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Regenwassernutzung: Trinkwasser – zu schade für die Toilette


ÖKO-TEST Spezial Wohnen und Leben - epaper ⋅ Ausgabe 12/2011 vom 18.11.2011

Wer Regenwasser für Garten, WC-Spülung und zum Wäschewaschen nutzt, spart kostbares Trinkwasser – und Geld. Wichtig ist, die Anlage frühzeitig einzuplanen.


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Foto: Fachvereinigung Betriebs-und Regenwassernutzung e.V.

Jeder Deutsche , vom Baby bis zum Greis, verbraucht taglich etwa 127 Liter Trinkwasser. Davon jedoch nur 5 Liter fur Essen und Trinken. Allein 34 Liter verschwinden taglich durch die Toilettenspulung. Auch wenn Wasser scheinbar unbegrenzt aus dem Hahn zu sprudeln scheint, steigen Aufwand und Kosten fur die Trinkwasseraufbereitung. „Wir brauchen einen Bewusstseinswandel. Wenn kommenden ...

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Jeder Deutsche , vom Baby bis zum Greis, verbraucht taglich etwa 127 Liter Trinkwasser. Davon jedoch nur 5 Liter fur Essen und Trinken. Allein 34 Liter verschwinden taglich durch die Toilettenspulung. Auch wenn Wasser scheinbar unbegrenzt aus dem Hahn zu sprudeln scheint, steigen Aufwand und Kosten fur die Trinkwasseraufbereitung. „Wir brauchen einen Bewusstseinswandel. Wenn kommenden Generationen noch qualitativ gutes Wasser in ausreichender Menge zur Verfugung stehen soll, mussen wir umdenken“, betont Anja Schumann, Vizeprasidentin der Fachvereinigung Betriebs-und Regenwassernutzung, einem Zusammenschluss von Herstellern und Fachleuten. „Der tagliche Pro-Kopf-Verbrauch von Trinkwasser lasst sich durch die Nutzung von Regenwasser auf etwa 60 Liter reduzieren“, sagt Schumann. Um Regenwasser einsetzen zu konnen, braucht man nur wenige Bauteile. Ein geeignetes Dach, einen Speicher samt Filter und eine Pumpe oder ein Hauswasserwerk und eventuell ein zweites Rohrleitungsnetz. Au.erdem sollte eine gute Anlage folgende Anforderungen erfullen.

Dachfläche

Dachmaterial und Neigung wirken sich auf Wasserqualitat und nutzbare Niederschlagsmenge aus. Regelma.ig stark verschmutzte Dachflachen, etwa durch Taubenkot oder Industrieabgase, sollte man durch einen Experten auf ihre Eignung hin prufen lassen. Auf separate Schmutzfange oder Laubfange in den Rinnen verzichtet man besser: Sie sind schwer zu reinigen und konnen den Regenabfluss hemmen.

Filter

Entweder man baut in jedes Fallrohr einen Filter ein oder fuhrt mehrere Fallrohre an einem leistungsfahigen Filter zusammen, der den Schmutz selbsttatig in die Kanalisation ableitet. Noch einfacher ist die Kombination aus Speicher und Filter, die heute die meisten Hersteller anbieten.

Speicher

Der mehrere Tausend Liter gro.e Speicher sollte dunkel und kuhl untergebracht sein, sonst leidet die Wasserqualitat durch Algen. Beim Neubau werden uberwiegend Au.enspeicher aus Kunststoff oder Beton eingesetzt. Wichtig: Die Speicher lasst man am besten einbauen, kurz bevor die Grube fur den Keller verfullt wird. Das spart einen zusatzlichen Baggereinsatz. Relativ leicht zu handhaben sind Flachspeicher, die nur eine geringe Hohe, dafur aber eine gro.ere Flache haben. Ihre Vorteile: Die notwendige Grube muss nur selten tiefer als 1,50 Meter sein, das lasst sich zur Not auch von Hand oder besser mit einem Kleinbagger erledigen. Eine flache Grube benotigt zur Sicherheit auch keine abgeboschten Wande, was den Platzbedarf verringert. Nicht zuletzt kann ein Flachspeicher aus Kunststoff mit ein paar Helfern leicht uber das Grundstuck transportiert werden. Die Anlieferung erfolgt namlich in der Regel nur bis zur Bordsteinkante. Neben dem Zulauf vom Dach ist ein Anschluss an die Kanalisation oder eine Versickerung notig, falls der Speicher uberlauft.

Speicher sind fur Ein-und Zweifamilienhauser in Gro.en bis 10.000 Liter erhaltlich. Man geht von einem Speichervolumen von 35 bis 50 Litern pro Quadratmeter angeschlossener Dachflache (ausgenommen Grundacher) aus. Das so errechnete Speichervolumen sollte allerdings nicht gro.er als 1.000 bis 1.500 Liter pro Nutzer sein. Wird der Speicher zu gro.gewahlt, schafft es der auf die Dachflache fallende Regen nur selten, ihn effektiv zu fullen. Lauft dagegen der Speicher ein-bis zweimal im Jahr uber, werden Stoffe, die im Speicher oben schwimmen, in den Uberlauf und damit in die Kanalisation gespult. Wichtig fur eine gute Wasserqualitat ist ein beruhigter Zulauf in den Speicher, damit keine Schmutzstoffe aufgewirbelt werden. In einem Vierpersonenhaushalt deckt ein Speicher zwischen etwa 4.000 und 6.000 Liter Inhalt rund 50 bis 70 Prozent des Wasserverbrauchs fur Toilette, Waschmaschine und Garten. Etwa 100 Quadratmeter Dachflache sollten daran angeschlossen sein.

Regenwasserzentrale

Ein wesentlicher Bestandteil der Anlage ist die Druckerhohungsanlage. Diese besteht aus Pumpe, Druckregler mit Druckschalter und Manometer. Qualitatsmerkmale sind geringe Gerauschentwicklung, Korrosionsbestandigkeit, ein geringer Wartungsaufwand und eine lange Lebensdauer. Hier sollte man nicht sparen, sondern zu mehrstufigen Kreiselpumpen greifen, die speziell fur die Regenwassernutzung entwickelt wurden. Standard fur den Privatgebrauch sind Kompaktzentralen, bei denen Pumpe, Steuerung und eine Schallschutzhaube in einem Gerat zusammengefasst sind. Fur eine Gartenzisterne ist eine einfache Saugpumpe ausreichend, fur die man eine au.en liegende Steckdose samt Fehlerstromschutzschalter (FI-Schalter) vorsehen sollte.

Trinkwassernachspeisung

Sie sorgt dafur, dass automatisch auf die Versorgung mit Trinkwasser umgestellt wird. Die Regenwasserzentrale speist nur die Menge Trinkwasser nach, die gerade benotigt wird. Auch hier ist eine Trennung zwischen Regenwasser und Trinkwassernetz obligatorisch und in Kompaktmodulen bereits eingebaut.

Leitungssystem

Als Rohrleitungen haben sich Kunststoffleitungen aus Polyethylen und Polypropylen bewahrt, die einfach zu handhaben und gegenuber Regenwasser nicht korrosiv sind. Um ein Verwechseln von Trinkwasser-und Regenwasserleitung auszuschlie.en, muss man das Leitungsnetz durchgangig kennzeichnen. Zum Beispiel mit einem parallel verlegten Hinweisband. Jede Regenwasserzapfstelle muss als solche gekennzeichnet werden. Wer die Regenwasseranlage erst spater einbauen will, sieht am besten bereits beim Hausbau einen zweiten Leitungsstrang fur das Regenwasser vor. Fur die Verbindung vom Speicher zum Haus ist ein Leerrohr fur die Saugleitung und elektrische Anschlusse notig.

Wasserzähler

Von Kommune zu Kommune unterschiedlich geregelt ist, ob und wie Abwasser, das aus einer Regenwasseranlage stammt, bezahlt werden muss. Deshalb sollte man sich vorab erkundigen, ob Gebuhren fur Abwasser und/oder Regenwasser (Oberflachenwasser) anfallen und ob ein extra Zahler erforderlich ist. Wenn ja, sollte dieser hinter dem Abzweig fur die Gartenbewasserung montiert werden, dann zahlt man zumindest dafur keine Gebuhren. Besser ist eine pauschale Abrechnung ganz ohne Zahler, denn damit nachgespeistes Trinkwasser nicht doppelt bezahlt werden muss, brauchte man dafur einen weiteren Zahler, um diese Wassermenge dann wieder von der Rechnung abziehen zu konnen.

Genehmigung und Kosten

Der Einbau von Regenwassernutzungsanlagen ist nicht genehmigungsbedurftig. Der Nutzer muss dem zustandigen Wasserversorgungsunternehmen vor Errichtung der Anlage dies nur mitteilen und sicherstellen, dass von seiner Anlage keine Ruckwirkung in das offentliche Wassernetz moglich ist. Die Trinkwasserverordnung verlangt au.erdem, dass die Inbetriebnahme dem zustandigen Gesundheitsamt angezeigt wird. Werden durch die Regenentwasserung oder durch den Anschluss eines Uberlaufs aus einem Regenspeicher an die kommunale Mischkanalisation die Entwasserungsleitungen verandert, so muss man in der Regel ein aktuelles Entwasserungsgesuch beim Bauamt einreichen.

In vielen Kommunen gibt es mittlerweile eine sogenannte gesplittete Abwassergebuhr, die auch einen Bonus fur Regenwassernutzungsanlagen vorsieht. Dessen Hohe hangt von der Gro.e des Speichers und den lokalen Gebuhren ab.

Die Kosten einer Regenwassernutzungsanlage fur einen Vierpersonenhaushalt beginnen bei etwa 4.000 Euro. Eine gut geplante und ausgefuhrte Anlage kann 40 bis 50 Prozent des durchschnittlichen Trinkwasserverbrauchs von 127 Litern pro Person und Tag (sparsame Haushalte kommen mit 80 bis 100 Litern aus) ersetzen, vor allem fur die Toilettenspulung. Bei einem Preis fur Wasser und Abwasser von zusammen funf Euro ergibt sich bei einem Vierpersonenhaushalt eine Einsparung von 340 bis 425 Euro pro Jahr. In vielen Gegenden mussen Verbraucher aber schon mit sieben Euro und mehr pro Kubikmeter Wasser inklusive Abwasser rechnen. Hier steigt die jahrliche Einsparung auf 400 bis 500 Euro.

Wartung

Eine Regenwassernutzungsanlage muss regelma.ig uberpruft und gewartet werden. Alle sechs Monate sollte man Regenrinnen und Fallrohre kontrollieren. Der Filter muss mindestens einmal pro Jahr gereinigt werden. Die Fachvereinigung Betriebs-und Regenwassernutzung hat dazu eine Musterbetriebsanleitung entwickelt, die man kostenlos herunterladen kann.

Infos

Informationsmaterial fur Endverbraucher inklusive einer Marktubersicht findet sich online aufwww.fbr.de Fur funf Euro verschickt die Fachvereinigung Betriebs-und Regenwasser nutzung fbr e. V. die Informationen auch in gedruckter Form.

Anleitung zum Einbau einer Regenwassernutzungsanlage

1 Dank der neuen Flachtanks muss man deutlich weniger tief graben als für die bisherigen Tankmodelle. Die Grube für einen Tank zur Gartenbewässerung lässt sich gut von Hand ausheben, ab 4.000 Liter Volumen schont ein Kleinbagger Knochen und Nerven.


4 Alle Rohre für Zuleitung, Saugleitung und Überlauf anschließen, die elektrische Leitung für die optionale Füllstandsanzeige nicht vergessen. Der Kontrollschacht ist in der Höhe verstellbar und kann genau auf das Geländeniveau angepasst werden. Für Einfahrten gibt es befahrbare Ausführungen.


2 Kunststofftanks kann man gut per Hand bewegen, was sich nicht nur bei engen Zufahrten bewährt. Nach Herstellerangaben wird in der Nähe des Hauses die Grube eben mit etwa 20 Zentimeter Sand oder feinem Rundkornkies aufgefüllt. Vorher sollten die Gräben für die Zuleitungen gezogen sein.


3 Den Tank vorsichtig in die Grube lassen, nach allen Richtungen waagrecht ausrichten. Dann den Tank etwa 30 Zentimeter hoch mit Wasser füllen, anschließend rundherum mit Sand oder Kies auffüllen und diesen leicht von Hand verdichten. Diesen Schritt so lange wiederholen, bis Tank und Grube gefüllt sind.


5 Beim Verlegen der Zulaufrohre auf gleichmäßiges Gefälle (mindestens ein Prozent) achten. Das Loch in den Keller wird je nach Material der Wand mit dem Bohrhammer (Ziegel) oder per Kernbohrung (Beton) geschaffen. Zur Abdichtung gibt es passende Manschetten.


6 Das Hauswasserwerk möglichst nah am Speicher installieren, um die notwendige Saugleistung niedrig zu halten. Die Rohre und die Zapfstellen müssen mit dem Hinweis „Kein Trinkwasser“ beziehungsweise „Regenwasser“ gekennzeichnet sein.


Fotos: Otto Graf GmbH (6)