, teilweise auch die zerhackten Schalen der Kokosnuss, die Kokoschips. Dieses Restmaterial wird von speziellen Betrieben für die Substratherstellung weiterverarbeitet. Da Kokospalmen verstärkt Kalium und Natrium aufnehmen, führt das zu hohen Salz-, Natrium- und Chloridgehalten, die ausgewaschen werden müssen – und zwar mit Süßwasser. Um den pHBereich stabiler zu machen, wird das Material mit einer Calciumlösung gepuffert, wie es in der Fachsprache heißt, im Anschluss sterilisiert und getrocknet, gesiebt und unter hohem Druck zusammengepresst.

Aber ist Kokos wirklich eine gute Alternative? Schließlich muss es über große Strecken transportiert werden und die Arbeitsbedingungen in Indien und Sri Lanka sind sicher nicht mit unseren Standards zu vergleichen. Hinzu kommt der Wasserverbrauch beim Auswaschen. Doch Abfälle, oder besser gesagt Rest stoffe, zu verwerten, findet allgemein Zustimmung. Zumal das Verbrennen der Kokoshülle den Menschen in der Umgebung schadet und zu weiteren CO2- Emissionen führt. Aufgrund dieser Vorteile wurde Kokos vor einigen Jahren auf breiter Front als gute Alterna tive angesehen. Doch dann äußerte sich der BUND auch kritisch: „Durch den langen Transportweg werden unnötige Emissio nen freigesetzt.“ Die BUND- Expertin für Moorschutz, Nicola Uhde, betrachtet Kokos zwar als mögliche gute Alterna tive, weist gleichzeitig aber daraufhin, dass es inner halb des BUND noch keine einheitliche und abgeschlossene Meinung dazu gäbe. Es lägen zu wenig Daten und Öko-Bilanzen vor.

Der Naturschutzbund NABU ist Kokos gegenüber aufgeschlossen. „Der Transportweg ist wohl weit, aber eine Regenwaldrodung zur Land- nutzung kann für Kokosfaser ausgeschlossen werden. Keiner rodet Urwald wegen Kokos“, lautet das Fazit von Felix Grützmacher, dem NABU-Experten für Moorschutz. Kokos in Substraten sei ein Abfall- oder Nebenprodukt, das sonst oft ins Meer geworfen werde. Er sieht Kokos fasern als Zuschlag produkt für eine Blumenerdemischung, um den Torfgehalt zu reduzieren. Wünschenswert seien aber regionale Ersatz stoffe, doch im Moment könne man nicht auf Kokos verzichten. Auch das Umweltbundesamt, das torfhaltige Produkte ablehnt, begrüßt alle Alternativen aus nachwachsenden Rohstoffen – neben Kokos seien das Komposte, Rinden- und Holzsubstrate. Allerdings, so schränkt das Amt ein, bessere sich die Situation nur unwesentlich, weil die hiesigen alternativen Rohstoffe auch für Biogas und zur thermischen Wärmeerzeugung gefragt sind.

Als Hobbygärtner verwendet man am besten torffreie Erden mit Mischungen aus verschiedenen nachwachsenden Rohstoffen.


Foto: Cora Mueller/shutterstock

Die Fair-Trade-Gesellschaft GEPA, die schon seit Jahren ein Kokosprodukt zertifiziert hat, betrach tet den Transport differenziert. Das leichte gepresste Kokosmaterial werde mit Hochseeschiffen mit vergleichsweise niedrigen Emissionen überführt: auf 10.000 Kilometern (km) ist die CO2-Bilanz wie 300 km mit dem LKW, 2.000 km mit der Bahn oder 1.700 km mit dem Binnenschiff. Die Arbeitsbedingungen für das Fair- Trade-Produkt seien „überdurchschnittlich gut“, so die Pressereferentin Brigitte Frommeyer. Aber: „Einen tieferen Einblick in die allgemeinen Arbeitsbedingungen der Kokosblockherstellung hat die GEPA jedoch nicht.“

Eine vergleichende Studie zur Lebenszyklusbewertung von Torf und Ersatzstoffen in Substraten stammt vom Schweizer Institut Quantis aus dem Jahr 2012 und wurde vom europäischen Torfverband EPAGMA in Auftrag gegeben. Sie bestätigt ganz klar, dass die CO2-Emissionen und damit der Einfluss auf den Klimawandel von Torf viel höher sind als von gepresstem Kokos. Unter dem Punkt „ecosystem quality“ (wörtlich übersetzt: Qualität des Öko-Systems) kommen die Forscher zu dem Ergebnis: Kokos schneidet schlechter ab als Torf, weil der Landverbrauch beim Anbau der Kokospalme anteilig eingerechnet wurde. Doch Michael Carus, Geschäftsführer des Nova-Instituts für politische und ökologische Inno vation in Hürth, hält diese Ergebnisse für höchst fragwürdig. Denn: „Kokospalmen werden ausschließlich wegen der Kokos nuss selbst angebaut.“

ÖKO-TEST hat neun leichte Blumenerden eingekauft, sechs Torf- und drei gepresste Kokosprodukte, und im Labor intensiv prüfen lassen, wie es um die Qualität der Sub strate bestellt ist, sowohl im Hinblick auf Nähr stoffe wie auch auf unerwünschte Inhaltsstoffe. Kann sich der Gartenfreund auf die Deklaration der Nährstoffe verlassen?

Das Testergebnis

Das wiegt schwer. Die Produkte sind bestenfalls „befriedigend“, zwei Erden fallen mit „mangelhaft“ durch. Diese beiden Produkte von Obi und Toom sind zudem so schwer, dass man nicht von einer leichten Blumenerde sprechen kann. Die Obi Living Garden wurde wahrscheinlich falsch gelagert, die Toom Leichte Blumenerde ist auch trocken zu schwer.
Klimaschädlicher Torf. Sechs Blumenerden bestehen zu mindestens 70 Prozent, drei davon fast ausschließlich aus Torf, dessen Abbau in hohem Maße CO2 freisetzt. Deshalb werten wir Torf ab, Kokos als nachwachsenden Rohstoff jedoch nicht.
Schwermetalle, Schimmel und andere Schadstoffe. Insgesamt sind die Blumenerden kaum mit Schwermetallen belastet, lediglich die Dehner-Blumenerde fällt durch einen im Vergleich hohen Urangehalt auf. Pestizide und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe wurden erfreu licherweise nicht nachgewiesen. In den Produkten von Neudorff und Romberg steckt jedoch Perchlorat, eine chemische Verbindung, die – wie Uran – ins Obst und Gemüse übergehen und gesundheitliche Probleme verursachen kann. Auch wenn die nachgewiesenen Gehalte in den Erden nicht sehr hoch sind, hat Perchlorat in einer Blumenerde nichts zu suchen. Das Gleiche gilt für E.coli-Bakterien, die ebenfalls zweimal gefunden wurden. Die Toom Leichte Blumenerde wies außerdem Schimmel auf. Vor allem in Innenräumen hat schimmlige Blumenerde nichts zu suchen – und die Blumenerden sind auch für Zimmerpflanzen gedacht. Einatmen sollte man die Schimmelsporen schon gar nicht.
Tote Masse: Die Romberg Bollerbloom Feinste Pop Up Blumen-Erde ist mit ihrem niedrigen pH-Wert relativ sauer und enthält zudem zu viel Natrium. Da kann nichts mehr drauf wachsen, lautet das vernichtende Urteil des von uns beauftragten Fachinstituts, was durch einen Wachstumstest bestätigt wurde.
Häufig Nährstoffmangel. Die Blumenerde soll die Pflanzen für einige Wochen mit Nährstoffen versorgen, bevor nachgedüngt werden muss. Leider wurden die Richt werte für Blumenerde der Gütegemeinschaft Substrate für Pflanzen e. V., die als Mindestanforderungen zu sehen sind, für die Hauptnährstoffe Stickstoff und Phosphat in vielen Produkten unterschritten. In fast allen Erden stecken zu wenig Spurenelemente, die Richtwerte für Industrieerde (VDLUFA) werden deutlich nicht erreicht. Besonders nährstoffarm sind die Kokos- Erden von Ikea und Neudorff.
Deklaration überzeugt nicht. Lediglich die Compo- Blumenerde ist ordentlich deklariert. Die anderen Produkte weisen mehr oder weniger große Mängel auf. Die Hersteller Neudorff und Romberg geben für ihre Kokoserden zu viel Wasser zum Aufquellen an. Damit liefern sie wohl den gerne beworbenen Pop-up-Effekt und sind nach wenigen Minuten aufgequollen – aber sie sind dann viel zu nass und Pflanzen können darauf kaum gedeihen. Gutes will Weile haben: Das erzielt man mit weniger Wasser und einer längeren Aufquellzeit. Die Angabe von Ikea ist besser, wenn auch immer noch grenzwertig. Am häufigsten bemängeln wir jedoch fehlende oder abweichende Nährstoffangaben.

So reagierten die Hersteller

■ Obi: Da unsere Messergebnisse für Phosphat und Stickstoff von den Werten des Herstellers abweichen, wird der Anbieter eine erneute unabgängige Prüfung durchführen. Er erläutert zudem, dass es sich um ein Naturprodukt handle, dessen Rohstoffe im Freien gelagert werden, womit sich das E.coli-Ergebnis erklären ließe.
■ Zeus/Hagebau weist darauf hin, dass sich pH-Wert, Salzgehalt und Nährstoffgehalte von Blumenerden nach der Produktion während der Lagerung im Handel und beim Kunden durch natürliche chemische und mikrobielle Prozesse verändern können. Die Kalkzufuhr und Düngung bewirke eine erhebliche Zunahme der mikrobiellen Akti vität der Erden und intensiviere somit mikrobielle Abund Umbauprozesse. Selbst bei optimalen Lagerungsbedingungen seien daher nachträgliche Veränderungen der Erdeigenschaften leider nicht immer auszuschließen. Das ist richtig, aber genau deshalb lässt die Düngemittel-Verordnung bei den Nährstoffgehalten große Toleranzen zu. ÖKOTEST bewertet nur deutliche Abweichungen.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 142.
Anmerkungen: 1) Weitere Mängel/Deklarationsmängel: Zink nicht deklariert (bei bodenunabhängiger Anwendung), Magnesiumangabe zu niedrig. 2) Weiterer Mangel/Deklarationsmangel: Stickstoff angabe zu hoch. 3) Weitere Mängel/Deklarationsmängel: Stickstoff angabe deutlich zu hoch, Kaliumangabe deutlich zu gering, Magnesium nicht deklariert, zu viel organische Substanz deklariert. 4) Weitere Mängel/Deklarationsmängel in Produkt für bodenunabhängige Anwendung: Stickstoff - und Phosphatangabe deutlich zu hoch, Kupfer und Zink nicht deklariert. 5) Weiterer Mangel/Deklarationsmangel: Kupfer ist entgegen der Deklaration nicht „in pflanzlich relevanten Mengen“ enthalten. 6) Weiterer Mangel/Deklarationsmangel: Angabe pH-Wert zu hoch. 7) Der genaue Gehalt an organischer Substanz ist nicht angegeben; ab Juli 2015 (Ende der Übergangsregelung der Düngemittelverordnung) ist dies erforderlich. 8) Produkt wurde in den Niederlanden in Verkehr gebracht; die Deklaration ist rein rechtlich in Ordnung. 9) Laut Anbieter wurde die Deklaration mittlerweile an die aktuelle Düngemittelverordnung angepasst; die Rezeptur hat sich nicht geändert. 10) Laut Anbieter wurde zwischenzeitlich das Verpackungslayout inklusive der Deklaration überarbeitet und an die aktuelle Düngemittelverordnung angepasst; die Rezeptur hat sich nicht geändert.
Legende: Produkte mit dem gleichen Testurteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Problematische Inhaltsstoff e führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Torf; b) Schimmelbildung. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) zu viel Natrium, mehr als 100 mg/kg; b) ein auff ällig niedriger pH-Wert von 4,6; c) Perchlorat; d) E.coli- Bakterien, falls nicht schon Schimmelbildung um zwei Noten abgewertet wurde; e) leicht verunkrautet, mehr als 1 Samen/Liter; f) ein auff ällig hoher Urangehalt von 1,4 mg/kg. Unter dem Testergebnis Nährstoff gehalt führt zur Abwertung um zwei Noten: deutlich zu wenig Stickstoff , weniger als 50 mg/l. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) zu wenig Stickstoff , 50 bis weniger als 100 mg/l; b) zu wenig Phosphat, weniger als 100 mg/l; c) zu viel Kalium, mehr als 1.000 mg/l; d) zu geringe Gehalte von einem oder mehreren Spurenelementen, d. h. weniger als 7,5 mg/l Eisen, weniger als 0,15 mg/l Bor, weniger als 0,75 mg/l Zink, weniger als 0,3 mg/l Kupfer, weniger als 1,5 mg/l Mangan (= mehr als 75 % unter der Untergrenze des Richtwerts VDLUFA). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: keine Angabe von Nährstoff gehalten. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) keine leichte Blumenerde (beim Einkauf), d. h. Volumengewicht feucht > 300 g/l bei torfhaltiger Blumenerde; b) Wasserangabe zum Aufquellen der Kokos- Blumenerde zu hoch / Blumenerde zu feucht; c) eine deutliche Abweichung in der Deklaration einer der Hauptnährstoff e (hier: Stickstoff , Phosphat oder Kaliumoxid) außerhalb der Toleranzen der Düngemittelverordnung und größer 100 Prozent. Zur Abweichung um jeweils eine Note führen: a) eine Abweichung in der Deklaration einer der Hauptnährstoff e (hier: Stickstoff oder Magnesium löslich) außerhalb der Toleranzen der Düngemittelverordnung, jedoch weniger als 100 Prozent; b) eine Abweichung in der Deklaration des pH-Werts außerhalb der Toleranzen der Düngemittelverordnung, jedoch weniger als 100 Prozent; c) eine Abweichung in der Deklaration der organischen Substanz von weniger als 100 Prozent; c)) fehlende Angabe eines oder mehrerer Spurenelemente (hier: Kupfer, Zink) bzw. eine deutliche Abweichung von der Deklaration (hier: Kupfer). In der Tabelle bedeuten „leichte Mängel“ der Deklaration (Nährstoff kennzeichnung) eine Abwertung um eine Note, „mittlere Mängel“ eine Abwertung um zwei Noten, ein „ungenügend“, dass sich die Mängel auf eine Abwertung um fünf Noten addieren.
In das Gesamturteil gehen das Testergebnis Problematische Inhaltsstoff e zu 70 Prozent und das Testergebnis Nährstoff gehalt zu 30 Prozent ein. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Nährstoff gehalt um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Test ergebnis Nährstoff gehalt um zwei Noten. Das Gesamturteil kann nicht besser sein als das Testergebnis Problematische Inhaltsstoff e. Ein Produkt mit einem „ungenügenden“ Testergebnis Nährstoff gehalt kann im Gesamturteil nicht besser sein als „ausreichend“.

Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1503“ eingeben.Einkauf: November 2014.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

• Torffreie Blumenerden, die in der Regel aus mehreren nachwachsenden Rohstoffen gemischt werden, sind ganz klar die beste Lösung. Der BUND hat einen Einkaufsführer für torffreie Erden erstellt, der unter www.bund.net unter Publikationen heruntergeladen werden kann. Im ÖKO-TEST-Magazin 4/2012 finden Sie getestete Produkte.
•Wenn die Säcke zu schwer sind, kann man sie sich liefern lassen: Blumenerde ist etwa über die Onlineshops der Baumärkte erhältlich.

Experte: Kokos versus Torf

Foto: privat

„Bei Kokos und den anderen Alternativstoffen handelt es sich um nachwachsende Rohstoffe, während bei der Torfnutzung langfristig wesentlich stärkere Umweltschäden auftreten. Aus Gründen der Klimarelevanz – Moore sind die raumeffektivsten Kohlenstoffspeicher – sind Alternativprodukte vorzuziehen. Wir raten daher von der Verwendung torfhaltiger Produkte ab.“

Dr. Frank Glante ist Fachgebietsleiter „Bodenzustand, Bodenmonotoring“ beim Umweltbundesamt

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema Torf und Moorschutz finden Sie im Test Torffreie Blumenerde aus dem ÖKO-TEST-Magazin 4/2012. Sie können das Heft unter Tel. 0 69 / 3 65 06 26 26 bestellen beziehungsweise den Test unter www.oekotest.de herunterladen.

So haben wir getestet

Die hierzulande unbekannte dicke, weiche Faserhülle umschließt den harten Kern der Kokosnuss. Fasern und Mark können für Pflanzsub strate verwertet werden.


Foto: isarescheewin/iStock/Thinkstock

Der Einkauf
Wir haben in Bau- und Gartenmärkten neun leichte Gartenerden eingekauft, sechs bestehen im Wesentlichen aus Torf, drei weitere aus gepressten Kokosfasern/Kokosmark. Diese Produkte werden erst zu Hause mit Wasser „aufgepoppt“.

Problematische Inhaltsstoff e
Wie üblich interessierte uns in erster Linie, inwieweit schädliche oder umstrittene Inhaltsstoff e vorhanden sind, die da nichts zu suchen haben und die möglicherweise auf Gemüse und Obst übergehen können. Wir schickten die Blumenerden daher ins Labor, um sie auf eine Vielzahl von Stoff en untersuchen zu lassen: auf gesundheitsschädliche Schwermetalle, Pestizide, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoff e (PAK), E.coli-Bakterien und Perchlorat. Hohe Salzgehalte beeinträchtigen das Pflanzenwachstum, daher wurde der Natriumgehalt gemessen. Auch Unkraut ist für den Hobbygärtner kein Segen.

Nährstoff gehalt
Manche Stoff e schaden, andere nützen. Blumenerde sollten einen ausgewogenen Nährstoff gehalt haben, der die Pflanzen für einige Wochen mit Nahrung versorgt. Zu den Hauptnährstoff en gehören Stickstoff und Phosphat, aber auch Kalium und lösliches Magnesium, nicht zu vergessen die Spurenelemente. Die enthaltenen Mengen ließen wir untersuchen und von Experten bewerten. Grundlage waren die Mindestanforderungen für Blumenerde der Gütegemeinschaft Substrate (GGS) und die Richtwerte des Verbands Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten (VDLUFA).

Weitere Mängel
Unser Untersuchungsprogramm klärte auch folgende Fragen: Ist die Blumenerde wirklich leicht? Stimmt die empfohlene Wassermenge zum Aufquellen der getrockneten Kokosprodukte? Sind die Nährstoff e auf den Substraten richtig deklariert? Das wiederum ist in der Düngemittelverordnung geregelt.

Die Bewertung
Auch Blumenerden sollen nicht mit problematischen Inhaltsstoffen belastet sein, diese Anforderung hat für ÖKO-TEST höchste Priorität. Etwas weniger stark gewichten wir den Nährstoff gehalt, da dieser nur eine Momentaufnahme ist und die Erde später ohnehin gedüngt werden muss. Schwere oder mehrere Weitere Mängel können sich über das Testergebnis Nährstoff gehalt auf das Gesamturteil auswirken.