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Schnarchen :Baustelle im Schlafzimmer


ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit - epaper ⋅ Ausgabe 10/2013 vom 18.10.2013

Ob Nasenflügelspreizer, Antischnarchschnuller oder elektronischer Halskragen – gegen die nächtliche Sägerei wird eine Fülle technischer Hilfsmittel angeboten. Aber was hilft wirklich und was ist bloße Geschäftemacherei?

Artikelbild für den Artikel "Schnarchen :Baustelle im Schlafzimmer" aus der Ausgabe 10/2013 von ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit, Ausgabe 10/2013

Jeder dritte Erwachsene tut es im Schlaf, bei den über 60Jährigen sogar jeder Zweite. Meistens sind es die Männer ab dem mittleren Lebensalter, die ihre Bettnachbarinnen durch nächtliches Schnarchen zur Verzweiflung treiben. Aber wenn sich mit zunehmendem Alter das Kinn rundet und die Rachenmuskulatur erschlafft, geht es auch bei vielen Frauen los.

Anatomisch ist die Sache eigentlich klar: ...

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... Kaum in den Schlaf gefallen, sinkt der Muskeltonus in Schlund und Mundhöhle, die Zunge fällt zurück und die Atemwege verengen sich. Die Betroffenen versuchen, angestrengt Luft zu holen, wobei Gaumensegel und weiche Gewebeteile zu flattern beginnen und die typischen Schnarchgeräusche erzeugen. Das nervige Rasseln und Pfeifen tritt vor allem in der stabilen Rückenlage auf. Übergewicht, Alkohol vor dem Zubett gehen, Beruhigungsoder Schlafmittel fördern die Schnarcherei zusätzlich.

Aber was tun gegen das nächtliche Schnarchkonzert, das in puncto Lautstärke mit einem Presslufthammer locker konkurrieren kann? Im Internet stoßen Ratsuchende auf ein Arsenal verschiedenster Hilfsmittel. Manches scheint vom Prinzip her nachvollziehbar und könnte im Individualfall funktionieren. Doch für das Gros der im Internet vertriebenen Helferchen gilt: Ein Antischnarch effekt ist wissenschaftlich nicht belegt. Wir haben uns die am häufigsten angebotenen Produkte angesehen.

Angeblich sollen Mundsprays das Gaumensegel straffen und so das Schnarchen verhindern. Doch der Effekt ist nicht belegt.


Mund- und Nasensprays: Die Mittel basieren meist auf ätherischen Ölen, sollen die Mundschleimhaut anfeuchten, das Gaumensegel straffen und auf diese Weise das Schnarchen verhindern. Ein Antischnarcheffekt durch Heilpflanzen ist aber nirgendwo belegt. Denkbar wäre allenfalls eine lindernde Wirkung bei verstopfter Nase durch einen akuten Infekt. Nasenspreizer und Nasenpflaster: Ein einfacher Plastikclip wird vor dem Schlafengehen in die Nasenlöcher geschoben, um die Nasenflügel zu spreizen und verengte Atemwege zu weiten. Auch Pflaster, die auf die Nasenrücken geklebt werden, sollen das Atmen erleichtern. Die Methode muss schon deshalb scheitern, weil Schnarchen typischerweise durch eine Verengung im Rachenbereich entsteht.
Antischnarchbänder: Elastische Kinnbinden, mit oder ohne Klettverschluss, sollen den Unterkiefer abstützen und den Mund geschlossen halten. Aber viele Betroffene schnarchen durch die Nase genauso laut wie mit offenem Mund.
Verhinderung der Rückenlage: Rucksackartige, in Westen oder TShirts eingearbeitete Schaumstoffblöcke sollen verhindern, dass sich der Schläfer auf den Rücken rollt. Das Prinzip kann, muss aber nicht funktionieren.
Elektronische Antischnarchgeräte: Es gibt beispielsweise ein Vibrationskissen, das durch Alarmtöne den Scharcher veranlassen soll, seine Position zu wechseln, ohne aufzuwachen. Oder die mit LEDLeuchten ausgestattete Antischnarchbrille, die dem Schläfer bei entsprechendem Geräuschpegel direkt in die Augen blinkt. Noch komplizierter in der Handhabung: Sogenannte Antischnarchkragen mit eingebautem Mikrofon oder Sensoren, die am Hals befestigt werden müssen, dazu ein elektronisches Steuergerät, das man neben das Kopfkissen platziert. Solche Geräte sollen im Rachen erzeugte Schwingungen als Schnarchen identifizieren und dann ihrerseits mit Stromimpulsen Nerven oder Muskeln am Hals stimulieren, um das Schnarchen zu beenden. Fazit: Der elektronische Schnickschnack ist teuer, unbequem und in seiner Wirkung nicht belegt.
Antischnarchschnuller: Indem man eine Art Schnuller in den Mund schiebt und mit den Lippen zusammendrückt, wird angeblich die Muskulatur im Mundund Rachenraum gestärkt. Dafür muss man aber wochenlang mehrmals täglich trainieren. Der Erfolg ist dennoch zweifelhaft, die Wirkung nicht belegt.
Unterkieferschiene: Zahnschienen verlagern den Unterkiefer etwas nach vorn und schaffen so mehr Platz zum Atmen im Rachenraum. Dadurch kann das Schnarchen verringert werden oder sogar ganz aufhören. Das Verfahren kann bei Kieferfehlstellungen tatsächlich hilfreich sein, ein Erfolg ist aber nicht garantiert. Die Schienen müssen vom Zahnarzt angefertigt und angepasst werden.
Zungenschrittmacher: Die neueste medizinische Errungenschaft ist ein unterhalb des Schlüsselbeins implantierter Zungenschrittmacher. Dieser sogenannte Neurostimulator, kleiner als eine Streichholzschachtel, misst über ein hauchdünnes Kabel am Rippenbogen die Bewegungen des Zwerchfells und überwacht die individuelle Atemfrequenz. Zieht sich das Zwerchfell des Patienten zusammen, sendet der Schrittmacher einen schwachen elektrischen Impuls an den HypoglossusNerv, der für die Kontraktion des Zungenmuskels verantwortlich ist. Wird er beim Schlafenden stimuliert, erschlafft die Zunge nicht und blockiert auch nicht den Rachenraum. Das Verfahren befindet sich noch in der Erprobungsphase. An der Berliner Charité wurde kürzlich europaweit dem ersten Patienten ein Zungenschrittmacher erfolgreich implantiert.


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