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yeah! - epaper ⋅ Ausgabe 16/2022 vom 07.10.2022
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Bildquelle: yeah!, Ausgabe 16/2022

ALPHAVILLE

Eternally Yours

(Neue Meister/Edel)

Es gibt nicht viele Bands aus Deutschland, die es zu Weltruhm gebracht haben – Alphaville ist dies zweifelsfrei gelungen. Ihre Hits wieSoundsLikeAMelodyund BigInJapanfanden nicht nur im Synth-Pop-Original internationale Beachtung, sondern wurden auch vielfältig gecovert und unter anderem von Beyoncé und Jay-Z neu interpretiert. Nun kommt mit EternallyYoursein opulentes Werk, auf dem Alphaville einen Querschnitt ihres Schaffens orchestral gemeinsam mit dem Filmorchester Babelsberg neu aufgenommen haben. Dabei war es Bandleader Marian Gold unter anderem wichtig, nicht einfach die originalen Parts mit klassischen Instrumenten zu ersetzen, sondern die Arrangements dem Klangkörper Orchester so anzupassen, dass sich das Ergebnis schlüssig und organisch anhört. Und was soll man sagen? Es ist den Protagonisten gelungen! Der Titelsong selbst ist die ...

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... einzige komplett neue Komposition. Der Rest sind Klassiker von Alphaville oder auch Cover wie welche mal nah an, mal etwas weiter von den Originalen entfernt sind. Durchweg transportieren sie aber die Seele der zugrunde liegenden Lieder und wissen somit auf eine neue und besondere Art zu berühren. ist eine Liebeserklärung an die Musik als solche!

(fvd)

BABY STRANGE

World Below

(Icons Creating Evil Art/ Rough Trade)

Glasgow, die drittgrößte Stadt Großbritanniens, erlebte in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts einen enormen wirtschaftlichen Abstieg. Massenarbeitslosigkeit, Jugendkriminalität, Heroin und Alkoholismus waren die Folge, die erklärt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung gerade einmal bei 53 Jahren liegt. Für eine westliche Industrienation ein unterirdischer Wert. Wundert es somit, dass das Glasgower Baby Strange von Paranoia, Versagensängsten und Isolation singen? „Is there a reason that I feel so down? With my head in my hands as I‘m lying in pain on the ground“, heißt es inPoorOldMe.Den dunklen Indie-Rock-Sound prägen zwar treibende Rhythmus-Elemente, aber von einer echten Leichtigkeit sind die drei Musiker weit entfernt. Nichtsdestotrotz besitzt WorldBelowseine Qualitäten – den zehn Songs zuzuhören entwickelt eine kathartische Hörerfahrung, danach fühlt man sich in jedem Fall befreit.

(fsh)

DAVID GARRETT

Iconic(Deutsche Grammophon/ Universal)

MitIconichuldigt David Garrett den Schlüsselfiguren des sogenannten Goldenen Zeitalters des Geigenspiels, die dem Laien eher nicht geläufig sein dürften, wenn man vielleicht von Yehudi

Menuhin absieht. Das spielt allerdings keine Rolle beim Genuss des Albums, denn Garrett wäre kein Instrumentalstar, wenn er das Ganze nicht massentauglich verpacken würde, wohlgemerkt ohne seinen hohen musikalischen Eigenanspruch zu vernachlässigen. So interpretiert er einerseits eingängig melodische Lieder wieEstrellita(Manuel Ponce), einen Auszug aus Vivaldis VierJahreszeitenoder Camille Saint-Saëns’ DanseMacabreund andererseits spielerisch Anspruchsvolles wie Claude Debussys LaFilleAuxCheveuxDeLinoder HoraStaccatovon Grigoraş Dinicus. Den Schaueffekt machen prominente Gäste wie Trompeter Till Brönner, Tenor Andrea Bocelli (aufwühlend: Schuberts AveMaria),wohingegen Garretts Stammgitarrist Franck van der Heijden als Begleiter ein Klangambiente garantiert, mit dem Fans sofort warm werden. Kurzum: eine ausgewogene Mischung aus Vertrautheit und abenteuerlichen Ausflügen.

(as)

FRANC MOODY

Into The Ether(Juicebox/AWAL)

ObIntoTheEetherdas zweite oder das dritte Album von Franc Moody ist, daran scheiden sich die Geister – in englischen Medien wird ihr 8-Track-Erstling DanceMovesvon 2018 als Langspieler gewertet, bei deutschen Quellen meist als EP. Im Grunde ist das aber auch Nebensache, denn nach DreamInColour(2020) liefert das neueste Werk einfach einmal mehr einen smoothen Discosound, der dem Bandnamen alle Ehre macht. Stimmungsvolle Vibes, reichlich versetzt mit Soul- und Funk-Elementen, prägen den Tonträger – Fans von Jamiroquai sollten hier zum Beispiel ihre Freude haben. Franc Moody bedienen dabei tendenziell eher chillige Gemüter, können aber durchaus auch mal knackigere Sounds einbauen, wie sie zum Beispiel mit MassAppealund SomethingsGotMebeweisen. Echte 70s-Feelings kommen bei RainingInLAauf – die Nummer hätte seinerzeit genauso in einer Disco laufen können. Auch unbestimmte Erinnerungen an die Soundtracks alter Serien und Filme Wecken Franc Moody mit ihren Tracks immer wieder mal. Dass vereinzelte Passagen generischer Lounge-Musik ähneln und so in Beliebigkeit abdriften, kann man verschmerzen, denn über seine gesamte Strecke birgt IntoTheEtherüberwiegend genussvolle Momente.

(fvd)

FRIEDRICH RAU

Lass uns ein bisschen swingen(Kick The Flame) Bereits erschienen

Der Sound der 1920er Jahre durchdringt das AlbumLassunseinbisschenswingen.Aber das ist nicht angestaubt, sondern wird praktisch für das neue Jahrhundert auch neu erfunden. Friedrich Rau liebt den Swing, aber er bleibt den alten Konventionen nicht sklavisch treu, sondern erfindet das Ganze neu – geradeso, als hätte es Swing als Musikrichtung noch nie gegeben. Tolle House-Beats harmonieren mit beschwingten Melodien. Die Texte sind eingängig, gefühlvoll, mit Witz, aber durchaus auch Tiefgang, so etwa SingeinLied,das Friedrich Rau zusammen mit seiner Tochter Leni zum Besten gibt und das allen Eltern und Kindern aus der Seele sprechen dürfte. Ein weiteres Highlight ist Solangesgeht,ein Song, der zu Herzen geht. Raus angenehme Stimme trägt dieses Album. Es macht Laune, ihm zu lauschen, und dafür muss man nicht mal ein Faible für Swing haben. Ein Album zum Entspannen und Mitswingen – da wird das eigene Wohnzimmer gleich zum Tanzsaal. Denn ruhig sitzen bleiben möchte man bei diesem Sound nicht. „Ich muss mich bewegen“ – eine Zeile aus Frischverliebtist bei diesem Album eben Programm!

(pos)

MAX PROSA

Wann könnt ihr endlich friedlich sein(Prosa)

Auf dem bisher letzten AlbumGrüßeausderFlutpräsentierte sich der Singer-Songwriter textlich gereift. Die ersten zwei Verse der Platte verweisen auf den Lyriker Bertolt Brecht – aber auch die eigenen Gedanken übersetzt der Berliner in gelungene Bilder. Lillysagt(ein Duett mit Francesco Wilking von Die höchste Eisenbahn) beschreibt äußerst humorvoll die Beziehung zu einer ambitionierten Frau, der es das lyrische Ich niemals recht machen kann. BuntesPapierwiederum entpuppt sich als pointierte Kapitalismus-Kritik ohne politische Plattitüden. Liebeistleicht/AberderMenschistkompliziert,philosophiert Prosa in Sag’sirgendwem– und die dazugehörigen Karibik-Klänge passen perfekt zum Spätsommer. Und genau zu dieser Zeit erscheint nun die neue Platte. Aschetanzlautet der Titel des tanzbaren Openers. „Wir haben genug von Theorie/denn sie allein löst Probleme nie/und jetzt brauchen wir das Schöne.“ Das ist ziemlich schlau verdichtet, denn was nutzt die Ideologie in einer Welt, in der der Ästhetik kein Platz eingeräumt wird. Entsprechend leichtfüßig gibt sich der Singer-Songwriter auf der neuen Platte – und erinnert in seinen Pazifismus-Metaphern bisweilen an Udo Lindenbergs WozusindKriegeda?.Wannkönntihrendlichfriedlichseinist eine musikalisch abwechslungsreiche Platte, und textlich ist Max Prosa wie eingangs erwähnt, deutlich gereift. Aber vielleicht etwas weniger Nettigkeit und ab und an mehr Bissigkeit, das würde durchaus guttun!

(fsh)

MAX RAABE

Wer hat hier schlechte Laune(We Love Music/ Universal)

Wer es immer noch nicht kapiert hat, der wird spätestens beim Hören vonWerhathierschlechteLauneeinsehen, dass Max Raabe viel mehr ist als ein Crooner, der Kapital aus Coverversionen von Zwanzigerjahre-Liedern schlägt. Davon abgesehen nämlich, dass er und seine Mitmusiker weiterhin stilistisch aus ihren Wurzeln in den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts schöpfen, schlagen sie auf glaubwürdige Weise moderne Töne an, seien es elektronische Beats in der Kraftwerk-Hommage Stromoder lateinamerikanische Rhythmen in Eswirdwiedergut.Auf der Textebene setzt sich dieser Spagat fort, denn selbst Liebeslyrik wird mit gegenwartsbezogenen Anspielungen verbrämt (Reise indasGlück:„Ich schenk dir einen Rosengarten, ich schick dir alle meine Daten“), wobei Raabes stets humorvolle und Zuversicht spendende Weisheiten ohnehin seit je zeitlos sind. Mit kompositorischer Hilfe von unter anderem Annette Humpe und alten Bekannten wie Christoph Israel oder Achim Hagemann ist dem Sänger ein Album gelungen, das sich eigentlich in keine Schublade stecken lässt, sondern sofort als seine Schöpfung identifizierbar ist.

(as)

MEHRYEAH

Gib mir mehrYEAH(Luland)

Wer heutzutage sein Debütalbum neben den üblichen Vertriebswegen noch als Schallplatte veröffentlicht, der denkt anders. Und so ist es: Schon im OpenerSchöneNeueWeltarbeitet sich das Austro-HipHop-Duo mehrYEAH an unserer vom Kapitalismus geprägten Gesellschaft ab. Und es geht so individuell weiter, denn auf allen zehn Tracks schauen sich Rapper Andreas Hagemann (aka MCHg) und Produzent Armin Koch (vulga mohnrovia) ihre Umwelt mit wachen Augen an, gerne auch einmal kopfüber und spiegelverkehrt. Dazu gehört es auch, die Missstände der österreichischen Politik (im gleichnamigen Song) anzuprangern. All das geschieht auf einem dadaistischen Soundteppich. So ist Salzkristallein sommerlicher Song der etwas anderen Art, der auf einem Drumcomputer vom Tag am Meer erzählt – sexistischer Anmachspruch inklusive. Dabei klingt es, als säusle Siri herself den Chorus. Nur trieft Siri im nächsten Moment vor Wiener Schmäh, auf den mehrYEAH generell sehr gerne zurückgreift. Im Titeltrack schaffen mehrYEAH es sogar, die Zuhörerschaft trotz Elektrobeat zum Schunkeln zu bringen. Hier wird die Musik des Bandprojekts mit einem Drogenrausch gleichgesetzt und genauso verrückt ist auch das überaus große Potpourri der Songs auf dem Debütalbum. Anders als gedacht!

(sb)

QUINQUIS

Seim(Mute)

Bretonisch ist eine keltische Sprache, die heutzutage gerade einmal von 200.000 Menschen verwendet wird. Die Hälfte der Sprecher sind bereits über 60 Jahre alt. Somit ist klar, dass es sich um eine aussterbende Sprache handelt, die in Frankreich enorm stiefmütterlich, um nicht zu sagen repressiv behandelt wurde. In der Vergangenheit wurde in den Schulen versucht, die Sprache auszurotten. Kinder, die Bretonisch sprachen, wurden gedemütigt: Sie mussten einen Holzschuh um den Hals tragen, auch die Prügelstrafe stand auf der Tagesordnung. Émilie Tiersen alias Quinquis verfasst Texte in ihrer Muttersprache, aber ebenso auf Färöisch und Walisisch – auch hierbei handelt es sich um Sprachen, die mehr und mehr am Rand stattfinden. Die Ehefrau von Yann Tiersen besinnt sich mit ihrem neuen Projekt auf familiäre Wurzeln zurück.Seimbewegt sich äußerst elegant an der Schnittstelle von Indie Pop und sphärischem Ambient und kommt dabei gänzlich ohne folkloristischen Kitsch aus. Unterm Strich ein sehr introspektives Werk, das von Tiersens ätherischem Gesang und den verträumten Synthies von Garteth Jones liebt, der diese außergewöhnliche Platte auch produziert hat.

(fsh)

SAM SHAKY

Arctic Americana(Hatara Productions Oy)

Das Aufwachsen im südfinnischen Kouvola (angeblich die meistgehasste Stadt des Landes) hat Sam Shaky und seine Musik geprägt. Der düstere, ehrliche Ethereal Pop mit Ausflügen in den Alternative Rock geht sofort ins Blut über, sobald die ersten elektronischen Töne vom eröffnenden InstrumentalDownshiftererklingen. Lediglich eine EP ging ArcticAmericanabis dato voraus, gleich zwei Nummern daraus erklommen auf Anhieb Platz vier und fünf der finnischen Spotify-Charts. Dass der Mann an diese Erfolge direkt anknüpfen möchte, daran lässt Don‘tPlayWithTheDevilkeinen Zweifel, mit dem er bereits vor einem Jahr als erste Auskopplung entsprechende Aufmerksamkeit generierte. Die Goth-artige Nummer transportiert mächtig Herzschmerz, Pathos und gleichzeitig ein Fünkchen Hoffnung, da ist die Erfolgsgarantie in der Komposition mit verbaut. One Hit Wonder sind nicht so sein Ding, deswegen folgt mit IKnowdirekt der nächste catchy Track, der sich mit geschmeidigem Groove auch noch die David-Bowie-Fraktion angelt. In UnconditionalLovewird’s ein wenig funky, TheDevilInMeweist einen dezenten Disco-Beat auf, bevor mit LeaveYourLightOnwieder elektronische Klänge zum Zuge kommen, die sich mit Rockelementen im Chorus verknüpfen. Die markante Stimme von Sam Shaky, der Crossover der Stile und schlicht und ergreifend ein gutes Songwriting sind die Garanten, dass ArcticAmericanaeinfach funktioniert und seine Fans auch außerhalb Finnlands finden wird. WhereAreWeRunning?fragt Shaky zum Schluss seines Debüts – und weiß es dabei eigentlich ganz genau. Auf der Überholspur.

(hd)

SOPHIE ZELMANI

The World Ain’t Pretty(Oh Dear)

Songs und Alben von Sophie Zelmani verbindet man vor allem mit akustischem Folk und defensiven Singer/Songwriter-Tracks. Dass auf dem Nachfolger des 2019er-AlbumsSunrisetendenziell bombastische bis opulente Stücke zu hören sind, überrascht deshalb im ersten Moment. Doch trotz der zusätzlichen Arrangements mit Streichern und Bläsern ist es die charismatische Stimme der Schwedin, die die Ästhetik und Wirkung aller Lieder bestimmt. Natürlich. Bei TheWorldAin’tPrettyhandelt es sich um das 13. Werk der Künstlerin, die textlich die Entstehungszeit der Platte inklusive der Pandemieerfahrungen als auch den Zustand der Welt an sich aufgreift. Der Titel weist diesbezüglich die Richtung. Die erfahrene und beliebte Liedermacherin setzt neuerlich anmutig klingende, gefällige Nummern und erweitert gleichfalls ihren musikalischen Schaffensraum. Als Kollaborationspartner und Produzent ist wiederum Lars Halapi beteiligt gewesen, mit dem Sophie Zelmani schon ihre gesamte Karriere über zusammenarbeitet und die sich blind verstehen. Das Mehr an Instrumentierung, Pathos und Bombast steht der schwedischen Sängerin gut zu Gesicht. Die Qualität des Songwritings spricht für sich. Alle elf Tracks von TheWorldAin’tPrettyberühren ihre Hörer nachhaltig emotional, weil sie so schön und verletzlich klingen.

(ak)

THOMAS TULPE

Who Killed Tomas Tulpe?(Zett)

Ich war noch nie im Berghain,behauptete der Berliner vor einiger Zeit. Angeblich scheiterte er an den strengen Türstehern. Wer’s glaubt. Denn schließlich gehört zu denen Rummelsnuff, für den Thomas Tulpe Videos drehte, wie übrigens auch für Haujobb und Frank Zander. Mit Blutengel ging er zuletzt auf Tour. Schließlich outete sich Tulpe ja einst: IchbineinGrufti.Als Musiker kommt Thomas Tulpe enorm lässig daher, was sein fünftes Album – das erste nach DerMannimPfandautomat(2019) – beweist. Zu herrlich überdrehten Electro-Wummernummern gelingen dem Friedrichshainer Sprachbilder im Neo-Da-Da-Stil. Auf den Neologismus Biersexuellmuss man erst mal kommen. Sämtliche sexuelle Spielarten wischt Tulpe darin vom Tisch und erklärt dem Gerstensaft die Liebe – und das obwohl er ja bekanntlich mal HausverbotimSpätihatte. Natürlich bezieht sich Tulpe auch auf seine eigenen Hits wie zum Beispiel GebäckimGepäck.„Komm her/mach mir Kuchen/der Bäcker hat gerufen“, heißt es in Kuchenund das wird bis zum Erbrechen wiederholt. Apropos Ausscheidungen. Auch dazu Tulpe etwas zu sagen: Kaffee,Kippe,Kacken.So sieht die Morgenroutine in Berlin aus. Wow. Ja, das ist Alltagspoesie. Dazu die herrlichen Vintage-Beats, die wahrscheinlich ein Atari in den 80ern hätte zaubern können – Tulpe übertrifft sich mal wieder selbst. Spitze, Alter!

(fsh)

QNTAL

Qntal XI – Time Stands Still(Drakkar)

Qntal vereinen zwei Welten, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Musik des Mittelalters trifft auf moderne Elektronika. Ernst Horn von Deine Lakaien gründete Qntal zusammen mit Michael Popp und Sängerin Sigrid ´Syrah´ Hausen anno 1991. Der ausgebildete klassische Musiker Horn verließ Qntal bereits 1999, und Syrah und Michael Popp machten alleine erfolgreich weiter – vielleicht ein wenig überraschend ohne drastische musikalische Kurskorrektur. Rund vier Jahre nachQntalVIIINachtblumeerscheint QntalXITimeStandsStill.Möchte man grundsätzlich böse sein, könnte man unken, dass auch die Musik stillgestanden ist. Na und? Qntal liefern Musik ab, die auf höchster Perfektion durch den Äther flutet. Reduzierte, elektronische Beats und Synthesizer vereinen sich mit der schmachtenden, in ihrer Zerbrechlichkeit dennoch durchdringenden Stimme Syrahs und akustischen Instrumenten. Die Überraschung dürfte das Cover von Don‘tFearTheReapersein, im Original von Blue Öyster Cult. Hier erhält Syrah männliche Unterstützung am Gesang und der Song könnte musikalisch wie auch produktionstechnisch von Nick Cave stammen. Und auch wenn Don‘tFearTeReaperanders klingt, als der Rest des Albums, wirkt er nicht störend oder allzu exotisch, sondern sehr stimmig. Ein weiterer Höhepunkt ist DancingWithTheDaffodils,ein Track den man als „typisch Qntal“ bezeichnen könnte. Gut so! Mit Quisestdeusgibt es einen Dancefloor kompatiblen Smasher mit sakralen Chören und beschwingtem Groove. Qntal beweisen einmal mehr ihre Einzigartigkeit und Perfektion!

(ls)