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Stück für Stück


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ÖKO-TEST Jahrbuch Kosmetik - epaper ⋅ Ausgabe 12/2020 vom 10.12.2020

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RATGEBER

Für mehr Schaum die Haarwaschstücke direkt über das feuchte Haar reiben und danach mit den Händen shampoonieren. 

Feste Haarwaschmittel sind ergiebig: Ein Stück kann – je nach Größe – für ebenso viele Haarwäschen reichen wie zwei Flaschen Shampoo. 

Seifen und feste Shampoos immer trocken lagern – in einer Schale mit Löchern oder in einem aufgehängten Netz.

Sie sind Minimalisten durch und durch: Den neuen Haarwaschmitteln ohne Wasser sieht man auf den ersten Blick an, dass sie sich an eine neue Generation von Verbraucherinnen und Verbrauchern wenden. Denn auf den dekorativen Schachteln steht vor ...

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... allem, was nicht drin ist. Ohne Silikon, ohne Parabene, ohne tierische Bestandteile, so heißt es da häufig. Ohne Konservierungsstoffe und Plastikflasche kommen sie sowieso durchweg aus – denn wo kein Wasser ist, da muss wenig haltbar gemacht und nichts abgefüllt werden.

Also alles bestens mit den neuartigen Waschstücken? Um das zu erfahren, haben wir 26 Produkte auf ihre Inhaltsstoffe getestet: neunmal Haarseife und 17-mal festes Shampoo. Der Unterschied: Haarseifen enthalten in der Regel hauptsächlich klassische Seife als waschaktive Substanz und haben einen basischen pH-Wert. Feste Shampoos waschen mit naturnahen oder synthetischen Tensiden, und ihr  pH-Wert ist meist sauer eingestellt.

Ergebnis: ohne Tadel 

Von 26 Waschstücken erhielten 24 die Note „sehr gut“ – bei diesem tadellosen Ergebnis können wir das „ohne“ in den Zutatenlisten dick unterstreichen. Auch wenn zehn Produkte gar kein Naturkosmetiksiegel tragen, verzichten selbst sie auf die meisten Substanzen, die wir in konventionellen Shampoos so häufig kritisieren: In keinem einzigen Waschstück fanden sich Silikone, ebenso wenig wie synthetische Polymere, Parabene oder PEG/ PEG-Derivate. Das ist nicht selbstverständlich – denn theoretisch könnten auch im festen Stück Haarwaschmittel alle möglichen umstrittenen Zusätze stecken, die häufig in den flüssigen Varianten zu finden sind. Aber offenbar sprechen die Hersteller der Trendprodukte eine ganz bestimmte Klientel an, bei der das Bewusstsein für Zero Waste mit dem Wunsch nach einer nachhaltigen und reizstoffarmen Zutatenliste einhergeht.

Umstrittene Duftstoffe 

Lediglich in puncto Parfümierung tauchten ein paar der üblichen Verdächtigen auf, und wir ziehen bei zwei Produkten Noten ab: Das feste Shampoo der Marke Lush enthält den künstlichen Duftstoff Lilial. Dabei ist inzwischen hinreichend bekannt, dass dieser Stoff im Verdacht steht, die Fortpflanzungsfähigkeit zu gefährden. Tierversuche weisen darauf hin. Bitter – denn das Shampoo des britischen Kosmetik labels mit eigenen Shops rund um den Globus ist das teuerste Produkt im Test. Mit gleich zwei künstlichen Moschusdüften ist die Sementes Natur- Haarseife mit Pracaxi Öl parfümiert: Galaxolid und das hautreizende Tonalid reichern sich beide im Fettgewebe von Tier und Mensch an, gelten als gewässergefährdend und sind schlecht biologisch abbaubar.

Der Freiburger Regenwaldladen, der die Sementes-Serie produzieren lässt und vertreibt, schreibt uns, man habe schon vor drei Jahren mit dem brasilianischen Partner vereinbart, die ursprünglichen synthetischen Duftstoffe gegen natürliche Varianten auszutauschen. Doch die nun eingesetzten künstlichen Moschusdüfte stammen definitiv nicht aus den natürlichen Rohstoffen, die das Unternehmen über seine eigentlich lobenswerten Fairtrade-Projekte im brasilianischen Regenwald einsammeln lässt.

Gut gemeint reicht nicht

Das Beispiel ist bezeichnend für die neue Produktgruppe der festen Haarwaschmittel: Denn hier tummeln sich auch einige kleine Firmen, die es an Kontrollen anscheinend fehlen lassen oder ihre Produkte ungenau und nicht ganz professionell deklarieren. Im Produkt des Regenwaldladens stecken unerwünschte künstliche Duftstoffe, zudem fehlt eine vorgeschriebene Chargennummer. Die Anbieter Rosenrot, Lush und Saling versäumen es, allergene Duftstoffe wie Geraniol zu deklarieren, was gesetzlich verpflichtend wäre. Für diese Deklarationsmängel vergeben wir unter dem Testergebnis Weitere Mängel ein kleines Minus.

Ist das jetzt Naturkosmetik? 

Gerade jene Waschstücke, die nicht als Naturkosmetik zertifiziert sind, nutzen ihre Verpackung häufig umso offensiver, um den Kunden mitzuteilen, auf welche Problemstoffe sie verzichten oder ob sie zum Beispiel Bio-Rohstoffe einsetzen. Umgekehrt praktizieren viele der Natur kosmetikprodukte echtes Understatement: Außer ihrem winzig gedruckten Siegel gibt es keinerlei Hinweis, dass auch bei ihnen weder Silikone noch Parabene noch Mikroplastik drin sind. Klar: Eine Naturkosmetikzertifizierung garantiert das. Aber: Auch nichtzertifizierte Produkte können in Ordnung sein.

Manche kleinen Hersteller können sich eine Zertifizierung womöglich nicht leisten und verwenden dennoch gute Inhaltsstoffe. Gerade unter den Haarseifen sind einige, die hauptsächlich natürliche Öle einsetzen, manche sogar in Bio-Qualität.

Eine Frage der Tenside

Tenside in zertifizierter Naturkosmetik sind nicht unumstritten, denn sie kommen nicht natürlich vor, sondern werden durch chemische Prozesse hergestellt – wenn auch im Falle der Naturkosmetik aus natürlichen Rohstoffen. In festen Shampoos stecken bis zu 80 Prozent Tenside. Als sehr hautverträgliche Varianten gelten Kokos-und Zuckertenside wie Sodium Cocoyl Glutamate oder Coco Glucoside, die allerdings kostspielig sind und nicht besonders gut schäumen. Am anderen Ende des Spektrums befindet sich Natriumlaurylsulfat (Bezeichnung auf der Zutatenliste: Sodium Lauryl Sulfate). Es steht als aggressives, hautreizendes Tensid in der Kritik, ist jedoch günstig und schäumt sehr gut. In unserem Test kommt Natriumlaurylsulfat lediglich in den Shampoos der Marken N. A. E. und Lush vor.

Aber: Auch hinter dem Tensid Sodium Coco Sulfate, das in fast jedem zweiten der von uns getesteten Haarwaschmittel steckt und als deutlich milder gilt, kann sich bis zu 50 Prozent des aggressiven Natriumlaurylsulfats verbergen. Beide Tenside sind übrigens auch in zertifizierter Naturkosmetik erlaubt.

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Das Produkt ist auf der Vorderseite als Shampoo deklariert, auf der Rückseite steht Haarseife. Laut Anbieter handelt es sich um eine Haarseife. 2) Weiterer Mangel: Der Duftstoff Geraniol ist am Produkt nicht deklariert, aber in Mengen weit über dem gesetzlichen Deklarationspflichtgrenzwert nachgewiesen. 3) Weiterer Mangel: Die Duftstoffe Geraniol, Citronellol und Linalool sind nicht deklariert, aber in Mengen weit über dem gesetzlichen Deklarationspflichtgrenzwert nachgewiesen. 4) Enthält Lilial. Laut Anbieter ist die Rezeptur umgestellt und das Produkt seit August /September 2020 (beginnend mit der Chargennummer 210720 + Name des zuständigen Produktionsleiters) ohne Lilial verfügbar. 5) Laut Anbieter trägt das Produkt aufgrund der Kriegssituation in Syrien übergangsweise bis zum 31. Dezember 2021 nicht das Naturkosmetiksiegel Ecocert. Laut der BNN-Sortimentsrichtlinie versichert der Hersteller und Importeur der Seifen, dass seit 2008 sämtliche eingesetzten Inhaltsstoffe und Herstellungsschritte unverändert zum Ecocert-Standard sind. 6) Laut Anbieter wurde das aktuelle Produkt aufgrund eines Rechenfehlers in einer alten Faltschachtel ohne die Auslobung der Duftstoffe Citronellol, Geraniol, Limonen und Citral verpackt. Die nachfolgende Charge befinde sich in einer Schachtel mit richtiger Deklaration und sei bereits auf dem Markt verfügbar. 7) Enthält künstlichen Moschusduft. Laut Anbieter werden künftig nur noch natürliche Duftstoffe eingesetzt. Die erste Charge der verbesserten Rezeptur trage die Nummer 0320. 8) Weiterer Mangel: keine Chargennummer auf dem Produkt angegeben. Diese Angabe ist laut Artikel 9 Absatz 1 Buchstabe e der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 vorgeschrieben. 9) Zertifizierte Naturkosmetik.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (künstlicher Moschusduft); b) Butylphenyl Methylpropional (Lilial). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) eine fehlende Deklaration allergener Duftstoffe; b) ein für den Verbraucher verwirrender Produktname (Vorderseite: „Shampoo“; Rückseite: „Haarseife“); c) keine Chargennummer auf der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ausfällt, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben. Testmethoden, Glossar und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/J2012 Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 9/2020. Aktualisierung der Testergebnisse/ Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

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