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Sorgenfrei und sicher


ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern - epaper ⋅ Ausgabe 11/2008 vom 01.09.2008

„Einen alten Baum verpflanzt man nicht“ – nach diesem Motto bleiben viele Senioren in den eigenen vier Wänden wohnen, selbst wenn sie dort der Alltag überfordert. Dabei gibt es Alternativen zum Ausharren daheim und zum Leben im Heim.


Artikelbild für den Artikel "Sorgenfrei und sicher" aus der Ausgabe 11/2008 von ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern, Ausgabe 11/2008

Mit der Zeit wurde es immer schlimmer. Maria Höffner (Namen geändert) litt unter Vergesslichkeit und Angstzuständen. Mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter stritt sie um Geld, das angeblich immer verschwand. Dabei hatte die alte Dame es nur verlegt. „In einer alten Handtasche in der hintersten Ecke des Kleiderschranks habe ich es manchmal wiedergefunden“, erinnert sich ...

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Mit der Zeit wurde es immer schlimmer. Maria Höffner (Namen geändert) litt unter Vergesslichkeit und Angstzuständen. Mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter stritt sie um Geld, das angeblich immer verschwand. Dabei hatte die alte Dame es nur verlegt. „In einer alten Handtasche in der hintersten Ecke des Kleiderschranks habe ich es manchmal wiedergefunden“, erinnert sich Schwiegertochter Christel Lambertz. Da Sohn und Schwiegertochter nur wenige hundert Meter entfernt wohnten, schauten sie regelmäßig nach der Mutter, kauften für sie ein, hielten das Haus in Ordnung. Das fiel Christel Lambertz nicht immer leicht. „Meine Schwiegermutter war ein schwieriger Mensch, wir haben uns nie gut verstanden.“ Nach und nach musste die Schwiegertochter immer mehr Aufgaben für die alte Dame übernehmen. Da sie selbst drei Kinder hat, wurde ihr das irgendwann zu viel. „Uns war klar, dass meine Schwiegermutter in einem Altenheim besser aufgehoben wäre. Dort hätte sie Hilfe bei der Körperpflege, bekäme regelmäßige Mahlzeiten und hätte mehr Kontakt.“

Das klassische Altenheim mit all seinen Vor- und Nachteilen bekommt zunehmend Konkurrenz durch neue Wohnkonzepte.


Foto: AOK Mediendienst

Lange Zeit konnten die Angehörigen Maria Höffner nicht von einem Umzug überzeugen. Das änderte sich, als die Angstzustände der Seniorin zunahmen. „Wenn nachts ein dunkles Auto auf dem Parkplatz vor ihrem Haus stand, geriet sie in Panik. Sie hatte furchtbare Angst vor Einbrechern und schloss jede Tür im Haus einzeln ab“, berichtet Christel Lambertz. Oft rief Maria Höffner mitten in der Nacht beim Sohn an, weil sie sich fürchtete. Einmal packte sie die Koffer und stand am frühen Morgen abfahrbereit vorm Haus. Sie wollte weg, raus aus dem Haus, in dem sie sich nicht mehr sicher fühlte. „Zum Glück haben wir es da kurzfristig geschafft, einen Platz im Altersheim zu finden“, so Christel Lambertz. Noch fast 15 Jahre lang lebte die Schwiegermutter im Heim. „Dort fühlte sie sich sicher, auf Ausflüge legte sie gar keinen Wert. Im Gegenteil, sie beunruhigten sie sogar“, berichtet die Schwiegertochter. Christel Lambertz ist überzeugt, dass die Entscheidung fürs Altenheim richtig war. Die zunehmend verwirrte und später bettlägerige Schwiegermutter hätte sie über eine so lange Zeit zu Hause nicht adäquat versorgen können.

Die Angehörigen leisten viel

Dass alte Menschen wie Maria Höffner freiwillig ihr Zuhause verlassen, ist die Ausnahme. Etwa 93 Prozent der über 65- Jährigen wohnen in ihren eigenen vier Wänden, 70 Prozent ziehen auch dann nicht in eine stationäre Betreuung um, wenn sie hoch betagt und auf Hilfe angewiesen sind. Zu diesem Ergebnis kommen das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) und die Bertelsmann Stiftung, die sich in einem Gemeinschaftsprojekt mit Wohn- und Lebensformen alter Menschen beschäftigt haben.

Verhindert werden kann der Umzug ins Heim oft aber nur, weil Angehörige helfen. Laut Pflegestatistik wird eine Million der 2,13 Millionen Pflegefälle in Deutschland ausschließlich von Familienmitgliedern betreut. Das wird schon aus demografi schen Gründen künftig nicht mehr möglich sein, warnen Bertelsmann Stiftung und KDA. Denn es gibt immer weniger junge Menschen, die die Versorgung übernehmen können, und immer mehr alte, die versorgt werden müssen. Heute leben in Deutschland rund drei Millionen über 80-Jährige, im Jahre 2050 werden es acht Millionen sein. Ausreichend stationäre Pflegeplätze für die wachsende Zahl der Alten lassen sich weder finanzieren noch gibt es genug Pflegepersonal.

Gefragt sind neue Konzepte. Ansätze gibt es zwar, doch nicht selten werden Projekte ausgebremst, weil es an professioneller Beratung fehlt oder weil rechtliche Unklarheiten und Finanzierungsprobleme bestehen. Das KDA schätzt, dass erst ein bis zwei Prozent der älteren Menschen ihren Lebensabend in einer geeigneten Alternative zum Wohnen daheim oder zum Heim verbringen. Dabei wächst das Interesse an solchen Alternativen. Laut Bertelsmann Stiftung und KDA wären 65 Prozent der Senioren bereit umzuziehen, wenn sie ein passendes Wohnangebot finden würden, denn viele wünschen sich mehr Hilfe, Sicherheit und soziale Kontakte. „Jedes Wohnkonzept für Ältere muss sich daran messen lassen, wie es diese Bedürfnisse erfüllt“, weiß Dr. Helmut Braun, Vorstandsvorsitzender vom Kuratorium Wohnen im Alter (KWA).

Zurzeit muss man – gerade auf dem Land – nach geeigneten Wohnformen fürs Alter noch suchen. Und da es keine verbindlichen Qualitätsstandards gibt, müssen Interessenten Wohnalternativen genau prüfen, um nicht auf Mogelpackungen hereinzufallen. Alles gute Gründe, sich nicht zu spät mit der Frage zu befassen, wie und wo man seinen Lebensabend verbringen will. „Je länger man wartet, desto geringer werden die Wahlmöglichkeiten“, warnt Ursula Kremer-Preiß, Projektleiterin beim KDA.