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Spielbälle für Kinder: Prima Ballerina?


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2015 vom 27.02.2015

In den meisten Kinderzimmern liegen Spielbälle. Ehe es die Eltern bemerken, werden sie gedrückt, geknuddelt oder an den Mund genommen. Dabei stecken viele Exemplare voller Schadstoffe. Aber sieben Bälle kann ÖKO-TEST empfehlen.


Artikelbild für den Artikel "Spielbälle für Kinder: Prima Ballerina?" aus der Ausgabe 3/2015 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 3/2015

Foto [M]: imago/United Archives International; ÖKO-TEST

Am Anfang war der Ball. Chinesische, altägyptische, klassisch-griechische, römische oder mittelalterliche und mittelamerikanische Darstellungen beweisen: Seit Jahrhunderten – und in manchen Regionen seit Jahrtausenden – rollen Bälle über die Erdkugel. Heute zählen Ballspiele, von denen es Hunderte gibt, zu den fundamentalen ...

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... Lernprogrammen zur Schulung der koordinativen Fähigkeiten von Kindern. Auch komplexe motorische Bewegungsabläufe werden von klein auf mit Ballspielen gelernt und spielerisch trainiert. Wer mit Bällen spielt, trainiert Gleichgewichtssinn, Reaktionsfähigkeit, Ausdauer, Herz- und Kreislauf. Muskeln werden gekräftigt, die Haltung verbessert und der Spieler entwickelt ein Gefühl für Rhythmus.

Ideal ist es, wenn Kindern das Ballspielen nicht von vornherein als komplexes und starres Regelwerk aufgezwungen wird, sondern den Umgang frei und intuitiv erlernen können. Unnötig ist es also, einem Fünfjährigen die korrekte Schrittfolge beim Basketball oder die Abseitsregeln im Fußball zu erklären. Besser: ihn zwanglos den Ball hin- und herwerfen und treten zu lassen. Unsere Leser haben immer wieder gefragt, ob wir dieses zeitlose, klassische Spielzeug nicht einmal testen können. Können wir: 18 Modelle aus Textil und Kunststoff kamen in die Labore und wurden gründlich untersucht.

Das Testergebnis

Textil deutlich besser als Kunststoff. Kein Textilball in unserem Test schneidet schlechter als mit „befriedigend“ ab, sechs Modelle sind sogar im grünen Bereich. Anders die Plastikbälle: Von den neun untersuchten bekommen sieben die rote Karte allein wegen der Inhaltsstoffe.
Abstiegskandidat Bayern München: Die umfangreiche praktische Sicherheitsprüfung nach Spielzeugnorm bestanden fast alle Bälle mit Bestnoten. Der FC Bayern München Softball hat jedoch auf Krabbeldecken-Spielfeldern von U-3-Mannschaften nichts verloren! Schon im Auslieferungszustand war etwas Füllmaterial zugänglich, das Kleinkinder herausziehen und verschlucken könnten. Damit verstößt das Produkt gegen die speziellen Normanforderungen für Spielzeug für Kinder unter 36 Monaten. Diese müsste der kleine Ball nach Einstufung des von uns beauftragten Labors aber erfüllen, zumal er eine weiche Füllung hat (siehe auch Kasten). Gekauft haben wir das „offizielle Lizenzprodukt“ des Vereins bei Baby-Markt.de, wo er in der Kategorie Babybälle angeboten wird. Eine Ferndiagnose, ob sie ein vergleichbares Produkt mit einem solchen Mangel als „nicht verkehrsfähig“ einstufen würden, mochte uns kein Untersuchungsamt geben.
Schmieriger Typ: Von mieser Verarbeitungsqualität ist auch der größere Plastikball Togu Buntball Point 9. Einige der großen aufgedruckten Punkte färben stark ab, schon wenn man nur leicht mit dem Finger darüberreibt.
Dreck am Stecken. Erhebliche Mengen an Phthalaten sind jeweils in den Bällen der Marken Haba und Hudora nachgewiesen worden. Im Ball von Habermaaß stecken weit mehr als 1.000 mg/ kg des Phthalats DINP. Dieser Weichmacher ist in Spielzeug und Babyartikeln, die dazu geeignet sind, von Kindern in den Mund genommen zu werden, in Konzentrationen von mehr als 0,1 Massenprozent verboten. Mit anderen Worten: Wäre der Ball ein Produkt, das dazu bestimmt ist, in den Mund genommen zu werden, wäre es nicht verkehrsfähig. Natürlich handelt es sich bei einem Ball nicht um einen Schnuller oder ei- nen Beißring. Allerdings liegt es auf der Hand, dass vor allem Kleinkinder mit Plastikbällen spielen. Und die beißen oder lecken im Eifer des Gefechtes auch schon mal am und ins Spielgerät. Im Sinne eines vorbeugenden Verbraucherschutzes sollte der Anbieter für phthalat freie Kinderprodukte sorgen. Der Hudora-Ball enthält mehr als 1.000 mg/kg des Phthalats DPHP. Da sich die Sub stanz im Tierversuch als schädigend für die Schilddrüse und die Hypophyse erwiesen hat, hält das Bundesinstitut für Risikobwertung (BfR) es für notwendig, die Belastung von Kindern durch DPHP aus Spielzeug zu verringern. ÖKOTEST wertet sowohl DINP als auch DPHP streng ab. Ersatzweichmacher stecken in acht der neun Plastikbälle und machen in den meisten betroffenen Produkten über die Hälfte des Ballgesamtgewichts aus. Auch Ersatzweichmacher können aus dem Material entweichen und gelangen – wie es für den Ersatzweichmacher DiNCH bereits bewiesen ist – in den menschlichen Körper. Ob DiNCH oder andere Ersatzweichmacher keinerlei Risiko für die Gesundheit darstellen, ist ohne Langzeitstudien kaum seriös einzuschätzen. Für den Verbraucher bedeutet das viel zu viel Unsicherheit.
Keine runde Sache. PAKVerbindungen in erhöhten oder sogar stark erhöhten Mengen wurden in sieben Plastikbällen nachgewiesen. Dass die Schadstoffe nicht zwangsläufig in Plastikprodukten vorkommen müssen, beweist der „befriedigende“ Bolalon von Imaginarium.
Fast alles drin – von Antimon bis Zinn. In fünf Bällen wurde das Element Antimon nachgewiesen, das sich über den Schweiß aus den Produkten lösen und möglicherweise die Haut reizen kann; in zwei anderen Produkten (Hudora und Mondo Hello Kitty) stecken giftige zinnorganische Verbindungen.

Kann man nicht in den Mund nehmen? Die gesetzlichen Schutzvorschriften für Kinderprodukte leuchten nicht immer ein.


Foto: imago/Jasmin Hering

So reagierten die Hersteller

■ Immerhin die FirmaHabermaaß (Haba) wurde aktiv, nachdem sie unsere Testergebnisse erhalten hatte: „Wir haben nach Erhalt selbst Tests bezüglich der Phthalate durchführen lassen und sind zum gleichen Ergebnis bei DINP gekommen und werden umgehend Maßnahmen einleiten, einen Ersatzweichmacher verwenden zu lassen“, heißt es in einem Schreiben aus der Qualitätssicherungsabteilung an ÖKO-TEST. Die Bälle würden von einem europäischen Hersteller gefertigt, Vorabprüfungen hätten „andere Ergebnisse bezüglich DINP“ gezeigt.
■ AnbieterTrade Con hat den von uns bemängelten Austritt von Füllmaterial zum Anlass genommen, im Lager eine Sichtkontrolle an 500 von insgesamt 6.000 gelagerten Bällen vorzunehmen. Dabei war laut Anbieter kein Ball zu beanstanden. Das Testergebnis nimmt Trade Con aber zum Anlass, Möglichkeiten zur besseren Absicherung der Füllmasse zu prüfen.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 142.
Anmerkungen: 1) Laut Kennzeichnung am Produkt bestehen diese Produkte aus Bio-Baumwolle. 2) Laut Anbieter fehlt zur eindeutigen Identifikation die Chargennummer, daher sei es schwer nachzuvollziehen, wann und wo das geprüfte Produkt produziert und in den Markt gebracht wurde. 3) Laut Anbieter handelt es sich um ein Modell aus der Produktion des Jahres 2013. 4) Laut Anbieter nicht als Spielzeug für Kleinkinder oder Babyspielzeug zu beurteilen. 5) Der Ball ist laut ÖKO-TEST für Kinder unter 36 Monaten geeignet. Im Auslieferungszustand ist etwas Füllmaterial an der Naht zugänglich und passt in den Zylinder für kleine Teile.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Die Produktfotos sind nicht maßstabsgetreu. Unter dem Testergebnis Praxisprüfung führt zur Abwertung um vier Noten: Füllmaterial ist im Auslieferungszustand zugänglich und kann abgerissen werden; Ball laut ÖKO-TEST geeignet für Kinder unter 36 Monaten. Zur Abwertung um zwei Noten führt: Aufdrucke färben stark ab. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) ein Gehalt von mehr als 1.000 mg/kg DPHP (hier: im Hudora Fußball Gr. 0, schwarz-silber) oder des in Babyartikeln und Kinderspielzeug, die von Kindern in den Mund genommen werden können, verbotenen Phthalates DINP (hier: im Haba Ball Punkti, rot); b) ein stark erhöhter Gehalt an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) von mehr als 200 μg/kg einer PAK-Einzelverbindung. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein Gehalt von mehr als 100 μg/kg bis 1.000 μg/kg der zinnorganischen Verbindungen Dibutylzinn oder Dioctylzinn; b) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 bis 200 μg/kg einer PAK-Einzelverbindung. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1.000 mg/kg Ersatzweichmacher (DiNCH, DEHT, TXIB, Diethylhexy- ladipat, Acetyltributylcitrat, Diethylenglycoldibenzoat, Dipropylenglycoldibenzoat), sofern nicht bereits wegen Phthalaten abgewertet wurde; b) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen im Produkt; c) halogenorganische Verbindungen; d) mehr als 1 mg/kg Antimon; e) optische Aufheller; f) mehr als 10 mg/kg phosphororganische Verbindungen. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und auf dem Testergebnis Praxisprüfung. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1503“ eingeben.

Einkauf der Testprodukte: November und Dezember 2014.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

Babys und ganz kleine Kinder sollten besser nur Bälle aus Textil bekommen. Sie haben in unserem Test deutlich besser abgeschnitten als Kunststoffprodukte und sind für diese Altersgruppe auch geeignet.

Zwei Bälle aus Kunststoff haben Sie als Alternative zu den anderen Schadstoffschleudern. Bei dem „guten“ Produkt von Anbieter Kids II handelt es sich allerdings um einen Oball. Der „befriedigende“ Bolalon ist mit 24,95 Euro das zweitteuerste Testprodukt.

Stark belastete Produkte besser aus dem Kinderzimmer nehmen und allenfalls als „Draußenspielzeug“ verwenden.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Eingekauft haben wir 18 Spielbälle für Kinder. Die Preise reichen von 1,49 Euro bis 27,90 Euro, die Materialien von Vinyl bis Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau.

Die Inhaltsstoffe
In verschiedenen Laboren wurden die Bälle, je nach ihrer Zusammensetzung auf verbreitete problematische und umstrittene Inhaltsstoffe wie Antimon, optische Aufheller, PAK, chlorierte, zinnorganische und halogenorganische Verbindungen analysiert.

Die Praxisprüfung
Hier wurden die Spielbälle den Tests der Spielzeugnorm EN 71-1 unterzogen: Lösen sich Kleinteile? Sind die Produkte, wie gesetzlich vorgeschrieben, gekennzeichnet?

Miese Qualität „made in Germany“: Punkte des Togu Buntballs färben extrem ab.


Fotos (2): ÖKO-TEST/Ullrich Böhnke

Die Bewertung
Für uns sind die Inhaltsstoffe genauso wichtig wie die Praxisprüfung. „Sehr gute“ Bälle müssen daher in beiden Teilbereichen „sehr gut“ sein. Unsere Maßstäbe sind manchmal strenger als die gesetzlichen Vorgaben. Beispiel: Der bedenkliche Phthalat-Weichmacher DINP ist zwar in Spielzeug und Babyartikeln, die dazu geeignet sind, von Kindern in den Mund genommen zu werden, gesetzlich reglementiert. Bälle fallen aber ab einer bestimmten Größe nicht darunter, obwohl sie natürlich oft von Kleinkindern belutscht werden. Auch durch die anderen festgestellten Schadstoffgehalte werden wohl keine Gesetze gebrochen – aber Kinder unnötig belastet.

Bälle für Kleine müssen sicher sein

Foto: imago/Westend61

Für Spielzeuge, die sich an Kinder unter drei Jahren richten, gelten strengere Sicherheitsanforderungen. Viele Hersteller versuchen auf Nummer sicher zu gehen, indem sie von vornherein auf der Verpackung (oder auch in der Auseinandersetzung mit ÖKO-TEST) behaupten, dass ihre Puzzlematten oder Bauklötze erst für über Dreijährige geeignet seien. Doch so einfach ist es nicht: Wenn ein Produkt offensichtlich für Kinder unter 36 Monaten bestimmt ist, dann muss der Inverkehrbringer auch dafür sorgen, dass es die entsprechenden Vorgaben erfüllt. Wenn Behörden die Sicherheit von Bällen beurteilen, schauen sie das jeweilige Produkt genau an. Die Pressesprecherin vom Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz, Kerstin Stiefel, erklärt das Vorgehen: „Allgemein gilt: Nach DIN-Fachbericht 125 (Klassifizierung von Spielzeug – Leitlinien, Stand 2002) sind Bälle, die leicht zu halten und zu bedienen sind und ein geringes Gewicht aufweisen, als Spielzeug für Kinder unter 36 Monaten einzustufen. Als Beispiel sind dort, Weiche Bälle‘ genannt.“ Da im echten Leben alle Bälle in diesem Test für Kinder unter drei Jahren ansprechend sein dürften, haben wir auch alle durch die entsprechende Praxisprüfung geschickt. So können Eltern in unserer Tabelle konkret nachlesen, ob das jeweilige Produkt auch für ganz kleine Ballfans schon infrage kommt. Bei den Schadstoffbelastungen der meisten Kunststoffbälle kann ein „sehr gut“ in der Praxisprüfung allerdings trotzdem nur wenig begeistern.