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Seht ihr den Mond dort stehen?


ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 2/2011 vom 04.03.2011

Das Baby quengelt im Stundentakt. Mit dem erholsamen Schlaf, den frischgebackene Mütter und Väter so nötig haben, ist es mal wieder vorbei. Unruhige Nächte lassen sich in der ersten Zeit mit dem Kind leider nicht ganz vermeiden. Hilflos ausgeliefert ist man ihnen aber nicht.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie, Ausgabe 2/2011

Wie oft kommt er denn nachts? Die mitfühlende Frage des Arbeitskollegen am Telefon ist ein echter Klassiker. Michael stöhnt. Alle vier Stunden meldet sich der kleine Sohn, man kann praktisch die Uhr nach Elias stellen. Für Mutter Britta heißt das maximal dreieinhalb Stunden Schlaf hintereinander, denn nach dem Stillen ist immer vor ...

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... dem Stillen. Ist Elias nachts um eins nach der Mahlzeit putzmunter, legt sich Britta wieder hin und Michael übernimmt den Kleinen, die nächste Schicht morgens um fünf macht Britta dann allein. Von dem permanenten Schlafentzug hatten die jungen Eltern zwar gehört und gelesen. Wie es sich anfühlt, wissen sie erst jetzt.

Nach drei Monaten kommen die ersten Ratschläge. Man müsse ihn schon auch mal ein bisschen schreien lassen, sagt die Oma. Nachts dürfe man nicht füttern, meint die ältere Nachbarin. Bloß nie herumtragen, so verwöhne man das Kind unnötig, rät die Freundin. Elias bleibt stur bei seinen vier Stunden. Das Baby einer Freundin, einen halben Monat jünger, lässt seiner Mama schon sieben Stunden Pause in der Nacht. Die Kinderärztin tröstet die müde Britta: „Durchschläfer“ dieser Art sind Ausnahmen, und eigentlich hat Britta noch Glück. Auch anfängliche Stillrhythmen von zwei bis drei Stunden sind normal. Allmählich werden die Pausen bis zum ersten Stillen am Morgen auch bei Eli- as immer länger. Mit sieben, acht Monaten hält der Junge von zehn Uhr abends bis vier Uhr morgens durch – wenn ihn nicht gerade eine verstopfte Nase plagt.

Kein Tag-Nacht-Rhythmus im Mutterleib

Wenn die Kinder auf die Welt kommen, haben sie keinen Tag-und-Nacht-Rhythmus. Warum sollten sie auch: Im Bauch der Mutter gab es immer Nahrung und es war gleichmäßig warm und dunkel. Viele kleine Untermieter haben nachts, wenn das Dauergeschaukel aufhört und die werdende Mama mal still liegt, eine besonders muntere Phase. So manche Schwangere kann von einem solchen Zappelphilipp ein Lied singen – und sich gleich auf die schlafarme Phase nach der Geburt einstellen. Macht das Baby regelmäßig im Bauch die Nacht zum Tag, kann es gut sein, dass es diese Angewohnheit erst einmal beibehält, wenn es auf die Welt kommt. Wann das Baby endlich länger schläft, hängt zum größten Teil von seinem genetischen Programm ab.

Beim ersten Kind ist die Umstellung für viele Mütter und Väter ein Martyrium. Da hilft nur, diese Anfangsphase tapfer durchzustehen und sich mit der Weisheit zu trösten, dass irgendwann alle Kinder durchschlafen. Weil die junge Mutter im Allgemeinen am meisten unter Schlafentzug leidet, sollte sie schlafen dürfen, wann immer sie kann. „Der Schlaf der Mutter ist heilig“, steht in einem alten Hebammenbuch.

Nickerchen streichen

Nach etwa einem halben Jahr pendelt sich bei den Kindern in der Regel ein Schlafrhythmus ein. Die Babys werden tagsüber aktiver. Viele machen nun am späten Vormittag, nach der Mittagsmahlzeit und am frühen Abend noch ein Nickerchen.

Schon im Krabbelalter sollten Eltern deshalb zwei Dinge im Auge behalten: Zum einen ist es wichtig, dass nachts kein großes Programm abläuft. Versorgen Sie das Kind im Halbdunkeln und möglichst, ohne groß mit ihm zu reden. Es soll nicht hellwach werden und sich an eine Bespaßung in der Nacht gewöhnen. Zum anderen empfiehlt es sich, das Nickerchen am frühen Abend zu streichen. Auch wenn es praktisch ist, für eine Stunde seine Ruhe zu haben, um das Abendbrot zuzubereiten oder endlich die Wäsche aufzuhängen, dieser kurze Schlaf hindert das Kind später daran, acht Stunden hintereinander durchzuhalten. Wecken Sie das Kind auf, spielen Sie mit ihm, bis es seine Nachtmahlzeit bekommt und das Abend ritual beginnt.

Endlich Ruhe: Gerade in den ersten Monaten gönnen die Babys ihren Eltern nur wenig Schlaf. Ein Rhythmus pendelt sich meist nach etwa einem halben Jahr ein.


Auch Kinder unter einem Jahr profitieren bereits von einem regelmäßigen Tagesrhythmus und Ritualen, wenn sie abends ins Bett gehen. Wickeln, füttern, in den Armen wiegen, singen – und dann schlafen. Diese beruhigende Regelmäßigkeit hilft dem Kind, in den Schlaf zu finden. Experten raten, das Baby möglichst nicht an der Brust oder später mit der Flasche einschlafen zu lassen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen müssen Babys nach dem Trinken häufig noch einmal aufstoßen. Zum anderen sollten die Kinder nach Möglichkeit allein in ihrem Bett in den Schlaf finden. Nachts wachen sie einige Male auf. Sie orientieren sich: Hat sich nichts verändert, dann schlafen sie wieder ein. Schlummert das Kind im Arm der Mama ein und wird dann ins Bettchen gelegt, ist es wahrscheinlicher, dass es anfängt zu protestieren, wenn es aufwacht. Das Baby stundenlang im Kinderwagen oder gar im Auto spazieren zu fahren oder in der Tragetasche auf die schleudernde Waschmaschine zu setzen, ist der falsche Weg. Das Kind lernt dadurch, nur unter Bewegung einzuschlafen.

Ein eigenes Bettchen

Neugeborene schlafen am besten in einem eigenen Bett im Schlafzimmer der Eltern. Das kann in einer Wiege, einem Stubenwagen, einem richtigen Kinderbett oder in einem kleinen Anhängselbett an die Schlafstätte der Eltern sein. Sobald das Kind sich aufrichten kann, muss es in einem Bettchen mit hohen Gittern schlafen, sonst kann es herausfallen.

Das Baby ins Bett der Eltern mitzunehmen, ist eigentlich nur sinnvoll, wenn es gerade gestillt oder beruhigt wird oder wenn sich die Eltern mit ihm beschäftigen. Ansonsten besteht im Elternbett die Gefahr, dass das Baby eine Decke über den Kopf gezogen bekommt. Zu viel Wärme ist ein Risikofaktor für den plötzlichen Kindstod. Weil der Geruch von Mama und Papa aber etwas Beruhigendes hat, hilft ein Trick: Legen Sie ein getragenes T-Shirt als Unterlage unter Ihr Kind oder schlafen Sie zwei Nächte auf einem Kopfkissenbezug, den Sie dann Ihrem Kind in die Wiege legen. Diesen „Stallgeruch“ wird Ihr Baby lieben.

Es gibt keine festen Regeln, ab wann ein Baby oder Kleinkind durchschlafen „muss“. Die wichtigste Frage ist: Wie fühlen Sie sich dabei, schadet der Schlafrhythmus des Kindes Ihrer Gesundheit und Leis- tungsfähigkeit? Dann sollten Sie etwas ändern, sich in den Nächten abwechseln oder die Oma bitten, Ihnen mal eine freie Nacht zu schenken.

Wird das Baby zum Kleinkind und holt Sie immer noch mehrmals in der Nacht aus dem Schlaf, besteht es auch mit 15 Monaten auf einer Nachtmahlzeit, dann fragen Sie Profis: Kinderärzte, Erziehungs beratungsstellen oder Sprechstunden für Schreikinder. Zusammen mit Experten können Sie die Schlafgewohnheiten Ihres Kindes analysieren und gemeinsam eine Lösung finden, indem Sie vielleicht Kleinigkeiten umstellen. Es gibt kein Patentrezept, denn jedes Kind ist anders. Manche Kinder schlafen mit fünf Monaten bereits zehn Stunden am Stück, andere schaffen das mit fünf Jahren noch nicht.

Hallo, ist da jemand? Werden Kinder nachts häufig wach, sollten Eltern sie beruhigen, aber kein Unterhaltungsprogramm bieten.


Einschlafprobleme

Nach dem Babyalter haben die meisten Kinder zwar das Durchschlafen gelernt, dafür aber kommen nun die Probleme mit dem Einschlafen. Aus Angst, irgendetwas zu verpassen, werden sie schon in jüngsten Jahren sehr erfinderisch und dehnen das Aufbleiben bis zur allerletzten Minute aus. Nur noch einmal zum Kaninchen an den Käfig, nur noch etwas trinken. Meist sind sie schon längst völlig übermüdet, überreizt und weinen bei jeder Gelegenheit. Sobald sie sprechen können, werden sie trotzdem standhaft behaupten, nicht müde zu sein. Jetzt hilft keine Überredungskunst mehr, sondern nur noch ein Machtwort der Eltern.

Feste Abendrituale zu festen Zeiten helfen auch hier. Schlafenszeiten im Alltag sind eher stur zu handhaben: jeden Abend die gleichen Dinge in der gleichen Reihenfolge etwa zur gleichen Zeit. Das heißt nicht, dass es keine Ausnahmen geben kann, zum Beispiel wenn Besuch da ist. Trotzdem lassen sich schon im Kleinkindalter Vereinbarungen treffen, mit Kindergartenkindern sowieso. Zum Beispiel: „Du darfst aufbleiben, bis der große Zeiger hier unten steht.“ Machen Sie Ihre Ankündigung wahr, sonst nehmen die Kinder Ihre Zeitgrenzen nicht ernst. Und noch etwas: Schicken Sie Ihre Kinder nie zur Strafe ins Bett. Warum sollten sie diesen Ort zu einem anderen Zeitpunkt dann freiwillig aufsuchen, wenn er mit unangenehmen Erfahrungen verknüpft ist?

Angst hält wach

Wer Angst hat, schläft schlecht ein. Mal lauern Krokodile unterm Bett oder Monster im Schrank, das Kind fürchtet sich im Dunkeln und vor bösen Träumen. Eltern müssen diese Ängste ernst nehmen, denn Kinder können oft nicht zwischen Realität und Fantasie unterscheiden. Meist helfen beruhigende Worte oder ein kleines Licht, das abends angelassen wird. Viele Kinder wollen bei offener Tür schlafen und die Geräusche der Eltern in der Wohnung hören – das Klappern, wenn Papa die Küche aufräumt oder Mamas Stimme, wenn sie telefoniert.

Im Gegensatz zu Aufwachstörungen wie Schlafwandeln haben Albträume unmittelbar etwas mit Belastungen oder Konflikten zu tun. Bereits Zweijährige haben schlechte Träume, häufiger kommen sie mit drei oder vier Jahren vor. Meist sind die Träume kein Grund zur Beunruhigung, ein Abendritual hilft dem Kind in einen entspannten Schlaf. Fantasievolle Traumfänger, die übers Kinderbett gehängt werden, beruhigen die Kleinen zusätzlich. Hilfreich sind auch Beschützmich- Tiere: Große Teddy-Eisbären oder gefährliche Plüschkrokodile machen das Bett zur monstersicheren Zone. Außerdem ist natürlich eine gesunde Schlafatmosphäre wichtig: Zimmer gut lüften, das Kind nicht zu warm anziehen, keine schweren Decken – und kein Fernsehen direkt vor dem Schlafengehen, das kann zu sehr aufregen.

Spätestens im Kindergartenalter haben die Kleinen ihr Bett normalerweise nicht mehr bei den Eltern im Zimmer. Selbst wenn genug Räume vorhanden sind, kann es sinnvoll sein, Geschwister zusammen in einem Raum schlafen zu lassen, sie geben sich gegenseitig Geborgenheit. Viele Kinder suchen nächtlichen Unterschlupf bei den großen Schwestern oder Brüdern und krabbeln dann statt bei den Eltern dort unter die Bettdecke.

Nachtaktive Kinder

Schlaftrunkenheit: Das Kind ist in einem Übergangszustand zwischen Wachen und Schlafen. Oft setzt es sich im Bett auf. Es macht den Eindruck, wach zu sein, ist es aber nicht. Am Ende wachen die Kleinen kurz auf und schlummern gleich wieder ein.
Schlafwandeln: Schlafwandeln passiert typischerweise im ersten Drittel der Nacht. Weil Schlafwandler keine Gefahren wahrnehmen, empfehlen sich ein paar Sicherheitsmaßnahmen: Hindernisse im Schlafzimmer entfernen, Fenster und Türen sichern, keine Hochbetten. Bewegungsmelder oder Warnglöckchen installieren. Die Kinder nicht abrupt ansprechen oder aufwecken, sie könnten in Panik geraten. Am besten schiebt man sie vorsichtig zurück ins Bett.
Nachtschrecken: Der Pavor nocturnus ist harmlos. Er kommt bei zwei bis fünf Prozent aller Kinder vor, es gibt eine genetische Veranlagung dazu. Meist sind die Kinder zwischen zwei und sechs Jahre alt. Der Schrecken ist erstmal auf Seiten der Eltern. Mit gellendem Schrei fährt der Nachwuchs etwa zwei Stunden nach dem Einschlafen aus dem Schlaf und zeigt Anzeichen tiefer Furcht: geweitete Pupillen, schnelle Atmung, Herzrasen, Schwitzen, Muskelverspannungen. Das Kind windet und krümmt sich wie unter Schmerzen, ruft häufig nach seinen Eltern, erkennt sie aber nicht und wehrt sie sogar ab. Der Nachtschreck dauert etwa 15 lange Minuten, zum Schluss wacht das Kind kurz auf und schläft dann ruhig ein. Am nächsten Tag kann es sich an nichts mehr erinnern.


Foto: MogDDL/Fotolia.com

Fotos: photodisc (2)

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