Lesezeit ca. 7 Min.
arrow_back

SINAR 2022 – NEUANFANG UND METAMORPHOSE


Logo von digit!
digit! - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 26.08.2022
Artikelbild für den Artikel "SINAR 2022 – NEUANFANG UND METAMORPHOSE" aus der Ausgabe 4/2022 von digit!. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: digit!, Ausgabe 4/2022

Die Fuji GFX100S an der Sinar P3. Dank eines speziellen neuen Adapters in Zusammenarbeit mit Novoflex kann man z. B. mit Mamiya-RZ- oder -RB-Objektiven sogar mit dem Normalbalgen alle Bewegungen bis hinunter zu 50 mm nutzen.

Man hatte ein geschlossenes System – sozusagen die Sinar-Welt, eigene Digitalrückteile, eigene Kameraelektronik, eigene Verschlüsse, technische Pionierprodukte wie die M, die alle einer Prämisse folgten: Bleibe im System und löse das mit eigenen Produkten. Auch unter der Ägide von Leica, deren Philosophie und Tradition eine sehr ähnliche ist, war das der zentrale Gedanke: Wenn es einen Kompromiss gibt, ist es keine Sinar.

Auch das heutige Produktportfolio der noch 3 Kameralinien p3-df, LanTec sowie rePro ist nach wie vor den Traditionen der Sinar treu; für digitale Fotografie, Architektur oder Makrofotografie ist man perfekt ausgerüstet – wenn auch teilweise nach nicht mehr ganz neuen Standards (dazu gleich mehr). Viele Profis weltweit, die seit Jahren mit diesem System arbeiten, sind Sinar treu und verdienen auch heute noch ihr Geld damit. Nach wie vor sind die Torkelfreiheit, die Präzision der ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von digit!. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2022 von NACHHALTIGKEIT AUF DIE SMARTE ART. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NACHHALTIGKEIT AUF DIE SMARTE ART
Titelbild der Ausgabe 4/2022 von SHORTLIST DES LOBA 2022. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SHORTLIST DES LOBA 2022
Titelbild der Ausgabe 4/2022 von ZWEI NEUE SPONSOREN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ZWEI NEUE SPONSOREN
Titelbild der Ausgabe 4/2022 von CREATIVE CONTENT CONFERENCE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
CREATIVE CONTENT CONFERENCE
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
NACHHALTIGKEIT HAT TRADITION
Vorheriger Artikel
NACHHALTIGKEIT HAT TRADITION
GOETHE IN DER DIGITALISIERUNGSWERKSTATT
Nächster Artikel
GOETHE IN DER DIGITALISIERUNGSWERKSTATT
Mehr Lesetipps

... Verstellungen und die Solidität dieser Produkte Highlights. Dazu die Benutzer, die oft jahrzehntelange Erfahrungen mit diesem System haben und es im Schlaf bedienen können.

Es gibt aber auch „neue“ Sinarkunden, das sind begeisterte „Amateure“, die gebrauchtes Sinarequipment zum Teil recht günstig gekauft haben (z. B. weil Fachfotografen in Rente gingen) und jetzt mit viel Liebe und Experimentierfreude mit diesen klassischen Werkzeugen die Fachfotografie und deren Möglichkeiten neu entdecken.

Nun ist Sinar aber in eine neue Phase eingetreten. Der bisherige deutsche Sinarvertrieb MacConsult in München hat die gesamten Geschäfte der Sinar von Leica übernommen. Alle Supportleistungen und das klassische Portfolio sind dadurch gesichert (so können jetzt ausgelaufene Ersatzteile wieder nachgebaut werden, und viele Teile sind direkt ab München lieferbar), und das System wird entwickelt. Weil Christoph Fries ein Fotograf mit Leib und Seele ist, hat er das Bestreben, diese neue Sinar zu reformieren, zu öffnen – für Fremdhersteller und Kooperationen, neue Ideen und unkonventionelle Verbesserungen an der vorhandenen Hardware. Das alles mit dem Ziel, das System abzurunden, günstigere Lösungen einzuführen wo möglich und die technischen Möglichkeiten durch die Kombination mit heute aktuellen Produkten anderer Hersteller zu erweitern.

Dabei sind jetzt vor allem die Rückteiltechnologie, die möglichen Objektive sowie die Integration von aktuellen Fremdkameras Baustellen, wo auf- und nachgeholt werden muss, nachdem da doch eine gewisse Pause (auch aus Kostengründen) eingetreten war. Das Kamerasystem soll weiter geöffnet werden für alle möglichen Kombinationen aus dem digitalen Vollformat 24 x 36 und dem neuen „kleinen“ Mittelformat, wie es Fuji mit der GFX ausformuliert. Ebenso wie die jetzigen High-End-Rückteile von Phase One – mit 150 MPix –, die in Zusammenarbeit mit der Capture-One-Software für Fachkunden momentan den maximalen Qualitätsstandard definieren. Das heißt nicht, dass die Sinar-Backs jetzt keine Berechtigung mehr haben, aber man muss eben sehen, dass Multishot in heutigen „schnellen“ Produktionsumgebungen eben nur noch sehr begrenzt einzusetzen ist.

Und – die IQ4-Rückteile haben elektronische Verschlüsse, wodurch der E-Shutter zum Teil ersetzbar ist – vor allem bei Einsatz der LanTec oder p3-df bei Landschaftsund Architekturfotografie, wo ein Blitz nicht notwendig ist (denn diese Elektronikverschlüsse bei den Rückteilen haben eine langsame Latenz – man könnte im Studio nur mit HSS-fähigen Blitzen oder Dauerlicht arbeiten). Zudem ermöglicht dies auch nahezu beliebig kurze Verschlusszeiten (gerade auch in der Kombination mit 24 x 36-Spiegellosen oder der GFX) sowie die Verwendung qualitativ hochwertiger Zeiss-Objektive (z. B. Hasselblad oder Contax 645), des famosen Rodenstock HR Digaron Macro 105mm oder anderer hochwertiger Ob- jektive (Mamiya RB/RZ, Mamiya 645, Pentax 645, Pentax 67), besonders hochlichtstarker Optiken (wenn die Schnittweiten groß genug sind) sowie die volle Ausnutzung der Bildkreise.

Schon damit werden die Brennweiten mit Verstellungen bis hinunter zu 50 mm und mit Weitwinkelbalgen 35 mm möglich. Bei Kombination mit Spiegellosen wie Sony Alpha, Canon R, Nikon Z usw. gibt es da noch weitere Steigerungen bis in den extremen Weitwinkelbereich hinunter bis zum 8-mm-Fisheye. Und das alles mit Verstellungen – mindestens Shift oder sogar Tilt UND Shift (mit den Sinar-Blöcken). Gab es bisher schon die Möglichkeit entweder DSLRs oder Leica-S-Kameras an die P3 zu adaptieren (mit speziellen Haltern und Balgen), wird es künftig eine nahezu unbegrenzte Anzahl von Kamera/Objektiv-Kombinationen geben – denn:

Sinar implementiert dafür das Adaptersystem von Novoflex – Balpro T/S. Dadurch wird die Verwendung von digitalen Lupenobjektiven von z. B. Mitutoyo, Vergrößerungsoptiken, Makroobjektiven der KBund Mittelformat-Kameras, Weitwinkeln und lichtstarken Sonderoptiken möglich. Alles, was mit passender Schnittweite und existierendem Adapter montiert werden kann, erlaubt künftig freies Experimentieren. Und kameraseitig werden ebenso alle von Novoflex existierenden Adapter eingebunden. Das eröffnet entweder die Benutzung von analogen, aber auch allen neuen digitalen 24 x 36-, 33 x 44- (GFX) sowie großen Mittelformat-Kameras wie Phase One und, wenn gewünscht, weiterhin auch mit Plan- und Rollfilmen.

Damit aber nicht genug – ein neuer Kamerahalter erlaubt dann auch noch die individuelle Anpassung der Schärfenebene für das jeweilige Format (die Höhe zur Zentrierung wird über die Blöcke eingestellt), wobei für extreme Weitwinkel und kurze Schnittweiten der Body sogar bis vor den hinteren Bock – Richtung Frontstandarte – verschoben werden kann, sodass nun endlich ausreichend Verstellwege für solche Optiken erzielt werden können.

Für die einzelnen Kamerabodys / Optiken gibt es angepasste Tuben (Standardgrößen 25 und 50 mm sowie Sondergrößen).

Es gibt Helicoiden für besondere Objektive auf Anfrage; natürlich können auch weiterhin die vorhandenen Fachoptiken mit Copal oder E-Shutter an den Helicoiden benutzt werden (je nach angesetztem Kamerabody oder MF-Back).

Und – mit einem Reduktionsadapter von p2 auf p3 – werden diese Lösungen auch für andere Sinarkameras verfügbar sein. Somit sind auch ältere Kameras jetzt interessant, um sie für die heutigen Bedürf- nisse aufzurüsten, optimal ist das dann mit einer Durchsicht bei Sinar und gegebenenfalls einem Service für die Blöcke oder andere Verschleißteile.

In diesem technischen Bereich wird noch einiges passieren. Sinar wünscht sich dazu zahlreiches Kundenfeedback, auch für Sonderlösungen. Es wird speziell auf Kundenwünsche eingegangen werden, Service ist hier alles, denn aus den Kundenwünschen erwachsen eigentlich immer die besten Ideen für eine Weiterentwicklung. Und im Rahmen von Nachhaltigkeit werden so die Sinarkameras wieder voll produktionsfähig.

Dazu wird Sinar zukünftig auch externe Ressourcen benutzen. Es gibt weltweit ein unheimlich großes Know-how von Sinar-Usern und bei den Händlern, die dafür zum Teil auch Sonderlösungen in den jeweiligen Ländern gebaut haben. Solche Ideen wird Sinar aufgreifen, sammeln und auch den Händlern Raum und eine Plattform bieten, wo solche Speziallösungen zukünftig international gesammelt und vermarktet werden können.

Angedacht sind weiterhin Workshops für Sinar-User; dazu gibt es schon erste Überlegungen zu Locations und Referenten, z.B. in Venetien, wo nicht nur unendlich viele Motive locken, sondern dann auch für das leibliche Wohl mit feinster italienischer Küche gesorgt werden wird. Dies dient als Ort für den Austausch unter Sinar-Fans, -Profis oder -Neukunden oder bei Themenworkshops, also technikaffin oder eher gestalterisch.

„Was machbar ist, wird auch gemacht – versprochen.“

Wie ist Sinar aktuell aufgestellt?

Christoph Fries: Seit Sinar 2013 von der Leica Camera AG übernommen wurde, war MacConsult verantwortlich für den Sinar-Vertrieb und den Service in Deutschland. Im September 2021 hat die Leica Camera AG die weltweite Verantwortung für den Vertrieb, den Service und die Produktion der Sinar-Produkte an MacConsult übertragen. Ich freue mich sehr, somit das gesamte operative Geschäft der Sinar leiten zu dürfen. Produktion und Service finden nach wie vor in der Nähe von Zürich statt und sind für die kommenden Jahre in sicherer Hand. Wir fertigen in einer der präzisesten Hightech-Produktionsanlagen in der Schweiz.

Wohin geht es mit Sinar?

CF: Die mechanischen Kameras von Sinar sind weitestgehend zu Ende entwickelt. An einer Sinar p3, rePro, oder LanTec lässt sich wenig verbessern. Mit der Kombination von selbsthemmenden Trieben und Torkelfreiheit bietet die Sinar p3 unerreichten Komfort im Arbeiten mit einer Fachkamera. Daher konzentrieren wir uns auf die Fortführung dieser mechanischen Tradition und überlassen das Feld der Digitalbacks gerne anderen Herstellern. Sinar ist ein offenes System, und wir arbeiten aktuell daran, es noch universeller für die Wünsche der Fotografinnen und Fotografen zu machen. Bis Ende 2022 werden wir weitere Integrationen für Kamera- und Objektiv-Serien schaffen, auch für die große Basis der Sinar-p2-Nutzer.

Was passiert mit den Sinarbacks?

CF: Wir befinden uns mit den Sinar-Produkten in einem Nischenmarkt der kleinen Stückzahlen. Eine Software zur Ansteuerung und die Entwicklung neuer Sinarbacks benötigen siebenstellige Investitionen. Auf die möglichen Verkaufszahlen umgelegt, ist ein marktgerechter Preis nicht erzielbar. Aktuell bietet nur noch Phase One ein umfangreiches Portfolio von Digitalbacks an, da sich der schrumpfende Markt hier schon bereinigt hat. Wir können alle Sinarbacks der eVolution-Serie reparieren und erfüllen den Bedarf für Ersatzlieferungen, Upgrades oder spezielle Projekte.

Wie lange unterstützt Sinar ältere Produkte?

CF: Ein modulares System ist für Hersteller und Kundinnen und Kunden Segen und Fluch zugleich. Es kommt der Punkt, an dem man alte Zöpfe abschneiden muss oder zu viele Kompromisse eingeht. Bestandskunden fühlen sich abgehängt, und Neukunden vermissen die Innovationskraft. Letzteres wäre das Ende jedes Unternehmens. Haben Sie schon einmal versucht, die Karten im Navisystem Ihres 10 Jahre alten Autos upzudaten? Sinar hilft mit Wartung und Upgrades, damit Fotografinnen und Fotografen unsere Produkte möglichst lange nutzen. Ersatzteile werden neu gefertigt, falls die Nachfrage dies wirtschaftlich rechtfertigt. Verlorene Sinarback-Referenzdateien aus den Nullerjahren finden wir im Archiv. Wir verhindern nichts. Was machbar ist, wird auch gemacht – versprochen.

Was treibt Sie an?

CF: Als langjähriger Sinar-Fotograf ist dieses Werkzeug der Gestaltung in meinen Genen und mir eine Herzensangelegenheit. Ich habe alle Migrationen der analogen und digitalen Fachkamera selbst mitge- macht. Aus diesem Know-how ist MacConsult entstanden, und nun schließt sich der Kreis. Der große Zuspruch von meinen Kundinnen und Kunden und die positive Resonanz aus unserem weltweiten Händlernetz – zur Übernahme der Sinar-Verantwortung im letzten Jahr – treibt mich definitiv an. Die Produktion als Hersteller ist eine ganz neue Herausforderung, die ich gerne annehme. Konstruktion, Lieferanten und Allianzen mit anderen Herstellern unter einen Hut zu bringen – da rührt sich was.

Wir danken für das Gespräch.

Fazit: Man kann viel Neues erwarten von dieser Sinar, es ist ein ermutigender Neuanfang nach einer eher ruhigen Zeit. Aber manchmal muss sich eben etwas sammeln, reifen und dann erklären, damit etwas Neues entstehen kann. Wir wünschen Sinar damit gutes Gelingen. Und – der Autor freut sich auch selbst, dabei in Zukunft ein kleines Stück beratend beizutragen.